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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-10 · 28 (10.7.1925) · p. Seite 494

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
28 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
Seite 494 (sequence 19)
Language
German
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494 NachmiLlagssitzung. Der VerbandZtag beMftkgte sich am Schluß der Tagung ausschließlich mit bem Freundschcn Referat über Revision des preußischen Judenrechts. Rechtsanwalt Dr. W e r t h e i m (liberal) begründete vier Thesen seiner Fraktion und fehle sich sodann eingehend mit den Borschlägen von Badt und Freund auseinander. Dr.Freund gab ergänzende Aufklärungen über die Notwendigkeit einer Aenderung der Gesetzgebung. betreffend den Austritt von Personen aus der Gemeinde und von Gemeinden aus dem Borbaud. Die Möglichkeit des Austritts müsse bestehen bleiben, sofern Gero rssensgrüride vorhanden sind. Dr. Köllens ch er (Bolkspartei) sprach gegen die Thesen der Liberalen Vereinigung, insbesondere gegen den 'Passus, daß die durch Artikel 137 gewährleisteten Rechte nicht stärker eingeschränkt werden dürfen, als dies bezüglich der christlichen Neligionsgesellschaften geschehen ist. Justizra! Hirfchberg (konservativ) lehnte im Namen seiner Fraktion Eingriffe der Staatsverwaltung ab, ebenso trat er für die Gleichberechtigung der Ausländer ein. Justizrat L i l i e n t h a l (liberal) tritt für die liberalen Thesen ein, nach denen eine gesetzgeberische Beeinflussung ofseusteht. Rabbiner Dr. Nosenthal (Köln, konservativ) fordert eine Stärkung der Position des Rabbiners in der Gemeinde. Folgender Antrag zum Staatshaushalte wird einstimmig angenommen: „Der Rat wird ersucht, darauf binzuwirkcn, daß durch Ginftellung in den Staatshaushaltsplan den jüdischen Gemeinden, Gemein.devcrbanden und Einrichtungen in ähnlicher äikije wie jeweils den christlichen Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen eine staatliche Beihilfe zur Besoldung ihrer Rabbiner, Prediger und anderen Kulturbeamten gewährt wird." Nachstehender von R.-A. Wortheim begründeter liberaler Antrag (Beschlüsse zum Juderigcsetz) wird mit einer Mehrheit der Liberalen gegen Bolkspartei und Konservative zum Beschluß erhoben: „Der Derbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden erwartet, daß der Rat anläßlich Neuregelung der Indengcsetzgebung die Einhaltung folgender Grundsätze sichert: 1. Die durch Artikel 137 der Reichsversassung gewährleisteten Rechte, namentlich die Selbstverwaltung, dürfen keinesfalls eingeschränkt werden. 2. Ties gilt ncimcntUd) für die Anstellung von Beamten und die Wahl von Mitgliedern der Gemeindevrgane. 3. Diejenigen, welche die Erklärung abgeben, daß ihr Austritt aus der örtlichen Gemeinde lediglich wegen religiöser Gründe erfolgt, können eine Personalgenwinde öffentlichen Rechtes bilden, oder ihr k>citreten. 4. Die Ileberlcitung in Ansehung der neupreußischen Gebiete darf nur erfolgen unter Mitwirkung jüdischer Selbsiverwaltungskörper der einzelnen Gebiete und unter Wahrung erworbener Rechte der jetzigen Rabbiner, Lehrer und sonstigen Beamten." Wiener (Jüdische Bolkspartei) spricht dem Präsidenten Justizrat Sonnenfrld nach dessen Ählußwort die Anerkennung der Versammlung für seine mit großer Sachkenntnis und mustergültiger Unparteilichkeit gchandhabte Geschäftsführung aus. Justizrat Sonnenfeld nimmt den Dank für das gesamte Präsidium entgegen und erklärt die Tagung für geschlossen. Hg. Kleine Chronik. rSeinen 50. G.b-mksiag feierte jüngst ein eifriger Freund und Mitarbeiter im Verbände Groß-Derliner Ortsgruppen, Herr 2 a iitcs Silber, stein, dein anläßlich dieses bedeutungsvollen Tages Ehrungen aus aller: E. B.-Kreiscn Berlins in reichem Maße zuteil wurden. — Lehrer a. D. Ludwig Saum und Frau Helene geb. Moy in Llölu-Klettenberg begingen am 28. Juni das Fest ihrer goldenen Hochzeit bei hervorragender Rüstigrert und Gesundheit. Baum war bis 1921 Lehrer in Rheine (Wests.) und lebt feit 1922 in Köln-Kletteuberg, Sicbcngebirgsallce 137. — Der überaus verdienst, volle Vorsitzende der Kasseler Ortsgruppe, Herr Emil R u b c n s o h n , hat stch aus beruflichen Gründen genötigt gesehen, sein Amt als Vorsitzender der Ortsgruppe nicderzulegen. Wer die überaus rührige und ersprießliche Arbeit des Herrn Rubenfohn gekannt hat, weiß, was wir ihm zu danke,: haben. Erfreulich ist, daß sich Herr Rubcnsohn bcrcitcrklärt hat, im Vorstand als Mittzlied weiter mitzuarbeiten. — Herr Samuel Si ebner, Vorsteher, der Snnagogengemeinde Guttentag, und seine Gattin, Frau Clara S i c d n e r geb. Etlb erste in, Vorsteherin des Frauenvereins, feierten ihr goldenes Ehejubiläum. Das Jubelpaar wurde in der Ermagoge von Heren Rabbiner Dr. Vraunfchweiger (Oppeln) eiugcsegnet. — Wahrend eines' Uebungsabends verstarb plötzlich der Begründer und Leiter des jüdischen Dopklubs „Maccabi", Herr Bruno G o l d st e i u. Nickt nur die j ü d : s ch e S p o r 1 b e w c g u n g , sondern die gesamte deutsche Sportbewegung verliert einen eifrigen Vor. kämpfer. — Kürzlich feierte der bekannte Berliner Schularzt Canitatsrat Dr. Gossels sein 2)jähriges Amtsjubiläum. — Der Ehrenvorsitzende und Mitgründer der Ortsgruppe Gumbinnen, Herr Max S i l b e r s o h n , ist vor kurzem gestorben. Der Verstorbene hat sich in jahrelanger Tätigkeit in Magistrat, Ctadtvcrordnetcnvcrsannnlung, Handelskarmner und Borschußvercin um das Allgemeinwohl verdient gemacht. — Der bekannte 9Ji:t:tür[cI)ciflftcTlcr und Ehrenmitglied der Ortsgruppe Hamburg des Reichsbundcs indischer Frontsoldaten S. Stein berg feiert an: lll. Juli seinen 80. Geburtstag. — Am 28. Juni starb in Berlin der berühmte Großcabbiner Moses Hager aus Lossow/ der stch bei den Ehassidim größter Wertschätzung erfreute. .. Erklärung. Der Vorsitzende der Ortsgruppe V r e s l a u des Eentralver. Eins, Dr. Georg T « r n o w f! i, bittet uns um Anfnahmfolgender Erklärung: Eine in Breslau erscheinende zionistische Leitung spricht anläßliÄ eines Artikels über den Prozeß Dr. Naumann gegen Rechtsanwalt Focrdcr die Vcr- Mutung aus, Herr Dr. ötaumann sei von Herrn Johannes Wilhelm und mir über vertrauliche Sitzungen des Breslauer Ortsgrnppenvorstandes des Central. Vereins informiert worden und habe diese Information im Prozeß gegen Herrn Rechtsanwalt Foerder verwendet. Gegenüber dieser Verdächtigung erkläre ich, zugleich namens des Herrn Johannes Wilhelm, daß wir weder direkt noch indirekt Herrn Dr. Naumann irgendwelche Informationen haben Mammen lasten. Ich kenne Herrn Dr. Raumann persönlich überhaupt nicht und habe auch niemals mit ihm in Brief- Wechsel gestanden. Antworten. Berichtigung. Die Besitzer der folgenden Hotels legen Wert auf die Fest, stellung, daß sie ZU Unrecht in unserem in der Nr. 21 der „C. V.-Zeitung" veröffentlichten Verzeichnis der judenfeindlichen Erholungsorte, Hotels und Pensionen ausgenommen worden sind, da sie nicht judc,-.feindlich gesinnt seien, sondern augenblicklich, wie ave Jahre, jüdische Gaste beherbergen: Wilvnngeri: Hotel Kraushaar, Inh. D i u q c I u. S ch n e d l e r. Wvrisbvsrn: Parkhotel, Inh. Böhler. Neichrnhall: Hotel Deutscher Kaiser, Hotel Inh. Johann u. Victor Jung. Söldner Löwe, Bad Elster: Villa E l st e r v e i l ch e n , Inh. Robert 5k ü n z e l. Ferner sind auf Grund neuer Ermittlungen von unserer Liste judemeindlicher Erholungsorte, Hotels und Pensionen die folgenden Hotels in Friedrichroda au streichen: Hotel Lange, Hotel Viktoria, Hotel Herzog Alfred, Besitzer L ü cf. Neuenahr: Haus I o x. Besucher von Marlenbad. In Marienbad gibt es, wie wir erfahren haben, einige Hotels, die vielfach von Juden aufgesucht werden, deren Besitzer sich aber nicht scheuen, sich nach Beendigung der Saison in allerOefsentli chlort antisemitisch zu betätigen. Dasselbe gilt für einige Aerzte in Marienbad. Air sind auf Anfrage zur näheren Mitteilung bereit. Rach Breslau. So sehr wir die Person und das Wirken des Herrn Dr. Ra bin schätzen, können wir doch kein Verständnis für die Ausführungen aufbringen, die er in einer Versammlung der „Misrachi" am 22. Juni in Berlin gemacht hat. Wenn er die vermeintliche Fremdheit der Juden mit dem Ansspruch begründet hat, „daß man sich auf fremder:: Vodcn innerhalb einer fremden Kultur befinde", so können wir deutschen Inden nur wiederholen, daß wir uns auf Hcimatboden, in heimatlicher Kultur befinden. Herr Dr. Nabin hat Zeit feines Lebens als Kosmopolit in verschiedenen Großstädten der Welt gelebt und kann deshalb vielleicht das Heimatsgefühl des deutschen Juden nicht Mitempfinden. Nach Hamburg. Die Liste der von der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg für langjährige Diensttrcue prämierten Persoi'.en weist auch in diesem Jahre eine auffallend große Zahl jüdischer Arbeitgeber und Haushaltungen auf und bietet dadurch einen neuen wertvollen"Beitrag zu den: Kapitel von dem Verhältnis jüdischer. Arbeitgeber zu ihren Angestellten. Narb Hannover. Eie senden uns die Zeitung „Der Sturm", Deutsche Arbeiterzeitung, des Herr:: Quindel in Hannover vom 28. I::ni 1'.'2ü, in der über die Verurteilung eines Möbclhündlers Isidor Z i t t c r wegen Hehlerei berichtet wird. Wir bemerken hierzu, daß Isidor Zitier weder Jude noch Iudenstämmling, sondern ein aus dem Rhcinlande gebürtiger Katholik ist. Nach Leipzig. Der Zahnarzt Dr. Hofsmann, Leipzig, Otto- Schi l l - S i r n u c 2, schreibt auf die Zusendung von Aufklärungsschriften geo.en den Antisemitismus: „Ich verbitte mir ein für allemal die Zusendung von Drucksachen usw. dieser Art." — Wir rühmen an, daß Herr Dr. Hoffman» sich den Besuch jüdischer Patienten gleichfalls verbittet. Ausklärrmgsl'ursus in Grost-Vcrlin. In ber Seit von Milte Mai bis Ende Juni fand unter Leitung des Vorsitzenden der Ortsgruppe Berlin S, SW, SO, Tr. Martin G r a c U - ein Anftlärungsknrsus in Groß-Berlin statt, der trotz der sommerlichen Hitze durchschnittlich von 50 bis 150 Personen, besonders auch von Jugendlichen, besucht wurde. Dozenten waren: Mittelschulleßrer S t e r n, Bwliothekar K 5 n i g, Direktor Dr. F e i st, Schristleiter D. Bernstein vom „Berliner Bvrsen-Couricv^ und stellvertretender Syndikus Artur Schweriner. Es wurden alle Gebiete des religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen und politisclzen Judenhasses in kurzen Referaten behandelt und dadurch die Möglichkeit zu einer eingehenden Aussprache gegeben. Am S ch I u ß a b e n d wurde ein „P r a l i \! u m" veranstaltet, in der Weise, daß der Referent eine „antisemitische Rede hielt, gegen die die Teilnehmer zu Felde zogen und zeigen konnten, was sie in dem Aufklärungslursus gelernt haben. In der Herbst- und Winterarbeit sollen nach dein großen Erfolge dieses Kursus die Anfklärungsabende in allen z w a n z i g O r t s g r u p p e n Groß-Berlins wiederholt werden. Der umstrittene Doststemvel. Das „I u d i f d; c W o ch e n b l a! i", Organ der „Achduth", schreibt uns: „In Nr. 21 der „E. V.-Zeiiung" ist in dem Arilkel „Viel Lärm um nicksts" auf Seite 4:7 der Bericht des „Jüdischer: Wochenblattes" VjIr. 2u) über die Generalversammlung der Frankfurter Ortsgruppe des Cenlrrlvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens abgedruckt, sowie die Berichtigung der Ortsgruppe, die in Nr. 22 der gleichen Zeitung erschienen ist. Hierzu ist zu bemerken, daß, wie in der gleichen Nummer des „Jüdischen Wochenblattes" fcstgestellt wurde, die Berichtigung der Frankfurter Ortsgruppe in vielen Punkten unrichtig war, insvefondere aber iu dem besonders gravierenden Punkt 1. Uns liegt eine Karte vor, die den Poststempel vom 11. Mai, 8 bis 9 Uhr abends, trägt. Die Zustellung der Einladung konnte also frühestens am Freitag, den 1b. Mai, kurz vor Sabbat erfolgen, während die Generalversammlung an: Montag stattfand. Wir haben diesem Schreiben Raum gegeben, obwohl die Redaktion dos „Jüdischen Wochenblattes" gegenüber den Berichtigungsversuchen unserer Frankfitrtcr Ortsgruppe wenig Loyalität an den Tag gelegt hatte. Der Vorstand unserer Ortsgruppe Frankfurt stellt gegenüber den neuen Angaben des „Jüdischen Wochcirblattes" folgendes fest: „Die Einladungen zur Generalversammlung der Ortsgruppe sind talstichlich am 12. Mai abends zur Post gekommen: wem: unter 2300 Druufacheu wirklich ein paar mit Verspätung bestellt worden sein sollren, so tragen wir dafür keine Verantwortung, ganz abgesehen davon, daß unsere Satzung für die Einladung zur Generalversammlung keine Frist versieht. Der Verfasser der verschiedenen gegen den E. P. und seine Ortsgruppenleitung gerichteter: Notizen und der „Berichtigung der Berichtigung", der der Orisgrnppenleitung genau bekannt ist, hat aber, wie jederzeit zeugeneidlich fcstgestellt werden kann, schon Monate vor der Generalversammlung, wenn offenbar auch ohrre Erfolg, sich bemüht, konservative Gemeindemitglieder zu eir.ee gemeinschaftlichen Ertlärung au die Ortsgruppe dahingehend zu bestimmen, daß sie so lange die Beiträge verweigern, als der derzeitige Vorsitzende die Ortsgruppe weiter leitet und nachweislich eine ausgiebige Agitation gegen den C. V. entfaltet. Danach man man bemessen, was mau von der durch die anaeblich zu spät erfolgte Einladung herbcigsführteu Unmöglichkeit eines organisierten Vorstoßes gegen die Ortsgrnppcnleitung zu halte,: hat. In: librigen enthält die „Berichtigung der Berichtigung" in Nr. 22 des „Jüdischen Wochenblattes" wiederum tatsächliche Unwahrheiten, da von einem zweistündigen Rededuell zwischen Herrn Dr. Ällalnzer und dem aus dem Vorstand ausgcschiodenen konservativen Eemeinderepräsentanten, Herrn Fc!:^ Pieper, ur.d der überaus heftigen Debatte zwischen beiden Herren gefabelt wird. Die

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