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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-31 · 31 (31.7.1925) · p. Seite 530

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
31 (31.7.1925)
Date
1925-07-31
Page
Seite 530 (sequence 11)
Language
German
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530 ober dem Untergang geweihten Nömerwelt crls Träger einer vertieften, sittlichen Leb ensan schaumig gezeichnet wird, so sollten^ wir Juden inmitten einer von Zweifeln und Gegensätzen zerklüfteten Gegenwart als die Propheten des sittlichen Weltgewissens immer wieder auf den Plan treten und so machtvoll die neue Zukunft in der Stille vorbereiten Hellen. Wölbe, längst bekannt als Verfasier verschiedene Jugendschristen und Monographien, hat eine Einleitung zum Epos geschrieben, welche in großen Strichen das Wesen Ahasvers und ferne Gestaltung in Sage und Dichtung zeichnet. Er untersucht den Ursprung der Sage und gibt ein treffendes Bild, wie vom frühesten Mittelalter bis zu Hamerling der Elvi ge Jude durch die legendäre und dichteri'che Formung seine verschiedemrrtigsteu Ausprägungen erhalten hat. Die Deutsche Bibliothek hat einen guten Griff getan, als sie Wölbe mit der Herausgabe des Epos betraute. Dr-. Max Schuf tan (Erfurt). Ter Schlüssel zu Goethes Faust (Old Iniquity) von Otto mar Beta; neu hcrauSgegebc» von Willibald Schulze. 3. Auflage 1924. Hammer-Verlag. (Hamrncr-LchrifLcrr Nr. 7.) Bor allem, es handelt sich iu dieser Schrift nicht um den Faust, auch nicht um das Verständnis Goethes' es handelt sich nicht einmal in erster Linie um die Juden. Auster mir hat es darum niemand nötig, die Schrift zu lesen. Goethe wird als Zeuge angeführt, das; das moderne Bodenrecht, das eine V e r s ch u l d u n g s m ö g l i ch k e i t für Grund und Boden kennt, die Ursache aller Nebel ist. Die Erreichung des Ideals, das Fault in der Sterbeszene mit brechendem Auge erblickt, „auf freiein Grunde das freie Volk , wird durch diese Berschutdnngsmöglichkeit, die ein Berschuldnngs z w a n g ist, verhindert. Durch „Antizipationen", seien es Hypotheken, Pfandbriefe, Rentenbriese, Renlenmnrk, die den Arbeitsertrag der Schaffenden vorwegnehmen, werden alle Sklaven des mobilen Kapitals. Bon da ist der Uebergang zum Inden nicht mehr schwer. „Ter Jude null mich nicht verschonen, der schasst Antizipationen." (Faust II. Teil, 1. Akt.) Ter Gedanke, daß der Boden u n v e r k ä n f l i ch ist, bzw. nach bestimmter Zeit wieder an den ursprünglichen Besitzer zurückfällt, ist nun freilich altjüdisch. Das ist zweifellos Herrn Willibald Schulze bei seinen Studien entgangen. (Ter Herausgeber ist auch Verfasser der Schrift, da ihr nur Gedankengänge und Zitate von Ottomar Beta zugrunde gelegt sind.) Und noch ein Zweites dürste sür Herrn Schulze von Interesse sein. Ter Talmud, der d r e Grundlage für die jüdische N e ch 1 s e ch u n g bildet, ist kein Rechtskodex. sondern eine Sammlung von Diskussionen über das, was Rechtens ist. Tie Handhabung des Rechts, die sich aus dem Talmud ergibt, entspricht demnach dem Ideal, das Schulze vorschreibt, und das er nur in der englischen Rechtsprechung verwirklicht findet. Was das mit .dein Faust zu tun hat? Nun, die englische Rechtsprechung ist nicht wie die deutsche an einen Gesetzeskoder, an ein corpus juris gebunden. Ter Richter darf sich in höherem Maste von dem Prinzip der equily, der Billigkeit, leiten lassen. Das corpus juris steht zum Prinzip der equity im Widerspruch. Ta der Gegensatz von equiiv natürlich iniquity ist, ergibt sich die Gleichung corpus juris gleich iniquity.- Nun wird im alten englischen Bühnenspiel der Vertreter des Lasters Old iniquiiv genannt. Im Faust, in der klassischen Walpurgisnacht nennt sich Mephistopheles mit diesem Namen: „Im alten Bühnenspiel sah man mich dort als Old iniquity/ Und daunr ist die Gleichung fertig: Das Böse gleich Atephistophcles gleich iniquity gleich corpus juris des Justinian. Da mit Hilfe des corpus juris des Justinian Juda sich die nordischen Menschen unterwirft und sie mit Hilfe des im corpus juris verankerten Bodenrechtes zu Sklaven des mobilen Kapitals macht, so ist NiePhistoPheles gleich Juda. Quod erat demonstrandum. Diese Schriften sind nicht immer sehr sinnvoll, zweifellos aber häufig sehr lustig zu lesen. Tr. Alberl Wolf. kleine Chronik. Am 21- Juli verstarb nach langem, schweren Leiden Profestor Aböls Lazarus, der bekannte Wissenschaftler und Arzt. Lazarus entstammt einer jüdischen Gelehrtenfamilie. Sein Vater, der Bruder des berühmten Moritz Lazarus, war zunächst Rabbiner in Brenzlau und dann ^eunnarbirektor in Breslau. Sein .Eaupürrbeitsgebnst war die Untersudruma der Zirantbeiten des Blutes. Im Jahre 18/ü bis 18IU wap er Ast ist ent bei Paul Ehrlich, mit dein ibu auch später eine dauernde Freundschaft verband. Mit diesen: zusammen verfaßte er verschiedene Beiträge zu Notnagcls Hailsbn.ch. Auch an anderen Sammelwerken beteiligte er sich mit Beiträgen ans seinem Spezialgebiet. Erwähnt mag noch werden, dast er seinem Lehrer Ehrlich ein biographisches Tenkinal gesetzt hat. In Wiesbaden starb Rechtsanwalt Dr. I. Rosenthal, der jahrelang Schriftführer der Ortsgruppe Wiesbaden des C. V. war und sich stets mit besonderen! Interesse unseren Bestrebungen gewidmet hat. Sein Andenken wird bei uns unvergessen sein; er gehört zu den Männern, die ihr Bestes für Elaubc und Heima: getan haben. — Unter Anteilnahine von Stadtverwaltung, Behörden, wirtschaftlichen und sozialen Vereinigungen und großer Teile der Bürgerschaft wurde am 13. Juli Kommerzienrat Barum, der das Alter von Jahren erreicht hatte, in W o r irt s zu Grabe getragen. (Sc war, wie Rabbiner Dr. Holzer in feiner Trauerrede aussührte, „cm glänzendes Vorbild, wie man die treue und starke Anhänglichkeit an seine Glaudensgeiuciuschast und an seiner Väter Religion mit ebenso starker und unerschütterlicher Treite und Anhänglichkeit au Staat und Vaterland, an die groge Geincinschast seiner Mitbürger verbindet." Oder anders ausgcdrückt: wie m a n D e u t s ch t u m und Judentum zu e i n c r wunderbarschönen Einheit und Synthese z u s a m m e n \ a g t. — Der Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Plauen des E. V„ Herr Adolf S i m o n, ist am 23. Juli ixt Bad gaste in plötj« Itrf) verschieden. Seit 1915 führte Adolf Simon die Gen,ei,'.de Blauen i. B. und erwarb sich nicht nur das Vertrauen sämtlicher Gemeindemitgliedcr, sondern auch die Wertschätzung fernstehender Kreise, ennne Herzensgute, vornehme Gcsrnnung und der'Mut, mit dem Adolf Simon die Iuteresien des Judentums wahrgenommen hat, sichern ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken. — In Berlin verstarb der Vertrauensmann der Ortsgruppen Zehdcuick i. M. und Köslin in .Pommern des C. V., der Kaupnauu Louis öcinfius (Zehdenick). Der Verstorbene hat seil Jahrzehnten mit großem Eifer in der E.V.-Arbeit gestanden und sich um das jüdische Leben auch in seiner Eigenschaft Drei ärztliche Urteile. I. Kinderarzt Dr. H.: Heute vermag ich Ihnen von einer geradezu überraschenden Wirkung des Biederisehen Raniogcn Mitteilung zu machen. Bei ***-einem sechs Wochen allen Kind stellte sich vor kurzem ein jr Magendarmkatarrh mit Erbrechen, Auftreibung des Leibes, - ■< v\ Stuhlverstopfung, Koliken, seihst Krampfanfällen ein. Es schrie f IJJlT* 1hrdUr- '*’■£ | Ta«: und Nacht'und entbehrte jeden Sch.'ates. Medikamente i i «h-'j - - ,vvp7\f hatten hier wenig oder gar keinen Effekt. Ich riet zu Ramogen, 1 vcv1 ’y un(j (jer Erfolg v.*ar überraschend. Mit einem Schlage Hessen \ J sämtliche Beschwerden nach. Das Kind bricht nicht mehr, schläft viel und ruhig und schreit nur, wenn es Bedürfnis nach Nahrung hat. Dose M. 1.50 in Apotheken und Drogerien. Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzcigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und. des Auslands Merlin8W19, Jerusalemer Ttrasie 46-49 j Breslau / Chemnitz | Dresden f Tüsseldors i Erfurt / Frankfurt a.M.! 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