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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-17 · 29 (17.7.1925) · p. Seite 506

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
29 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
Seite 506 (sequence 11)
Language
German
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O 6?% «tr’S <^0 o? 506 Iüöischer unö christlicher RulLgesang. Von Kaplan F. §?&$>d (München). In letzter Zeit hat die „C. V.-Ztg." ihre Spalten mehrmals zu interessanten Ausblicken auf die heute zwar tote, aber als Kultsprache weiterlebende Sprache des jüdischen Volkes, das Althebraische, geöffnet. In Zeiten wie der unseren, wo die religionswissenjchaftliche Forschung so eifrig daran geht, aus den Ruinen, über denen der Schutt von Jahrhunderten und Jahrtausenden lagert, interessantes Material langst vergangener Zeiten hinsichtlich Religion und Kultus der Völker 311 heben, sann man nur wünschen, daß hierbei auch nicht die Religion des Judentums zu kurz kommt, das; die Religionsgeschichte in immer klareren Linien den Anteil und die Bedeutung zeichnet, wie sie Religion und Kultur der Juden im Leben der Völler gehabt haben. Und dazu ist ja die Kultsprache ein bedeutender Schlüssel, der uns das Verständnis immer besser zu erschließen vermag. Noch ein anderer Belang ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Interesse, nämlich die Beziehungen des Judentums zum ch r i st - lichen Kultgesang, und in den letzten Jahren hat man der Betrachtung dreier Frage mehr wissenschaftliche Geltung Zuerkannt. In erster Linie wird man einige Beziehungen zwischen jüdischem und christlichem Kultgesang nicht von der Hand weisen können. Tenn der g e s ch i ch t l i ch e Zusammenhang der ch r i st l i ch e n Kirche mit bem Judentum brachte es mit s r ch. daß man nicht nur in gewisser Hinsicht den Kult der Synagoge zum Vorbild des christlichen Gottesdi enstesmachte, sondern daß auch Gesänge, Psalmen und Lieder aus der Synagoge herüöergenomrnen wurden. Für einen objektiven Forscher ist dies auch ganz einleuchtend. Die Erstlinge der christlichen Gemeinden waren lauter Juden, und diese suhlten sich immer noch durchaus als Glieder der jüdischen Kultgemeinschaft. Und wenn dem auch nicht so Ware, so steht doch auch ein anderes fest. Diese Judenchristen waren so verwachsen mit ihrem früheren Kultus, namentlich was deyen musikalische Seite anlangt, daß sie die Wahrheiten und den Kult der christlichen Religion in das althergebrachte Kleid synagogaler Psalmen und Lieder hüllten. Ist so schon äußerlich ein historischer Zusammenhang zwischen jüdischem und christlichem Kultgesang nachweisbar, so wird sich die Frage noch mehr klären, wenn wir die innere Struktur des christlichen Gesanges auf das hin untersuchen. Seine einfachste Form ist das Rezitativ und dafür hatte der christliche Kultgesang sein Vorbild in der Synagoge. Tort las man die heiligen Texte von seiten des Vorbeters oder Vorlesers, und da es kein monotones Lesen dieser Texte gewesen, sondern ein moduliertes nach Akzent, Sinn und Pathos, so fand eben hier das Christentum seine Vorlage für eine f a n t i 11 i e r en b e Rezitation der Lesungen, Gebete und Psalmen. Gehen wir einen Schritt weiter zu den sogenannten Wechselgesängen. wie sie in den christlichen Responsorien und Antiphonen sich darstellen. Auch hier war eine Anlehnung an die Synagoge gegeben. Denn auch dort horte das Volk nicht bloß den Gesängen zu, sondern bekundete seine Teilnahme durch kurze, öfter eingcstreure Zwischenrufe, sogenannte Responsorien und Antiphonen. Es mag ja sein, daß diese Zwischenrufe des jüdischen Volkes nicht in strengem mnsikalischen und melodischen Linien erfolgten, sondern die Begeisterung über den gehörten Text eben uüt sortriß zu willkürlich geformten Unterbrechungen. Vielleicht hat die christliche Kirche eben nur die Vorlage zur Nachahmung verwertet und den musikalischen Stil dieser Wechselgesäuge logischer geformt. Unsere Betrachtung führt uns zu einer weiteren Nachbildung synagogaler Musik in der christlichen Kirche, es sind bolot)ortrüge und damit im Zusammenhang das I n st i t u t der Kantoren. Denn durch letztere wird ja die erste Einrichtung bedingt. Beim christlichen Gottesdienst fand dieser Sologesang hauptsächlich seinen Platz in den Gradualien und den Tractus, also in beschrankterem Maße, während der synagogale Gesang hauptsächlich Sologesang war. Doch hat die christliche Kirche diese Solovorträge mit einem großen Reichtum melodischer Tonsülle ausgestattet, wozu auch^ wieder die Synagoge ihr Vorbild abgeben mußte, namentlich am Schluß solch melodischer Sätze. Ich meine die sogenannten M e l l s m c n. Daß wir es hier mit einer jüdischen Einrichtung nnd deren Nachahmung zu tun haben, ist sicher. Unter den musikalischen Akzenten beim Lesen der Thora finden sich ähnliche musikalische Figuren, wie z. B. diese melodisch reichen Akzente Schalscheleth oder Karnophara, die auch nichts anderes sind als melodisch reich ausgeführte Figuren aus den Endsilben von Wörtern. Und noch heutzutage werden von jüdischen Kantoren einige Akzentzeichen der Mesoretischen Bibel als Melismen ausgeführt, an der gleichen Stelle wie die lateinischen InterPunktsonsmclismen. Einen überschwenglichen Reichtum an Musik tragen gerade die älteren Allelujaverse mit ihren Melismen, und diese christliche Sangesform trägt den Stempel orientalischer Herkunft und kennzeichnet sie als Erbteil synagogaler Psalmodie, wohl nicht stlavisch in ihren einzelnen Erscheinungen, sondern frei in der ^tilsormung. Ich glaube in diesen Ausführungen die musikalische Verwandtschaft von Synagoge und christlicher Kirche dargetan zu haben, und ich schließe mit dem Wunsche, es möge dem Forscherslerße gelingen, recht viele einwandfreie Beweise für diese Fragestellung zu bringen. ,, Neu grü Übungen." Immer wieder kommen Klagen an uns heran, daß unsere Freunde in Stadt und Land von Männern geschröpft werden, die vorgeben, eine Bewegung gegen den Judenhaß organisiert zu haben. Besonders Neugründungen mit neutralem Namen tauchen in letzter Zeit wiederholt aus und täuschen denen, die nicht alle werden, vor, ihr eigentlicher Zweck wäre die Bekämpfung des Judenhasses. Nach unseren zahlreichen Warnungen an dieser Stelle können wir bald kein Mitleid mehr mit den Cenasführten haben, die doch nun endlich wissen stllten. daß der Ccntralverein seine wichtigste Aufgabe darin sieht, im Kampf gegen den Judenhaß alles zu unterstützen, was der Unterst ützung wert ist. Tie stereotype Antwort in solchen Fällen mutz lauten: „Wenn Ihre Sache gut und gerecht ist, dann wenden Sie sich an den Centralverein in Berlin/ Alleinige Anzeigen-Anttah me Rudolf Mosse, Anzeigen-Anna nme für samtl. Zeitungen D eutscWaads und des Ausl an ds Sfrlin SW 19, ^crnfalemcr Strafe 46-49 J Breslau / Chemnitz / Dresden /Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a.M. / Halle (Saale) | Hamburg / Hannover f Karlsruhe / Köln a.Ah. -cipzig l Magdeburg / Mannheim j München / Nürnberg Slet'in / Slutlgart / Amsterdam / Barcelona J Basel / Budapest / Bukarest / Prag / Warschau / Wien / Zürich. A Vf L' Elt&tt M7Ei 4 Eä'L'I w oKjwff) X,.)] F'flArQ rx h < V MO öS wi -nä p 3tt? Interesse un-1 R irres Dralles bissen 8 ' wir, bei Sestestrmß gen aufSrundvsn I Anzeigen auf die | ill-MÖ'j | Blätter für Deutsch- ' j tum und Judentum ' stets ausdrücklich \ Dezug zu nehmen. § Max Kfssmger - Bad Kissmgen Marktplatz 17 Herrenschneiderei Abend-, Strassenirnd Sportbekleidung, Pelze Grösste Auswahl nur erstklassiger Stoffe Damenschneiderei Kleider, Kostüme, Mantel Complets, Petze Hervorragende Kollektion Pariser Onginalmodelle Massanfertigung In höchster Vollendung U- LJ DIE DEUTSCHE lüERT*ZlöflRETTE msmi *9*1 i ÜlillMi

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