Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 28 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- Seite 485 (sequence 1)
- Language
- German
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Seclin, 10. Juri 1025 IV. Jahrgang * Nr. 25 Einzelnummer 10 Golöpfenmg Allgemeine Zeirun^ des Oudenrums Monatsabo-nnemerrt 40 ©oRipftirnlfl zuzüglich Bestellgeld Verlag rmd Schrrstlettung: Derliu 8W CS, Lindeustr. IS. .*. Fernsprecher: Amt Dönhoff 5504. 5505. Danllonto: Dresdner Dank. Wechselstube G, Berlin 8W68, Llndenstr. V Alleinige An-eigenannahrne: Annoncen- Expedition Nudols Moste. Berlin SW 19. irab deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 ©olfcmarf für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf MosseS Normaheilenmesser Nr. 4. FauriUenanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder deL CenlradDereins 0,45 Goldmarl, die 90 mm breite NellaHUjeile 4LO Geldmarl e von De. Hruno ^rltmann (München). Im Munde seiner Führer erfährt der Faszismus keine Bezeichnung so oft wie diejenige der revolutionären Bewegung. So ängstlich die Leiter der nationalistischen Richtungen in Deutschland das Epitheton revolutionär vermeiden, so grimmig sie die staatliche Revolution generell als Verratsdelikt und Treubruch verurteilen, so stolz betonen Mussolini und seine Generalsekretäre den revolutionären Charakter des Faszismus: „Durch unsere R e v o l u t i o n ist ein neues Prinzip ins Dasein getreten. Faszismus als Inbegriff aller patriotischen Heißalut ist weniger Politik als Religion." Aus diesem offenherzigen Bekenntnis zilr Revolution kann man freilich weder Einsicht in den Qriginalgehalt des Faszismus noch Erkenntnis über seine revolutionären Eigenschaften gewinnen. Beides erfährt man auch aus keiner Kundgebung der Führer. Für die präzise Darlegung einer solchen Wesensbegriffes haben sie auch wenig Interesse, weil es ihnen mehr um schlagwortmäßige Vieldeutigkeit, die sich vorteilhaft für die Zwecke der Agitation brauchen läßt, zu tun ist. Was die faszistischen Führer als selbstverständlich unterstellen, ist doch durchaus noch eine Frage. Sie löst sich bei näherer Prüfung in ein ganz anderes Ergebnis auf. als cs Mussolini und sein Anhang wünschen. Der Fasziemns ist revolutionär und er ist es auch nicht. Seine Zurüstung, seine erste Machtanwendung, seine Erstarkung und feine Regierungsusurpation waren revolutionär, sein Ziel ist durchaus konservativ. Er vollbrachte einen Revolutions a k t, keine Revolutionsleistung. Eine Revolutionsleistung ist immer erst da vorhanden, wo eine Prinzipumstellung vor sich gegangen ist. Prinzipveränderung ist das Wesen einer Umwälzung. Es war ein revolutionärer Akt. als d'Annunzio mit seinen Söldnerscharen ohne den Willen der Regierung in fremdes Gebiet einsiel, denn hier liegt eine Kompetenzvcräuderung in der Verfügung über die Streitmacht vor. Auf dieser Fährte ist der Faszismus geblieben, als er sich aus der Sötdnerschar entwickelte. Die Niederwerfung der kommunistischen Streik- Praris durch die Gewalt der Miliz, die allmähliche Außerkraftsetzung der staatlichen Behörden und des Parlaments, die gev>altsame Aneignung der gesamten Staatsfunktionen nach den: berühmten Marsch ans Rom waren Revolutionsakte. Damit hat aber auch die Revolution ein Ende, soviel Ungesetzlichkeiten sich die Faszisten hinterher unter mehr oder minder erkennbarer Duldung der Negierung auch erlaubt haben. Prinzipiell änderte der Faszismus nichts, sobald er einmal die Verfügung über die Staatsgewalt in Händen hatte. Zuerst kam, es dem König zugute, daß der Faszismus ideell und rn seiner Staatsgestaltung gar nicht die Revolution wollte. Einen Augenblick hat Mussolini geschwankt, dann erkannte er vas Königtum an. In der Verteidigung der Monarchie griff Mussolini sogar viel kühner aus die Apologie des Withclmi- ^chus zurück, als es der zur richtigen Selbsterkenntnis betährgte Bittorio Emauuete für gut befand. Mussolini: er hat vor 2t> Zähren sein Schulmeisteramt infolge einer Verherrlichung .des Mordes an König Umberto niederlegen müssen. Jetzt, nach Abstiegen und Ausstiegen, durch die der dämonische Lebensschwung des politisierenden Kondottiere rast, war er soweit, die Monarchie als Ausfluß einer mystischen Naturnotwendigkeit anzucrkennen. Mit dem Parlamentarismus haben sich die Faszisten schwerer abgefunden, aber schließlich taten sie es doch, und sie fanden, als die Mehrzahl der Sitze ihnen durch Terror und eigens umgebautes Wahlsystem zusiet, recht viel Gefallen daran. Die Regierung braucht das Parlament selbst da, wo sie es vergewaltigt. Das Gesamtergebnis des angeblich so revolutionären Faszismus ist einfach die Stärkung der Staatsgewalt bis zur Autokratie unter schonender Beibehaltung der historisch eingelebten Staatsorgane. Soweit hat das Judentum eigentlich gar keine Veranlasiuug. zum Faszismus Stellung zu nehmen. Ter einzelne Jude mag sich für und gegen den Faszismus ereifert haben, je nach seiner politischen Haltung als italienischer Staatsbürger, das Judentum als Ganzes nicht. Es ist auch tatsächlich so gewesen. In der sogenannten ersten faszistischen Bewegung, die d'Annunzio, ohne sie beim Namen zu nennen, hervorgerufen hat, haben viele Juden mitgetan und viele waren dabei, als die Ausgestaltung der Tinge Mussolini überantwortet wurde. Es waren viele Juden dagegen, aber auch nur als italienische Staatsangehörige,, nach ihrem politischen Standpunkt, der sich rein aus dem Gesichtskreis des nationalen Fragenkomplexes ergeben hatte. Tie Idee der Revolution, von der die faszistischen Begründer seit dem Anfang sprachen, hätte das Judentum vielleicht Der Faszismus in Italien. Don Or.Bmno z Altmann (München). Der jüdische Knabe im Unterricht. Von Prof. Dr. Ferdinand Gutheim! > (Freiburg, Baden). S. 488. Zwei Vamberaer und ein Frankfurter. | Don Reg.-Med.-Dat a. D. Dr. Oito J | (Bamberg). S. 490. Aeue Lyrik. Don Arthur Sltdergleit (Berlin' Zehlendorf). S. 492.