Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 27 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- Seite 477 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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477 sitzenden. Religiös gesinnt, abec modern denkend, faßte er als Inhalt seines Judentums nur diejenigen Gedanken und Vorschriften, die er für geeignet hielt, eine von der gesamten Menschheit anerkannte Grundlage gesitteten Zusammenlebens zu bilden. Nicht so sehr durch Beteuerung verfolgter Ziele Pslegen Gemeinschaften an Achtung Außenstehender zu gewinnen, als durch die tatsächliche Lebensführung ihrer Mitglieder. Das Leben Albert Mostes mußte auch unseren Gegnern Achtung nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die Gemeinschaft abnötigen, der er angehört und zu der er sich bewußt gehalten hat. Felix Nt a t o w e r. Staötältefter Leopold Malisch gestorben. Am 23. Juni verschied in Berlin im Alter von 83 Jahren das Ehrenmitglied des Centralvereins, S t a d t r a t a. D. und S L a d t ä l t e st e r von Berlin, Leopold K a l i, s ch. In Berlin 1842 geboren, ging er als junger Kaufmann ins Ausland. In Paris wie in London beruhte die Gründung der deutschen Turnvereine ganz wesentlich auf seiner Mitwirkung. Zweimal, 1866 und 1870, ist er aus dem Ausland in die Heimat geeilt, um beidemal an der Front mitzukampfen. So war er ein Beispiel, wie der jüdische Deutsche im Ausland sein Deutschtum hochhalt.^ Nach Berlin zurückgekehrt, widmete er sich fast ein halbes Jahrhundert lang einer ausgedehnte:;, ausschließlich ehrenamtlichen, gemeinnützigen Tätigkeit. Seit 1885 Stadtverordneter, war er von 1901 bis 1919 unbesoldeter Stadtrat. Bei seinem Ausscheiden aus dem Magistrat wurde er zum S t a d t ä t t e st e n ernannt. Er hatte ein starkes soziales Empfinden. Die Arbeit für die Krankenhäuser und die Leitung der Armendircktion, bei der er während des Krieges, schon im biblischen Alter, in die Bresche sprang, gewährten ihm besondere Befriedigung. Unvergessen ist, was er für die Organisation der städtischen Liebesgaben während des Krieges getan bat. Tie Wärme- Hallen, die den Aermsten der Armen eine Zuflucht gewähren, waren 30 Jahre lang ein Hauptgegenstand seiner Sorgen. Er war Zeit seines Lebens ein aufrechter Jude, der seine große Arbeitskraft und seine Gaben auf dem Gebiete der Verwaltung seinen Glaubensgenossen nicht entzog. Lange Zeit hat er im Ehrendienst der Indischen Gemeinde gearbeitet. Er zählte zu den Mitbegründern des Centralvereins und hat viele Jahre treu im H a u p t v o r st a n ö mitgearbeitet und wurde bei seinem Ausscheiden aus dem Vorstand zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. „das öeutfche Judentum und feine jüdischen Gegner." Innere Auseinandersetzungen haben im jüdischen Leben der letzten Jahre keine übermäßig große Nolle gespielt. Tie Not der Zeit zwang insbesondere die deutschen Juden, ihre ganze Kraft zusammenzunehmen, um im Kampf gegen den übermächtig gewordenen Antisemitismus bestehen zu können. Tie große Blasse der bis dahin gut fundierten jüdischen Wohlfahrtseinrichtungcn und Gemeinden stand noch dazu in der Inflationszeit vor dem Ruin, und es bedurfte unendlicher Mühe, um sie über die schlimmste Zeit hinwegzubringen. So war denn weder Zeit noch Kraft für die Klärung der theoretischen Probleme des jüdischen Lebens vorhanden. So sehr man nun diesen Zustand im Interesse der inneren Geschlossenheit und des Ansehens in der Welt begrüßen mußte, so freudig mau auch die kriegerischen Aktionen der Volksversammlung und die ebenso „geistreichen" wie gehässigen Pressefehden vermistm konnte, so wenig durfte man sich darüber täuschen, da ß ein Ausgleich der Anschauungen nicht erzielt worden war! Wenn in Zeiten der Not im Staate konservativ gerichtete Eleinente mit demokratisch und sozialistisch Gesinnten zusammenarbeiten, so bedeutet das nicht, daß die einzelnen Gruppen ihre Grundsätze ausgeben. Ebenso falsch wäre es auch, anzunehmen, daß das gemeinsame Wirken die Gegensätze insbesondere zwischen den Nationaljuden und ihren Gegnern ausgeglichen hätte. Und das in ruhiger, von aller Polemik weit entfernter Auseinandersetzung betont zu haben, ist das e r ft e Verdienst des uns vorliegenden B ü ch l e i n s von Marx*). Nicht jeder wird mit ihm in der Beurteilung der Bedeutung des Keren Hajessod und des Charakters der Besiedlung Palästinas übereinstimmen, übersieht er doch ganz, daß der Aufbau des Heiligen Landes ein zwingendes Gebot der jüdischen Religion ist, und daß der nationale Charakter des Aufbaus nur dann eine Tatsache sein kann, wenn die anderen Teile der Judenhcit ihre Mitwirkung versagen und die Ausführung des von der Religion allen Juden anbefohlenen Werkes den Nationaljuden allein überlassen! Aber erquickend wirken nicht nur die Unbefangenheit, mit der der Idealismus mancher Zionisten anerkannt, nicht nur die Ehrlichkeit, mit der die deutschen Juden eine „recht träge, gleich- *) „Das deutsche Judentum und feine jüdischen Gegner." Von Dr. Jakob M a r x, Rechtsanwalt in Karlsruhe. Philo-Vcrlag, Berlin 8rv 68. Preis 1,50 M. Alleinige A nze igren-Annah m e RudolfBIosse, Anzeigen-Annahme für sänitl. Zeitungen Deutschlands und das Auslands Berlin LXV 19, Jerusalemer Strafe 46-49 / Breslau / Chemnitz / Dresden / Düsseldorf i Gciuci / Frankfurt cl'JJI i Halle (Saale , / Hamburg Hannover / Karlsruhe ' Höln a. Rh. Leipzig f Magdeburg / Mannheim f München! Mirnberg / Stettin / Stuttgart / Amsterdam / Barcelona / Basel / Budapest j Bukarest / Prag 1 Warschau / Wien / Zürich. Üm fe ett3 rm ra y 3 Ls 1. Befreiung von allen Fußbeschwerden l 2. Der gesunde Fuß bleibt stets gesund! 3. Und dennoch kein Verzicht auf Eleganzl