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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · p. Seite 540

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
Seite 540 (sequence 7)
Language
German
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540 In eigener Sache. . Von Rcchtsamvalt Dr. Jakoh Marx (Karlsruhes Vor einigen Wochen erschien meine kleine Schrift „Das deutsche Judentum und seine jübi[d)cn Gegner", Es ist ihr viel freundliche Zustimmung und mancherlei Ablehnung zuteil geworden. Von demjenigen, was Zionisten und die Sachwalter des Keren hajessod erwidern, sei an dieser Stelle weiter nicht die Rede. Ich habe mich in meiner Schrift darauf beschrankt, über diese Probleme des Gesamtjudentums nur das zu sagen, was notig war, um meinen eigenen Standpunkt gegenüber dem Verband Nationaldeutscher Juden, mir dem ich mich in erster Linie beschäftigt habe, llarzumachen. Daß Herr Dr. Max Naumann und seine Verbandskassen sich gegen mich wenden, ist in Inhalt und Ziel meiner Ausführringen wohl begründet. Es war mir von sack)- nnd personenkundigen Freunden auch prophezeit, und ich war innerlich durchaus darauf vorbereitet, daß man mich persönlich herunterreißcn werde, wenn man mich sachlich nicht widerlegen könne. Das alles ist ganz programmäßig verlausen. Herr Dr. Max Naumann antwortet in einem größere!! Aussatz seiner Zeitschrift, betitelt „Centralvercin und Nationaldeutschtum". Da ihm das nicht genügt, hat er noch eine „berufenere Feder", diejenige des Herrn Dr. Alfred Peyser, dazu verwendet, nm nachzuweisen, wie innerlich hohl und brüchig meine Veweissührung ist. „Nationaldeutsche Juden und ihre Lästerer" heißt diese Streitschrist des Sekundanten, die auf Anforderung umsonst und postfrei ins Haus geschickt wird. Mit diesen beiden Herren muß ich mich notgedrungen in der durch die Raumnöte dieser Zeitschrift bedingten Kürze anseinandersetzen. Naumann selbst erscheint in einem dem Leser seiner Zeitschrift nur zu gut bekannten Gewände. Meine Abfertigung wird in einer Tunke von grundsätzlichen Ausführungen über die „Krisis" im Centralverein nnd den hoffnungslosen Kamps der n a t i o n a l d e u t s ch e n Vorstandsmitglieder des Centraloereins gegen — die andere n Vorstandsmitglieder serviert. Tie wirklich leitenden Männer in Berlin sind nach Naumann im Grunde ihres Herzens gut nationaldcutsch gesinnt, tun manchmal sogar eine gut deutsche Tat und haben den besten Willen zum Deutschtum. Aber die anderen: Alljuden echtester Farbe, die sich ebensogut Zionisten nennen könnten, und die ewig Halb und Halben, die typischen Zwischenschichtler, die so und auch anders können, und die in ihrer Schlaffheit und Verworrenheit stets dein besten Mundwerk rrachlaufen, zumal wenn es ihnen selbst zum Munde redet. Ein solcher Hauptvorstand ist natürlich für „wirtlich deutsche Arbeit" ein Hindernis. Die „wirklich leitenden Männer in Berlin" werden durch diese gute Zensur nicht herabgewürdigt. Wir sind höchstens erstaunt über eine Gedächtnisschwäche, die nicht mehr wahr haben will, lvie die gleichen Leute von dem gleichen Manne vor gar nicht langer Zeit als imdeutsch oder halbdeutsch in aller Oesieutlichkeit augeprangert wurden. Die anderen aber, also im wesentlichen die „Provinzler", werden durch das Urteil dieses Kritikers noch weniger beleidigt. Wie viele von diesen 60 bis 70 Männern kennt Herr Raumam,, um das Urteil riskieren zu dürfen, daß es sich um Kretins oder Wirrköpfe handelt? Soviel ich weiß, ist er nur mit Herrn Rechtsanwalt Foerder inB rcslau in intime re Berührung gekommen, der ihm über das gesetzlich zulässige Maß seine Meinung sagte und diese Lust mit 150 Reichsmark Geldstrafe büßte. Jni Dorübergehen gibt Herr Naumann dann noch dem K. C., dem „vom Centralverein immer noch abhängigen Akademikerbunde", einen Fußtritt, und dann konunt er zu meiner Schrift, persönlich und fachlich. Tie Peysersche Schrift ist viel umsänglicher, die Arbeitsmethode geht ins Weite. Peyser lvendet sich offenbar nur an diejenigen, die Thomas Mann sehr schön die geistig Unbedrohten nennt. Seine vermeintlich sachlichen Argumente sind weiter nichts wie eine Häufung der alleraewöhrllichsten Injurien. Da mein eigenes Urteil immerhin befangen sein mag, habe ich andere gefragt, denen ich die Fähigkeit zur kritischen Lektüre einer kleinen Schrift zutraue. Um cs vörwegzunehmen: noch nicht einmal eine kleine Richtigstellung, geschweige denn eine Widerlegung in einem sachlich erheblichen Punkte ist auf diesen 3-2 eng bedruckten Seiten zu finden. Tie Tonart dieser Schrift lieat reichlich eine Oktave unter derjenigen, die für einen Streut unter gebildeten Menschen als zulässig gelten darf. Aber ich kann bei der Gehässigkeit dieser persönlichen Angriffe nicht stillschweigend an ihnen vorübergehen. Herr Tr. Felix G o l d m a n n hat in seiner in diesen Blättern erschienenen Besprechung meiner Schrift bestätigt, daß ich meinen Standpunkt in ruhiger, von aller Polemik weit ciitsernten Auseinandersetzung erörtert habe. Ich nehme diese Anerkennung als berechtigt hin. Die Herren Naumann, Peyser usio. find mir, im denkbar objektivsten Sinn gesagt, als Zeitgenossen vollkommen gleichgültig — wie ich ihnen hoffentlich auch. Ich kenne sie nicht nnd setze ihre bürgerliche Reputation als selbstverständlich voraus. Was ich geschrieben habe, richtet sich gegen Erscheinungen in einem kleinen Ausschnitt unseres öffentlichen Lebens; diese Erscheinungen, die mir im innersten Herzen zuwider sind, von meinem subjektiven Standpunkt aus auch drastisch zu charakterisieren, ist mein gutes Recht, das niemand mißverstehen kann, wenn er es nicht mißverstehen will. Aber Herr Peyser sieht jedes Wart meiner Schrift durch eine haß- und wutbeschlagene Drille. Wo immer sich ein derbes Urteil über irgendeine Erscheinung findet, bezieht Herr Peyser dieses Urteil auf sich und seine Freunde. Ich kann und will ihn daran nicht hindern. Er muß es wissen, warum er sich getroffen fühlt. Aber er möge beispielshalber die Frage beantworten, wo ich die Mitglieder seines Verbandes mit dein Ausdruck Hanswurst belegt habe, wo ich ihnen ein Gemisch von Aufdringlichkeit nnd Kriecherei vorgeworfen habe, wo ich ihnen eigensüchtiges schielen nach der anderen Seite, eitle Selbstbespiegeluna. wissentlich unwahre^ Behauptungen gegen die Glaut^ensgenossen, reaktionäre oder parteipolitische Ziele im Sinne rechts st ehender Parteien vorgeworfen habe, wo schließlich das Zitat '^eite 21, Zeile M bis 17 seiner Schrift (in Gänsefüßchen, Herr Kritikus!) sich befindet. Aber das genügt Herrn Peyser nicht. Cr sucht mich durch die Behauptung schlechtzumachen, daß ich Zitate verfälscht hätte. Ich begnüge mich, gegen diese Unterstellung Verwahrung cinznlegen. Die Methode ist dem Arsenal des Verbandes nationaldentscher Juden entnommen; vielleicht erinnern sich manche meiner Leser noch, lvie man vor einigen Jahren Ludwig Holländer mit „Gänsefüßchen" moralisch zu erledigen trachtete. Ter vorliegende Fall ist viel schlimmer, weil die Beschuldigungen des Herrn Peyser mit der Wirtlichkeit in Widerspruch stehen. Es ist vollkommen unwahr, daß sich S. -10 meiner Schrift ein unrichtiges Zitat befindet. Ich habe an der streitigen Stelle überhaupt nichts zitiert, nichts lvörtlich angeführt. Herr Naumann hat in seinen Schriften auch die Frage der Taufe erörtert, und zwar aus der Zeit, zu der schon die drei Schichten (| eine drei Schichten!) sich voneinander trennten. Tort führt er aus, daß Zionisten und Jüdischnationale gegen die Lockungen der Taufe gefeit seien. Anders aber einmal die Zwischenschichtler, die der greifbare Vorteil lockte, und zum andern nationaldeutsche Juden, die das Gebaren der Zwischenschicht verdroß, die das Bedürfnis fühlten, eine Scheidewand zlvischeu sich nnd jenen zu errichten. Von dieser! beiden Klassen habe keine bei der Taufe an die Religion gedacht. Für die einen (die Zwischenschichtler) habe es sich bei der Taufe nur um das bessere Fortlonuuen, für die ande rcn aber (die nationaldent scheu Juden) um die Geste gehandelt',' durch die sie dartun konnten, daß sie nichts anderes sind und nichts anderes sein wollen als die anderen Deutschen. Und dann fährt er fort: „Der Uebertritt zum Christentum war für den Zwischenschichtler der Uebcrgang in günstigere Lebcnsbcdingnngen, für den nationaldeutschen Juden in erster Linie der Uebertritt zum Deutschtum." Auf diese scharfsinnige seelische Analyse konunt cs einzig und allein an. Es ist gar nichts daran wegzudisputieren, daß Raumann für die Taufe seiner sogenannten uationaldeutschen Juden ein äußerst ehrenvolles, für die Taufe des sogenannten Zwischenschichtlers nur ein schlechthin ehrloses Motiv anerkennt. Daß Naumann die ohne innere Ueberzcugung Getauften von sich weist, habe ich ja selber hervorgehoben. Ich habe nicht ein Tüpfelchen an meinen Ausführungen zu ändern, und muß es in der Tat als lächerlich bezeichnen, wenn Herr Peyser mich in diesem Zusammenhang mit bcschwwrenden und feierlichen Worten apostrophiert. Weiter: Ich soll (^ctte 45 bis 48 meiner Schrift) nicht erkennbar gemacht haben, was meine Ausführungen und was diejenigen des Herrn Naumann sind. Ich kann ihm nur empfehlen, meine Ausführungen mit Hilfe eines geistig soliden Sekundaners uachzuprüfcn. Ich glaube nicht, daß außer ihm noch jemand darüber im unklaren ist, was zu dem Mosaikbild über den Zwischenschichtler ans den Raumannschen Schriften gehört und was meine eigenen Ausführungen sind. Weiter: Weil ich die sogenannte Verständigungsarbeit des Verbandes nationaldeutscher Juden, den „Abbau" des Judenhasses im Gegensatz zu seiner Bekämpfung durch den Eentralvercin, ironisiert nnd meinen Gegnern zugerusen habe, sie sollten nach Borkum, in die Korps und Burschenschaften usw. gehen, spricht Herr Prüfer von einer Verdrehung, die man sich gröber nicht denken könne. Ich weiß kein Mittel gegen die Kurzatmigkeit dieses Sanillüsrates und kann meine Leser nur urn Nachsicht bitten, wenn ich mich unter Beschränkung auf diese Beispiele notgedrungen mck diesem unerquicklichen Tratsch beschäftigen muß. Nun zur ^ache. Zu meiner Erledigung bedienen sich die beiden Gegner eines ganz simplen Ouiproquo, eines einfachen, aber auch recht geistlosen Tricks. Sie identifizieren meinen Standpunkt mit demjenigen meines Kollegen Foerder in Breslau, bezeichnen uns lwide als Vertreter bestimmler Minderheitscurschnuungen im Haupivorstand des Ccntralvercius, und Naumann spricht von einem „Fall Foerder" und einem „Fall Marx". Man hat mir den Berhandlno.gsbericht der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" über die Priveckklage Naumann-Foerder übersandt. Danach soll Herr Naumann im Gerichtssaal sogar gesagt haben: „Elemente wie Marx (Karlsruhe) und Foerder dürfen nicht länger im Centralverein bleiben; sie müssen hinaus. Ter Centralverein ist in seiner jetzigen Zusammensetzung eine Unmöglichkeit." Es ist eine Binsenwahrheit, daß in einem Kollegium von 100 Mitgliedern, auch wenn es in den Grundfragen einig ist, mancherlei auseinandergehende Aufsagungen vertreten werden. Es ist auch richtig, daß Herr Foerder tu der Frage der möglichen Kooperation mit den Zionisten, der Werbung für Palästina usw., eine Sondersiellung einnimmt. Würde ich seine Anssassung teilen, so würde ich gewiß keinen Anstand nehmen, seine und meine Meinung auch in der Oesfentlichleit zu vertreten. In der Tat bin ich in allen diesen Fragen durchaus gegenteiliger Meinung wie Foerder. Wer mich persönlich nnd meine Stellungnahme zu diesen Fragen kennt, wird den Versuch, mich unter die gehässige Rubrik „Attjuden" zu bringen, als blanken Unsinn erkennen. Wer rnich nicht kennt und nur ineine Schrift gelesen hat, wird ungleich meinen Gegnern darin nichts finden, was zu einem so verkehrten Urteil Anlaß geben könnte. Daß hier jemand geschrieben hat, dem mit dem — schon zum Schema gewordenen — Argument des Alljuden oder Zwischenschichtlers oder Mitläufers der Zwijchenschicht nicht

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