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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-21 · 34 (21.8.1925) · p. Seite 568

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
34 (21.8.1925)
Date
1925-08-21
Page
Seite 568 (sequence 7)
Language
German
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568 Rassenunterschiede können von Grund aus nur unter Zuziehung der Naturwissenschaft, der Biologie, festgestellt werden. Die Rasscnfrage ist eine natnrivissenschastliche. Das K r i t e r i u m der Rajjenunterschicde sind die physischen und psychischen Erbanlagen. Nur auf diesem Wege können wir zum Ziele gelangen. Vorläufig wüsten wir uns dabei, jedenfalls im wesentlichen, an die körperlichen Erbwerte halten, denn die Vererbung der seelischen ist noch zu wenig ergründet, und man gerat deswegen bei einem Versuch ihrer Differenzierung zu leicht in das Gebiet von mehr oder weniger fnndierten Werturteilen, bei denen je nach der Rafsezugehörigkcnt des Erklärenden zu leicht subjektive Bewertungen eintreten. Selbst wenn diese mit dem festesten Willen zur Objektivität vorgenommen werden, haben sie wegen der bisherigen Unvollkommenheit der wissenschaftlichen Grundlagen Bedenkliches. Wollen wir Rassen seststellen, dann müssen wir nach Dt e n s ch c n - gruppen suchen, die eine g e m e i n f a m e A b st a in m nng haben und eine Einheitlichkeit dadurch ausweisen, daß ihnen dauernd gewisse Erbanlagen eigentümlich sind, die eine Trennung von anderen Gruppen deutlich erkennbar m a ch e n.^ Es macht dabei nichts aus, daß sie vou einein gemeinsamen „Urahn" abstammen, wie weiterhin noch erklärt werden wird. Wie viele Rasten ' wir bei solchem Verfahren isolieren können, ist eine Frage für sich. . Unverkennbar ist. daß hierbei große Schwierigkeiten vorhanden sind. Es beruht das daraus, daß Wanderungen bis in die Eiszeiten hinaufweisen, und daß bei der zweifellosen Fruchtbarkeit aller Hominiden unter sich und ihrer Kreuzungsprodukte untereinander von vornherein Mischungen unbedingt stattgesunden halben. Trotzdem lasten sich gewisse rassige Urformen herausschälen, von denen einzelne sich in einem gewissen Umfange bis in die Jetztzeit typisch erhalten haben. Für diese wendet man eben den Ausdruck ,.UrrasserG an, obwohl diese Bezeichnung nach dem vorstehend Ansgesührten nur eine bedingt richtige ist. Man spricht anch von Rassen zweiter Ordnung, die durch Mischung von zweien oder mehreren ■ entstanden sind und infolge einerseits von Ausschluß weiterer In der nächsten Nummer über Rassefragcn erscheinen u. a. Beiträge von Professor Franz Boas (New chork), Hosrat Friedrich Hertz (Wien) und Dr. med. Jnnuerwatzr (Beuchen, O.-Schl., und Münden). Mischungen, anderseits einer gewissen Bestänidigkeit in der Vererbung der Kreuzungsprodukte einen erkennbaren Typus angenommen und behalten haben. Wie aber sind die ersten voneinander abweichenden R a s s e n s o r m e n e n t st a n d e n, wenn sie doch e i n e n g e m c i n \ a in c u „U rah n" habe n, wenn also die Urahnen des M e n s ch e n nur eine Rasse,- bildeten? Ich möchte bas in folgender Weise zu erklären suchen. Bekanntlich unterscheiden sich Abkömmlinge mannigfach von ihren Vorfahren, und diese Unterschiede hasten entweder nur dem einzelnen Nachkommen an, ohne daß sie erblich sind; man nennt das Paravariationen. Oder es entstehen diese Abweichungen durch Veränderung des Erbgutes, des Keimplasmas, dann sind sie erblich. Für letzteren Vorgang gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich erstens die Kreuzung. Die hierbei erfolgte Mischung der elterlichen Erbanlagen bedingt einen Unterschied der Nachkommen von beiden Eltern (Mixovariation). Zweitens die Jdiovariation. Es ist dies ein in seiner Entstehung uns noch ziemlich geheimnisvoller Hergang. tu irgendeiner Zeit und aus uns im wesentlichen unbekannten runden entsteht bei einem Individuum eine Aenderuug des Keimplasmas, und dieser Vorgang bewirkt dann naturgemäß eine Aenderuug der Nachkommen. Diese Jdiovariation (bisher meist Mutation genannt) ist bei Pflanzen sehr häufig, bei Tieren minder oft festgestellt. Es ist anch gelungen, ihn auf dem Wege des wissenschastlick)en Versuches herzustellen. Daß er auch beim Menschen vorkommt. ist sicher. Eine solche Wirkung wird z. B. dem Alkohol und anderen sogenannten ..Keimgiflen* zugeschrieben. Je mehr die Wissenschaft sich in dieses Problem verliest hat, desto mehr ist auch im Gegensatz zu früheren Annahmen große Häufigkeit dieser spontanen Vorgänge festgestellt. M i t Hilfe dieser Jdiovariationen können wir uns die E n t st e h u ng v e r s ch i e d e n e r Nassen auch v o m mono ge ni kt i scheu Standpunkt erklären, besonders wenn wir dabei das M e n d e l s ch e Gesetz und die Wirkungen der Auslese heranziehen. Zum besseren Verständnis möchte ich mich eines einfachen pflanzlichen Beispiels bedienen. Samen von einer großen, blaublühenden Pflanze gelangt durch irgendeinen Borgang, etwa durch Anhaften an einem Zugvogel, in eine ganz andere Gegend. Die neuen peristatischen (Umwelt-) Einflüsse sind so stark, daß dieser Samen durch Jdiooariation eine erbliche Veränderung erleidet, und das soll in zwei Richtungen geschehen: es entsteht Klemwüchsigkcit und weiße Blütenfarbe. Damit ist eine neue Rasie entstanden, und wenn alle Samenkörner — sie sollen von einer allogmanen Pflanze stammen — die gleiche Jdiovariation erlitten haben, dann sind die Nachkommen auch alle gleichartig und.gleicherbig, homozygot; untereinander gekreuzt, ergeben sie immer dasselbe. immer die gleichen Formen dieser neuen Rasse. Trifft diese Abänderung aber nur einen Teil der Samenkörner oder kommen die abaeänderten durch irgendeinen Zufall wieder mit der Stammrasse zusammen und kreuzen sich mit ihr, dann entstehen wieder neue Formen, die wir nach dem Mendelschen SpaltungSgesetz berechnen können. Augenounneu, daß die beiden Erbunterschiede. Größe und Blütenfarbe, sich gleich stark in der Vererbung zeigen, wie man sagt intermediär wirken, dann erhalten wir nach dem erwähnten Gesetz, dessen Erläuterung uns hier zu weit führen würde, je ein Sechzehntel groß-blaue und kleiu-weiße Formen, die den Eltern entsprechen und jede, unter sich gekreuzt, immer wieder dasselbe ergeben. Außer einer Reihe nicht reinerbiger, anderer Formen, erhalten wir auch noch zwei ganz neue, die reinerbig sind, auch zu je einem Sechzehntel, und zwar klein-blaue und groß-weiße, das heißt, jede dieser beiden neuen Rassen, unter sich gekreuzt, bleibt konstant. Tie gleichen Vorgänge sind beim M e n s ch e n in seinen Merkmalen mißlich und durch Waudernngsfolgen durchaus erklärbar. Da er viel mehr Erbeinheiten hat als eine kleine Blume, wahrscheinlich tausende, ergeben sich viel mehr und viel buntsck-eckigere Bariationsmöglichkeiten als bei dein gewählten Pflanzeubeispiel. Wie sich infolge der beschriebenen Jdio- und Mixovariationen die entftanbene Rasse in sich vereinheitlicht, und zwar unter Hinzutritt von Auslesevorgängen, das zu erläutern würde im Rahmen dieser Skizze zu weit führen. Es sei nur kurz bemerkt, daß viele der neu entstehenden Formen wieder verschwinden, weil ihre Zusammensetzung sie nicht genügend anpassungsfähig an ihre Umwelt macht, sei es in allgemeiner Hinsicht, sei es in bezug auf ihre anders geformten und begabten Mitmenscl^cn, die in der Beziehung günstiger gestellt sind. Es soll eben nur gezeigt werden, daß auch v o m m o n o - genistischen Standpunkt die Entstehung von Einzclrasfen möglich und auf deru beschriebenen Wege höchstwahrscheinlich erfolgt ist. Eben diese biologische Erklärung zeigt uns auch die Möglichkeit, daß die Erbwerte, die geistigen sowohl wie die körperlicl^eu, verschieden verteilt werden können, und es ist dabei unzweifelhaft, daß vou den verschiedenen Nassen durch die Gunst oder Ungunst der drei gestaltenden Faktoren (Jdio- und Mixovariation sowie Auslese) die eine Nasse viel gute, die andere viel schlechte oder wenigstens geringere Erbeigenschaften erhallen hat. Denken wir an das Pflanzenbeispiel, das uns zeigt, daß die guten Eigenschaften der Farbstofsbildung lmd des großen Wuchses erblich ausgenlerzt werdeil können. Ich glaube, hiermit bewiesen 31t haben, daß es höher- und minderwertige Nassen geben kann, und ich bin der Ansicht, das; mir die tatsächlichen Verhältnisse recht geben, daß z. B. die Buschmänner eine unbedingt minderwertige Rasse gegenüber den sogenannten europäischen sind. Tie niedrigen Erbeigenschaften dieser Raye würde sie anch unter günstiger Umgebung nicht befähigen, es anderen Nassen gleichzntun. Ich kaim auch nicht zuaeben, daß, wie v. Lu sch an sagt, der Unterschied der einzelnen Rassen, im besonderen in bezug auf moralische Eigerischasten und Intelligenz, nicht entfernt so groß wie zwischen den^Jndividnen ein und derselben Rasse sei. So darf man bei einer Rayenvergleichung nicht versah roll. B e r g l e i ch e n k a n n man nur d e n a l l g e m c i 11 c n Durchschnitt, sagen w i r den Typus einer Rasse mit dem einer anbctcn. Extreme Einzelsälle dürfen für solche Untersuchung, wie überhaupt für Statistiken und dergleichen, nicht herangezogen, sondern müssen abgestrichen werden. v. Luschan berührt auch die Wertunassrage von unehelichen Kindern und Mischlingen. Erstere haben zwar mit der Frage der Rassenverschiedenheit eigentlich nichts zu tun, doch hat v. Luschan. dessen engenische Bestrebungen und Verdienste unvergessen bleiben sollen, mehreres ans diesem Gebiet in seiner Schlußfolgerungen ausgenommen und ist sicher dadurch aus diese Frage gekommen. Ich pflichte ihm vollkommen bei, daß das Fehlen bürgerlicher oder religiöser Eheschließung selbstverständlich keinerlei biologische Wirkung haben kann. Die U e b e r t r a g n n g von E r b w e r t e n hat mit Kult- und Rechts formen nichts zu tun, und in dieser Beziehung kann eine Minderwertigkeit a priori nicht entstehen. Anderseits kann man wohl annehmen, daß diese Kinder durchschnittlich mit etwas leichterer Aussassung von Ordnung- und Sittlichkeitsbegrifsen im Erbwege belastet sind, also etwas ungünstiger in dieser Beziehung veranlagt sind. Tie Mischlingssrage wird'im allgemeinen im ungünstigen Sinne beurteilt, doch sei erwähnt, daß an dieser Frage noch manches 31t klären ist. Züchtungsversnche in Fauna und Flora haben anch bei gerade nicht nahe verwandten Arten hin und wieder zu günstigen Ergebnissen geführt, und man darf bei der Beurteilung menschlicher Mischungen nicht übersehen, daß die Bastarde, besonders die von einer weißen und einer farbigen Rasse, in der Regel von beiden Seiten ansgekastet werden und daß damit regelmäßig bei den Einzelindividnen die Entwicklung der psychischen Eigenschaften ungünstig beeinflußt wird. Das gibt ein Trugbild in bezug auf Vererbung. Im allgemeinen muß aber gesagt werden, daß nach herrschender biologischer Aussassung K reuz ungen u m so ungünstiger sind, je verschiedener die Erbanlagen sind, daß demnach mindestens von extremen Nassekreuzungen in dubio keine günstigen menschlichen Kreuzungsprodukte zu erwarten sind. Znsammensassend darf ich bemerken: v. Lusähan ninunt nur eine Spezies des Homo sapiens an und erklärt die Unterschiede der einzelnen Individuen durch äußere Einflüsse, wie klunatische. soziale und dergleichen. Wenn ich recht verstehe, schreibt er diesen Einflüssen riur paravariierende. also feine erbändernden Einwirkungen zu. Von diesem Standpunkt aus ist es unbestreitbar logisch, nur eine Spezies anzuerkennen. Nimmt man aber, meiner Ueberzeugung nach mit unzweiselhastem Recht, das Vorkommen von erbändernden Faktoren, wie das oben kurz skizziert ist. an, dann ist man berechtigt, von dem Entstehen und Bestehen verschiedener lnenschli'cher Nassen zu sprechen,

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