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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-10 · 28 (10.7.1925) · p. Seite 486

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
28 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
Seite 486 (sequence 3)
Language
German
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Jb-j erstmalm veranlassen formen, daran \n denken, daß echier um eine eigene Sache gehe. Auch dadurch wäre noch kerne besonders schwierige Problematik entstanden, denn ein Idealist eins Revolution an sich für das Judentum nie gewesen. <5vft da, wo die Revolution von einer bestimmten historischen Lage gebe Judentum- - ~ ~ - r ., r, dem Papier stehen, roenn außerdem keme L-ossnung oejtehr, diese Verhältnisse durch stusenweisc Abstreifungen der Rechtsungleichheit zu ändern, dann wird eine natürliche Sympathie mit der Revolution im Judentum keimen. Diese Lage bestand aber nicht in Italien, als der Faszismus seine historische Rolle übernahm. Die Juden hatten also keinen Grund, juf) für ihn emzusetzcn, weil sie besondere Vergünstigungen von ihm erwarteten. Anderseits hatten sie aber auch keinen Anlaß zur Gönnerschaft. Stärkung der Staatsautorität kann ihnen nur recht sein, wenn sie selbst, wie iu Italien, wohleingesügte Elemente des Staates sind. Erst auf einem Umwege hätte der Faszismns antisemitische Bestrebungen in sich ausnehmen können. Der ursprüngliche Gegner der neuen Richtung war der Kommunismus, und in ihm sah die saszistische Negierung noch lange den Hanpiseind. Sie führte den .stampf gegen ihn unter dem Stichwort: „Nieder mit dem Internationalismus." Tie Ueoerhilmug des Nationalismus wurde eine europäische Erscheinung, und dieser hypcrimtionalismns in Europa wirkte aus Italien zurück. Ta geriet alles in Verdacht, was so gewöhnlich als international galt. Tie „Noma Fascista", das ertrcmste Organ der Partei, entwarf eine Liste der Gegner, mit denen man fertig werden müsse, wenn der Faszismns das Feld dauernd behaupten wolle. Es gelte einen Kampf auf Leben u.nd Tod zu führen mit der Freimaurerei. Sodann müsse man die Macht der katholischen Kirche brechen und zuletzt das internationale Judentum. Den Kampf mit der „Massoneria" (Logen) hat die Regierung ausgenommen. Sie hat gesetzliche Bestimmungen bei den Parlamenten durchgc-drückr, ans Grund deren „Geheimgefellschaften" mit „geheimen" Satzungen unter Verbot und strenge Strafen gestellt werden. Bisher fehlt die königliche Sanktion, und Mussolini scheint kerne besondere Eile nt haben, den König um die Sanktion zu ersuchen. Er weis; sehr wohl, mit welchem Gegner er es da ra tun bekommt. Auch mit dem Kauzpf gegen die katholische Kirche werden sich die Faszistennoch recht viel Zeit lassen. Sie wegen, daß diese noch ganz anders als die Logen die Kräfte des Internationalismus in Bewegung setzen kann. Wie steht cs nun mit dem dritten Punkt? Wird der Faszismus iu Antisemitismus ausarten? Als die „Roma Fascista" ihr Programm verlautbart hatte, schickte Hitler Sendboten nach Rom. Die Nationalsozialisten sollten sich offenbar mit den Faszisten auf antisemitischer Grundlage einigen. Mussolini hat die herrschasten gar nicht empfangen. Er wies sie an seinen damaligen Minister des Innern Finzi. Als sie während der Audienz gar so viel von arischer Hochwertigkeit und semitischer Minderwertigkeit sprachen, unterbrach sie Finzi mit der Bemerkung: „Entschuldigen Sie, ich gehöre selbst dieser minderwertigen semitischen Rage an. Ich kann darüber aber nicht so unglücklich sein, wie sie es wollen, denn meiner Meinung nach dürften der Arier und der Semit so ungefähr von demselben Affen abstammen." Diese Abfertigung beleuchtet die ganze Aussichtslosigkeit der Nationalsozialisten, den Antisemitismus bei italienischen Faszisten einzubürgern. Es besteht wohl Antisemitismus in Italien. Er ist nicht verbreitet und nicht intenfit». Mehr ein Produkt des Rassensentiments als eine Ausgeburt des pharisäischen Hasses. Keineswegs gehört ein gewisses Ouantnm Antisemitismus dazu, um in Italien „gesellschaftsfähig" zu sein. Außerdem tritt der italienische Antisemitismus noch wie bei uns in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als Abneigung gegen den Andersgläubigen auf. Wirtschaftlichen Antisemitismus oder gar R a s s e n a n t i s e m i t i s - mus ist in Italien nicht heimisch. Die Nationalsozialisten stießen deshalb einfach auf berechtigten Widerstand als sie von der „Sünde gegen das Blut" zu säbeln anfingen. Will der Natlonalsozialismus den Antisemitismus in Italien be- Uotn, so muß er an dessen dort bestehende Form anknüpfen. Das kann er nicht, weil er zu allem anderen mehr als zur Verteidigung christlicher Gesinnung und christlicher Relrgron taugt, ' Ohne die ausländische Verhetzung wird sich aber der Faszismus gewiß nicht antisemitisch injizieren lasten. International? Das Schlagwort, an sich schon ganz unverständlich, versiert allen Sinn bei italienischen Juden. Die „Roma Fascista" ist fraglos schon von oberster Stelle darüber belehrt worden, daß fie eine pure Redensart nach gesprochen hat. Man muß anerkennen, daß selbst sie bisher mit keiner Zeile in der Richtung auf dieses antisemitische Ziel gearbeitet hat. völkischer Parteitag in Elberfelö. Mord ge ist. — K a t h o l i k e n h a ß. — Hinden - b u r g s Kandidatur ein „infamer deutschnationaler Streich". — Große Worte — l e e r e S a f f c it. Die „E ssener Volkszeitung* vom 28. Juni bringt einen Leitaussoll aus der Feder eines Teilnehmers cn der völkischen Reichstagung in Elberfeld, die vom 18. bis 21. Juni ungefähr 100 Telegierte aus allen Teilen des Reiches vereinigte. Voreiligen Einwendungen,: „Unmöglich kann das in Elberfeld gesagt worden sein" stellt das angesehene Zcntrmusblatt. die Feststellung gegenüber,, daß die Ac-ußeruugen wörtlich gefallen seien und daß cs nichts zu dementieren gebe. Wir wollen unseren Lcwrn eine kleine Blutenlese aus den Reden der völkischen Führer nicht vorenthaltcn: Herr Major a. D. h e n n i n g sprach am 20. Jn'ni über „W i r tschuft s p o l i t i 1". Für die ganze Tätigkeit der Reichsregierung hat er nur die Bezeichnung Bolschewismus übrig. „Trockener" Bolschewismus ist die Erledigung der Answertungsfrage. Bolschcwismn.s ist die Erhöhung der Eisenbahutarise. Bolschewismus ist auch die „steberantwertung der Eisenbahn an das Ausland". Leser wurde dafür Eencrald-ireltor. „Die Bolschewiken zahlen ihre Leute gut." In bezug auf die gegenwärtigen Verhandlungen über den Sichcrheüsvertrag sagt Herr Henning wörtlich: „8 t x c {c m fl n n i st n i ch i it m c in h a a r besser als ein E r z v c r g er u n d e i n R fl t h c n a u'T Das löste stürmischen Brisall aus. Um den beiden vordersten Reihen der Delegierten ruft einer: Lebt er noch? v- Allgemeines Lachen. Herr -Henning schweigt einen Augenblick, anscheinend ist er etwas verlegen. Bezeichnend ist seine Geste. Er hebt seine Hand hoch, mit der inneren Handfläche gegen den Zurufer gewendet. Dann fahrt er fort: Wenn Herr Hcrgt mit den Teutschnationaleu noch lange so fort macht, kann e r als vierter einrangiert werden! Alls ehemaliger Katholik führte sich in seinem Vortrag über den Bund der unterdrückten Völker Professor O t t e (Wien) ein. Eine große Fülle menschlichen Leidens komme von den Parasiten der menschlichen Gesellschaft. Diese Parasiten seien nicht nur die Inden, sondern auch andere gefährliche Kräfte, die, wie das Judentum, zu den grössten und ausgesprochensten Siegern des Weltkrieges gehören. Er habe die Möglichkeit, die vatikanische Politik zu verfolgen. Sie sei deswegen so gefährlich, weil sic die seelischen Angstzustäude der Menschheit ausnutze, um ihre parasitischen Gesü hle zu befriedigen. Tie Macht der Finsternis wisic mit dem Gclde zu arbeiten. Rach allen Methoden einer ausgepichten D i p l o m at i c gehe b i c vatikanische Polr - tif bot. Herr v. Graefe dankte den: Redner unter jubelnder Zustimmung für diese ..Weihcstundc". in der der Katholikenhaß nebeit dem Judenhaß seine Orgien feierte. Die Stellung der Völkischen zum Reichspräsidenten v. Hindcnburg wird beleuchtet durch die Erklärung des Abgeordneten v. Graefs in der Sitzung am 19. Juni, daß er derselben Ausfasstlng sei, wie sein Freund Wnlle. der die Aufstellung Hindenburgs einen infamen d c u t s ch n n t i o n a r c n Stre ich nannte. Herr v. G r a e s c fügte hinzu: Blau dürfe das natürlich öffentlich nicht sagen, weil die Völkische Partei ja bei der Wahl mitgetan habe. Aber es bestehen keinerlei Bedenken, sich mit den Auswirkungen dieser Wahl ztt beschäftigen und besonders dagegen sich 31t wenden, daß Hindcnburg jetzt von Luther und Stresemann mit einer chinesischen Mauer umgeben werde. Große Worte — leere Kassen. Tie Völkischen haben Schulden über Schulden. Sie hätten £>ct den Berliner Truckereicu nicht mehr für 5 Pfennig Kredit. Beitragsgelder gehen so gut wie gar nichtein. Tie ganze völkische Bewegung hängt in der Luft. Wenn es nicht gelingt, Geld und eine Organisation zu schaffen, erklärte Herr v. Graes e, dann ist die völkische Bewegung erledigt. Es wird gut sein, sich diese Aussprüche völkischer Führer zu merken und sie ihnen entgegenzuhalten, wenn sie auf den D u m m e rifang gehen.

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