Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 36 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- Seite 599 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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599 Das zweite Werbesportfest der „vis". Der R. j. F. gewinnt die „E. V." - Preise. Am Sonntag, den 30. August, hatte die „Vis" (Vereinigte Uebungsftiittcn jüdischer Sportverbände) zu ihrem zweiten großen Werbesportsest eingeladen. Wie im vorigen Jahre verband die einladende Vereinigung mit dieser Veranstaltung den Zweck, für den Sportgcdanken in der jüdischen Oeffentlichkeit Groß-Berlins neue Anhänger und Freunde zu gewinnen, und hatte deshalb den ihr angeschlosseneu Berliner Sportverbänden Gelegenheit^gegeben, sich mit auswärtigen Gruppen des 9t. j. F. und jüdischen Sportvereinen atts dem ganzeil Reiche in allen Zweigen sportlicher Betätigung zu messen. Trost des schlechten Wetters wurde dieser Propagandazweck erreicht, denn die Beteiligung aus dem Publikum war außerordentlich zahlreich. Unter den Erschienenen sah man rieben den Führern des -K. j. F., die sich meist persönlich um die Abwicklung der Konlurrenzen und um die Behebung der bei dein starken Andrang eintreteuden Organisationsschwierigkeiten verdient machten, eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten'der jüdischen Tesfenllichkeit Berlins, r. a. den ersten Vorsitzenden des E. V., Herrn J.-R. Brodnist, Herrn S.-N. Tr. Alfred Gold s ch m i d t, den Vorsitzenden des N. j. F.. Tr. Leo Löwen stein, Herrn Nechtsanwalt S a ui o j e. Tie Veranstaltung war ein erfreulicher Beweis für den starken Aufschwung, den die Sportbewegung in der jüdischen Jugend genommen hat. Ties kam besonders znm Ausdruck in der starken Teilnehmerzahl, die im Vergleich znm ersten Werberportfest fast im die Hälfte gestiegen war. Zu Beginn der Hauptkämpse marschierten im geschlossenen Zuge nach Verbänden geordnet etwa W0 Zeitnehmer an den Zuschauern vorbei, unter denen namentlich die Gruppe des neu gegründeten „Verbandes jüdisch-neutraler Tnrn- :md Sportvereine WestdeuRchtands" iVirilns) durch ihre disziplinierte Haltung geiiel. Ter Einmarsch wäre vielleicht wirkungsvoller gewesen. wenn er, wie dies sonst bei spomlicheu Veranstaltungen allgemein üblich zu sein pflegt, unter Voramritt einer R.'nntkapelle erfolgt wäre. In den einzelnen meist sehr stark be'enten Wettbewerben lieferten sich die Konkurrenten erbitterte Kämpfe. Leider starteten einige mit besonderer Spannring erwartete Vertreter, wie Katz (Var-llochba) und Jsraelski (st. E.ü nicht. Tagegen horte man von anderen Teilnehmern, z. B. von E> u n z, da st sie in. echtem Sportsgcist trotz körperlicher Indisposition ihrer Startpslicht nach kamen. Jiv, unsere Nltarbe-tsr und lUltarbeiLerlnuen. Erfrenlicherwrisc erhält die Schristleitung der „C. V.-Zeitunz" täglich eine ivcdü? tlLiho von -Aussatz.'n, -tetlzen und L'lilleilungen ans dein armem Üllicbe, die bcweifcn, welcher herzlichen Teilnahme sich die „E. B.-Zeitnng" im dent-chen Jodeutum erfreut. Wir vervaertcn von den Einsendungen alle s, w a s für unseren Leserkreis b c d e n t ) c »n ist. Dhir bitten wir unsere Mitarbeiter und R Uta r beit c rin 11 c n, sich in Geduld zu sagen. Wenn ihre Anüäbe und VllsteilUi'gen nicht sofort zum Abdruck gelangen. 2as Material für die „E. V.-Festung" ist so groß, der Raum dagegen so 1 lein, das; jedesmal nur ein geringer Teil des Wichtigen in der „E. V.-Zcill:n;A znm Abdruce tommen kann. Wir bitten daher innere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, sich Mahnungen wegen schnelleren Abdruckes ihrer Aufsätze sreundlich.st zu erwarcn. Was von d er S ei) r i s l l e i t u n g a n g c n o m m c n i ü, io i r d a b n c b r u cf t st inen Veit v n u l t aber für d e n A b d r u ek tön n e n w i r nicht a n gebe n, n o ch gar g a r a n t i e r e n. Tie ^christleitnng. Ein blendendes Nennen lies Cohen (Bar stochba, Berlin), der über 3000 Meter seinen Gegnern einfach davonlies. Ten für dis S ch w c d c n st a f f e l n u s g e s e tz t e n E n g e n - F n ch s - W ander P r e i s des E. V. holte sich de r A. j. F. (B e r 1 i n), n n d d e r W a n d e r P r e i s der Berliner Ortsgruppen de s st'. B. für die 3X2 0 0 -Meter-Staffel fiel a n die I u g e n d g r n P P e n des F r o n t b u n d e s E h a r l o t t e n - bürg. Unter allgemein sportlichen Gestchtspnutleu besonders hervorznhebende Resultate wurden nicht erzielt, was znm Teil wohl auf die infolge der häufigen Regenschauer recht ungünstigen Platzverhällnisse zurückzusühreu ist. Ten Löwenanteil der Erfolge sicherte sich, wie erwartet, Bar- Kochba (Berlin). Tiefer große Verein ist naturgemäß den anderen meist ziemlich kleinen oder Sport nicht als Hauptzweck betreibenden Vereinen durch seine fast dreißigjährige sportliche Tradition gewaltig überlegen. Er besitzt eine viel reichere Erfahrung und verfügt vor allem über die nötige Blasse von Mitgliedern, die erst einen synematischeu Aufbau imb Ausbau zu Höchstleistungen ermöglicht. Trotz des fast erdrückenden Übergewichts dieses Vereins konnten sich erfreulicherweise auch andere Gruppen einige Siege und Plätze erkämpfen. Beben den leichtathletischen Wettbewerben bot das Programm auch noch andere Abwechslungen in Gestalt von Jiu-Jitsu- Vorsühruugen und Borlämpfen. Ter Brnno-Goldstein- E r i n n e r u n g s - G e d e n k P r c i s für den besten Techniker der Vorkämpfer wurde dem ausgezeichneten Zwiebel (Maccabi) zugefprochen. Bedauerlicherweise gibt das Verhalten eines Teiles der Jungrnannschasten noch mancherlei Anlaß zu Kritik. So wäre z. B. wünschenswert, wenn die temperamentvollen Buben und Mädchen rhre dankenswerte sportliche Begeisterung etwas weniger laut äußerten. Erfreulich war besonders auch die starke Anteilnahme und die guten Durchschnittsleistungen der Jungen und Jüngsten, die Zeugnis dafür ablegten, daß die jüdische Jugend die Bede u t u n g der Sportbewegung e r k a n rt f) a t und bestrebt ist, den ihr znlommcnden Platz im deutschen Sport auszufüllen. Hoffentlich gelingt es der jungen Vereinigung, ihr nächstes Sportfest bereits auf einem eigenen Sportplatz zu veranstalten. Das dritte Heft Z§s Morgen". Von Kurt Sabntzky. Das August-Heft des „Morgen", soeben erschienen, steht den beiden früheren in keiner Weise nach. Tem philosophisch interessierten Leser werden die Abhandlungen des Stettiner Rabbiners Tr. Mar Wiener über „Verminst und Offenbarung" und des Frankfurter Privatdozenten Tr. Fritz Heinemann über „Gestalten der Spätantike" (Pscudo-.Lougin, Marc Aurel, Plotin, Prot los) reiche Belehrung bieten. Tie Freunde der Kunst DJlnr Liebermanus werden dos Essay von Wilhelm Hansen stein als eine wertvolle Förderung im Verständnis dieses Künstlers empfinden. Ter Wiener Privatdozent Tr. Herbert Eysarz veröffentlicht eine aufschlußreiche Studie über '„Friedrich Gundolf und die deutsche Geisteewipeuschasl". Stndicnrat Tr. Julius Schösser (Potsdam) nimmt in dem Artikel „Tie Zerstörung des Volksgedanlens durch den Rassenwahn" eine scharfe Abrechnung mit Hans Günthers „Nassenlnnde des deutschen Volles vor. Tiefe gründliche Arbeit wird von jedem reudig begrüßt werden, der den Kampf gegen die Rastenirrlehre ührt, gilt doch Günther bei den Volti sichen als „der" Wistenchaftter, der die Ergebniste der früheren Forscher als nnwissenchasrlieh über den Hainen geworfen hat. Sckäsfer führt die Vorliebe für die Ranentheorie ans ankhropvlogisthe Unkenntnis zurück und weist darauf bin, daß die Wi'senfomft die Theorie Gobineaus- Ehamberlaius längst überbolt hat. Günther verlangt, daß die in Deutschland stark ansgebrestete alpine oder ostifche Raste von der höheren nordischen Vaste verdrängt werden mime. Er trägt damit den Rastenkampf, der bisher nur gegen den kleinen jüdischen Bevölkernngstei! tobte, ins innerste Herz des dmachen Voltes hinein. Ter Antisemitismus tritt zurück, an seine stelle rüctt der Anti- Ost ismns. Schässer glaubt nicht an das Blut, an den Fatalismus der vererbten Materie, sondern an die sieghaste Macht des Geistes, so auch des Geistes der deutschen Kultur/ der allen deutschen Rasten, auch den deutschen Juden, das Siegel des Tentsehiums anfzudrücken imstande ist. Für ihn. als Christen und nordisch-alpinen Mstchking. ist nicht Raste und Ration das Höchste und Letzte, sondern er sucht bei aller Anerkennung der Rationalität den nationalen Gedanken des Deutschtums darin, die Voller über die Enge ihrer nationalen Horizonte lstnausznweisen in die Höhen des ewig Menschlichen, das zugleich das ewig Göttliche ist. Eine sehr interestaute ^prachstudie ist von dem Königsberger Nnivcrsitälsprosestor Rabbiner Tr. Perles über „Jüdstch-Tenstch" und „Jüdi'ch'Spanisch" gesihriebm worden. Seit dem N. Jahrhundert haben dw Juden die deutsche Spraeae gesprochen, und zwar in den verschiedensten Tiabetreu des Vstllelhock deutschen. Bereits im vierten Jahrhundert, als Inden am Rhein ansässig waren, bedienten sie sich der deutschen Sprache. Erst nach der Auswanderung ans Tentschtand nach dem Osten ontwiekelto sich bei den Inden in Polen ein eigener Dialekt, das „Jüdi'ch-Tcutsich". Tas, was Perles über die verwandt'chastlieben Beziehungen des Jüdisch-Tcursitzen zur dent'chen Sprache sagt, wird Zweifellos manche Vorurteile, die bisher gegenüber dem sogenannten „Jargon" Herrstolen, bcsti'igcn. Frau Elfe ch n b e r t - E h r i ft a l l e r , eine Christin, die durch eigenes Studium in den Talmud eingedrnngen ist, bringt zwei Legenden, die sich durch Schönheit der Sprache ans.zcichnen. Tr. Selma Stern, deren Wert über den „Preußischen Staat und die Inden" von dem Archiv rat Jacobson eine vortreffliche Würdigung in dem gleichen Heit gesunken hat, beginnt eine Reihe von Aussätzen, über die Enllvictlnng des jüdischen Franentypus seit dem Rliitelaller. Ter Artikel „Staat und Erziehung" von Otto Meller, dem Direktor der hessischen gwntraistelle für die Landesstaliftit. erörtert vom katzolisthen Srandpunlt ans ein wichtiges Knltnrprvblern, zu dem sich später Vertreter des Protestantismus und des Judentums noch äußern werden. Rabbiner Dr. B. Jacob (Dortmund) setzt seine meisterhaften „Einführungen in das f. Buch Mm es" mit einem Aus mb/ über Kain fort: In neuem Licht glänzt das ewige Buch ans. Schließlich sei noch die Neberseb.ung der Schlnßllage vom '.R Ab erwähnt. Tie dichterische Geroalt dos Urtertes hat F r a n z R v s e n zw e i g mit sonverüner Sprachtraft in deutschen Worten festgehalten. Es ist eine salsihe Aststsapung vom Wesen einer Zeitschrift, aus müßten in einer solch.n atle Ast'.ssäne jeden Leser in gleicher Weise interessieren. Ein Buch enthält einen geschlossenen Kreis von Gedanken, inieveffievt mau sich nicht für ihn, so legt man das Buch beiseite. Eine Zeitschrift enthält so versthiedenartige Themen, daß der Leser däe ihm zusagenden sich aussueben kann. Er verlange von einer Zeitschrift nicht, daß ihm alle Beiträge gleich Zusagen oder gleich leicht zugänglich sind. Eines sei aber zum Schluß noch ansgesprochen: Wir haben endlich eine K n l t n r z e i t s ch r i f t, die sich d e tn katholischen „H och l n n d" und der p r o t e ft a n t i f ch e » „Zeitwende" würdig an d i e S e i t e st e t l e n kan n. Dieses große Verdienst gebührt uneingeschränkt Professor Julius Goldstein, dem Herausgeber unseres „Alorgen".