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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-28 · 35 (28.8.1925) · p. Seite 583

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
35 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
Seite 583 (sequence 5)
Language
German
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582 Tatsachen der Weltwirtschaft richten. Niemand ist in der Haae. neue Menschen zu schassen, er- »ins; gelinaen, die Menschen h Verhältnisse zu brina/n. in denen sic menschenwürdig leben jbnncn. Man soll aufhären, die Jude» im Ealuth zu nationalisieren d. h. sie zu entwurzeln. Man darf nie vergessen, daß die <5tunbIetge des Ii:dentums seine Religion jst. Wer den Lcrhandlungen des Kongresses folgte, der von iüdisch-religiösen tzwigkeitsgedankcn nichts verlauten ließ, wird Eugen Fuchs erst richtig und voll verstehen, als er es ablehnte, die Juden zu einem Wald- und Wiesenvolk, deren es so viele gibt, degradieren zu lassen. Die Welt ist so groß, und alle SiedlnngZmäglichkciten sollten erwogen und eventuell praktisch versucht werden. Es war deshalb unverständlich, wenn ein Mann wie Stephen Wise dagegen Front machte, das; Ainerika viel Geld für das sogenannte Krimprofekt ausbrachle. N u r - Palästina ist eine Einseitigkeit, ein Sport, der nicht verhindern darf, daß jüdische Siedlungen überall angelegt werden sollten, wo sie Erfolg verheißen. Ein n n r n a t i o n a l j ü d i s ch e s. ein politisches Palästina trifft das Judentum im Innersten. Mit den Jahren wird diese Erkenntnis ebenso wachsen wie das Interesse an einer Vertiefung der Vaterlandsliebe aller der Juden, die treu an ihrer Heimaterde hängen und mit Stolz und Tatkraft sich diese Heimat von niemandem streitig machen lassen. Für diese werden sie stets zuerst Opfer zu bringen haben, ohne zu vergessen, daß „die Heiligung des göttlichen Nameirs" all denen gegenüber Pflichten anserlegt, die um ihres Judentums willen in der Welt zu leiden haben. Ludwig Holländer. Die Kluft Her in ann Bahr über Zionismus und Centralverein. Mit prächtigen Worten und in lebensprühenden Bildern einer reichen, besonnten Vergangenheit stellt Hermann Bahr, der anerkannte, österreichische Schriftsteller, Theodor Herzl, Mir Salten und — unseren Centralverein in den Mittelpunkt eines Feuilletons „Zionismus" der Wiener „Neuen 'Freien Presse" (Nr. 21 888 vom 22. August 1925). Bahrs feine Seelenmalerei und Menschenschitderei scheint uns die Tragi? vieler deutscher Zionisten Zu offenbaren, die sich auf Zion einstellen, aber aus den alten, festen Klammern deutscher Knlturzugehörigkeit und deutschen vaterländischen Empfindens nicht herauskommen. In einer der folgenden Nummern dieser Zeitung wird von diesem Konflikte unter politischem Gesichtswinkel die Rede sein. Dem Sinn und Zweck Bahrscher Feuilletonzeilen würde es entgegen sein, wollten wir über die Möglichkeit, wie weit ein Zionist, noch dazu an führender Stelle, dem deutschen Volke ungeteilten Herzens zugehören kann, rechten. Was Bahr schreibt, will nicht als politisches Dokument, will als künstlerisches Empfindnngsmoment gewertet werden. So setzen wir hier nur den Schluß des klingenden Bekenntnisses .Hermann Bahrs hin: .... Diele deutsche Juden, und gerade von den besten, ängstigt aber der Zionismus, sie fürchten, durch ihn der Nation untreu zu werden, in der sie leben, zu der sich schon ihre Großväter und Urgroßväter in ungeheuchelter Liebe bekannten, für die so oft das Blut jüdischer Helden floß. Ihr Herz schlägt für ihr deutsches Vaterland ganz ebenso stark als für ihren jüdischen Glauben. Sie sind jetzt im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" organisiert und ihre „Centralverein-Zeitung", in Berlin erscheinend, verficht Recht und Pflicht deutscher Juden, ebensogute deutsche Patrioten als glaubenstreue Juden zu sein; der Kampf wird mit reinster Gesinnung, mit frommer Würde, freilich aber auch mit der ganzen gehässigen Erbitterung geführt, der kein Bruderzwist jemals entgeht. Den zur deutschen Nation sich bekennenden Juden ist das Judentum Religion, und sie bezichtigen den Zionismus, das Judentum zu säkularisieren, das heißt, „die Religion zur Privatanlegeuheit des einzelnen zu degradieren", da der Zionist ja Moses samt den Propheten durch Marx und Lassalle zu verdrängen suche. Auch im jüdischen Volk .sehen wir also, wie zurzeit in allen Böllern abendländischer Kultur, den angestammten Glauben durch einen unduldsamen Nationalismus bedroht, der, mir auf die wilden Stiuuuen des Blutes horchend, den stillen Schlag des Herzens, die sauste Mahnung des Geistes überhört. Und doch sind gerade die besten Zionisten der lebendige Gegenbeweis: Herzt und Salten zum Beispiel, diese beiden Stockösterreioher vom besten Wiener Schlag. Der Einkaufsverbünö öeutscher Schuhhändler in Königsberg. A uf einen grobe nKlotz — ein grober Keil! Eine der unmoralischsten Waffen im politi» scheu Kampfe ist zweifellos die des Boykotts. Nicht allein, daß man den Politischen Gegner mit Politischen Mitteln bekämpft, hält man es auch für nobel, ihn wirtschaftlich zu schädigen und ihm nach Möglichkeit seine Existenz zu untergraben. Solche Boykottbestrebungen haben sich seitens völkisch gesinnter Kreise, die parteipolitisch in der Deutschvötkischen, der Nationalsozialistischen wie in der Teutschnationalen Partei organisiert sind, besonders im deutschen Osten bemerkbar gemacht. Es ist eine bekannte Tatsache, daß hier vielfach die Anhänger der genannten Parteien bei jüdischen Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden keine Einkäufe machen, und jüdische Aerzte und Rechtsanwälte nicht aufsuchen. Besonders wurden diese Bestrebungen durch den Landbund Hand in Hand mit der Teutschnationalen Lolkspartei propagiert, der das Zweifelhaste Verdienst hat, in P o m nt c r n erreicht zu haben, daß viele jüdische Getreide- und Viehhändler geschäftlich empfindlich geschädigt wurden. Auch in Ostpreußen kann man seit langem bemerken, daß die Losung: „Deutsche kauft nur bei Deutsche n" — das heißt nicht bei Juden — nicht wenige veraulaßte, jüdische Geschäfte zu meiden. Das hat sich besonders in den Städten stark mwgewirkt, die völkische Hochburgen sind, in Neiden bürg und Tilsit, so daß dort unsere Glaubensgenossen wirtschaftlich stark zu leiden haben. War der Boykott bisher auch schon organisiert, so gab es doch keine Verbände, die sich lediglich den Boykott zur Ausgabe gemacht hatten. Tie Gründung einer solchen Organisation stellt ein Novum dar. In O st Preußen iit zum erstenmal ein Verband gegründet worden, dessen Aufgabe lediglich der Boykott jüdischer Fabrikanten, G r o j s i st e n und Kleinhändler ist. In Königsberg hat sich vor kurzem ein „Einkaufsverband deutscher S ch u h h ä n d l e x" gebildet, der das nachstehende Rundschreiben au alle christlichen Schuhhändler der Provinz Ostpreußen gesandt hat: „Werte Kollegen! Da die Juden besonders während des Krieges und kn der Inflationszeit es verstanden haben, mir Hilst der damaligen Machtbaber den größten Teil des deutschen Kapitals an sich zu bringen, und durch markEchrcstrische Reklame und unlautere Anpreisungen fast das ganze Geschäft an sich gerissen haben, versuchen sic besonders in letzter Zeit durch Ceheiniarbeit dem ehrbaren christlichen Geschäftsmann den Kredit abzuschnerden und in Beliesernngen von maßgebenden Fabrikanten zu boykottieren und vollständig zu vernichten. Ta dieser Zustand für weiterhin nicht zu ertragen ist, fand m Königsberg i. Pr. eine Versammlung christlicher Schuhhändler statt, in der die Lage des Schuhhandels eingehend besprochen wurde. Ta die gemeinsame Aussprache ergab, daß sämtliche Anwesenden darüber einig waren, daß wir vereint unsere Lage wohl verbessern könnten, wurde unter der Devise „Einigkeit macht stark" der Einkaussverband deutscher Schuhhändler gegründet und der Vorstand beauftragt: r. Sämtliche christliche Schuhhändler Ostpreußens irn Verbände zu vereinigen. ♦ II. Tic Geschäfte der Mitglieder durch gemeinsame Abschlüsse bei den leistungsfähigsten Fabriken den grössten Geschäften gegenüber konkurrenzfähig zu machen. III. Tic große Masse der Bevölkerung so zu bearbeiten, daß sie ihre Schuhwarcu nicht mehr in jüdischem sondern in christlielpen Geschäften kaust. Damit wir dieses erreichen können, ergeht hiermit an jeden christlichen Schuhhändler der Ruf: Vereinigt euch in unserem Verbände, damit wir geschlossen an die Ausbesserung unserer Lage arbeiten können. Anmeldungen sind zu richten an den Vorstand des EinkaufsverbandeS deutscher Schuhhändler e. B., Sitz Königsberg, Geschäftsstelle Hufenallee G—8, Fernsprecher 0399. Das Eintrittsgeld von 5 Mark ist der Anmeldung beizufügen und erfolgt dann die Uebersendung des Statuts, der Mitgliedskarte u. dgl. postwendend. Hochachtungsvoll Der Vorstand l. A.: W. Ehlcrt, 1. Schriftführer. Von dem mangelhaften Deutsch des Ausrufs sei abgesehen. Man hat ans dem völkischen Wörterbuch alle abgedroschenen Schlagworte hervorgesucht, um das Märchen vom jüdischen Kapitalismus und das von der Verdrängung des christlichen Geschäftsmannes wieder aufzuwärmen. Trotzdem der Verlmnd den schärfsten Boykott gegen die Juden propagiert, hat es doch sein erster Vorsitzender für richtig gehalten, anläßlich der letzten deutschen Ostmesse zu versuchen, von dem ihm als Juden bekannten Inhaber einer der größten deutschen Schuhgrvßhandlnngen Ware zu erhalten. Als ihm dieser die Lieferung nüt dem Hinweis auf die Zligehörigkeit zu einer offen judenfeindlichen Organisation verweigerte, wurde, wenn auch erfolg, los. mit Einschreiten der Messeleitung wegen Vorenthaltung der Ware gedroht. Der Landesverband Oft Preußen des Centralverei n s hat, sobald er von diesem rein Politischen Boykott der jüdischen Schuhwarenhändler erfuhr, sofort alle Maßnahmen ergriffen, um zu verhüten, daß sich dieser Boykott answirkt. Die zur Ostmesse in Königsberg weilenden Kleinhändler aus der Provinz und die Großhändler und Fabrikanten aus dem Reich werden nunmehr geschlossen den Kampf gegen den Boykott ausnchmen. Die anwesenden

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