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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 555

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 555 (sequence 13)
Language
German
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555 €me öeutsch-jüöische §rau. Dorothee v. Velsens Gedächtnisrede auf Jenny Apolant. Vor kurzer Zeit schloß Jenny Apolant. die in den Kreisen' der deutschen Franenvcreine hochgeschätzte Frankfurterin, die klugen Augen. Sie war eine von den Frauen, die, Deutschtum und Judentum im Herzen tragend, ihr Leben in den Dienst edler Menschlichkeit stellte und zielbewusst, ohne tönende Versammluugsreden, Werke und Einrichtungen sozialer Gerechtigkeit schuf. Wir geben hier aus der Ansprache Dorothee v. B e l s e u s . der Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Frauenvereins (in „Die Frau/ August 3925), die sie bei der Trauerfeier in Frankfurt am 8. Juni hielt, einige kennzeichnende Stellen wieder. Möge unsere Generation und die kommende sich voranleuchten lassen, was Jenny Apolant, ein treues Mitglied unseres Centraloereins, einst au§ des Herzensticfc bekannte: „I ch besitze das Schönste, w a s der M e n s ch haben kann, ich bin Deutsche, und ich bin Jüdin." ,„Jenny Apolant hatte 3907 die Leitung der „A u s k u n fts - (später Zentral-) Stelle für G e in e i n d e ä in t e r der Frau" in Franksurt am Main übernommen, einer sich jetzt schnell entwickelnden Einrichtung, die über vorzügliche Gutachten, Statistiken. Anweisungen aus dem Gebiet der Armen- und Waisenpstege. Schulverwaltung, Wohnungsinspcktion usw. verfügte . . . Periodisch wurde das Material in größeren Zusammenfassungen bearbeitet, so z. B. in ..Stellung und Mitarbeit der Frau in der Gemeinde" (Leipzig. Teubuer 1910), „Das kommunale Wahlrecht der Frauen in den deutschen Bundesstaaten" (Leipzig. Teubner 1918). Die Zentralstelle, die Frau Apolant erst in ihrer Wohnung beherbergt hatte . , . hat ausgezeichnete Dienste geleistet, bis die Gewährung der vollen Staatsbürgerrechte an die Frauen und das Erstarken weiblicher Berufsorganisationen ihr Arbeitsfeld mehr und mehr einengten. War die Zentralstelle die Arbeit Jenny Apolants, die sie in der Frauenbewegung am meisten bekannt gemacht hat, so war sie doch keineswegs ihre einzige. Die F r a n k f u r t c r O r t sg r u P P e des Allgemeinen deutschen F r a u e n v e r e i n s . deren Vorsitzende 'sie war, entfaltete ein reges Leben, an dem Jenny Apolant bis zu ihrem Ende lebendigstell Anteil nahm: viele der Versammlungen fanden in ihrer Wohnung statt, manche Sitzungen an ihrem Lager — eine wehmütige Freude der Erinnerung für viele. Dem Vorstand des All- 'tzelncinen deutschen Franenvereins gehörte sie von 1910 bis 1925 an. Wie sich versteht, nahm sie am kommunalen Leben ihrer Stadt regsten Anteil. Sie beteiligte sich lebhaft an der Wohlfahrtspflege, führte soziale Krankenhausfürsorge ein, gründete alkoholfreie Speisewirtschaslen, hierbei in die Kellnerinuensrage eindringend: der Krieg stellte ihr neue Aufgaben, die Inflationszeit entscheidende. Sie hatte Not und Gefährdung des Mittelstandes früh ersaßt und schuf in der „V e r k a u f s v e r m i t t l u n g s st e l l e für W e ritz c g e n st ü n d e a u s P r i v a t b e s i tz", in der „G e s u n d h e i t s - Hilfe" und in der „Winternot" Einrichtungen, die für viele '.Städte und Vereine vorbildlich geworden sind. Sanatorien und Erholungsheime zu mäßigen Gebühren zu gründen, war eine Lieblingsidee von ihr. Es lvar ihr dann keine Mühe zu groß, keine Arbeit zu gering, niemand zu hoch oder zu verborgen, um nicht der Arbeit dienstbar gemacht zu werden. Unzählige Ermittlungen vollzog sie selbst, dabei zur Trösterin und Beraterin der Notleidenden werdend. Und alles ohne Hast und Lärm, unendlich wohltuend in einer Zeit überreizter Geschäftigkeit. Besonders verstand sie es, junge Menschen zu gewinnen und in selbständige Tätigkeit einzugliedern. Ihr Amt als Stadtverordnete gab ihr reiche Gelegenheit, Erfahrungen und Kenntnisse zu bewähren imt> zu vertiefen; der Schulung der Staatsbürgerinnen diente die von ihr öegrihibete „Politische Arbeitsgemei n s ch ast" . . . Jenny Apolant war Jüdin. Sie war es mit aller Freudigkeit und Hingebungsfähigleit ihrer Natur. Ost hat sie den Ausspruch getan: „Ich besitze das Schönste, n> a § der Al e n s ch haben kann, ich bin Deutsche, und ich bin I ü d i n." Das deutsche Kulturleben, mit dein sie aufs innigste verwachsen war, ihre Vaterlands- und Gemeinschaflsliebe standen in voller Harmonie mit tem stolzen und herben Glaubett ihrer Väter. Sie liebte es, über Fragen des religiösen Lebens zu philosophieren uitd zu versuchen, in die Nätsel des Daseins hineiuzublicken. In langen Abeudsttinden auf dem Balkon ihres Hauses, das Auge auf die grünen Wipfel der lattgen Landstraße gerichtet, ließ sie ihre Gedanken um die Fragen kreisen, in die einzudringen dent Verstände verwehrt ist, die aber die liebende Seele, .sich von der Ewigkeit berührt und angezogen fühlend, in leisen ^Augenblicken ahnend zn lösen verntag. Eitt sattstes Leuchtett gittg .kamt von ihr aus, die schöttett, regeltnäßigett Züge verklärten 'sich, .und der Schritt vont Leben zur reinen Geistigkeit, den sie seitdeut vollzogen, schien zu einer winzigen Spanne, zu einem Nichts sich Zu verringern, die iut Gefühl einer tröstlichen Gewißheit leicht zu überschreiten detn Entett vergönnt ist. So tragen wir die Erinnerung an sie in unserem Leben mtd in unserer Arbeit, und wir suhlen, daß ihr freundlicher Geist uns geleitet, wir wissen uns mit ihr verbtntden in einem Sinn, der höher ist als alle Vernunft." MusiköieekLor /?ron §rr'eömann. Zu seinem 70. Geburtstage. Zu Beginn eines neuen Jahres pflegen wir Vorbeter im Gottesdienst die rührend schönen, ticsentpfun'dettcn Worte des Propheten Jirtuijahu: socharfi loch chesscd ncunijich . . ., „ich gedenke dir die Liebe deiner Jugend", mit ganz besonderer Innigkeit zu tönendem Ausdruck zu bringen. Beseelt vott ähnlichen Entbindungen gedettken wir Fjcute dankbaren Herzens des M u s i k d i r e k t o r s Aron Fried nt a tt n, der von Jugend an mit Leib und Seele seinem, unserem Berufe treu ergeben war und dein wir zum 22. August, seinem 70. Geburtstage, unsere herzlichen Glückwünsche darbringen. War und ist ja sein ganzes berufliches ttnd Privates Leben eilt gollgcweihtes, erfüllt von schasieusfreudigent Jdealisutus, von Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Befindet er sich nuef) seit wenigen Jahren im Ruhestand, so betätigt er sich glcichtvohl für uns Berttssgenoffen mit rühriger Aktivität nicht nur durch Verössetttlichnng gehaltvoller geistlicher, deutscher Gesänge in letzterer Zeit, sondern auch dadurch, daß er mit ossenetn Auch und Ohr die Neuerscheinungen der Fachliteratur beobachtet mtd ihren Inhalt durch kritische Besprechungen der breiteren Oesfentlichkeit zugänglich macht. lieber die vorbildlich wirkende Persönlichkeit unteres Jubilars, über sein reich gesegnetes schassen berichtete ich aus'ührlich in meinem Artikel anläßlich seines vierzigjährigen Amtsjubilätnus am 1. Januar 1922. („Allgemeine Zeitung des Judentums" Nr. 26.) Ich darf an die'er Stelle wiederholen, tvas ich damals in die Worte zusatttmenfaßte: Wie mus der hartnottischen Vereinigung und Durchdringung von Tonika, -rerz nnb Dotttinaute citt voll- und wohlklingender, weithin tönender Akkord erwächst, so ergibt sich auch die Respekt cinslößende Persönlichkeit Friedmanns atis serner Wirk'amkeit aus drei sich gegenseitig ergäuzcndeu und durchdringenden Tätigkeitsgebieten: auf dem Gebiete des Kantorats, aus detn des schassenden Alusikers ttn.d aus literarischem Gelnete. Verstand er als Vorbeter, tiefe uttb nachhaltige Wirkungen zu erzielen durch seinen aus tietreligiösem Gemütc horvorguellenden Vortrag, durch die ihtt erfüllende ttnd begeisternde Andacht beim Gebete, so ragt unter seinen musikalischen Schöpfungen ganz besonders hervor das unter dem Titel: ..Lettin lisehlomo, Cha>onus für das ganze liturgische Jahr" veröffentlichte, umsangreiche Synagogengesangswerk. lUiii feiner cm Anregungen reichen, bereits in zweiter Auslage erschienenen Studie über den synagogatcu Gesang hatte nch unser Jubilar erfolgreich ans ein noch wenig angebautes Gebiet begeben. Lehrenden ttnd Lernenden verschaffte er mit dieser Arbeit tiefere Einblicke in die Zusammenhänge unseres Lraditionellen Synagogettgesanges, vor allem mit den verschiedenen Arten der ThorakantillaLion. Endlich lieferte er mit seinen Lebensbildern berühmter Kantoren ein ebenso reichhaltiges wie wertvolles Material, an dem der zukünftige Geschichtsschreiber des Synagogengesanges nicht achtlos wird vorübergehen können und dürfen. Wie Aron Friedmann, unermüdlich tätig im fördernden Jnterosie des Kantorenstandes, ein unvergängliches Denkmal in unserer aller Herzen sieh gesetzt hat. so münde unser Dattk aus in die Bitte, der Allmächtige möge an unserem verehrnngswnrdigen Jubitar zu datternder Wirlltcpkeit werden lassen das Psalnuvort: Noch im Greisenalter sprossen sie, bleiben markig, rüstig mtb frisch. E. K i r s ch n e r (München), . Das Zeichen am OeBanZe. W o ch e n b e t r a ch t t! n g. Es gehört zur Eigettart mtserer heiligen Lehre, daß sie uns ans der eitlen Seite d i e h ö ch ft e n L e b e n s i d c a t e v o r A u g e n f ü h r t und doch ans der anderen Seite niemals die i r d i s ch e Welt der harten Tatsachen a tt s dem Auge verliert, in welche tum einmal der Mensch gestellt ist. Entwirft sie uns ein vorbildliches^System sozialer Ordnung. das Ideal eittcs Staates in gleichem Besitzstände besindlicher. rüstig schaffender Bauern, in welchem es feine Armen und Dürftigen geben tind eitt jeder sich des itn Schtveiße seines Angesichts Erworbenen freuen sollte, glücklich für diese tmd selig für jette Welt, so rechnet sie doch mit der menschlichen Schwäche, die. tmfähtg. aus eigener Kraft dett göttlichett Willen voll und ganz zn erfüllen, doch die alten Unterschiede der Stältde und Klassen immer wieder von neuem auflommen lasten würde, so daß sich betvahrheiten werde das Wort: Nicht wird aushören der Dürftige aus der Mitte des Landes. Die von der s o z i a l e tt Not Betroffenen, der Knecht, der Arme, der Levit. der Fremde, die Witwe ttnd das Waisenkind, erfreuen sieh ^ber besonderen F ü r s orge des G e s e tz e s. Das greifbarste ättßere Kenttzeichen der sozialen Unterschiede der Stäitde und ^Klassett ist das Gewand der Menschen. An dieses Getvand heftet sich das göttliche Zeichen nnb brittgt dett Söbtteu Israels den Gedanken: Gott steht inmitten eures Lagers, inmitten eurer gesellschaftlichen Verhältnis^ und Beziehungen. " geltet das Zeichen der ^chaufäden nn und gedettket aller Gebote des Ewigen. Und toas ist der Sinn aller G e h o t c? Gott Z" erkennen ttnd den Menschen die L i e b c § t a t a u s g l e i ch e tt d e r G e r e ch t i g k c i t z tt e r tu c t j e n. Das Hitnntelsblat! des Zeichetts ist die Gotteserkenntnis ttnd das reine Weiß die Tat der Menschettliebe. So trägt der Fürst, der Neiche ttnd Vornehme das Zeichen ant Prunkgewande. Es betvahrt il;n vor Hochmut und Selbstüber-

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