Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 36 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- Seite 598 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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595 Freventlich Spiel mit dem Heiligsten! Keine A ch t u u g vor des Todes M a j e ft ä t. Bor einigen Wochen wurde Abraham Hermann. Großviehhän.dler zn Demmelsdorf (Oberfrankenst zur ewigen Ruhe gebettet, CS in Bkann, der im engen Umkreise der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konzession und des politischen Bekenntnisses geschützt war. Bon Rah und Fern, jeder Stand, adliger Gutsherr und schlichter Bauer eilten herbei, nur diesem Manne, der keinen Unterschied des Glaubens kannte, wenn es galt/ Rot zu lindern, die legte Ehre zu erweisen. Ta erschien wenige Tage naeb seiner Beerdigung im Nürnberger „Der Shtrincr", „Wochenblatt des Lehrers Julius Streicher, zum Kampf um die Wahrheit", ein vorn Pest hauch) des -Hasses erfüllter Artikel, mit jeden Religiösen tief verlebender Ueberschrift „Der Verrat am Gekreuzigte Es sei, so schreibt „Der Stürmer", eine „n i ch t j irdische Gesinnungslosigkeit und B e r l u m p t h e i t", wenn das „B ainberger B o l k s b t a t LP denen Redakteur ein katholischer Priester ist, dem verstorbenen Abraham Heimanu -gvei Trauerberichte widmet. Ja, das „Bam berger Bolk-Rstatt" schreibe sogar, „null dem Verlebten ist eine allgemein bekannte und beliebte Persönlichkeit ans dem Leben geschieden". Ich als Theologe möchte nicht all die Blasphemien und Beschimpsimgen wiederholen, die .,D er St n r m c v" lo-Räßt. Es genügt, wenn der Schreiber znm Schluß ..Jehls Ehristus" anrust, mit den Worten: „Ihr wollt cucfj meine Jünger heigen, seid verfluch: in alle Ewigkeit' hinein." Der verstorbene Abraham He;manu s. A. wuar ein Wann von tiefer Herzenssrönnnigkeit, fern von' nnlanteren Handlungen, die mit der jüdifchen Ethik"in: Gegensatz standen. Seine autrichlige Fröunniakeit verband er mit seiner umsangreichen Kenntnis rmArcs heiligen ^cbrilltnms. Als Deutscher, als Bürger, als Menschenfreund war er allgemein hochgeschätzt. Er war der MitteWunU unserer Geuu'inde, ihr grösster Wohltäter, ihr Führer. Darum suhlen wir uns geznmngen, diesen Peitschenhieb abwwehren und keinen Makel sitzen zn lagen, welcher das Ehrenschild' unseres Besten beschmutzen könnte. Rabbiner Dr. Friedrich Rotcles (DcmmelDow, Obcr'r.) t>k SchrsösnsLügs In IaM. 3ö a * w i r b weiter? Seitdem der Mörder des rumänischen Polizeipräselten vo:: Ja sch freigesprochen wurde, haben die Bölrischeu dort Ooerwasier. Jener Polizeipräsident war nach den Berichten unser „E. B. - Zeitung" nur ein Opfer seiner Pflicht. Er wollte das auLftemilische NowdyLum aus Jassy bannen, es wenigstens i:i so engen ^chrauteu halten, daß das Leben und Eigentum von einer Million Inden, die innerhalb der Grenzen Rumäniens leben, nicht gefährdet,-würden. Dafür m üßte er m i t bem T o b c b ü ß e n. Der ihn niederschoß, war ein Nechtshörer an der Universität zn Jassy. Zelea Kodreann, ein begeisterter Anhänger des rumänischen Antifomllenführcrs Cu za. Die Rachsichtiglei t der Rcgicrtmg gegen diesen Freispruch zeitigte ihre Erfolge, und sie beging wenige 'Wochen später neuerlich den Fehler, sich dem nationalistischen Terror voeiter \u beugen, und zwar anläßlich des Aufenthalts Paul Guernuts, Mitglied der französischen Liga für Menschenrechte. Das A nitre len Guernuts wurde zweimal verhindert, und unter solchen Umständen kann mau sich erklären, daß die Hakenkreu.zler glauben konnte;;, die Regierung werde nicht wagen, gegen sie anfzutreteu. Mau verbreitete überall gegen bie Juden Manifeste isiehe „IZ. 1." vom 26. August), die durch eine Stelle charakterisiert seien.: „Ter Krieg ist erklärt. Ein K a m p f auf L e b e n u n d Ü ob ist ent* Bräunt zwischen den beiden Nassen, die um Körper und <wele dieses Landes ringen, der jüdischen und der rumänischen Nasse. 1010 haben wir den Krieg zur Befreiung unserer Brüder eröffnet, heute beginnt der Krieg zur Befreiung der Rumänen im Lande selbst ... Zur T a t, N u m n n e n , bie Zeit der Worte ist vorbei! Mit Gott voran, Rumänen!" Der A u f r u f zur Tat ist nicht u n g e h o r t verhallt. Man hatte bereits damit begonnen, in die Häuser wohlhabender Juden eiuzudriugen und Bewohner schwer zu mißhandeln. In der letzten Sekunde griff die Negierung mit eiserner Hand und schonungsloser Rücksichtslosigkeit ein, indem sie über die bedrohten Bezirke den Belagerungszustand verhängte und Kriegsgerichte einschte. S o n st w ä r e n^a m e n l o s e s U u g l ü ck geschehe n. Aber schon jetzt erhebt die ^orge ihr Haupt, was geschehen wird, wenn der Belagerungszustand ausgehoben wird. Im Interesse dev öffentlichen Sicherheit und der Staatsautorität muß die gefährliche Agitation der vor nichts zurückschreckenden Jassyer Judenfeinde eingedämmt und die jüdische Bevölkerung vor Pogromen und Bcrsolglmgcn durch die staatliche Macht hinreichend geschützt werden. ' J. R. Ci ne empfindliche Strafe erhielt der Kaufmann Mar Zacharias, Berlin, Elßholzstraße 15, der im April 1021 in bem I)-Zng Halberstadt— Berlin Herrn Walter Helft aus Berlin durch Bezeichnungen, wie ,,Mo§- lauer Tier!" „Du I u de!" „Iuden benge l!" „Ter Jude drückt sich!" öffentlich beleidigt hatte. Arlf den Strafantrag des Beleidigten hin erhob die Craalsanwaltschaft Anklage, der sich Helft als Nebenkläger anschlvß. Tos Gericht verurteilte Zacharias zu 6 0 y Mark Geldstrafe, indem cs als strasverschärfeud erkannte, daß durch die häufige Wiederholung der beleidigenden Worte der Wille des Angeklagten, zu beleidige;;, besonders stark zum Ausdruck gekommen sei. Familien-Anzeigen gehören in die „C. V.-Zeitung“. wohin mit öon oftjüöischen ^uswanöekernl S ch w e r e Sorgen b e r E!N i g r a t io n s k o n f e r e n z. Bon; 9. bis 11. August tagte in Berlin die zweite E;uig r a t i o u s k o u s e r e u z des vereinigten Komitee s f g r jüdi s ch e A u § w a n b c r u u g, das im Jahre 1921 aus einer Weltkonfereuz in Prag zu dem Zwecke gegründet wurde, die jüdische Ans. und Einwanderung in geordnete Bahnen zu lenken. Tie Konferenz, die von Abgeordneten aus allen in Betracht lonuueuden Ländern Europas und Amerikas besucht war, wurde von denn Präsidenten des Emigrations-Direktoriums. Dr. Leo Motzkin. er-, öffnet. In einer längeren Ansprache zeichnete er die gegenwärtigen Probleme der jüdischen Maudernng. Bor dem Kriege habe die Wanderbewcanng ihre hauptsächlichste Ursache in den russischen Pogromen gehabt; jetzt sei der Grund für die Auswanderung aus den Oststaaten in der völligen Beruichtuug der Existenzen der Juden Ztt streben. Dem gesteigerten Zwange zur Amstvandernng stehe aber eine in der letzten Zell, insbesondere durch die Sperre de r B e reinigten Staate n v o n R o r d n m e r i k a , westwtlich verminderte EinwauderungsMöglichkeit gegenüber. Palästina spiele als Anfimhmeland nur eine untergeordnete R o l l e. Dr. Motzkin wies darauf hin, daß in der Vorkriegszeit, in der der Answandernngszwang ans den Oststaaten keineswegs so dringend war U'ic gegenwärtig, jährli ch bis zu 250(00 Inden aus Rußland und Polen answanderkeu. Die Ausnahme von größeren Blassen in Palästina sei schon durch de:: geringen Umfang des Landes begrenzt, das ''ür eine Ausnutzung nicht überall geeignet sei, wo erst nach langer, schwerer 'Arbeit Erfolge erzielt werdeu könnten, und die Eristenzmöglichkellen gering seien. Abgesehen davon, werde einer größeren Einwanderung durch die englischen Behörden eine Grenze aesttzt. Es sei schon als eine Besserung empfunden worden, daß im letzten Jahre 2000 bis -3000 Einwanderer monatlich zn ge lassen wurden; was bedeute aber die Zahl selbst von jährlich 30 000 Einwanderern, deren Ziffer jederzeit wieder herabgesetzt werde;: lö;me, g e g e n ü b er bei; viele n H u u d c r! i a it senden, die jährlich aus den S st stanken strömen würden, wbald ihre Aufnahme in den bisherigen Eiuwaudcruugsländevu wieder ermöglicht würde. Das wichtigste Problem der jüdischen Wanderung sei. diese Aufnahme- Möglichkeiten zu schallen und die Bor urteile zu beseitigen, die in den Ausuahmckändern noch herrschten. Diese Vorurteile bestünden besonders in der Richtung, daß der Jude lediglich als Händler tätig sei. Es müsie dafür gesorgt werdeu, daß die Einwanderer sich produktiv betätigen könnten, insbesondere auch in der Landnoirtschast. Die Eintvanderungsländer nähmen 'Arbeitsuchende ungern, Arbeitsthassende aber gern aus. Die Bearbeitung der Länder uir die Ausnahme der Auswanderer müßte in Gemeinschaft mit den bereits bestehenden großen Organisationen einheitlich durchgesührt werden. Namens der Nc^'behördeu begrüßte Regierungsrat Schmidt von: Reichseinwanderuugsaull die Konferenz. Herr Moritz A. Loeb überbrachte die Grüße der Indischen Gemeinde Berlin; das Mitglied unseres Hauptvorstandes Tr. Berthvld Haase begrüßte den Kongreß namens des Präsidiums des Aröeitersürsorgcamts. Sodann erstattete Herr Dr. T i j o u r den Bericht über die Tätigkeit des Direktoriums. Wir behalten uns vor, ans den Bericht zurückzukommen. Rach sehr eingehenden und lebhaft geführten Debatten wurden Entschließungen des Inhalts angenommen, daß die Tätigkeit des Emigrationsdirektoirums insbesondere auf die Vorbereitung der Existenz zu richten sei; der Kolonisation und der Ausbildung als Handwerker sei eine besondere Beachtung zu schenken, auch sei die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf internationale Abmachungen zu lenken, die das Arbeits recht regelten. * Unlängst hat hier Tr. Paul Rath a n zur Frage der O st * judenhilfe (Rr. 33) Stellung genommen. Er hat daraufhingewiesen, daß bei d e n M i l l i o n e n I u d e n, die im Osten Europas leben, mit der Tatsache zu rechnen sei, daß solche Massen unmöglich auswandcrn könnten und daß mau für ihr Wohlergehen vor altem in ihren Wohn ländern sorgen müsse. Er verwies dabei auf das Krimprojekt. Tie Ausführungen Leo M o tz k i n s, der bekanntlich in der zionistischen Bewegung eine führende Nolle spielt, beweisen schlagend die Richtigkeit des Nathanschen Aufsatzes, der übrigens in unserem S-efer frei je viel beachtet wurde und uns manche Zuschrift eingetragen hat.