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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · p. Seite 541

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
Seite 541 (sequence 9)
Language
German
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541 faUiifüinmen ist, daß meine Schrift vielleicht gerade deswegen ihnen ^fnlan utr Selbstbesinnung fein tonnte, das erschüttert bicie Kampfer für schlichte Menschenwürde ebensowenig in ihrer trotzigen Unbelchrbavfeit wie etwa die Stimmung aus der Tagung des Prenpuchen oandesverlmudes, die klar gezeigt hat. wie wurzellos unb ohne Jede Resonanz die Heilslehre Naumanns ist. Aber bei dieser Abstempel!lng zur Gruppe Zoerder läßt es Herr Naumann nicht bewenden. Gr schreibt in gesperrtem Truck: ,.wre Zwischenschicht aber, deren Halbdeutschtum Herr Marx zum fudgchdeutschen Normalempfiuden stemveln möchte, bedarst der Brenv fl'Usuug durch jüdische Deuksihe, die nicht nur deutsche ^taaw'vlli.ger üdijchen Glaubens sind . . Das ist eine bitterernste Angelegenlieit. Nichts ist in unserem ganzen ösfeullicheu Leben so aoiwculnh. ul-'daß immer der eine dem anderen die nationale Gcstunuug und das rechte Deutschtum abspricht. Heute sind es die D-zmldenuofraton, morgen das Zentrum. aber immer sind es auch dao Juden, stach diesem Rezept verfuhr und verfuhrt auch Herr^ Naumann. Müeu wider feinen Stachel lädt, der hat das Brandmal des Halodeutsthtmns aus der Stirne. Taft er die überwiegende Mehrheit feiner Glaubens- und ^mmmesgenosieu dmm.t sreveustich in stirer (^hre bemalelt, stört ihn nicht. Sr hat den originellen Zwgchcuschichtler nun einmal erfunden, und er verteidigt '.hu mir^viderlicher Liebe gegen alte Angriffe der Vernunft und des^ A-sttaudes. stur richtigen Antwort müsste ich die Sprechweise des stwrrn Naumann nach ahmen oder ihm Gelegeichm? zu dem ihm. gelaiif-gen Ableukuugsinitlet der Privat l tage geben. Solange du er nicht unbedingt fein must, will ich es nicht, weil ich daran lerne Jreude st ave. Die sachliche Vewci-sführung der „berufeneren Jeder"^ nt von nicht zu übertressender Harmlos-glrst. Ich kann muh ernsthaft uut dem Vorwurf nicht anseinanderseüen, als ob ich etwas gegen die starke Betonung echt empfundener Vaterlandsliebe gegast hä:re. Sder soll ich mich gegen die Uukerstelluug wehren, dag ich gegen die moralische Jördermaz der den tust.cu Juden sei, wert uy den elarückuugssaualikern ins Gesicht leuchtete? Ich im de es wach roie vor für ein loses Phraseugedresche, wenn Herr Naumann von vor Treue gegenüber dem jüdischen Glauben spricht. Getaufte^zu den rnationaloeutscheu Juden zalilt, hat keine ^au-reguguis, dos Mort „Treue" mit dem jüdischen Glauben :u _Verbuchung zu bringen. Ich möchte hoffen, daß eine wirklich berufenere Jst-er^ steh einmal mit der besonderen Trage „Naumann, und jüdische RetigicuG beschäftigt, in der ich mich nicht kou-vcstcut fühle. ^Herr Vcp'cr braucht steh auch nicht darüber zu entrüsten, wenn die Verwandtschaft Nanmannscher Gcd-aukeugänge mit dentschvölkiüchen Gedankengängen aufacde.lt wurde. Tie Anzweiflung des _ vollen Deut schm ms Vieler deutscher Juden ist schau rin ausreichender Beleg für diese innere Verwandtschaft. In der Dschudeufrage versucht es Herr Pehser mit ärmlicher Vuchstabcuspatierei. Auf der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurde einstimmig ein Veschlust gefaßt, der die Ausweüungs- und Einbürgerungspraris der preußi>ä;en Behörden gegenüber den Ostjuden verurteilte. Zn den Mitgliedern des Preußischen Landesverbandes gehört Herr Pehser. Entweder hat er für den Beschluß gestimmt und damit sich, selbst desavouiert, oder er hat es vorgezogou, abwesend zu sein. Ich kann mit Genugtuung scststelleu, daß meine Auffassung flch mit derjenigen des gesamten deutschen Judentums, ausgenommen den Verband naNonaldculfchcr Juden, deckt. In der Trage der Bekämpfung des Judeuhapes kann ich von Herrn Pehser nichts lernen. Er redet an allem vorbei, was ich ausgeführt habe, oder er zieht es vor. gar nicht darüber zu reden. Der besondere Adest des uatioualdeutscheu Juden verlangt, daß er seinen politischen Standpunkt ohne Rücksicht aus das „Judesem" wählt. Das gehört doch zu den dciuentarcit Unterscheidungsmerkmalen. Mir andern aber halten das sür ein unzuinutbares Opfer an Eharakter und Selbstachtung. das wir niemals bringen werden. Mehr tuie ein paar hilflose Redewendungen findet mau über diele Grundfrage bei Herrn Pehser nicht. Ueberhaupt nichts sagt er ' auch über' die lärmende Propaganda sür die staatsbürgerliche Entrechtung derjenigen deutschen Juden, die nationaljüdisch empfinden. Prachtvoll ist Peysers Ausführung über die Zwischenschicht dieses Kernstück der Aaumannschen Doktrin. Blau hat ein Haar in der >ruppe gefunden und will es^ heute nicht mehr wahr haben, wie man den weit überwiegenden Teil der deutschen Juden als Halbdeutsche beschimpft hat. Es ist objektiv unwahr, daß sür den Begriff Zwischenschicht von Ansana an nur die Stellung des Mcnscheu zu Bott und Vaterland maßgebend gewesen ist. Wahr ist. daß Naumann alle schlechten Eiaeufchaften, welche der Judenfeind dcn Juden in ihrer Gesamtheit "zur Last legt, diesen Zwischensch-chtlern zuschiebt. Sie sind'dich Drückeberger und Krieasgeummler, sie sind kriecherisch und würdelos, sie und die Abwchrvereine. in denen der Ton von Zwischenschichtlern angegeben wird (!). führen den törichten Kamps gcstu den 'sogenannten Antisemitismus. Als die Aufführung von Schnitzlers .Reigen" in Berlin zu einem TheaLerskandal führte, da erhob Raumann zu lautem Protest feine stimme. Das dichterische Wesen Echnchlers umschreibt er als das Gebilde der Mutlosigkeit, der auf herzl^aste Taten verzichtenden Unterwerfung. Dieses Gebilde sei allerdings in gewissem Sinn der Ausdruck „jüdischen Geistes". Aber nicht des Geistes der uationaldent scheu Inden und der Ziouiüen sondern vesfen, der nicht fest in ein gesundes Volkstum hineinaewachsen ist, ver^zwischen den Nationen, zwischen den Schichten stehst. Es sei der Geist der jüdischen Jwistheustlsicht. Was hat Schnitzlers „Neigen" mit <olk und Vaterland zu tun? Es ist ebenso objektiv unwahr, daß -mniuo.nn nur eine verhältnismäßig kleine Schicht wurzelloser, zwischen Deutschtum und Judentum schwankender Halbnaturen zur Ztoischeuschicht zählt. Er fährt an der von Pehser angeführten stelle fort, daß diese Zwischenschicht „b e d e n k k i ch vergrößert erscheint durch die Zahl dev Mitläufer, die im Gefühl Gauzdeutjche sind, aber sich von dem richtigen Weg durch falsche Politik haben abdrängen lassen. Diese .Politiker* haben es glücklich erreicht, daß selbst der unbefangene, nicht in deutschvötkisthe Vorurteile verrannte Nichtjude den Eindruck gewinnen muß, die deutschen Juden, die sich so zur äußeren Einheitsfront zusammenschließen. müßten auch innerlich einheitlich fein, und ein halbes Deutschtum sei eben das Höchste, was der Jude, einer wie der andere, zu bieten habe". Uns gilt es ganz gleich, ob Herr Naumann uns'als Zwischen sch ich: (er oder als Mitläufer der Zwischen sticht bekämpft. Ich wiederhole auch trotz aller Wortklaubereien Pe-uers, daß Naumann von der Mehrheit der deutschen Juden gesagt hat, sie trotte metier in den alten ausgetretenen Vat-uen der Zwischenschicht. Ich verweise aus seine ^christ „Vom ü\ohdh'i)cn und uichunosaischeu Juden" S. 7. wo er hervorhebt, daß der uaiionaldcutsche Jude Angehöriger einer im Grundeinpsiuden übereinstiuimeudeu Schicht sei, die einen st a r k e n B r ic eh teil der in Deutschland lebenden Jude-i umfasse, nird ich veruveise schließlich aus die Ausführungen eiries anderen Schriftstellers naliormtdeuLscher Observanz, der geschrieben hat: „Was chrbeu wir in vaterländischem Sinne von den Juden zu erwarten? ^ind sie roirklich in nennenswerter Zahl nationaldeutsch? Wir dürfen diese Jrage ehrlich bejahe'.n" Dieser Schriftsteller ist Herr Do. Alfred Pepser. Ich verrveise ^schließlich auf die Z'.ichchrift dos Verbandes vom öl*tai 1025, 9, wo die Schristleituug eine von zionistischer Seite stammende Treischichieneinterluug riicht nur billigt, sondern als offenbar aus den Schriften des Verbandes entnommen bezeichnet, stach dieser Einteilung ist die dritte Schicht „die große Vc affe der Juden, w e l ch e p r i u zipi e n t o s d a z rv i s ch e n hin- und Herst e n d c l i . w o d u r ch sie moralisch, kulturell und st v l i 1 i s ch die e i g e n t l i ch j ü d i s ch e Gefahr d a r kt e l L l". Ich gcauoe hiernach, daß die Vlohrenwäsche des Herrn Peyser nicht gelungen ist. Wenn er jco.l-esst ich in Bausch und Bogen sür alle Unarten, Beleidigungen und Angriffe des Verbandes den Generalpardon verlangt und sie mit einem sehr sinnigen Vergleich als Kinderkrankheiten eufschuidigen will, so können nur daran? nur erwidern, daß wir an der Kranlstaftialeit und Anormalität dieser Bewegung noch niemals gezweiielr haben, daß wir allerdings auch noch' nichts von einem Gcsnudungsprozeß nornerit haben. In einem einzigen Punkt schiene mir eine ernsthafte Aussprache iuit Peyser angebracht. Er schreibt über das Verhältnis seines Verbandes zum Eeutralverei:? und bedauert elegisch, daß vor Gründung seines Verbandes nicht ein wenig mehr diplomatisches Geschick dazu verwendet worden sei, die nationaldeutsche Bewegung dem bentralverein selbst nutzbar zu machen. Ich haste einmal zu denjenigen gehört, dieses für taktisch richtiger stielten, menschlichen ^ch:rächen eine Konzeffion zu ucachen und den Dolchstoß gegen das deutsche Judentum abzufangen. Was geworden wäre, wenn man der von uns stelämpsven Aussasstmg ihren Platz iur Hausttvorftand des EcuLralvereins ciugeräumt härte, weiß heute niemand zu sagen. Aber mau wird sich jetzt innerlich freuen dürfen, daß es zu diesem faulen Kompromiß nicht gekommen ist, daß die „wirklich leitenden Männer in Berlin" diese ,Jragc mir gesnndem Instinkt und ohne diplomatisches Lavieren lösten. Herr Peps er sucht -mich darauf fcüzutcgen. daß im Jahre 192s eine Art Waffenstillstand zwischen dem Verband und dem Eentralverein vereinbart wurde. Das ist richcig. Aber nach dem Jahre 19 2 3 kam das Jahr 1924, und im September 1924 wurde der einstimmig gefaßte Beschluß des Hauptvorstandes des Verbandes uatioualdeutscher Juden veröffentlicht, in welchem gesagt ist. wie dringend rcvtlveudig es sei. daß neben dem Ecutralvereiu eine Organisation bestehe, die von der nubcirrten Pflege deutscher Gesinnung nicht nur spreche, sondern auch in der Praris mit ihr Ernst?nache. Diese E r k l ä r it n q t r ä g t a u ch di e 11 n t c r f ch rist des Herrn Pehser. Ist es wirklich uccr naiv, wenn mein Gegner sich auf eine Abmachung vom Jahre 1923 beruft und diese unerhörte Herausforderung vom Jahre 1924 verschweigt? Es ist wahr, daß ich über die vom Naummmschen Verband vertretenen Ansthauungen ein sehr hartes sachliches Urteil gefällt habe. Es geschah nicht ohne die begründete Ueberzeugung, da?ß zahlreiche Jrennde genau ebenso denken. Herr Pehser nennt das eine geradezcr maniakalische Beschimpfung. Nun ist mir nach vollbrachter Tat ein Zeugnis erivachsen, über ivelches ich höchste Genugtuung empfinde. In dem Prozeß JoerderBlamnam? wurde ein Brief von. Gesteimrat Eugen Juchs verlesen (übrigens in der Zivistheuzeit auch veröficUlllcht), dessen Inhalt ich nur deshalb hier nicht anführen will, ioeil der Brief auf das Persönliche abgeftellt ist. Die persörrliche Kritik schließt aber auch eine sachliche Kritik ein. die über die meinige noch hinausgebt. Wenn ich mein eigenes Urteil Prüfend nach' voäge und in die eine Wagschale diese Ansicht unseres Führers und in die andere die 32 Druckseiten Prissers lege, so wage ich die Hoffnung. daß mein Urteil in weiten Al reifen verstanden und gebilligt ivird. Damit sei es genug. Wir wollen von Herrn Naumann als einer der liebenswertesteli Figuren unter atien modernen jüdischen Autoren und Poliiileru und von feinem Sekundanten fürs erste Abschied nehmen. Yn!e aniina pia candkln, vale!

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