Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1925-07-10 · 28 (10.7.1925) · p. Seite 487

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
28 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
Seite 487 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277569-2277597--02277-3537206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

467 Neue Vorstöße gegen öas Schachten. Bedeutungsvolle Gutachten. Wie der „Völkische Kurier" kürzlich berichtete, hat die nationalsozialistische S t a d L r a t s f r a k t i on tn mt ü n ch e n einen Tringlichleitsantrag QeficIÜ, demzufolge die Einung ber ^icre im Schlacht- und Biehhof ausschließlich unter Anwendung der Schußmaske erfolgen dürfe, da.es „eine primitive F^derungvom Standpunkt der Kultur und ^-itte ans sei. das: die Tötung der ^:ere nur unter Vermeidung aller ausschaltbaren Quälereien. S-n'.nerzen und inhumaner Nebenumständlichkeiten erfolgen" dl:rse. ^uch der Ncichsverband der Fleischer beschädigte fich au» seinem Verbandstage in Gotha in den letzten Jnn-tagen mit e-.ueu^ Anträge ans Verbot de? Schächtens. der vom Bezirtsverei n a fli f e n gestellt war. Dieser Antrag naurde aber mir üverwältmender Mehrheit ab gelehnt und eine ErUärung des Vorstandes angenommen, daß er sich in religiöse Gebräuche nicht einmischen wolle, aber dafür sei, daß das übermäßige Schächten eingeschränkt Voerde. Auch die Bremer Bürgerschaft hat ans Anfrage der deusichvotnschen Fraktion abgelehill. sich mit der Frage des Schächtens zu befassen, und dabei ans ein Schreiben des R e i ch s g e s u n d h e i t s a m t e s an den Neichsminister des Innern vom 14. November 1l>_'l Bezug genommen. in den: cmsgesührt Ivird, das; in dem siidischwlluellen Schächten der Tiere, wenn es vorschriftsmäßig ausgeführt wird, eine Tierquälerei nicht erblickt werden könne. Da all diese Anträge von der angeblichen Tierquälerei des Schächtens ansgehen, haben wir einen h e r v o r - ragenden Rabbiner gebeten, sich zu dieser Frage zu äußern. Wir geben im folgenden diese sachverständigen Ausführungen wieder: „Obwohl die offensichtlich tendenziöse Form, mit welcher im antisemitischen Blätterwald bald hier, bald dort über die vom jüdischen Religionsgesetz vorge schrie bene Schlachtmethode (das Schichten) verächtlich geurteilt wird, die die Nnsachlichkeit der Kritik auch den uneingeweihten Leser ans den ersten Blick erkennen läßt, erscheint es doch am Plane, zur Verhütung irriger Vorstellungen daran zu erinnern, das/ zahlreiche b e r u f c n c F a ch l e u t e a u s G r u n d eingehender Fors ch u n g en und Beo ba ch tungen den Humanitären C h a r a k t e r dieser Todesart festgesiellt haben, linier ihnen befinden sich die bedeutendsten Professoren der Veterinär- Wissenschaft und der Phqsiologie. Von ihnen wird bezeugt, das: nicht nur der eigentliche Schächtakt keine Tierquälerei barircilt, sondern auch die Vorbereitungen, insbesondere das Niederlegen des Tieres, schon auf Grund des Religionsgesetzes in einer Weise erfolgen müssen, daß jegliche Roheit a ns geschlossen i st. Die Religionsbestimmung verlangt, das; das Siie-r beim Berühren des Bodens nicht hart aufschlägt. Ilm den Hals für einen sicheren und schnell wirkenden Schnitt sreiznhalten, müssen die Hörner des liegenden Tieres fcstgehalten und der Kops vorsichtig, ohne die geringste Quälerei, etwas nach hinten gebogen werden. Kein Geringerer als der damalige Direktor der Tierärztlichen Hochschule zu Hannover, Professor Tr. D a m m a n n, iü bereits vor längerer Zeit einer übelwollenden Schächtbenrteilnng in einem ausführlichen Gutachten entgegengetreten, in dem es u. a. heißt: „Es ist ein großer Vorzug desselben (des Schächtstonittesl, daß er niemals sehlgeht, sondern stets im Ru mit vollendeter Sicherheit zum Ziele führt . . . Ebensowenig wie der Schächtakt selber, kam; das vorbereitende Verfahren ein tierquülerisches genannt werden, vorausgesetzt, daß es in korrekter Weise zur Ausführung gebracht wird. Freilich, wer enragierte Schächtgegner schildern hört, wie die zur Schlachtstätte geführten Tiere infolge des Blntgeruches und des Anblickes der entjeelten Genossen von Todesangst gepackt, lute sie geknebelt und gewaltsam zur Erde geworfen werden, so daß innere Verletzungen, Rippen-, Becken- und Hörnerbrüche die Folge seien, wie der Kopf gewaltsam nmgcdreht wird und das 2ästachtopser in der gezwungenen Lage schwere Qualen auszusiehen hat, so daß es oft über und über sich mit Angstschweiß bedeckt zeigt, — der mag wohl von Schauder durchrieselt werden und geneigt" sein, der ganzen Prozedur den Stempel einer unverantwortlichen Grausamkeit und Roheit auszudrücken. In Wirklichkeit liegt die Sache aber ganz anders. Wer das Fesseln und Riederwerfen als barbarisch brandmarkt, der muß logischerweise auch jedes'Werfen von Pferden und Rindern, wie es der Tierarzt zu therapeutisch-operativen Maßnahmen tagtäglich vornimmt, als einen tierquälerischen Akt kennzeichnen, woran doch sicherlich noch niemand gedacht hat. Verletzungen mögen bei dem Niederwersen ganz ausnahmsweise einmal Vorkommen, aber jedenfalls sind sie reine Raritäten. Ich habe mehr als hundertmal dem Schächten beigewohnt, ohne daß ich jemals das Eintreten von Brüchen oder inneren Läüonen dabei konstatieren konnte, und von Schlachthaustierärzlen ist mir ein Gleiches berichtet worden/ Wie geht das Schachten in Wirklichkeit vor sich? Nachdem das Liter nach den in den deutschen Bundesstaaten durch Ministerialerlasse vorgeschriebenen Verfahren niedergelegt ist, durchschncidet ein auf Gewissenhaftigkeit und Geschicklichkeit erprobier und über eine sichere Hand verfügender, ein* ß c t) e n t> geprüfter Schächter — mir ein solcher darf rengwnsgesetzlich und staatsgesetzlich den Schächtakt vollziehen — mit emem haarscharfen Messer, das nicht die leiseste Scharte aufweisen oars --sonst ist das Fleisch rituell unbrauchbar —, in einem kurzen, ununterbrochenen Schnitt den Hals des Tieres mit den Schlagadern.?«ver Schultt selbst ist, da er mit einem haarscharfen Messer nur durch Weichteile gehen darf — das Genick bettf nicht vom Meper lxrüqi.t werden —/schon an und für sich s ch m erzlos . bewirkt aber glerap zeitig durch den schnellen und acwaustuuen Blutverlust das schwinden des Bewußtseins und damit jeder Sebmerzempsindi'ug überhaupt in höchstens fünf bis sechs Sekunden. Das bezeugen tätigst 3 7 8 Gutachten, welche abgegeben wurden von 4 8 weltberühmten U n i v e r s i t ä t s P r o f e? s o r e n der Physiologie und Anatomie, von 275 maßgebenden Veterinären (drei Viertel davon sind Deutsche), darunter 14 Direktoren und 28 /Pro* fefioren tierärztlicher Hochschulen, 18 Landes-, Staats- und städtischen Obertierärzten, 18 Departements-, 114 Kreis-, Bezirks-, 21 Sanitäts-, Polizei- und anderen Tierärzten. Et Schlachthosdirektoren, ferner von 24 Großmetzgern, beziehungsweise Fleischerinnungen, 4 Tierschutz- Vereinen' und 2 Aerzteu. Bon denen bezeichnen 123 das Schächten als eine der b e st e n S ch ( a ch t m e t h c b c n, o 3 a l s s e h r z w e ck m ä ß i g , und die anderen als e i n vo a n d - frei gegenüber den übrigen ^.ötungsarten. Biele andere beamtete Veterinäre schlossen sich dem Urteil an. Die wissenschaftliche Deputation für das Medizinakwesen (die höchste medizinische Instanz in Preußen) hat gelegentlich in einem Gutachten sich dahin ausgesprochen, daß das schachten schnell und sicher tote, und das Fleisch so haltbar und so schmackhaft mache, daß es von keiner anderen Schlachtart übertrcsfen werde. Die zweifellos trotz aller antisemitisch-tierschützlerischeu Ableugnnngen erwiesene Humanität der Schächtmethode entspricht auch ganz dem Geiste, der im Judentum herrscht. Die Bibel und mehr noch der vielvertästerte Talmud haben Jahrtausende, bevor es noch Tierschutzvereine gab, die Schonung und den Schutz der Tiere (das Verbot des Zaar ba-ilo cltajim) an vielen Stellen als heilige religiöse Pflicht den Juden ans Herz gelegt." Cttchüllrurgen ZZs §emt Richard RunZs. „W i e Herr Wirble arbeitet/ Zwischen dem Führer der Deutschsozialen Partei, Herrn Richard Kunze, und dem Führer der Deutschvölkischen Freiheitspartei, Herrn Wulle, ist ein Kampf auf Tod und Leben entbrannt. Im Leiborgan des Herrn Kunze, „Die neue Zeitung/ Blatt für ehrliche Arbeit in Stadt und Land, werden in der Rr. 144 vom 27. Juni über vier Spalten Enthüllungen über die Intrigen des Herrn Kunze veröffentlicht. Herr Kunze lüstet den Vorhang und enthüllt recht liebliche Dinge . . . Die Deutschsozialen haben ihr möglichstes getan, um zu einer B c r st ä nr d i g u n g mit der Deutschvölkischen F reihe i t s p a r t e i zu gelangen. Tun 22. April ist ein Schreiben an die Deu'tschvöükische Jreiheitszxrrtei, die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei und an Erzelleuz Ludendorff abgegangen, in dem auf die nahe Auflösung des Preußischen Landtag? hiugewiesen wurde (die nicht erfolgte. Schrift!.) und auf die Notwendigkeit, eine Einigung unter den völkischen Parteien vorher herbeizusühren. Käme die Einigung nicht, dann „w ü r d e die völkische Bewegung mit all der Brutalität, deren das Judentum fähig ist, erdrosselt werden". Ludendorff antwortete am 29. April, daß ihm Kunzes Vorschlag richtig erscheine. Auch die beiden anderen völkischen Bruderparteien stimmten zu. Die beabsichtigte Zusammenkunft vor Pfingsten war wegen der oldenburgischen Landtagswahlen nicht möglich. Nach Pfingsten erhielt Herr Kunze einen Brief von Major a. D. Henning, daß die Deutschvölkische Freiheitspartei zu ihrem Bedauern nicht mehr in der Lage sei, die beabsichtigten Besprechungen mit Herrn Kunze abzuhalten. Herr Kunze hätte, sobald die Frage der Neuwahl in Preußen in den Hintergrund getreten war. den zu den Völkischen übergetretenen Herrn Stock gerichtlich auf Zahlung des durch Ehrenwort zugestcherten Diätenanteils an die D. S. P. verklagt. Ter wahre Grund für die Absage, meint Herr Kunze, seien falsche Hoffnungen auf inneren Zerfall der D. S. P. gewesen. Herr Professor Dan icke, Landtagsabgeordneter der Deutschvölkischen, habe an; Montag, dem 8. Juni, erklärt: „In Berlin wird Kunze jetzt erledigt, und Schlesien k o m m t a u ch bald r a n/ In l>eweglichem Klagen schildert Herr Kunze die Manöver der Deutschvölkischen, seiner Partei Mitglider abspenstig zu machen, und schließt dann: „Wir Teutschsozialen haben derartige Mittel nie angewandt und werden sie auch in Zukunft niemals anwenden, weit wir sie bei den Juden b etnm pfe n/ „Weil wir sie bei den Juden bekämpfen . . . / So, so! Sollte Herr Wulle doch erblich belastet sein? Wollte Herr Kunze den Geist der „jüdischen G r o ß m u t t e r" Wulles heraufbeschwören? Ein Ende des grausamen Spiels ist noch nicht a b - zusehcn. Kunze wird noch mancherlei enthüllen, bis er von den völkischen Brüdern zur Strecke gebracht ist. Oder wird sich das alte Sprichwort schließlich (^Wahrheiten: „ B ö l k i s ch e s ch lagen sich. Völkische vertragen sich/ sehr,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.