Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 35 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- Seite 585 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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585 j 'Es ist allerdings mitunter ln der letzten Zeit meiner Nedaktcurtätig- [fcit — vom September 1921 an — häufiger vorgckommc-n, daß Artikel, .die ich zurückgeuüefen oder abgcändert habe, trotzdem in der Zeitung -erschienen in ungeändcrtem Wortlaut. Ich habe mich trotzdem stets /als verantwortlicher Redakteur gefühlt- In einzelnen Fällen haben Iinic die den Umbruch vernehmenden Angestellten der Brandenburgischen ' Luchdruckerei gesagt, daß Herr Kunze den Artikel doch hat hereinnchmen lasten, da e r darüber doch zu bestimmen hätte. Man kann es verstehen, daß Herr Kunze angesichts derartiger Aussagen seine Taktik zunächst dahin richtete, den Prozeß nach Möglichkeit in die Länge zu Ziehen. Mehrfach sandte er ärztliche Atteste ein. in denen ihm Krankheit bezeugt wurde. Einmal gelang der Nachweis, daß er zur selben Zeit, in der ihn sein angebliches Nervenleiden an einer Reise verhinderte, in Oberschlesien die grüßten Radauversammlnngen abhielt und sich dabei sehr nervenstark zeigte. Auch siel es ihm nie ein, etwa anzugeben, an welchem Orte er zur Zeit des Erscheinens der Nummer des „Deutschen Wochenblattes', die den beleidigenden Artikel enthielt, geweilt hatte. Diese Angabe hätte ihm mindestens zu Anfang des Prozesses, der bald nach dem Erscheinen dieser Nummer angestrengt wurde, sehr leicht sein müssen. Obwohl nach alledem eigentlich nur er als Verfasser des beleidigenden ersten und letzten Absatzes in Betracht kam, die das Landgericht in dem Urteil, das es gegen Sprössec fällte, ausdrücklich als von einem „geschulten Zeitungsmannc" herrührend bezeichnet^ sprach ihn das Amtsgericht mangels ausreichenden Beweises frei. Die Vorhaltungen, die ihm jedoch der Vorsitzende der Strafkammer machte, bei welcher der Privatklägcr Berufung eingelegt hatte, bewogen ihn. im W^ge eines Bergleick)s die Erklärung abzugeben, daß er die in dem Artikel gegen Herrn Metz lxchcmptcten Tatsachen als nicht erweislich wahr anerkennen mäße und die Verantwortung dafür a b l e h n e. Diesen Vergleich veröffentlichte er auch gemäß einer von ihm übernommenen Verpflichtung in der Nummer seines Blattes (jetzt „Neuen Zeitung") vom 12. Juli 1921. (Aktenzeichen: 82 P 15/24 LG. Breslau.) , Ein wahrer Patriot. o u OV errabbiner D r. Kopfsteins 1. Todestag. Bald jährt sich der Tag, an dem Deuthens Oberrabbiner Dr. Mar Kopfstein den Seinen und dem deutschen Judentum entrissen wurde. Aber Oberschtcsien vergißt seinen treuen Sohn nicht. Auch weite christliche Kreise haben aufrichtig um ihn getrauert. Ein bescheidener Schmuck für sein Grab möge die folgende Veröffentlichung ans einem Aussatz sein, der vor einiger Zeit in der Monatsschrift „Der O b e r s ch! e s i e r" erschien. Die Zeitschrift, die Karl Sczodrok in Colonnowfka (O.-S.) herausgibt und die das -Organ des Oberschlesischen Kulturverbandes, des Verbandes der .^katholischen. Vereine Oberschtesiens wie des Bundes für Arbeiter- ^bildung ist, würdigt des Verschiedenen eifrige und mühselige vaterländische Arbeit während des Krieges. Sie erzählt dann: „Endlich war der Krieg vorbei, und in dem Augenblick, wo Oberschlesien von der eigentlichen Kriegsgefahr befreit war, erhob sich .für dieses Land eine neue Gefahr, die, in den neuerstandenen polnischen Staat einverleibt zu werden. Ta war cs wieder Kopfstein, aus den sich alle Blicke richteten, als es sich darum handelte, den Wider st and gegen die Polonisierung Obersch lefiens zu organisieren. Nur die Eingeweihten wissen, an wie zahllosen wichtigen Vorbesprechungen mit hohen Diplomaten er teilgenommen hat, um rechtzeitig dagegen Vorkehrungen zu treffen, daß Oberschlcsien polnisch würde. Noch im Frühjahr 1921 weilte er in Berlin und nahm von den maßgebendsten Stellen der englischen und italienischen Botschaft die bindendste Zusage entgegen, 'daß für den oberschlesischen Industricbezirk leine Gefahr drohe, als! wenige Tage daraus der dritte große Polenputsch, von französischer .Seite inspiriert, ausbrach, der alle bisherigen Pläne über den .Haufen warf und der allein cs wohl verursacht hat, daß heute ein großer Teil des Jndustriebezirks polnisch geworden ist. Aber war -so auch sein Wirken insoweit nicht voll von Erfolg gekrönt, so ist das Wenige, das erreicht ist, zweifellos ihm znm Teil zuzusprechen. Als nach der unglückseligen Teilung Oberschlesiens die in Westoberschlesien auf dem Gebiete der freien Volksbildungsarbeit und ' Heimatpflegc tätigen Kräfte ans Werk gingen, die so nötige Wieder-, aufbauarbeit leisten zu Helsen und die Vesriedigung Oberschlesiens zu fördern, hat Dr. Kopfstein dabei rühmlichen Anteil genonnnen. Im Oberschlesischen Kulturverband vertrat er die jüdische Bildungspflege, und sein guter Rat und seine wahrhaftig goldenen deutschen und oberschlesischen Worte, die er im Kreise des iKulturverbandes sprach, werden für alle, die ihn hören durften, unvergessen bleiben. Selbstlos und opferwillig hat der verehrte ^otc, ein rechter Patriarch im schönsten Sinne des Wortes, die Sorgen des jungen Verbandes geteilt und ist immer mannhaft ein- /getreten für den Gedanken der kulturellen Volksgemeinschaft und der deutschen Zusammenarbeit in Oberschlesien. Gerade in den .Kreisen des Oberschlesischen Kulturverbandes hat deshalb der Tod Dr. Kopfsteins aufrichtige Teilnahme und einen tiefen Schmerz verursacht, und zwar — das mag noch einmal herdorgehoben werden — war dieses Mitgefühl allgemein, und es i wachte nicht halt an den Schranken.der Partei, der Konfession und jves Standes. Dr. Kopfstein wird in unserem Gedachttüls fortleben als ein Mann von edler Vornehmjhert und als Verfechter echter und von heißer iktebe für Heimat und deutsches Vaterland d e - '8 er st e r t e r Volksgemeinschaft." M die Eltern unö die fugend! Von Di'. rnedL Franz Hirsch (Ulm). Mehr denn je stehen in den Jahren seit Kriegsende Erzie« hungsfragen aus geistigem und körperlichem Gebiete zur öffentlichen Erörterung. Tie berufenen Erzieher im Volke, Geistliche, Lehrer und Aerzte, und nicht zuletzt die Eltern, denech die Hauptverantworllichkeit für unser heramoachscndes Geschlecht zu fällt, werden durch Vorträge und Lehrgänge, durch Zeitschriften und Bücher, durch Kino und Theater täglich an ihre hohe Pflicht im Dienst an unserer Jugend gemahnt. Wir Aelteren werden das Ziel unserer Arbeit, das wieder befreite. schönere und größere deutsche Vaterland, nach menschlichem Ermessen nicht mehr erleben. Tie Jugend muß esftck>assen, fthr gehört die Zukunft, und darum soll sie körperlich gestählt, geistig gerüstet und sittlich gefestigt für ihre wahrlich hohe Aufgabe sein. Daß sie körperlich nach den vielen Jahren schlechter. Ernährung, geistig nach der großen Schulnot während der Kricgsjahre, sittlich nach den schweren Schädigungen unserer Volksmoral in. allen Kreisen sorgfältigster Pflege und Schulung bedarf, desien ist sich wohl jeder Einsichtige bewußt. Darum auch das Wettrennen innerhalb der Parteien und Konfessionen um die Seele der Jugend, bei dern, luenn auch von Hause aus der beste Willen vorhanden sein mag. nicht selten durch falsche Methodik wie durch abwegige Zielsetzung an den Pflegebefohlenen gefehlt wird. Parteipolftik und Konfessionshetze sollten von der Jugend mit allen Mitteln f e r n g e h a l t e n werden, um dem einigen, im besten Sinne nationalen Jung-Dentschland den Boden zu bereiten. Solche Arbeit an der Jugend kennt keine Grenze zwischen Glaubensbekenntnissen, und darum ist dieses Problem auch ein wichtiger Teil der Arbeit unseres Centralvereins, der unsere jüdische Jugend gleichermaßen zu guten deutschen Staatsbürgern wie zu glaubensbewußten Juden erziehen will. Und deshalb wendet sich die Abhandlung an alle jüdischen Eltern und Erzieher, ganz besonders auch an die Jugendbünde und nicht zuletzt an unsere Jugend selbst. Ein solcher Aufruf ist deutliche Zurcchtweisung für die, welche behaupten, deutsche Erziehung und jübiicf>c Erziehung in Deutschland sei in ihrer .Zielsetzung e!n>as Verschiedenes, die aber selbst, mißleitet durch völkische und rasientheoretische Ideen, sich ständig an der deutschen Jugend dersündigen. Folgerichtig ergibt sich ans dem bisher Gesagten, daß erstens jeder von uns, dem die Erziehung der Jugend obliegt, und der sich zu den Idealen nuferes Eentralvereins bekennt, der Jugend in feinem ganzen Verhalten zu Hause und in der Oeffentlichkeit das gute Beispiel abgcben muß, des guten Deutschen und guten Juden zugleich, ein Beispiel, für das es uns ja an Vorbildern in der ehrwürdigen Geschichte der deutschen Juden nicht mangelt, lind nun zum zweitem, dem Hauptzweck dieser Zeilen. Unsere Jugend sollte bewußter noch wie bisher zum Kampfe gegen gewisse Schäden unserer Zeit aufgerusen werden. T-eren Erörterung in der Tagespreise und in wissenschaftlichen Abhandlungen allein reicht nicht aus. An ihrer Beseitigung muß vielmehr jeder einzelne junge deutsche Jude in edlem Wettstreit mit der gesamten deutschen Jugend Mitarbeiten. An der Hebung -des körperlichem Zustandes unserer Iungens und Mädets wird;a längst eifrig gearbeitet, und neuerdings hat der Rcichsdund jüdischer Frontsoldaten den Sinn für die Notwendigkeit turnerischer und sportlicher Betätigung eisrigst geweckt. So manc1>er von unseren Jungen hat, sei es in paritätischen Vereinen, sei es in jüdischen Organisationen, sich als äußeres Zeichen einen Preis für hervorragende Leistungen geholt. Da gilt es svrtzusahren und dem Widersacher unwiderlegliche Beweise für die Leistungsfähigkeit der jüdischen Jugend zahlreich zu erbringen. Ziw körperlichen Ertüchtigung gehört aber auch, eine ganze Reihe von Schädlichkeiten zu vermeiden, die unsere Jugend nicht scharj genug erkennen kann, und die zu beseitigen eine unabweisbare Forderung jedes wohlmeinenden Erziehers ist. Tabak im Uebermaß, Al k o h o l m i ß b r a u ch, g e s ch l e ch j l i ch e Ausschweifungen sind heute leider allzu häufige Schäden unserer Jugend, die ihnen um so leichter drohen, als der Tran^ nach vermeintlicher „Freiheit" oft ihre Ohren taub für vernünftige Mahnung macht. Da gilt es nimmer nachzulassen. Uebermaß an Vergnügungen, die Tanzwut, Ueber nach Ligsein sind weitere Gefahren, die den Jugendsührer einzngreifen nötigem Dabei aber keine engherzige Freiheitsberaubung! Auf ein vernünftiges Nt aß ha! t on kommt es an, um den Körper widerstandsfähig und den Geist ausnahmefähig zu machen. Das Maß des zu Gewährenden und des zu Versagenden richte sich nach der Veranlagung des einzelnen. ' Bei der Mahnung, Vergnügen und Genuß omzuschränlen, spielt aber neben der Sorge um die eigene Gesundheit ein hochbedeutsamer weiterer Grund eine wichtige Rolle: der Blick auf unsere w i r t s ch a f t l i ch e und vaterländische Not. Mag es vor der Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs eine nicht unbeträchtliche Anzahl von jungen Leuten gegeben haben, in deren Wörterbuch „Haushalten und Sparen" nicht standen, vielleicht nicht zu stehen brauchten — heute i st das anders geworden. Die überwiegende Mehrheit des deutschen Judentums ist heute materiell sehr schlecht gestellt, ja teilweise völlig verarmt, so daß die Jugend auch an§ diesem Grunde ihre Aufwendungen für überflüssigen Genuß ans ein ganz Geringfügiges herabschrauben muß. Darüber hinaus ist u n f c r Vaterland in einer Weise in Not. daß es gebieterisch von jedem einzelnen