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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-21 · 34 (21.8.1925) · p. Seite 569

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
34 (21.8.1925)
Date
1925-08-21
Page
Seite 569 (sequence 9)
Language
German
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Hy / /leußerungen aus ösn örsi RAigronsgsnremschaften. Friedrich Muckermann, 8. J., fthreibk.- Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde . . Dieses erste in [ctticu einfachen Gräfte gelvaltige Wort gibt die Grundanssassung aller Religionen bis auf den heutigen Tag, daß da nämlich ein Schöpfer ist und ein E e s ch ö P s. Es läßt sich nicht leugnen, daß in diesem Satz eine Erkenntnis im eigentlichsten Sinne des Wortes zum Ausdruck kommt. Tenn nur dem Geiste, nicht aber den Sinnen ist es gegeben, ein Ursachenverhältnis wahrzunehmen. So sehr sich diese klare Auffassung der Urzeit später getrübt hat, indem inan den einen Gott Phantastisch zu einer Vielgestalt von Göttern erweiterte oder indein man im Gefühl der Abhängigkeit den Begriff voin Schöpfer verlor, eines ist gewiß: daß dieses ersteWort der Bibel dennoch alle Weltreligionen trägt. Der bekannte Herausgeber des „Anthropos", Wilhelm Schmidt, hat nach gewiesen, daß wir geschichtlich bei den Völkern, die viele Götter hatten, doch iminer noch die Vorstellung eines sogenannten, sie alle Überragendei: Hochgottes erhalten finden. Anderseits ist den Religionen, die nicht mehr den Persönlichei: Gott anerkennen, doch wenigstens ein dunkles Gefühl von Ehrfurcht vor ihm geblieben. Auch das Christentum seht den Gottesbegrisf des Alten Testaments voraus. Ter erste Artikel seines Credo lautet: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer -Himmels und der Erde/ Was ist Nasse? Es würde zu weit führen, hier alle die unklaren Gedanken von G o b i n e a n bis C h a m b e r l a i n und bis herab zu den neuesten Wotanschwärmen: zu entwickeln oder gar die biologische Wissenschaft daraufhin zu Prüfen, was sie über den Zusammenhang von Physiologischen Vererbungsträgern und geistigen Anlagen zu sagen hat. Dieses ganze Gebiet ist voll von bloßen Annahmen und noch recht arm an wirklich feststehenden Tatsachen. Man kommt wohl am besten weiter, wenn man sich ganz allgemein fragt, wie denn Körper u n d G e i st überhaupt zueinander stehen, und da bedarf es keines Beweises dafür, daß die Ordnung des Geistigen wesentlich hoher ist und anders als die des Körperlichen. Wollen und Erkennen, Freiheit und Geist sind Eigenschaften, die von einem Körper nicht ausgesagt werden können. Wohl sind Seele und Leib in einer wundervollen Einheit miteinander verbunden, aber doch nicht so, daß sich in dieser Einheit nicht beide deutlich voneinander sondern ließen. Wohl ist infolge dieser Einheit die Tätigkeit der Seele stark beeinflußt von Eigenart und Gesundheit des Körpers, aber doch so, daß der Leib der Seele in ihrer höheren Tätigkeit nur jenes zu sein vermag, was etwa ein Instrument dem Künstler. Es hat freilich Philosophen gegeben, die nachgrübelnd über diese geheimnisvollen Zusammenhänge andersartige Lehren entwickelt haben; aber das ist doch gewiß, daß sich alle überragenden Genies der Weltgeschichte hier untereinander einig sind, einig auch mit dem naturhast gegebenen Bewußtsein des Menschen. Nunmehr sind die Voraussetzungen da, um über die Frage „Religion und Raffe" etwas Entscheidendes zu sagen. Das Wesentliche der Religion beruht auf geistigen Erkenntnissen. Tie Nasse und überhaupt alles Körperliche hat auf diese geistigen Vorgänge keinen ihre eigentliche Tätigkeit charakterisierenden Einfluß. Folgerichtig sind die Beziehungen zwischen Religion und Nasse nicht wesentlicher.Natur. Wahrheit ist und bleibt Wahrheit und bleibt auch die gleiche Wahrheit, einerlei, ob sie von einem blonden Germanen oder von einem braunen Hottentotten ausgesprochen wird. Das Gebet des Indianers zum großen Geist, den er als seinen Schöpfer und Herrn betrachtet, unterscheidet sich in seinen wesenhasten Bestandteilen nicht von dem Lobpreis des Psalmisten. Hieraus folgt zugleich, daß eine zu starke Verquickung von Religion u n d N a s s e einer Herabwürdigung der Religion g l e i ch k o m m t. Sie wird dadurch ans ihrem g e i st i g e n Bereiche i n das mehr 5t ö r p e r l i ch e verlegt, ans dem mächtigen Verstände in das ohnmächtige Gefühl, ans dem klaren Geiste in Den unklaren Instinkt, aus der Welt des Willens in die der Triebe. Ueberzeugrmgen werden zu Fanatismen, und die Gottheit des Weltalls und aller Menschen zmn Nationalgotl, eine Vergötzung, die im Grunde genominen auf der gleichen Stufe steht wie der Fetischisinus irgendeines wilden Stammes. Da nun aber die Erkenntnis des Schöpfergottes den Menschen als Geschöpf Gottes erfaßt und unmittelbar den Dienst der Abhängigkeit fordert, da sie weiterhin eine Erkenntnis unseres letzten Zieles und unserer Unsterblichkeit einschließt, also im höchsten Grade beglückend ist. so wird naturgemäß von ihr der ganze Mensch ergriffen. Dazu nehme man die Tatsache, daß die Religion weit über ihre engeren Grenzen hinaus das gesinnte Kulturschasfei! durch alle Jahrtausende der Geschichte getragen und durchdrungen hat, und es ist ohne weiteres klar, daß in ihr auch alle menschlichen und besonders auch alle Rassencigenarten eine gewisse ihnen eigentümliche Rolle spielen werden. Es gibt schwächer und stärker begabte Rassen, es gibt auch besondere Richtungen der Begabung. Ein Polnischer Gottesdienst unterscheidet sich von einem deutschen und dieser wieder von einem italienischen. In der Mystik der heiligen Brigitta fühlt man die Einsamkeit von B a d st e n a und der schwedischen Landschaft mit ihren unabsehbaren Wassern und Wäldern. In den Schriften der heiligen Theresia von I e s u § die Glut der spanischen Leidenschaft, int heiligen A u gusti n u s das heiße Blut des Afrikaners, bei Heinrich Suso die zarte Innigkeit des deutschen Gemütes. Wie weit bei diesen Verschiedenheiten die Raffe cinwirtt, das bleibt aber auch so noch schwer zu sagen. Ob wir nicht, je mehr wir über den gotischen, den russischen, den arischen, den s e m i 11 { ch c n Menschen nach sinnen, und je gründlicher wir es tun, die Entdeckung Solo* wiefss machen, daß in ihnen allen doch der M e n s ch das w i ch - t i g st e ist. und Langschädel oder Rnndschädel, weiße, gelbe oder kupferne Farbe, wolliges oder strähniges Haar, sonnige oder düstere Gemütsart und dergleichen das weniger wuchtige' Unser neuzeitliches Denken ist hier sehr Phantastisch geworden und die Zeit schon nah, wo es sich zu nüchternen Tatsachen hin zurückbewegt. G o t h e i n behauptete von Ignatius von Loyola, er sein ein ch a r alter i st i s ch e r Spanier. B ö h m e r bewies, daß er ein charakteristischer Baske sei. Der Zufall will, daß größere Gegensätze als zwischen d-em seierlich-ernsten Kaüilianer und dem tatfrohen munteren Basken kaum denkbar sind. Derartige Beispiele gäbe es noch viele. Je tiefer ein Volk von der Höhe der geistigen Kultur herabsinkt, um so mehr ist es den Instinkten anheimgegeben und um so mehr folgt es den unmittelbaren Wallungen des Blutes. Forderung der Kultur muß es bleiben, sich über diese Instinkte zu erheben, sie in den Dienst des Geistes zn stellen und einem Ideal zu dienen, das allen Menschen geineinsam ist, in unserem Falle einer Religion, die alle Völker einen sollte zunächst und vor allem im Glauben an den einen persönlichen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden. Professor Dr. Friedrich TUebergoll (Marburg) schreibt: Das Christentum, aus einer Raffe hervorgegangen, hat die Raffe überwunden und geht in alle Raffen ein. Ein Gaur; durch ein Dölkermuseum belehrt uns, wie eng die Religion nicht nur mit den Völkern, sondern auch mit den Rassen zusammenhängt. Eine jede Raffe gibt ihren Göttern die eigenen Züge, wie sie überhaupt das eine Göttliche ihrer Eigenart entsprechend empfindet. So ist es in der ganzen außerbiblischen und vorprophetischen Welt der Religionen. Im Volke Israel sind zwei Seelen. Auch es hat eine Volks- und Raffenreligion. Aber aus seiner Tiefe ist g ö t t l i ch e m R a t s ch l n ß g e m u ft eine Religion hervorgegangen, d i e bestimmt war, die Rasse zu überwinden. Der Gott Israels, der heilige, herrliche, überweltliche Gott, trägt menschliche Züge, die ihn zum Gotte der Menschheit bestimmen. Ans diesem Geist der Religion Israels ist das Christentum hervorgegangen. Es brachte ans diesem Ursprung die Kraft des religiösen Gedankens, die strenge sittliche Religion und den menschheitlichen Zug mit. Jesus von Nazareth hat dieses Erbe seines Volkes in besonderer Weise gestaltet und ihm das Unableitbare seiner Persönlichkeit hinzugesügt, das mit dem Bilde „Sohn Gottes" zum Ausdruck konunt. Sein größter Apostel, Paulus von Tarsus, hat zu diesem besten Erbe Israels das menschheittiche Erbe der hellenistischen Kultur hinzugesügt. Aus den.: innersten Grund seines Wesens hat er in die streiterfüllte galatische Gemeinde ein unvergängliches Wort hineingeschrieben: Hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Freier noch Knecht, nicht Mann noch Weib, sondern einer in Christus. — Das ist das revolutionärste Wort der Weltgeschichte, das Thema der kommenden Jahrtausende, die die Gleichheit vor Gott ausgcstalten sollten zu einer Gleichheit in der Welt. Das erste der drei Begriffspaare würden wir heute so ausdrücken: Hier ist nicht Arier noch Semit. — Der Gedanke des Menschen und der Menschheit hat den der Rasse überwunden. Es wird nicht mehr gefragt, zu welcher Gruppe ein Mensch gehört, sondern ein jeder hat als er selber sein Verhältnis zu Gott, wie Gott zu ihm. Vor Gott ist totf Ansehen der Person. D a r n m i ft es ei n Unrecht, vom christlichen B o d e rf ans im N a m e n des Christentums Rassenstolz und

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