Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 28 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- Seite 493 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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493 Tagung örs Saperrschen Lan-esverbanöes. Rege Beteiligung der Ortsgruppen. Am 28. Juni fand in Regensburg die Tagung des Bayerisck-en Landesverbandes des C. V. unter reger Beteiligung der verschiedenen Ortsgruppen statt. Der Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Dr. Baron München), begrüßte mit besonderer Freude den 1. Vorsitzenden des C. V., Justizrat Tr. B r o d n i h, sowie den Vertreter des Verbandes israelitischer Gemeinden Bayerns, Oberlnndesgerichtsrat Dr. N e u me y e r (München), den Vertreter der Rabbiuerkonferenz, Rabbiner Dr. B ä r w a l d (München), und die Delegierten weiterer Verbände. Nach ihm ergriff Herr Justizrar Dr. Brodnitz das Wort zu einer Ansprache, in der er von hoher Warte aus Bestrebungen und Ziele der Arbeit des C. V. darlegte. Seine eindrucksvollen Ausführungen wurden mit größtem Beifall ausgenommen. Der Syndikus des Bayerischen Landesverbandes, Herr Bachmann, erstattete sodann einen klaren und sachlichen Bericht über die Tätigkeit der Geschäftsstelle im verflossenen Jahr, der zeigte, welch eine Fülle von Arbeit wieder in mustergültiger Weise geleistet worden war. Besonderes Interesse erweckte der Bericht der Vertreterin der Berliner Zentrale, Frau Leibholz-Stern, über das Wirken der Berliner Zentralstelle. Ter bisherige Vorstand wurde wiedergewählt, und der geschäftsführende Ausschuß durch Zuwahl von Herrn Adler (München) erweitert. Die Aussprache brachte eine Fülle von Einzelberichten, Anregungen und Vorschlägen. Beschlossen wurde eine Ausgabe der neuen Einnwnatsausgabe der „E. V. - Zeitung", die Schaffung von Gemeindebibliotheken tn kleineren Orden sowie Aufklärungsvorträge religiöser Art. Tie Stimmung der Versammlung ging allgemein dahin, auch ferner energisch Abwehr- und Aufklärungsarbeit zu betreiben. Die Ortsgruppe Bayreuth ließ durch ihren Vertreter zum Ausdruck bringen, daß sich bei den diesjährigen Festspielen keinerlei antisemitische Strömungen bemerkbar machen würden, sondern daß die Verhältnisse in Bayreuth sich befriedigend gestaltet hätten. Unter Tankcsworten schloß der Vorsitzende die Tagung, deren Verlaus in allen Teilen vollauf befriedigte. Die erste Tagung öes Preußischen LanLesverbanöes. Schluß des eigenen B e r i ch t s f ü r die „C. D. - Zeitung" g. a us N r. 27 v o m 3. I u l l Nachmittags siizuug des zweiten TagcS. Sanitätsrat Dr. Peyser (liberal) wandte sich gegen die Angriffe gegen den Verband nationaldcutschcr Inden. Frau Ollendorf (Breslau, liberal) schildert eingehend die Arbeit der jüdischen Frau auf sozialem Gebiet sowie auf dem Gebiete des Frauen- und Mädchenschutzes, auf welchem unschätzbare Resultate erzielt worden sind. Abg. Dr. Sandler (Voltspartei) führt aus, daß für ihn und seine Freunde die Einheitsidee die fundamentale Voraussetzung für die Arbeiten des Landesverbandes und die Entwicklung des Judentums sei. Zur Frage der religiösen oder paritätischen Schule des Religionsunterrichtes, des Lehrer- und Nabbinernachwuchscs sprechen Rabbiner Dr. Kober (Köln, liberal), Seminarlchrcr Falke nberg (liberal), und M. A. L o c b (konservativ). Dr. Holländer (liberal): Wenn wir unser Judentum in der ganzen Welt als religiöse Gemeinschaft ansehen, so wird, mit gewissen Beschränkungen, aber grundsätzlich ausgedrückt, von einer Einheit zu sprechen sein. Wenn wir uns aber die Judenheit in der ganzen Welt ansehen, so sind deren beklagenswerte Geschicke so gewesen. daß sie den Begriff der Einheit als einer vorhandenen Tatsache in außerordentlichem Maße in Frage stellen. Mir scheint die Tragik in der Behandlung der Ostjudeusraae die zu sein, daß man statt „andcrsarlig" „minderwertig" sagt und leider Gottes auch vielfach denkt. Wenn wir nun seststellen würden, daß innerhalb der auch ihrerseits keineswegs einheitlichen Gruppe der sogenannten Ostjudcn Verschiedenheiten vielfachster Art vorhanden sind, die sie uns gegenüber nicht als minderwertig, sondern als andersartig erscheinen lassen, so würden wir einen großen Teil der Leidenschaftlichkeit, die die ganze Debatte aussüllt, ohne weiteres beseitigen können. Vollkommen überemstimmen wandcrm leider D muß ich mit den anderen Rednern wegen der Einig?- und Ausweisungspraris. Auch uns sind hier mge bekannt geworden, die entwürdigend sind. Herr Dr. Klee hat ausgesührl: In jüdischen Dingen sind voir jüdisch, in deutschen deutsch. Zweifellos eine außerordentlich Präzise Darstellung einer Angelegenheit, die leider aber nicht so einfach ist. Gewiß sind wcr in jüdischen Dingen jüdisch und in deutschen deutsch. Es gibt aber eine große Anzahl von Angelegenheiten, in denen die Frage nicht?lusach zu lösen ist, sondern in denen die Tinge sich scheiden. Und ln all diesen Dingen stehen wir aus dern Standpunkt, daß es unser h öeh st es B e ft r e b e n ist. unsere jüdische A br u n s t und jüdische U e b e r z e u g u n g m i t der Tatsache, w r r de rn deutschen B a t c r l a u d c a u g e h ö r e n, in erne Synthese von der größten Innerlichkeit zu ** Vn ^n' , Deshalb ist die hebräische Sprache nicht schlechtweg Sprache, sondern das ist die deutsche Sprache, und die yeorarfche Sprache ist eine heilige Sprache, wenn man schon eine Abgrenzung für die Dinge finden will. Aber unser großes Bestreben muß es sein, unsere Jugend in dem Streben der Erreichung der Synthese zwischen Deutschtum und Judentum zu erziehen. Zur Rabbinerfrage habe ich zu meiner Verwunderung beule nicht gehört, woher wir denn die Rabbiner nehmen sollen, selbst wenn wir das Geld zu ihrer Anstellung hätten. Notwendig ist 'eine gewisse Propaganda für diesen Beruf, der heute auch materiell dem einzelnen ganz andere Mvglichleiten eröffnen wird als vielleicht sehr viel andere Berufe. Es ist sowohl vom Abgeordneten Klee wie von Dr. Sandler die Palästina-Angelegenheit berührt worden. Wir alle wünschen diesem Unternehinen zweifellos das allerbeste. Wir wünschen aber, daß Organisationen geschaffen werden, die nicht nur in der Sammlung von Geldern, sondern auch in der Verwaltung und bei der Ausgabe von Geldern die Garantie geben würden, daß eine unbedingt neutrale Verwendung der Gelder gewährt wird. Ich möchte davor warnen, daß man sich allein auf Palästina für die Zukunft stütze. Es scheint eine unbedingte Notwendigkeit für unsere Brüder im Osten zu sein, daß man überall in der Welt nach Staaten sucht, wo man sie unterbringen kann. (Sehr richtig!) Ein ungeheurer Rückschlag droht den Juden der ganzen Welt, wenn wir alles aus eine Karte setzen würden. In der ganzen Welt müssen die Grenzen so geöffnet werden, daß der Abstrom armer Juden dahin erfolgen kann. Tann wird folgende Resolution zur Behandlung der O st j u d e n aus Antrag der Jüdischen Volkspartei von der Versammlung einstimmig angenommen: „Der Verbandstag stellt mit Bedauern fest, daß die Ausweisungs- Praxis der preußischen Verwaltungsbehörden gegenüber den Ostjuden immer stärker gehandhabt wird und daß Anträgen auf Einbürgerung immer größere Schwierigkeilen in den Weg gelegt werden. Der Verbandstag ist überzeugt, daß der Minister des Innern diese Praxis nicht billigt und bittet ihn daher, die Nachgeordneten Behörden mit entsprechenden Weisungen Zu versehen, daß sie bei der Auswcisungstätiglcit den Geboten der Menschlichkeit mehr als bisher Rechnung tragen/ Tr. Jsmar Freund referiert sodann über „Bildung von Bezirken zur gemeinsamen »Anstellung von Rabbinern und Religionslehrerrr" und „Beschlußfassung über Bildung, Zusammensetzung, Wahl, Mirtsamtcit und Keschäftsordnung der Ausschüsse". Im Anschluß an das letzte Referat wird eine Reihe von Anträgen angenommen, die Bestimmungen der Geschäftsordnung bzw. der Verfassung regeln oder abändern. Angenommen wird ein interfraktioneller Antrag, daß der ständige Ausschuß sich aus 15 Mitgliedern zusammensetzt. Als Mitglieder desselben werden bestimmt: Heinrich Stern (Stellvertreter Holländer), Rabbiner W ey l (Stellvertreter Steinth a l), Falkenberg (Stellvertreter Guttmann), Breslauer (Stellvertreter Julius Seligsohn), Rechtsanwalt Bruno Weil (Stellvertreter W e r L h e i tn), Dr. Vaerwald (Stellvertreter Lr. M e r z b a ch),^ K o ch m a n n (Stellvertreter Felsenthal), Scho new ald tzLtellvertreterin Frau Ol lendors), sämtlich liberal; Dr. Sandler (Stellvertreter Haar- Puder), ^lumenfeld (Stellvertreter Jacobsohn), ^Tr. R a b i n (Ltellvertreter B a d t), Volkspartei; Berger (^tell- Vertreterin Frau Wronski), Poale Zion. lieber die Revision des preußischen JrrberrrechiS referiert Dr. Jsmar Freund. Ter Redner geht zunächst ausführlich auf die Bedeutung des Artikels 137 der Reichsvcrsassung ein, wonach eine Staatskirche nicht existiert, also die einzelnen Glaubensgemeinschaften die Freiheit, eigene ös'entlich-rechtliche Organisationen zu bilden, besäßen. Es bleibe aber ungeklärt, ob durch diesen Artikel das Judengesetz von 1847 als abgeschasst zu gelten habe, ob es sich um ein zwingendes Neichsrecht handelt, welches Staatsrecht bricht, oder ob Nauru gelassen wird für Landesgesetze. Ter Redner bespricht dann die Vorlage betreffend die Revision der preußischen Judenrechte und verlarrgt ein einheitliches Judenrecht. Ter Redner behandelt die Frauenfrage, Wahlrechtsfrage, Frage des Ausländerwahlrechts und besonders die Austrittsgesetzgebung. , - 3. VcrhandlungSiag. __ Vielschowsk h (Breslau) als Berichterstatter des Etatsausschusses trägt die von diesem vorgcschlageneu Aendcrungen des Etatseutwurses vor. In der Aussprache, in deren Verlaus insbesondere F a l k e n b e r g , Kaufmann, Wiener (Beuthen), Freund (Hannover) das Wort ergreifen, nimmt der Posten „Lehrerbildungsanstalten" einen großen Raum ein. Zum Etatsposten „Staatsbeihitsen" im Kapitel „Einnahmen" — gaben Tr. Jsmar Freund und Landtagsabgeordueter B a d t eingehende Aufschlüsse über den Stand der Verhandlung mit Parlament und Regierung über die Gewährung von Mitteln in verhältnismäßig gleichem Umfange wie bei den anderen Konfessionen. Ter Etat wird hieraus in zweiter und dritter Lesung einstimmig mit den vom Haushaltungsausschuß vorgcschlagenen Aenderungen angenonuncn. Ter Verbandstag nahm sodann eine Anzahl von Anträgen an, darunter eine Resolution: Der Landesverband möge dahin tätig uin, daß ein Rcichsvcrband aller de nt sch er Juden bald geschaffen werde.