Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 34 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- Seite 566 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277603--02362-3537297- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5GG versuchten, in der Hauptsache ein Zweig d er mittelländischen (in Vorderasien auch als „semitischen" bezeichn etc n) Rasse gewesen. Aber es wird sich nie mehr entscheiden lassen, da ja keine Gräber des Nomadenvolkes vorliegen, ob sie noch reinrassig waren oder bei ihren Wanderungen und ihrem (geschichtlichen?) Aufenthalt in Aegypten schon fremdes (auch hamitisches?) Blut in sich ausgenommen hatten. In K a n a a n, das die Hebräer schließlich besetzten, fanden sie Völkerschaften Verschieber Herkunft (auch Philister, vielleicht aus Kreta usw.) vor, mit denen sie sich nach der Angabe, der biblischen Ueberlieferung reichlich vermischten. Auch hethitischcs Blut wird ihnen daruals schon zugcslopcn sein, da die Darstellungen von Juden des Nordreichs aus assyrischen Denkmälern diesen Typus deutlich erkennen lasten. Das ist alles, was wir über die, „rastenhaste" Zusammensetzung des jüdischen Volkes zur Zeit seiner nationalen Selbständigkeit mit einiger Sicherheit behaupten können. Freilich ist nach dem Vorbild Felix v. Lu sch ans häufig ein dritter Faktor genannt worden, der zur Bildung der „jüdischen Rasse" beigetragen habe, die angeblich „arischen" Amoriter. Von diesen soll das unter den heutigen Juden häufig unzutreffende blonde und blauäugige Element herrühren. Run sind aber die Amoriter, die „Enwri" der Bibel, unzweifelhaft semitischer Sprache gewiesen, und vermutlich gehörten sie in der Hauptsache zur selben Rasse wie die Hebräer. Wir wissen außerdem nicht, ob es schon in alter Zeit blonde und blauäugige Juden gab, wie heute in den nordenropäischen und osteuropäischen Gegenden; wenigstens sind solche bei den südeuropäischen und vorderasiatischen Juden nur äußerst selten anzutressen. ' Sei: ihrer Zerstreuung über weite Teile Asiens, Nordafrikas und Europas haben die "Juden freilich viele fremde Elemente in sich ausgenoinmen, teils durch Bekehrung zum jüdischen Glauben und teils durch Mischheiraten, wie wir das ja zu allen Zeiten^beobachten können. Es war also unausbleiblich, daß die rapenhasten Bestandteile aller Völker, mit denen das Judentum im Lause seiner langen Wanderung in Berührung gekommen ist, ans die „jüdische Rasse" abgefärbt haben. Es ist daher viel wahrscheinlicher, daß die hellfarbigen Elemente bei i>en heutigen Juden sich ihnen erst im Laufe der späteren Geschichte zugesellten, denn diese hellen Typen sind in größerer Zahl nur bei den Juden anzutressen, wo ihre Umgebung überwiegend den gleichen hellen Typus aufweist. - Es ist daher nicht richtig, von einer . ei n - heitlichen jüdischen „Rasse" zu sprechen, obwohl nicht zu verkennen ist, daß die Juden es jederzeit verstanden haben, sich die ihnen zuströmenden artfremden Ele- .rnente in hohem Grade zu assimilieren. Dazu mag die späterrecht exklusive Religion und ganz besonders die Einschließung der Juden in abgeschlossenen Stadtteilen oder in bestimmten .Anfiedlungsgebieten beigetragen haben. In erster Linie aber st die durch Jahrhunderte hindurch fortgesetzte Inzucht daür verantwortlich zu machen, daß sich die aus uralter Zeit tammenden Rapenbestandteile des Judentums bis heute in beträchtlichem Ausmaß erhalten haben. Daneben aber darf nicht übersehen werden, daß sich eine ganze Anzahl Juden findet, die sich vom Typus ihrer jeweiligen Landsleute nur .unwesentlich oder überhaupt nicht unterscheiden. Das muß tauch im Mittelalter schon der Fall gewesen fein, denn sonst wäre es nicht erklärlich, weshalb Gesetze erlaßen worden sind, .die den Juden das Tragen besonderer Abzeichen zur Kenntlichmachung vorschriebcn. In gewisser Weise findet daneben auch Eine gewollte Assimilierung im Aenßeren statt, insofern, als auch bei den Juden der für vornehin geltende Typus eines .Landes bevorzugt wird. So ist bei den Juden in nordischen Ländern der blonde Typus besonders beliebt und wird bei .Eheschließungen häufig bevorzugt. In der südeuropäischen Umflcbimg fällt der Jude naturgemäß durch seinen Typus weniger auf, da die Hauptnrenge der Landesbewohner ebenfalls aus derselben Wurzel des Menschengeschlechts hervorgegöngen ist, der schon genannten mittelländischen Rasse. I.' Statt also von einer jüdischen „Raffe" zu sprechen, wäre es richtiger, vom „Judentum" zu reden, das neben den uralten Komponenten, dem mittelländischen (semitischen) und dem .kleinasiatischen (hethitischen) Typus, die zahlreichen Varietäten der weißen und selbst anderer Rassen in sich ausgenommen hat, b)o es mit ihnen in Berührung getreten ist. So sind znm Beijfctel die jetzt aussterbenden Juden in China dem Typus nach Chinesen geworden, und Juden in Jnnerafrika, zum Beispiel in Abessinien oder im Sudan, unterscheiden sich auch nicht wesentlich von den dortigen Typen. Ueberhaupt besitzt der Jude eine überraschende Fähigkeit, sich den Völkern seiner Umgebung körperlich (freilich noch inehr geistig) zu assimilieren, wenn er in Freiheit unter ihnen leben darf. Wir wollen hier auf einzelne Fälle nicht eingeheu, da jeder Beobachter Gelegenheit hat, in seinem Bekanntenkreis Beispiele der genannten Art zu finden, seien es solche, die unzweifelhaft aus der alten Wurzel des Judentums hervorgehen, seien es Fälle, wo der Jude durchaus „arisch" aussieht. Zur weiteren Orientierung der Leser dieser und der kommenden Ausführungen wollen wir noch ans einige Werke F)iitweisen, in denen die Frage der Naffcnzngchörigkeit der Juden in wirklich einwandfreier Weise beleuchtet wird. Bon tendenziös geschriebenen Werken, wie H o u st o n Stewart C h a nrberlains Schriften, denen keine wissenschaftliche Bedeutung zukemmi, sehen nur hier ganz ab. Ich nenne in erster Linie das Buch von Tr. Maurice F i s h b e r g : „Die Raffenmerkmale der Juden", eine Einführung in die Anthropologie, München 1913. Das Buch ist wesentlich anthropologischen, physiologischen und Pathologischen Inhalts und setzt daher einige medizinische Kenntniffe voraus. Daneben aber gibt es auch eine kurze Uebersicht der verschiedenen jüdischen Typen in Asien, Afrika und Europa. Es ist mit zahlreichen Illustrationen versehen. Sodann sei das, wenn and) nicht ganz tendenzsreie, aber bereits in dritter Auflage vorliegende Duck) von Dr. Ignaz Zollschein: „Das Rassenproblem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlage der jüdischen Rassenfrage", erwähnt. And) hier tritt die anthropologische und physiologische Seite des Problems stark in den Vordergrund. Daneben aber handelt ein Abschnitt über den Kulturwert der jüdischen Rasse, jo daß auch der nicht medizinisch Vorgebildete dieses Werk mit Nutzen, wenn auch nicht ohne Kritik, leien wird. Ein weiteres Gebiet umfaßt das Buch von Tr. Friedrich H^ertz: „Rasse und Kuttur", eine kritische Untersuchung der Rapentheorien, in 3. Auslage soeben in Halle erschienen. In dieicm Werk werden die beiden Hauptrassen der westlichen Menschheit, die Arier und Semiten, gleichmäßig betrachtet; daneben aber werden and) allgemeine Fragen der Rassenthevrie erörtert und in ihren Auswirkungen erläutert. Ein besonderer Abschnitt besaßt sich mit dem Raffencharakter der Germanen. In gleicher Weise beschränkt sich das empfehlenswerte Buch von Franz Boas: „Kultur und Raffe", erschienen 1914 in Leipzig, nicht aus ein bestimmtes Gebiet, sondern umfaßt die ganze "Theorie der menschlichen Raffe. Besonderes Gewicht wird daraus gelegt, den Einfluß der Kultur und der Umwelt aus die Umbildung und Gestaltung der Raffen tlarzulegen. Die häufig behaupteten Beziehungen zwischen Nasse und Beanlagung, die eine so große Nolle in antisemitischen Schriften spielen, werden hier in vorurteilsloser Weise erörtert und auf das gebührende Maß zurückgeführt. Zu nennen ist ferner das bereits in mehreren Auslagen erschienene Buch von H. I. K. Günther: „Naffenkunde des deutschen Volkes", das in einem 70 Seiten umfassenden Anhang and) eine Rassenkunde des jüdischen Volkes gibt. Ter Versasser hat in feinem Buch zwar ein fleißig zusammongestelltes, reichhaltiges Material verarbeite!, und seiner Ansicht, das; weder das deutsche Volk noch die Juden reinrassig seien, kann man durchaus zustimmen; aber die Grundtendenz des Wertes ist allzu einseitig orientiert und das erstrebte Ziel seiner Ausführungen (Wiedcrvernovdung des deutschen Volkes) utopisch. And) die in ihren Grundlagen nicht unrichtige Darstellung der Rassenverhältnisse des jüdischen Volles ist durch seine "allzu offen zutage tretende Tendenz, die Mehrheit der Juden als ein minderwertiges Konglomerat hin.zustellen, für Leser, die in unp ar te i i jd)e r Weise orientiert werden wollen, nicht zu empfehlen. In mehreren Auflagen and) ist das in flottem, feuitletonistischem Stil geschriebene Buch von Fritz -Kahn: „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" erschienen. Es handelt über Rasse im allgemeinen, über Arier, Germanen, Semiten, schließlich im Hauptteil über Juden und die ftidtur der Inden. Ter Verfasser ist gut unterrichtet und gibt seine Darlegungen in einem blühenden, meist allzu blühenden Stil, der durchsetzt ist mit geistreichen Pointen und kühnen Schlußfolgerungen/ In dem Schlußkapitel „Kultur der Juden" finden sich Lobeshymnen auf Marx, LevinL (!), Landauer, Rosa Luxemburg neben anerkannten Größen der Wissenschaft und Kunst von jüdischer Herkunft. Das ist zum mindesten geschmacklos und eine Uebertreibung der Bedeutung von Eintagsgrößen neben Männern, deren Wirken für die Menschheit von dauernden! Nutzen ist. Das Buch ist also nur mit einer großen Dosis von Kritik zu benutzen.