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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-14 · 33 (14.8.1925) · p. Seite 551

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
33 (14.8.1925)
Date
1925-08-14
Page
Seite 551 (sequence 5)
Language
German
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551 Die Liste öer jüdischen KlüchLlinge. Wir geben im folgenden ein Verzeichnis der jüdischen Flüchtlinge in Schneidemühl; das Verzeichnis ist noch nicht vollständig. Familie Ludwig Beil, Kürschner, Lissa, 6 Pers., Familie Michaelis Abraham, Viehhändler, Mogilno, 5 Pers., Familie Kivi Ascher, Teinpcldiener, Gollub, 3 Pers., Familie Sally Vaer, Tischler, Posen, 2 Pers., Familie Mar Biclitzcr, Mechaniker, Wongrowitz, 5 Pers., Familie Paula Cohn, Krotoschin, 5 Pers., Ludwig Cohn, Handlungsgehilfe, I Pers., Geschwister Goldbcrg, Schneiderei, Lisi», 3 Pers., Alfons Hirsch, Ectrcidehändler, Tremcsscn, l Pers., Louis Hirsch, Schneider, Nitschcttwaldc» I Pers., Herbert Hci- »nannsohn, Getreidekanfmann, Tarntcr, 1 Pers., Familie Israel Israel, Schuhmacher, Dummer»», 6 Pers., Familie Philipp Lcvtz, Fellhändler, Vromberg, 6 Pers., Familie Dorothee Litauer, Jntroschin, 3 Pers., Martin Lippmanu, Geschäftsführer, Ncntomischcl, t Pers., Familie Hanna Locbcl, Koschmin, 4 Pers., Julius Neumann, Mechaniker, Samter, l Pers., Witwe Lina Neumann, Filctzue, 2 Pers., Familie Abraham Pscfscr, Handelsmann, Äeinpcn, 3 Pers., Familie Bernhard Sachs, Schneider, Tchrinnn, 4 Pers., Familie Arno Schachtel, Eisenwaren. Tremcsscn, 3 Pers., Familie Isidor Stock, Fellhändler, Wongrowitz, 4 Pers., Witive Henriette Nngcr, Schneiderin, Lstrowo, 2 Pers., Familie Louis Walther, Tempeldiener, Jarotschin, 5 Pers., Nathan Weis;, Händler, Ostrowo, l Pers. Für die notleidenöLn Gpianten! Ter Vorstand der Jüdischen Gcmcindc zu Schneidcmühl sendet uns den nachstehenden Ausruf, den wir ausnahmsweise mit Rücksicht ans die politische Bedeutung der Ausweisungen veröffentlichen: Durch die brutalen, aller Menschlichkeit hohnsprechenden Ausweisungen der Deutschen ans Polen ist auch eine grötzcre Anzahl unserer Glanbensgenosscn von Hans und Hos vertrieben, um Heimat und Existenz gebracht worden, und befindet sich gegenwärtig im hiesigen Flüchtlingslager. Die meisten dieser Unglücklichen sind völlig mittellos »nd werden von der Gemcinvcvcrwallnng unterstützt nnd rituell verpflegt. Ncbcr 80 Personen haben wir täglich in der letzten Zeit beköstigt. Es ist uns nicht länger möglich, allein diese Last zu tragen. Hier z n helfen i st s e l b st v e r st ä n dl i ch c Pflicht eines j c d c « d c « t s ch e n I n d c n, denn die Flüchtlinge sind als Träger der deutschen K n l t u r a n ö g c w i c s c n w o r d c n , -.'eil sic ihrem Deutsch t u rn nnd ihre m an - g c st a m rn tcn B a t c r l a n d e die T r c n e hielten! Wir brauchen sofort grösicrc Beträge, um das Licbcswcrk fortsctzcn zu können und den Lpscrn einer barbarische» Zwaugsmusircgcl zur Wicdcransrichtnng ihrer Existenz bchilstich zu sein. Es gilt daher, nicht nur reichlich zn spenden, sondern auch den Flüchtlingen Nicdcrlasiungsniöglichtcitcn und Gelcgcnhcit zur Bernfsansiibnng nachznwcisen: Endlich bitten wir alle diejenigen, die Kinder oder Erivachscnc bei sich ausnchncen wollen, sich zu rnclvcn. Geldspenden und Zuschriften erbitten wir an den Vorstand unserer Gemeinde zn Händen des nntcrzcichnctcn Ttadtrats Lonis Schneider. Jeder helfe sofort «nd gebe reichlich! Wer schnell Hilst nnd gibt, gibt Doppelt! Schncidemühl, den 10. Angnst 1025. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Schneider, Stadtrat a. D. Soldin, Jnstizrat. v Spenden für die jüdischen Flüchtlinge sind demnach an Herrn Stadtrat Louis Schneider (2 ch n e i d e in ü h I) z» senden; Spenden für alle Flüchtlinge ohne Unterschied der Konfession nimmt die Deutsche Not Hilfe, Berlin, Reichstagsufer 3, Postscheck Berlin NW 7. Nr. 4900, entgegen. Die Vorgänge im berliner Westen. So geht es nicht weiter. In den lohten Wochen haben wiederholt im Berliner Westen, insbesondere am zrursürstendauun, in der Bismarckstraße und am ^Potsdamer Platz, Zusanunenstöße zwischen Angehörigen des völkischen Fr on t ba n n es und des Reichsbanners stattgesunden. Auch das Publikum wurde in Auseinandersetzungen, die oftmals mit einer Prügelei endeten, hineingezogen. Bellagenswerterweise ist in den letzten Tagen bei einein solchen Zusammenstoß ein Angehöriger des völkischen Frontbannes erschossen worden. Es steht uns hier nicht an, über die Ochulöfrage zu entscheiden: das ist Zache der Gerichte. Wir meinen aber, daß die Schutzpolizei nicht erst nach dieser Tat Untersuchungen anücllen sollte, sondern Vorbeuge n müßte. Tas Treiben nur dem Potsdamer Platz und an der Ecke Leipziger nnd Friedrichstraße wie am Aleranderplatz, wo mit Hakenkrenzfähnchen geschinückte Zeitungshändler jeden Augenblick Ausläufe verursachen, sollte einmal energisch unterbunden werden, ebenso wie das Herum stehen uniformierter Trupps des völkischen Frontbannes im Berliner Westen. Provokationsnrarsche, durch die es zwangsläufig zu Schlägereien kornmen muß, oder gar zu Revolverschießercien, bei denen man die jugendlichen Opfer nnd besonders ihre Angehörigen nu'r beklagen lärm. Es bleibt selbstverständlich jeder politischen Partei oder jedem politischen Verbände unbenommen, zrr besonderen Feiern ihre Angehörigen in beliebiger Uniform auf die Straße zn schicken. Ter Öcönung läuft cs aber zuwider, wenn fortgesetzt uniformierte Trupps ohne erkennbaren Anlaß herausfordernd den Berliner Westen durchziehen. Gegen diesen llnstrg einzuschreiten, müßte allen Parteien, auch den völkiscl)en. am Herzen liegen. Um so mehr aber scheint es Sache der Polizei, hier endlich durchzu greifen. Ter E e n t r a l v e r e i n hat sich wiederholt an die Behörden gewandt und ist anch jetzt wieder, da jüdische Passanten ohne irgendeinen Anlaß angereinpelt und belästigt werden, bei den Behörden vorstellig geworden. Auch andere geeignete Maßnahmen wurden ins Werl gesetzt. Haas gegen Kamm. Gin „v 5 lkif ch er" Z w i f ch en f all i m R ei ch s i a g. In der Reichstagssitzung vom 6. Angnst 1925 hatte anläßlich der Besprechung der A u s we i s u n g deutscher Optanten ans Polen Tr. Ludwig Haas (Baden) den Standpunkt der demokratischen Fraktion dargetegt. Der dentschvölkische Abgeordnete Jürgen v. R a m i n machte in seiner 'Diskussionsrede die Bemerkung, Tr. Haas könne selbstverständlich nicht den deutschvölkischen Enkwicklungswillen verstehen. Hieraus erklärte Tr. Haas in einer persönlichen Bemerkung nach dem amtlichen Stenogramm folgendes: „-iUeinc Samen und Herren! Ter Herr Abgeordnete v. Namin hat mir persönlich die Fähigkeit bestritten, den völkischen E n t w i ck l u n g s w i l l e n zn verstehen. Sie werden also begreifen, wenn ich das Recht beanspruche, dazu eine persönliche Bemerkung zu machen. Wenn unter völkischem Entwicklungswillen der Eutwicklnngswille einer durch Sprache und gemeinsame Kultur verbundenen Gemeinschaft verstanden wird, dann verstehe ich diesen Entwicklungswillen sehr gut, weil ich vielleicht meine Familie in Deutschland länger Nachweisen kann als mancher der Herren der Deutschvölkischen Partei. Wenn aber unter deutschvölkischem Eutwickluugswillen irgendein Wille verstanden wird, der mit falsch verstandenen Rassenanschauungen znsainmenhängt (Zuruf von den Völkischen: Mit richtig verstandenen!), dann verstehe ich allerdings diesen Eutwücklungswillen nicht. (Rufe von den Völkischen: Ra also'.» Tann verstehe ich ihn schon deshalb nicht, weil ich bei einem erheblichen Teile ^der Teutschvölkischeu nicht weiß, welcher Rasse sie angehören, (Sehr richtig! links.) Reine Germanen sind sie jedenfalls nicht." (Lebhafte Zustimmung nnd Heiterkeit links.) Herr v. Namin erwiderte darauf, daß er Herrn Tr. Haas genau sagen könne, wie er einen völkischen Entwicklungs-willen verstehe: es sei dies derselbe Eutwickluugswille, den die Zionisten für sich in Anspruch nehmen. Tie kurze Antwort von Tr. Haas lautete: „Ich habe darauf lediglich zu erwidern, daß ich die Anschauungen der Zionisten immer für genau so falsch gehalten habe wie die Anschauungen der Teutschvölkischen." (Große Heiterkeit nnd Sehr richtig! links.) Tie recht s ft eheude „T ä g l i ch e R u n d sch a u" schreibt dazu: . . . „Wenn Herr v. Ramin glaubte, einen Mann wie Tr. Haas als nicht völkisch hinstellen zu können, eilten Malln, der sich an der Front, wo er für Deutschland kämpfte, seine Kriegsauszeichnungen geholt hat, nnd wenn inan sab, wie gerade diese Anssprache, innerpolitisch leidenschaftlich dnrchgefübrt. den größten Eindruck hervorrief, dann kam man wobt manches Rial imlertich zu dem Ausspruch: Herr, rnich jammert des Volke-?! Blau wurde inanches Rial erinnert an jenes sathrische Zeitgemälde von Robert Hamerling ans den vierziger Jahren de« vergangenen Fahrhunderts,. der in seinem „Tent, der Deutsche" davon erzählt, wie das deutsche Volk bei seiner großen Wanderung von Kleinasien nach der Elbe und an den Rhein all sein Hab und Gut glücklich mitgebracht hatte und nur ein kleines Palet verlor. In tiefem kleinen Palet, so sagte Hamerling, befand sich der politische B e r st a u d der Deutschen. Manches Rial zweifelt man, ob dieses Paket bis heute wiedergefunden ist." ...

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