Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 29 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- Seite 503 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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503 Die ersten Ideen gegen den Herenglauben brachte Weyer inmitten einer theoretischen Raserei oer Theologen zur erfolareichen Wirkung, die körperliche Marter der Leibeigenschaft, der Absolutismus, die Fron, die Jrrtümer der Phlogiston-Theorie, die Rechthaberei der früheren Luftschifffahrtfetndschaft und noch tausend andere Jrrtümer sind alle vollständig überwunden worden. Warum soll auf denr „Ersten internationalen Ausgleich-Kongreß der Gedanke eines kontaktbringenden Völker- und Gruppenverstehens mit Dämpfung der sogenannten, in Wirklichkeit nur angeblichen Rassengegensätze nicht auskeimen? Für Deutschland ist der Ausgleich schon ein letztes Gebot: entweder zunehmendes Zusammenarbeiten oder Heloten-Dasein! Der Gegenstand ist wichtig; ich werde die Grundlagen eines internationalen Ausgleich-Kongresses in einem zweiten Artikel ohne weiteres zur Diskussion stellen. Dr. Sest rmö öis DsutschnsücmülLn. „Beginn der moralischen Reinigung/ Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Oberlandesgerichtspräsident Dr. B e st hat bekanntlich am 27. Juni 1925 im Auswertungsausschuß des Reichstages schwere Beschuldigungen gegen die Abgeordneten Freiherru v. Richthosen, D r. R a d e m a ch e r, D r. O b e r f o h r e n u n d. D r. S ch e t t e r erhoben. Tie Haltung dieser Herren in der Aufwertungsfrage sei durch den Gesichtspunkt Persönlichen Vorteils beeinflußt worden. In der deutschnationalen Presse wurde betont, daß Best, der inzwischen zur völkischen Fraktion im Reichstag übergegangen ist, seine Behauptungen auf „unbefmmte" Personen gestützt habe und nicht aufrechterhalten könne. Demgegenüber stellt Dr. Best fest, daß diese dcutschnanonalen Angaben p l a n m n n i g c Verleumdung und bewußte Unwahrheit darstellen. Der Vorstoß Dr. Bests wurde unterstützt durch den Antrag der d e u t s ch v ö l k i s ch e n R e i ch Z t a g s s r a k t i o n , daß Abgeordnete, die ihr Mandat in gewinnsüchtiger Absicht mißbrauchen, vor den Staatsgerichtshof gestellt werden sollen. Dr. Best hat beim Reichstag die Bitte um Genehmigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegen die Abgeordneten Rademacher und Oberfohren wegen Beleidigung eingereicht. Diesem Gesuche gibt der Reichstagsabgeordnete Henning im „Deutschen Tageblatt" vom 7. Juli folgendes Geleit: „Wenn die Parteien im Reichstage rmv insbesondere die Deutschnationalcn amf Reinlichkeit halten und Wert aus eine öffentliche Klärung legen, so müssen sie die Immunität dieser Abgeordneten aufheben." Weiter teilt Herr Henning mit, daß das von den Deutsch- . völkischen unter Hinzuziehung von dcutschnationalen Richtern ein- : berufene Ehrengericht Herrn Dr. Best glänzend gerechtfertigt hat. Trotzdem werde Dr. Best mit Verleumdungen und Unwahrheiten bedacht, um ihn in der Oeffenilichkeit moralisch zu erledigen. ,Zst das deutsch, ist das national, ist das völkisch?" Herr Henning kündigt an, daß der moralische Reinigungs- Prozeß beginne und sich gegen die Kreise in der Deutschnationalen Partei wende, die leider einen maßgebenden Ein- .fluß in der Leitung haben und nachgerade eine nationale Gelfahr bilden. Wir haben nicht die Absicht, uns in diesen mörderischen Bruderkompf einzumischen. V a r i a t i o d e 1 c c t a t! Zur Abwechslung find jetzt einmal die Deutschnationalen daran, die auch durch die 'lautesten völkischen Dektarnationen nu diesem Ncinigungsprozeß nicht vorbeikonunen. ßrieöhofsschZKöung in Plcmsn. Wirkung der Hitler-Werbetätigkeit. Wie wir erst jetzt erfahren, ist kürzlich die neu errichtete Leichenhalle aus d e m jüdischen Friedhof in ,P l a u e n -T n n n e n h o f in schändlicher Weise besudelt worden. , Sämtliche Wände des Gebäudes wurden mit Oelfarbe beschmiert; ebenso die Türgrisse, Schlüssellöcher und vorderen Fenster. Die Verbrecher haben auch beschimpsende Inschriften angebracht. Es ist leider nicht das erstemal, daß aus dem jüdischen Friedhof in Plauen etwas Derartiges vorgekommen ist. Rach der ganzen Art der Beschädigung ist anzunehmen, daß die Täter in völkischen Kreisen zu suchen find. Es dürste interessieren, daß Adolf .Hitler gerade in den letzten Monaten im Voatlande eine größere Werbetätigkeit entfaltet hat. Das Schächtsn. ' In der Rümmer 28 der „C. V.-Zeitung" vom 10. Juli beschäftigt sich ein Artikel mit dem 3 ch n ch t e n und mit der Tatsache, daß die Antisemiten erneut gegen diese jüdisch-rituelle Schlachtmethode ihre unbegründeten Angriffe richten, unter dem Vorgeben, daß diese Vorschriften zur Tötung des Viehes inhuman und barbarisch seien. Wie schwer es ist, Irrtum bei den einen, Böswilligkeit bei den anderen auszurotten, zeigt sich erneut in diesem antisemitischen Vorstoß. Ter antisemitische Kamps gegen das Schächten ist althergebracht. Schon zu Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts tobte er, und da dieses Vorurteil bis heute nicht verschwunden ist, so muß darauf hingewiesen werden, daß bereits 1894 (Verlag ^Emil Apolant, Berlin) und dann erneut 1903 Gutachten von Proseyoren der Physiologie, Pathologie, Anatomie, Hygiene usw. mit Weltruf in Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Holland, der Schweiz, England, Dänemark, Italien, sodann von Bezirks-, Kreis-, Sanitäts-, Tierärzten und Schlachthosdircktoren, von Großschlächtern und Metzgerinnungen usw. erstattet worden sind, in summa mehr als fünfhundert Aeußerungen, und zwar von Persönlichkeiten wie du B o i s - R e y m o n d, P e t t e n k o f e r, V i r ch o w, Czerny, E s m a r ch, H e r t w i g, Waldeyer in Deutschland, L i st e r in London, Carl Bogt in Genf, M o s s o in Turin usw. usw., und diese Elite der Wisienschast und daneben eine überwältigende Anzahl von Männern der Praxis, sie alle bezeugen, daß das Schächten - als eine Tierquälerei nicht betrachtet werden kann, daß es vielmehr, als eine besonders humane Art der Tiertvtung betrachtet werden muß. Diese Sammlung von Gutachten ist damals zusammengebracht worden von dem ausgezeichneten verstorbenen Tr. Hirsch Hildesheimer und dem Schreiber dieser Zeilen; sie müßte jeden objektiv Denkenden überzeugen. Würde es möglich sein, durch sachliche Feststellungen, die von den berufensten Männern der Wissenschaft und der Praxis ausgegangen sind, eine Streitfrage aus der Welt zu schaffen, so könnte es eine „Schachtfrage" nicht mehr geben. Allein aus den vorausgegangenen „E. V.-Blüttern" ergibt sich, daß die Antisemiten diese „Frage" doch wiederum an die Oeffentlichkeit zu zerren sich bemühen. Daraus ist zweierlei zu folgern: das Material der Antisemiten zur Belebung ihrer Agitation ist so dürftig, daß sie immer wieder mit den totges-chlagensten Argumenten hervorrücken müssen, und alsdann: noch schlimmer als die Böswilligkeit der einen wirkt die Vergeßlichkeit innerhalb der Kulturentwicklung der Menschheit; stets von vorn hat die Arbeit zu beginnen, dem Irrtum und der Entstellung entgegenzutreten. Es könnte wohl in Betracht gezogen werden, jene in ihrer überzeugenden Bedeutung wahrhaft überwältigenden Gutachten erneut heranszng'.wcn und zu ergänze n. Dr. P. dl atha n. ttefordfer schadet nur. Die „Jüdische Rundschau" im Waffenarsenal der völkischen Judenhasser. Durch die völkische Presse geht eine Polemik der „Jüdischen Rundschau" gegen die „Frankfurter Zeitung" anläßlich der Feier der Eröffnung der jüdischen Universität in Jerusalem. Aus dieser Polemik werden folgende Sätze hervorgehoben: „Gibt es in den Kreisen der „Frankfurter Zeitung" kein' Verständnis für die Größe dieser Revolution, dieses elementar hervorbrechenden Triebes nach Boden und Arbeit bei einem Volk, das als arbeitsscheu verschrien ist? Kein Verständnis dasür, daß die Befreiung aus der unerträglichen parasitären Situation des jüdischen Volkes das oberste Postulat einer Jugend ist, die es einfach moralisch nicht mehr fertig bringt, so zu leben und zu wirtschaften, wie die Traditionen des Ghetto es erfordern und wie es die Orthodoxen - noch heute tun . . . Diese Jugend verabscheut jenes Judentum, dessen hervorragende Eigenschaft Nichtarbeit und Schacher ist . . ." Daß solche Ausführungen den völkischen Blättern den so erwünschten Amaß geben, in ihr judenseindliches Horn zu stoßen, nimmt nicht Wunder. So lautet der Kommentar in der „Schlesischen V o l k s st i m m e " vom 12. Juni: „Es ist nur zu begrüßen, wenn solche Erkenntnis crusdümmert, wenn die Juden beginnen, selbst einzusehen, daß sie ein p a r a f i - täres Dasein führen, ein ausbeutendes, wie man auf Den bäh sagen würde. Wie lange noch werden die Juden kämpfen müssen, bis sie den Großteil ihrer R a s s e n g e n o s se n überzeugt und — mit unserer händeringenden Zufti m - mung — nach Palästina transportiert haben? . Dieses Land wird alsdann uns Deutschen mit doppelten Rechten das gelobte, das gepriesene heißen, wie man das Bad lobt, darin man sich den Eiter von seinen Wunden wusch —" Einseitigkeiten, Ueberireibunaen und Jrrtümer schaden selbst einer guten Sache ...