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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 553

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 553 (sequence 9)
Language
German
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553 t>erbienf auch in Teutichsnnd" wännste Oynipatflie: sie ist voraussichtlich der Beginn einer Vielverhcißenden RettungSakiivn. Wir deutsche Juden, die nur die cntie!.;cn«vol!c Lage uniercr ElaubeuZgenvffcn bei Beginn de? Weltkrieges 311111 «Teil auZ eigener Anschauung — tvie ich — iennengelcrnt haben, wir sind wähl verpflichtet, einen W u u s eh und eine Warnung auS.'gisprechen. Man sollte die jüdische^ liinsicdlung nicht zu nahe'der w e-st liehen Kreuzen de-S cvivjetstaateS bewirken. Ob ein neuer großer europäischer Krieg jemals wiederkommt, ob er nicht kommt — niemand weist cs. Käme er aber noch einmal, dann wären die Ostjuden wiederum den furchtbarsten kriegerischen Wcchselfüllen in den Krenz-zebieten anSgeseKt. auch alle jene, die leine Flinte tragen. Franc», Kinder,'Greise, und davor sollte man sic beivahren und ihre vielleicht dann aufblnhendcn Kolonien. . ... . . .. Iugenötsgungen. .'Ter Bundestag der Kaureraden am Stcrnlzudev Meer. 1 Wenn ich daran zurückdenke, wüe ich auf dem B undcs - Lag der Kameraden als Vertreter des E. V. in Empfang genommen wurde, so bin ich versucht, darin ein Symbol zu sehen. Aas Segelschiff, das mich über das Steiuhnder Meer brachte, konnte Zurz vor der Landung nicht mehr weiter, weit es infolge des niedrigen Wasserstandes stcckenblieb. Da kam einer der Kameraden durchs Wasser gewatet und trug mich auf beiden Armen aus Land. (%. V. und Jugend, eng verbunden in Rot und Gefahr, aber auch -innig verknüpft in fragen der Grundanschacmug- Das ist mein Eindruck, deal ich in Mardorf gewonnen habe. Mir war es leider nicht möglich, den Bundestag in all seinen Einzelheiten mitzumachen. -Aber was ich am Sonnabend abend bei der Bundesfeier miterlcbt habe, das gehört zu den scheusten Erlebnissen meiner Tätigkeit im E. V. Ich hätte gewünscht, es wäre all unseren Freunden, insbesondere unseren Führern im Kampf, vergönn! gewesen, mit diesen jungen Menschen am Feuer zu stehen, als der Holzstoß angezündet wurde und das Lied erscholl: „Flamme empor". Tie vergiftete Lust der Wahlversammlungen des leisten Jahres, die wir so oft und so nachhaltig eingeatmet hatten und die innner noch in uns steckte, .sie verschwand in dieser Staude ans Nimmerwiedersehen. „Siehe, wir singenden Paareschwören a in F l a m menaltar e, deutsche zu sei n." Tiefes Bekenntnis einer unverfälschten und reinen Jugend voll Tatkraft und Wahrhaftigkeit gab neuen Mut 'alten, die vorn an der Front für Teutschtnm und Vaterland zu kämpfen haben. i Wer aber mit seinem jüdischen Herzen die Backst am See und den Bundestag miterlebt hat, der wird voll Freude erfüllt sein über diese ieinzigartige Erneuerung unseres Judentum s. Innigstes ^religiöses Empfinden verbunden mit selbstbewusstem Stolz haben ^geradezu einen neuen Typ geschaffen, den des deutschjüdischen jungen 'Menschen. Nichts von Anbetung des Bodens und anderer Ebben, san die so mancher junge Jude heute glaubt! Und dennoch kraftvolles Bejahen auch der körperlichen Ertüchtigung. '' Alles in allem: Wer nicht selbst dabei gewesen ist, wird es kaum für möglich halten, das; es eine solche jüdische Jugend gibt. Ter .Teutschjüdische Waudcrbund „Kameraden" bedeutet — und das sage .ich ohne Ikebcrtreibung — eine Tat in der Geschichte des modernen deutschen Judentums. Nur einen Wunsch habe ich: Sorgt dafür, ihr 'Kameraden, daß euer Bund immer weiter wachse und sich ausbreite. 'Seid nicht so abgeschlossen. Es gibt noch Hunderte jüdischer Jungens und Mädchen, die zu euch gehören. Lasst sie nicht verkümmern. In diesem Sinne ans frohes Wiedersehen im nächsten Jahr. - f I. C. Die Jugendorganisation des 'Agmlas Jisroel i in Würzbrrrg. Aus allen Gauen des Deutschen Reiches waren zmn Bundes- und Telegiertentag der Agudas-Jisrocl-Jugendorganisatiou für Gott erglühte Inden herbeigeeilt, um tatkräftige, verantwortungsvolle Mithilfe bei der Lösung jüdisck)er Gegenwartsprobleme „im Geiste der Thora" zu leisten. Tas; dieses Wollen junger Juden die Unterstützung der orthodoxen Führer in reichem Blaste findet, ging aus der Anwesenheit prominenter Persönlichkeiten des gesetzestreuen Judentums hervor. Don ihnen seien die Herren Oberrabbiner Schapiro, Rabbiner Tr. '£> au 0 ver (Würzburg), Rabbiner Tr. K lein (Nürnberg), Jakob Nosenheim und Leo Wreschner (Frankfurt a. M.) genannt. Die Telegiertentagung. die am Sonntag, L. Anglist, begann, wurde durch einen Bericht des Lrganisationsvorstandes. erstattet von Herrn Leo Munk (Köln), eingeleitet. In der anschließenden Generaldebatte waren sich die Delegierten darüber einig, das; die Berbreistmg der Thora aus dem Lande und in der Stadt durch Wort und Schrift erfolgen soll. Aus der Versammlung heraus wurde der Wunsch geäustert, die „Agudah-Vlätter" von; „Israelit" zu trennen und'ein offizielles und selbständiges Agndah-Organ zu schaffen. Einen breiten Raum nahin die Anssprache über die Stellung der Agud-as Jisroel zu dem Esrn-Bunde ein. Herr Elie M 1111 k (Berlin) führt dazu aus, dast es nicht genügt, ideell mit der Agudas Jisroel nbereinzustimmen; es must auch anerkannt werden, das; das konstistlierende Prinzip der jüdischen Gemeinschaft nicht die nationale Einheit, sondern die Thora ist. Tas Problem der Zusammenarbeit wird durch eine Eutschliestung geklärt, die be- [ saat, das; verwchl werden soll, eine gewaltsame.Lösung des Konst'.lles, 1 zwischen Agudas Jisroel und dem Esra-Bund 311 vermeiden. Im Anschluß au die Telegiertentagung wurde der zweite Bundestag der Agudas-Jisroel Jugendorganisation am Montag von Herrn Tr. Siegmund S t e i n" (Bcrlln) eröffnet. Ter geschäftsführende Ausschuß der Agudas Jisroel erstattete durch Herrn Rabbmer Tr. ‘ P i n ch a s " E 0 h n ‘ Bericht. Klar, nüchtern und kritisch schilderte Rabbiner Tr. Gehn die gegenwärtige Lage der Orthodoxie und führte aus, das; die Klage der Jugend, es fehle ihr das geistige Moment, irrig ist. Ter Zug der Müdigkeit, der durch uu'ere Reihen geht, ist darauf zurückzuführen, dast die Jugend fehlt; nicht die Jugend der Jahre, sondern die des Herzens Pud der Seele. Tie Jugend hat verlernt, jung zu sein, der^ Glaube an sich selbst fehlt und das Streben, kein Kompromist zu schließen, sondern lediglich der erkannten Wahrheit zu vertrauen. Jacob Roscnheim (Frankfurt a. M.) erstattet den Bericht der Palästina-Zentrale. Ten Bericht des deutschen Keren Hatanro erstattet Herr Wolf S. Jacobsohn von der materiellen und Herr Oberrabbiner Sch a p i r 0 von der ideellen Seite. _ . _ Ter Höhepunk: der Tagung wurde durch die vnentliche Festutzuug am Montag abend erreicht. Tie Festreden hielten Herr Rabbmer Tr. Klein (Nürnberg) und Herr Lehrer Nu da (Wilhelmshaven). Beide Redner kamen inhaltlich zu dein Ergebnis, das; die Lwbe zun; Judentum durch tiefes Eindringen in die Thora hervorgerufen wird. Tie zweite Sitzung des Bundestages, am Dienstag vormittag, wurde durch das Anlim-Referat. gehalten von Herrn Tr. Robert W e i st (Wien), eingeleitet. Ter Referent betont die volkswirtschaftlichen Probleme in Erez Jisroel und die praktische Arbeit der Agudas Jisroel im Heiligen Laude. Ter Sinn der Wanderung nach dem Heiligen Lande liegt nach der Auffassung des Redners nicht darin, zu nationaler M a ch t zu gelangen, sondern entspricht dem Verlangen nach jüdischer Kultur auf Grund des Sinai-Gesetzes. Am Dienstag nachmittag spricht Herr Mar Gutmann (Nürnberg) in fesselnder Weise von der Arbeit der Agudas Jisroel aus dem Lande und gibt die Parole aus: „Nicht Flucht aus. den Landgemeinden, sondern zurück zu ihnen." Herr Wolf S. Jacobsohn betont die Gefahr der Großstadt für das religiöse Leben, den religiösen Verfall in der Gegenwart, die Erziehung des Groststadtmenschen zum AqudisnUis. Tie Bildung jüdischer Eharaktere must die Hauptaufgabe der Agudas Jisroel sein. Besonders betont er das seruelle Problem. Im Korreferat setzt sich Herr Markus Pose n (Heilbronn) für die Frühheirat ein. ~ . Arthur Tanziger (Berlin). Zeichen öer Zelt. yPsisff'MT Die Rückkehr zum Judentum. Das ,.G em ei nd eb la t t der Jüdischen G em e i nd e zu Berlin" (Nr. 7 vom 15. August) veröffentlicht im '^prechsaal den folgenden Brief, der mit einer Reihe ähnlicher. Zuschriften an den Gcmeindevorstand gelangt ist. Wenn auch wir mit manchen Stellen des Brieses (z. B. Gebrauch des Wortes „Rage") nicht einig gehen, so dürste der Brief, als Ganzes genommen, charakteristischer Ausdruck der Stimmung sein, die in gewissen Kreisen setzt herrscht, und er verdient daher die Beachtung unserer Leser. , Ter Brief laufet im wesentlichen: „Vor sieben Jahren, gleich nach Ausbruch der Revolution, trat ich aus der Gemeinschaft aus, zu der ich nach Abstammung und Rasse mein Leben lang gehört hatte. Tas Gefühl meines ziemlich impulsiven Vorgehens war damals doch so stark, dast es eine größere Anzahl mir befreundeter Menschen mit sich rist und sie gleich mir glaubten, die Enge der Anschauungen und „Pietätvollen" Traditionen nicht länger ertragen zu können. Wir meinten unseren Blick objektiv zu weiten, wenn wir „extra muros“ unser Leben weiter bauten und eine kleinliche, von Spezialinteressen diktierte Kirchturmpolitik nicht durch unsere Zugehörigkeit weiter unterstützten. Inzwischen sind wir, von 1913 ab, durch eine sich täglich mehr und mehr steigernde Rajsenbcwegung geschritten, und diese Nachkriegsjahre haben uns langsam, aber sicher in unseren damaligen Ansichten geändert. Wir haben erkannt, dast in einer Zeit des sich dauernd verschärfenden Nasseickampses jedermann auf den ihm angestammten Platz gehört und keine Zeit für Sonderwünsche einzelner sein kann. All die vielen Tausende, die infolge religiöser Indifferenz und Uninteressiertheit in Glaubensdingen sich abgcwandt haben von jeder religiösen Gemcinschnst, machen zurzeit wohl alle die gleiche Entwicklung durch. . . . So wie jeder anständige Mensch in einem ihm anfgezungenen Kampf seine Parteizugehörigkeit eindeutig bekennen must, cben'io ist es Pflicht alter derer, die aus religiöseu Gründen glauben, Dissidenten werden zn müssen, wieder zurückzufinden und auch äußerlich ihr Judentum mehr als iu ruhigen normalen Zeiten zu unterstreichen. ... .! Bringen Sie meine Zeilen,wenn Sie glauben, der Sache damit zn dienen, bitte, zur Veröffentlichung. Es ^werden dadurch vielleicht viele Laue und Schwankende zurückgerissen in den Kreis ihrer ursprünglichen Abstammung, die heute noch, zögernd und schwankend, von Bedenken und theoretischen Erwägungen zerrissen, abseits stehen. Wenn diese überall zn beobachtende gesunde Gegenbewegung eine Folgeerscheinung der irr Tentschland bis zur Unerträglichkeit gcsteigerten Hetze gegen alles Semitische wäre, so müßten auch die stmatischsten Gegner des Jndentnms seine heute noch wie vor Tausenden von Jahren innewohnende unzerstörbare Lebenskraft anerkennen,"

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