Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 29 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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! i I -- 505 {Name ist Schall unö Rauch. \ Eine Zuschrift u n b ein Schlußwort zu ) „Heinrich Heine" — Chajirn Bückebur g". ' Zu dem Artikel des Herrn Tr. Lachmanski in Nr. 22 vom! 29. mcii 1925 „Heinrich Heine — Chajstn Dückeburg" gestatten Sie; mir einige Bemerkungen. \ Ich habe die Empfindung, daß hier der Kampf gegen cmtil : semitische Verhetzung in etwas falscher Richtung geführt wird, \ .* denn schließlich ist es doch nur ein Zufall, daß Heinrich Heine \ nicht wirklich Ehajim Bückebnrg geheißen hat, und für die Be- S nrteilung seines Werkes und die Frage, ob Heinrich Heine ein \ deutscher Dichter war, ist die N a m e n s f r a g e ganz gleichgültig. Bei der Art wie die jüdischen Namen teils durch Zufall, vielfach aber auch durch den Mmtstspruch einer höhnenden Obrigkeit entstanden sind, muß es unsere Aufgabe sein, immer und! immer wieder zu betonen, daß der Name Schall und N a n ch ist i! n b e s nur aus die Persönlichkeit u n d das Werk an kommt. Unser Kampf muß dahin pelzen, immer wieder zu betonen, daß die Träger der Namen! .gohn, Levi. Echmul us'w. nickst schon tveaen dieser Namen als verdachrig angesehen und ihr Deutschtum in Zweifel gezogen inerden darf. Es kann uns daher ganz kalt lassen, J wenn antisemitische Hetzer den ja auch jüdischen Namen Heine durch i den noch stärker jüdisch tlingenden Ehajim Bückebnrg oder vielleicht \ gar durch den Namen Itzig ersetzen. Entscheidend ist, \ daß d i e „Lorelei" ein echt deutsches Volkslied * i ft, daß Heinesche Liebeslieder w i e z. B. „T u b i ft! iu i c eine B l u m e" echt d e u t» ch e m p f u n d e n sind, und daß Heine trotz aller B e k ä rn p f u n g der deutschen Machthaber seiner Zeit der Dichter des in jedes deutsche Lesebuch (und wenn -der Verfasser zehnmal Ehajim Bückeburg hieße) gehörenden Gedichtes ..Deutschland ist noch ein kleines Kind"'ist, und von ihm das Wort stammt „Deutschland hat ewigen Bestand, es ist ein kerngesundes Land". Ich glaube darum, daß die Erörterung der Frage, ob man Heine den Namen Bückebnrg auhängeu fann oder nicht, vielleicht in eine literarische Zeitschrift hineinpaßt, in der ,.E. V.-Zeikung" -aber höchstens in einer Anmerkung zu einem Artikel über die deutsche Dichter Persönlichkeit He me etwas zu suchen gehabt hatte. Tr. Paul Homburger (Karlsruhe). # * Der Verfasser der Zuschrift „Name ist Schall und Rauch" geht von der ganz richtigen Voraussetzung aus, daß es für die Beurteilung jeder schöpferischen" Persönlichkeit nicht auf den N a in c n, sondern auf das Wert ankomme. und daß dies innere Kriterium speziell auf die Juden Anwendung finden müsse, bei denen die Namen vielfach aus der zufälligen Äedingtheit von Ort, Zeit und Umgebung entsprungen sind. Ohne dem Problem der jüdischen Namengebung weiter uachspüren zu wollen — es hat bei den Ahnen Heinrich Heines väterlicherseits die einfachste Lösung rnder Annahme eines rein lokalen Namens (Bückebnrg) gefunden —, glaube ich daß der Herr Einsender den Wesenskern und auch die Tendenz meines Aufsatzes „Heinrich Heine — Chajim Bückeburg" (in Nr. 22 der ,.C. V.- Zeitung") verkannt hat. Das Wesentliche war für mich, festzustellen, oaß Heinrich Heines „richtiger Name" niemals Chajim Lückeburg gewesen ist, da schon der Urgroßvater sich den Namen Heine beigelegt hat. dieser Name dann auch von dem Großvater beibehalten wurde und, als unzweifelhaftes Erbgut, aus die Eltern des Dichters überging. Tie tendenziöse, plump-antisemitische Färbung jener Schirlkalendernotiz ist aber für jeden klar, der sich den Inhalt dieses Kalenders etwas genauer betrachtet. Es wird hier z. V. unter dem 13. August vermerkt: 1701 Nikolaus Lenau geboren — ohne daß der angenommene Dichtername durch den ..richtigen", den Geburtsnamen Nikolaus Franz Niembsch Edler v. Dtrehlcnan. ergänzt wird. Ebenso findet sich bei dem Dichter Anastasius Grün keinerlei Hinweis aus den ..richtigen" Namen Anton Alerander Graf v. Auersperg. Bedarf es, nach diesen beiden Beispielen, die um so schwerer ins Gewicht fallen, als es sich hier um literarische Adoptwuameu handelt, noch des näheren Beweises. welche Absicht den Herausgeber des ^chulkalenders bei dem ominösen Vermerk „Heinrich Heine (richtiger Name Ehaim Bückebnrg)" geleitet hat? . Gegen diese Tendenz galt es. ans Gründen geschichtlicher Ehrlichkeit. vor allem aber im Pädagogischen Interesse Einspruch zu erheben. Und wenn der Herr Verfasser obiger Zuschrift die Träger S. ausgesprochen jüdischer Namen davor schützen möchte, daß ..ihr Deutschtum in Zweifel gezogen wird", so erschien es mir erst recht notwendig, bei den zahlreichen Schülern und Dchüloriuuen. die den Körügschen „Mentor" als Bildungsquelle benutzen, nicht den Verdacht aujfommeu zu lassen, als könne der allen vorurteilslosen Deutschen heilig gewordene Dichtername Heinrich Heine durch genealogische Herleitung aus einem betont jüdischen Namen seinen wahren Adel, seine innere Leuchtkraft und seine unverbrüchliche Bedeutung für die deutsche Dichtkunst jemals verlieren. Bon diesem Standpunkt aus betrachtet, dürste, wie mir scheint, die Erörterung des ganzen -rhemas weit mehr als akademischen Wert besitzen und auch, da es sich um eine der markantesten und glanzvollsten Erscheinungen handelt, die ans dem Judentum hervorgegangen sind, gerade im Rahmen der „C.-V.-Zeitung" am Platze gewesen sein. Dr. h u g o L a ch m a n s k i. Nochmals: die gestörte Kestvorsiellung. Die Beleidigungen zurückgenommen . . . Wie uns mrtgctcilt wird, hat am 19. Juni zwischen Herrn Stadtverordneten Manes (Dnsieldorf) und Herrn Bürgermeister Melies (Benrath) wegen des Vorfalles im Kleinen Hause') am 30. Mai eine Aussprache stattgefunden, die zu einer völligen Einigung geführt hat. Herr Bürgermeister Melies hat die beleidigenden Ausdrücke, die er gegen die Juden im allgemeinen und gegen Herrn Manes im besonderen gebraucht hat, mir Bedauern zurückgenommen und dabei betont, daß es ihm heute unverständlich sei. wie er zu Aeußerungen gekommen sei, die ihm seiner ganzen Gesinnung wie seiner Vergangenheit nach gleich fremd seien. Er habe niemals antisemitische Gesinnungen gehabt oder betätigt. Es wurde in der Besprechung festgestellt, daß Herr Manes bei seiner Mahnung um Ruhe im Theater nicht die Absicht gehabt hätte, Herrn Bürgermeister Melies zu beleidigen. Herr Manes sieht auf Grund dieser Erklärungen von einer weiteren Verfolgung der Angelegenheit, soweit cs sich um Herrn Bürgermeister Melies handelt, ab. Im Dienste öes Gemeinöelebens. Der A u f g a b e n k r e i s des Rabbiners. Bei aller Anerkennung und Notwendigkeit der wissenschaftlichen Tätigkeit des Rabbiners muß doch entgegen der Meinung von Max Wiener in seinem Artikel Der Rabbiner') die prakinche rabbiniststche Arbeit, die Wirksamkeit im Dienste des Gemeindelebcns, als das wichtigste Betätigungsfeld des Berufes angesehen werden. Wiener schildert ja in dem ersten Teil seines Aussatzes das Arl^itsgebiet des alten Raw auch als ein Prakti'ches, das sich aus alle Zweige des damaligen religiösen und ethischen Lebens erstreckte. Die Entwicklung, die das moderne Leben genommen hat, und die sich bei vielen Glaubensgenossen als eine Abkehr von allem religiösen Denken darstellt, darf und soll die Anschauung des Rabbiners nicht in der Weise beeinflussen, daß er sich aus Unmut über den Gang der Dinge in die vier Wände seiner Gelehrtenstul>e znrückzieht. Für denjemgen, der als religiöser Führer in einer Gemeinde wirkt, kann die Wipenschast nur der Untergrund sein, ans dem er seine Praktische Tätigkeit ansbaut. Die Tatsache, daß es heute bei der so verschiedenen seelischen Einstellung der Menschen eine ungeheure Schwierigkeit ist, aus die Laien einzmvirken, darf nicht die Ursache sein, Zieh dieser ]o notwendigen Ausgabe entziehen zu wollen. Wir mimen mit allen Kräften versuchen, wieder Gemeinden zu schassen, die in geistiger Beziehung eine Gemeinschaft Und. das heißt die Seelisches und Religiöses gemeinschaftlich besitzen und sich nicht nur aus Grund ihrer Geburt und historischen Zusammengehörigkeit verbunden fühlen. Und darum sollte es neben der berechtigten Nt a h n u n g zur dauernden wissenschaftlichen Vertiefung als eine ebenso wichtige Pflicht des modernen Rabbiners hingestellt werden, daß er sich ernstlich den praktischen Fragen seines Bernses widme und vor allem die Möglichkeiten erforsche, wie eine wertvolle religiöse Einwirkung nicht nur auf die Jugend, sondern auch auf die Erwachsenen sowohl dem Inhalt des Gebotenen wie der Methode nach zu erreichen ist, wie unsere Glaubensgenossen erfolgreich an unsere religiösen Güter zu fesseln sind. Dieses Ziel kann begreiflicherweise nicht mehr mit den früheren Mitteln der antoritaiiven Forderung erreicht werden, wohl aber durch die Einfühlung in das heutige moderne Geistesleben und durch die Verwertung einer praktischen Erfahrung, die man sich im Laufe der Jahre gesammelt haben muß. Diese Vernssaufsasinng erfordert ein ebenso eindringendes Studium wie das Erforschen eines bestimmten Wissensgebietes. Ein Studium, zu dem in unseren Reihen^ leider noch die notwendigsten Hilfsmittel fehlen, das aber im Jnterepe der religiösen Neugestaltung unserer Gemeinden mit besonderer Liebe von den Rabbinern gepflegt werden sollte. Dadurch wird nicht, wie Wiener meint, der Sinn des Berufes von der Notwendigkeit und Not der Stunde erstickt, sondern ein neuer religiöser Geist in die Gemeinden getragen, die die Stützen der Lehre sein müssen, denn die Lehre muß ein Erbstück der Gemeinde Jakobs bleiben. Rabbiner Dr. A p P c l. Grus; bayerischer Inden an die rheinländischen Juden. Ter Landesverband Bayern des C. V. hatte, wie in Nr. 28 der ,.C. V.-Zeitung" berichtet wurde, in Regensbnrg an dem gleichen Tage eine Delegiertenversammlung, an dem sich die westdeutschen Verbände des C. V. in Köln zu der großen Verbandstagung trafen. Die in Bayern versammelten Delegierten sandten den rheinischen Freunden das folgende Telegramm: „Der in Regensbnrg tagende Bayerische Landesverband und der an dieser Tagung teilnehmende Vorsitzende des Eentralvereins grüßen unsere rheinischen Glaubensbrüder. Dankbar blicken wir auf ihre tausendjährige Bergangcuheit, den stolzen Beweis der Bodenständigkeit der deuticchn Juden im deutschen Vaterland und ihrer unlösbaren Verbindung mit unserem deutschen Vaterlande in Glück und Unglück." 1) Vgl. „C. V..Zeitung" Nr. 24 vom 12. Juni d. I. 2) Vgl. „C. V.-Zeitung" Nr. 25 vom 19. Juni d.