Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 30 (24.7.1925)
- Date
- 1925-07-24
- Page
- Seite 518 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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513 Fum p. /!w. Heute, wo die heiligen Namen Zion und Jerusalem in den Tages- Zampf hineingczogen worden sind, wo um sie in Bolksversammlungen, Parlamenten und Gerichtssälen gekämpft wird, ist es vielleicht an der Zeit, wieder einmal sestznstellen, was sie für den feiner Religion treu ergebenen Juden bedeuten. Sie verkörpern in kurzen Worten die enge Verbundenheit mit der Vergangenheit und , den felsenfesten Glauben an die Zukunst der jüdischen Gemeinschaft. Mit welcher Zähigkeit und Innigkeit hat sich das jüdische -verz an diesen Glauben geklammert! Mit welcher wehmütiger Gewisien- Hastigkeit hegt es und pflegt es die alten Erinnerungen. In jedem Jahre durchwandert es immer wieder von neuem den alten Leidcusgang, durchlebt es in herzzerreißender Klage alle Phasen des trauervollen Vorgangs. Vier Gedenktage und drei Tranerwochen widmet es in sinnender Selbstfchan der alten Herrlichkeit. Aber wie himmelweit ist diese Klage und dieser Jammer entfernt von chauvinistischer Selbstgefälligkeit, von dom v v 1 k i s ch e n Hochmut, den wir heute in einem ähnlichen Falle gerade in den Kreisen der Gebildeten eines unterlegenen und gedrückten Volkes so verbreitet finden, der die Schuld nur bei den anderen sucht und sich selbst von jedem Unrecht freispricht. Zur sittlichen Tat ruft uns der 9. Aua aus. zur Erneuerung unseres wund und morsch gewordenen Seelenlebens. Und diese Erneuerung kann nur erfolgen durch Rückkehr zu Gott. Geben wir der Welt das erhabene Schauspiel einer Gemeinschaft, die zu ihren alten Idealen znrüclkehrt und nach ihnen lebt! 6s möge wieder mit Recht der Nus erschallen: Wo gibt es ein Volk, dessen Große darin besteht, daß sein Gott ihm nahe ist, wie der Ewige, unser Gott, so oft wir ihn anrufen! Zion kann nur unser eigen werden unter denselben Bedingungen, unter denen es uns zum ersten Male gegeben wurde. Als es am Einai einmütig rief, es werde altes erfüllen, was sein Gott von ihm fordere, da ward Israel in den Besitz von Zion eingesetzt. Wie dem Einzelwesen, so ist auch jeder Gemeinschaft die Seele von Gott gegeben. Unsere jüdische Seele ist das Gottesgeschenk der Thora. Durch sie tragen wir das Göttliche in uns, durch sie wird uns allein das neue und erhabene schauen des Ewigen geschenkt in Zion und Jerusalem. Hofs mann. HLschänöeLe Dsnkmäler. Heinrich Heine und Ludwig Frank. Von besonderer Seite wird uns geschrieben: In der Rheinland-Nummer gedachten Sie des großen deutschen Dichters Heinrich Heine. Mehr, als Worte es vermocht hätten, bewies das Bild des Loreleifelsens, wie trotz aller Streitigkeiten um Heine und gegen Heine seine Dichtungen in das Gemüt des deutschen Volkes eingcdrungen und zum Teil wahrhafte Volkslieder geworden sind. Auch das Bild Ludwig Franks, des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten, verössentlichten Sie, .der wenige Tage nach Kriegsausbruch für sein deutsches Vaterland gefallen ist. Das deutsche Volk ist sonst so freigebig mit Denkmälern für Kriegs- und Geisteshelden. Wie ehrt es diese beiden Männer? Das Schicksal des Heine-Denkmals, das einst in dem Achilleiou auf Korfu gestanden hatte und dann nach Hamburg geschasst worden war, weil der Kaiser das Denkmal dieses deutschen Juden nicht sehen wollte, ist ja bekannt. Es steht jetzt im Barkhoß einem großen Kaufmannshause in Hamburg, mit Holz umkleidet, um es gegen die Besudelungen nationalistischer Parteihelden zu schützen, die es einmal von oben bis unten mit Teer, ein anderes Mal mit roter Farbe beschniiert hatten. Der „Fridericus" meldet nun kürzlich, das; das Heine-Denkmal im Hamburger Stadtpark „eine würdige Stätte" finden soll und trägt bei der Gelegenheit seinen Lesern Verse von Heine vor, die daraufhin Qusgewählt sind, um die £cfcr zu neuen Beschmutzungen anzustacheln, falls es wirklich wieder aus einen öffentlichen' Platz gestellt werden sollte. Im Jnteresie des Denkmals wäre es wohl bester, wenn das Gereicht, daß der ehemalige Verleger der Heinescheu Werke, Julius Campe, das Heine-Denkmal in seinen Privatbesitz in Blankenese an der Elbe überführen und es nur noch ernsthaften und anständigen deutschen Besuchern zugänglich machen will, sich bewahrheiten würde. Sonst dürste es der republikanischen Jugend Hamburgs, die schon bei den früheren Beschmutzungen des Denkmals durch einen Fackelzug Heines Andenken retten wollte, schwer werden, das Denkmal vor neuen Beschädigungen zu bewahren. Und wie sieht es mit dem Frank-Denkmal aus? Im September 2924 wurde an. einer der schönsten Stellen der Stadt Mannheim ein architektonisch einfaches, würdiges Denkmal für Ludwig Frank von dem Reichsbanner feierlich enthüllt. Schon in den Tagen nach der Einweihung mußte das Reichsbanner einen eigenen Tenkmals- « stellen, weil man Uebergrisse rechtsradikaler Elemente betete, denen die Kundgebung des Reichsbanners gegen den Strich gegangen war. Jetzt ist im Mai dieses Jahres das Denkmal mit roter Kopiertinte besudelt und eine Woche später mit einem 20 Zentimeter hohen Hakenkreuz „verziert" worden. Zum Glück ist es gelungen, diese Beschmutzungen zu entfernen, so daß das Denkmal mit seiner schönen Inschrift: „Einer muß die Fundamente gesehen haben, die Fundamente des neuen Staates", wieder rein und würdig aus dem saftigen Grün cntgegenleuchtet. Leider ist es nicht möglich gewesen, die Täter amzusindcn. Aber zweifellos tznd sie in der unmündigen Jugend zu suchen, die ansgehetzt ist durch den sinnlosen Groll unbelehrbarer Fanatiker. Gerade die sollten aus der starken aufrechten Persönlichkeit des für sein V.üccland und für seine Idee gefallenen deutschen Inden die Achtung lernen, die die Rcchtselemente ja auch für sich in Anspruch nehmen. . U. B. Die Vergiftung ö§s Oeiftss. E i n e Z u s ch r i f t des Geh. A d m i r a l i t ä t s r a t s K o eh. 'Wir hatten in der „C. B. - Zeitung", Nr. 20, vom 15. Mai 1925 ans die Schlußbemerkung hingewiesen, die sich in der Kritik dos Herrn Geh. Admiralitätsrates a. D. P. Koch über das Buch „Tie Vergiftung des Geistes" von Gustav B ü s ch e r findet. Herr Geh. Admiralitätsrat Koch ergänzt unsere Ausführungen durch ein an uns gerichtetes Schreiben, das wir, seinem Wunsche entsprechend, im Wortlaut wiedergeben: „Selbstverständlich ist es nicht der Sinn meiner Stellungnahme, daß ein siegreicher Krieg ein Unglück für Deutschland gewesen wäre, sondern ein Sieg, den der Kaiser „und die um ihn" für sich in Anspruch genommen hätten. Ich denke dabei an alle die Leute, die den Kaiser säst während seiner ganzen Regierungszeit in einen rosenroten Nebel hüllten und die ihn hinderten, den Ernst der Tinge mit nüchternen Angen zu betrachen. Der Kaiser hätte geglaubt, seiner Freude über den Sieg durch ungemessene Dotationen, Adelsverleihungen, Auszeichnungen an die Regimenter und sonstiges Blendfeuerwerk Ausdruck geben zu müssen, „die um ihn" hätten neue Schranken, Standesunterschiede. Vorrechte inid allerlei sonstiges Zeugnis ihres ungemessenen Dünkels aufgerichtet. So Ware ein neues Mittelaller entstanden, gegen dessen scheinen sich sehr bald ein ungeheurer Gegendruck entwickelt hätte. Aus diesem Druck hätte sich ein Umsturz cmfgerichtet mit viel erschreckenderen Folgen, als sie der kraftlose Zusammenbruch in den Novembertagen von 1918 nach sich gezogen hat. Ich bin trotz des Gesetzes zum Schutz der Republik von ganzem Herzen ein Monarchist, weil ich die Monarchie für die festeste und lachgemäßeste Staatssorm halte, aber ich weiß auch, daß der wundeste Punkt in der Monarchie die Person des Monarchen ist, an der von den ersten Tagen der kindlichen Erkenntnis an vom Schranzentnm gesündigt wurde. lieber Wilhelm II. gab einst Bebel im Reichstag ein höchst treffendes Urteil ab: „Ein Mann von einer Modernität der Auffassung. die Staunen erregen muß, und doch ein Mann, der tief im tiefsten Mittelalter steckte." Wie schivach dieser Mann außerdem war, erkannten wir erst, als er in der Stunde, die einen Mann erforderte, sich und feine persönliche Sicherheit für den wichtigeren Teil im Vergleich zum Schicksal des deutschen Volkes und zu den ruhmreichen Erinnerungen des Hohenzollernhanses erachtete. Er trug kein Verlangen nach der Dornenkrone des Märtyrers." Wir erfüllen gern den Wunsch dos Herrn Geh. Admiralitätsrates a. D. P. Koch, ohne zu dem Inhalt des Brieses kritisch Stellung zu nehmen. Mar Liebermann. Gin Lebensbild von Mar I. Friedlandcr^ Prophläcnvcrlag. Berlin 1924. lieber Lieber mann gib: es schon eine stattliche Anzahl von Büchern, nnd doch erweist dieses neue Werk von Friedläuder sogleich seine Daseinsberechtigung. Weder verliert es sich im Biographischen, noch betrachtet es allein das Künstlerische oder schildert es besonders ausführlich den Zeitgeist, der Liebermann umgibt. Sondern es findet sich in diesem Buche von allem etwas, mit raschen Worten berührt, aber eben durch die Zusanunendrängung besonders eindrucksvoll. Friedläuder ist ganz und gar nicht dogmatisch. Sein einziges Prinzip bei der Abfassung dieser Schrift war gewiß, gar kein Prinzip zu haben, den Dargestellten nach keiner Richtung hin zu stilisieren, sondern ihn in seiner ganzen Daseinssülle durch Wort und Bild lebendig werden zu lassen. Jedes der kurzen Kapitel bringt ein neues Stadium seiner Entwicklung, eine neue Form seiner vielfältigen Wirksamkeit (der Porträtist, der Sammler, der Schriftsteller usw.), alles das znsannnengehalten von einem einheitlich-raschen Tempo und vor allem von einer einheitlick^charakteristischen Strichführnng. Friedländcrs Stil ist knapp, aber doch beredt, elegant, dabei aber nie verschwommen, vielleicht ein wenig kühl, aber doch voller Respekt und verhaltener Anteilnahme. Klug in jeder Prägung, ohne doch brillieren zu wollen, und aller Sentimentalität so abhold wie Liebermann selber. Der Verfasser, dessen eigentliches Gebiet die Kunst der Vergangenheit ist, zeigt sich hier ans einem Felde, das sich vor ihm, gerade weil er es selten betritt, in aller nngcernleten Fülle ausbreitet. Er kennt die Zeit, in der sich Liebermanns Wirken abspielt, ebensogut, wie ihm der Maler ans jahrzehntelangem Verkehr vertrant Ist, und weil so alles mit Anschauung und Erlebnis gefüllt ist. gibt es in dem ganzen Bnche keine tote Stelle, wohl aber manchen Passus, tcr sich durch besonders edlen Schliss zu hoher Eindrucksstärke erhebt. Von Liebermanus Judentum wird — ohne daß das Wort ,Jpudc-" fällt — öfters gesprochen. Es hieße das Bild Liebermanus lückenhaft zeichnen, wollte man dieses Motiv zum mindesten seiner Persönlichkeitsbildung unter den Tisch fallen lassen, und ich sagte ja schon, daß Friedländer kein Moment beiseite läßt, das ihm zur Erklärung seines Helden dienen kann. Das Buch ist mit rund hundert Mbitdungen versehen und in so selbstverständlich vornehmer Weise ausgestatlet, wie das bei den Büchern des Propyläen-Vertaas gang und gäbe ist. Franz Landsberger (Breslau)..