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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-03 · 27 (3.7.1925) · p. Seite 475

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
27 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 475 (sequence 13)
Language
German
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475 1. Verharrdlirngsrag. Eigener Bericht sür die „C. V. - Z e i t u n 9*. Gegen 4 Uhr nachmittags eroffnete der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Kammergerichtsrat Wolsf, den Aerbandstag. Er führte aus, daß bisher die Geschäftsführung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden auftragsgemäß dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin obgelegen habe. Er begrüße die gewählten Vertreter des preußischen Judentums und die Vertreter der Negierung, Ministerialrat Paul vom Kultusministerium und Assessor Naft. sowie Stadtrat Treitel. der für den Oberbürgermeister von Berlin und den Berliner Magistrat erschienen war. Der Redner erinnerte an seinen Besuch beim Reichspräsidenten v. Hindenburg vor wenigen Tagen, bei welcher Gelegenheit der Reichspräsident die Gleichberechtigung und gleiche Behandlung aller Bekenntnisse als Grundsatz ansstellte. (Bravorufe.) Das ist ja nur eine Selbstverständlichkeit, aber daß es ausgesproclzen wurde, und durch den ersten Beamten des Reiches, war gut. Man erfuhr, wie ein wahrhaft deutscher Manu über Juden und Judentum denkt. Wir unsererseits können darauf nur einmütig antworten, daß wir uns stets bewußt sein werden, treue Kinder unseres deutschen Vaterlandes zu sein und ein Bestandteil jener inneren Volksgemeinschaft, von der der Reichspräsident gesprochen hat (Lebhafter Beifall.) — Die Aufgabe des Vorstandes der Berliner Gemeinde ist beendet, wir geben sie in die Hände des Landesverbandes zurück. Wir wollen den Blick richten auf das, was uns eint, nicht ans das, was uns trennt. Dann wird unsere Arbeit Bahn schassen für die Zukunft und eine Quelle des Segens sein für alle Zeiten. (Laug anhaltender Beifall.) Ter Vorsitzende des Deutschen Rabbinerverbandes, Dr. Leo Daeck, richtete Begrüßuugsworte von eindringlicher Wärme an die Versammlung. Er führte aus, daß die Phrase trenne, das Wort aber eine. Einheit sei auch sehr oft eine bloße Phrase, ebenso wie Aristokratie und Demokratie, mau müsse die Worte mit Inhalt erfüllen. Tie Einheit, die er meine, sei nicht die Oberflächlichkeit, der Impotenz und Indolenz. Das allein ist wahre Einheit, die eine Eiilheit von Persönlichkeiten fcL Persönlichkeit bedeutet immer eine große Sachlichkeit, eine große Selbstlosigkeit. Persönlichkeiten finden immer den Weg zueinander. Eine Gemeinschaft von Persönlichkeiten, und darum einig zu sein, das ist der Wunsch für diese Tagung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Im Namen des Oberbürgermeisters von Berlin hieß Stadtrat Treitel die Tagung willkommen. Ter Vertreter des Jüdischen Gemeindebundes von Anhalt und der Vertreter des Sächsischen jüdischen Eemeindebundes begrüßten die Tagung im Namen ihrer Verbände. Der Vorsitzende verlas ein Begrüßungsschreiben des Verbandes Bayrischer Israelitischer Gemeinden und der Badischen Landessynode Karlsruhe. Tie Wahl des Präsidimus erfolgt gemäß den Vereinbarungen des interfraktionellen Ausschußes durch Zuruf. Das Präsidium besteht aus: Präsident Justizrat Eonnenfeld (Liberale Vereinigung), Vizepräsidenten Rechtsanwalt Kollenscher (Jüdische Bolkspartei), Direktor Ist Kahn (Konservativ). Jnstizrat Sonnenfeld dankt für die Wahl und verspricht, sein Amt mit Gerechtigkeit und Unparteilichkeit zu führen. Zn Schriftführern werden die Herren Rechtsanwalt Fleischer (Schneidemühl) und Dr. Frank (Eisenach) gewählt. Auf Vorschlag des Präsidenten erfolgt eine Ergänzung des Präsidimus durch Herrn Rabbiner Dr. B r a u n s ch w e i g e r (Oppeln). Es wird dann eine vorläufige Geschäftsordnung angenommen und ein füufzehngliedriger Ausschuß zur Ausarbeitung der definitiven Geschäftsordnung eingesetzt. Auf Vorschlag des Lehrerverbandes werden die Herren Mittelschutlehrer Heinrich Stern und Levy (Frankfurt a. M.) als Vertreter der Lehrerschaft in den Rat gewählt Als die sechs Rabbinervertreter im Rat werden die Herren Dr. Baeck (Berlin), Dr. Horowitz (Frankfurt a. M.) und Tr. Seligmann (Frankfurt a. M.) als Vertreter des Rabbinerverbandes. rmd die Herren Professor Guttmann (Breslau), Dr. Weinberg und Professor Elbogen als Vertreter der drei jüdischen Hochschulen vorgeschlagen. Rechtsamvalt Dr. Klee schlägt die Wahl des Rabbiners Tr. Emil Levy (Volkspartci) vor. Es wurde vereinbart, die Wahl für den zweiten Verhandlungstag zurückzustellen. Für die Wahl von vier Mitgliedern des Rackes gemäß Art. 21 Ziss. 3 der Verfassung liegen drei Vorschlagslisten vor. Auf Antrag Dr. Klee wird durch Nameuaufruf abgestimmt. Es werden U3 Stimmen abgegeben. Davon entfalten auf die Liste Vogelstein (Breslau) 60 Stimmen gleich zwei Ratssitze, Liste Dr. Hantke . ^tnmncn gleich ein Ratssitz, Liste Nt. A. Loeb 25 Stimmen gleich em Ratssitz. J Hierauf erstattet Dr. Jörrrar Freund den Tätigkeitsbericht, -^^ch eingehender Erörterung der Rechtsfragen ging Dr. Freund Zur Besprechung der inneren Lage der Gemeinden über, die er zum t?khr Prekär schilderte. Mehr als 650 Gemeinden sind direkt unterstützmlgsbedürstrg. 800 Preußische Gemeinden entbehren der ^lstlgen Fürsorge. 285 Gemeinden haben keinen Lehrer, 219 keinen Kultusbeamten, 425 keine Institute tiad> dem jüdisckjen Gemeindegesetz. Hilft muß kommen, aber ohne finanzielle Hilfe des Staates kann man nicht existieren. Der Landesverband muß eingreisen, um das Bestehende zu erhalten und Fehlendes zu ergänzen. 2. Berhondlungstag. Nach der Eröffnung kommt die Entsendung von sechs Rabbinern in den Rat zur Sprache. Nachdem Rabbiner Dr. Freund (Hannover) die Vorschläge des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes mitgeteilt hatte, entwickelte sich eine längere Geschüstsordnungsdebatte. in der Abgeordneter Hans Goslar darauf verwies, daß es gelte, die im Landesverband vertretenen drei großen jüdischen Weltanschauungen bei dieser Wahl zu berücksichtigen. Durch Akklamation wurden schließlich gewählt: Seminardirektor Professor Tr. Guckmann (Breslau), Rabbiner Tr. I. Weinberg,Dozent in Berlin, Professor Dr. Jsmar Elbogen (Berlin), Rabbiner Tr. Leo Baeck (Berlin), Rabbiner Dr. Horowitz (Frankfurt a. M.), Rabbiner Dr. Seligmann (Frankfurt a. M.), Mittelschullehrer Heinrich Stern (Berlin), Lehrer und Kantor I. B. Levy (Frankfurt a. Nt.). Zu Stellvertretern wurden gleichermaßen gewählt: Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln), Rabbiner Tr. Wilde (Magdeburg!, Rabbiner Tr. Emil Levy (Berlin). Das Etatsrcferat wurde von Dr. Jsmar Freund erstattet. Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit rund einer Million Mark. Generaldebatte. Rechtsamvalt Stern (Berlin, liberal) beantragt, den Etat einem Allsschuß zu überweisen. Er fährt dann fort: Wir begrüßen diesen Berband-stag und die Arbeiten des Verbandstagos nicht nur um ihrer selbst willen, sondern in mehrfacher Hinsicht. Einmal, weil im preußischen Judentum endlich eine feste Vertretung der Juden dem Staate gegenüber geschaffen wird: zweitens, und das ist eigentlich selbstverständlich, daß die Gesauckverckrecknng der preußischen Juden notwendig ist wegen der zahllosen Einzelausgaben, die unserer harren und im Etat ihren Ausdruck gefunden haben. Ich glaube, in aller Sinne zu sprechen, wenn ich der bisherigen Geschäftsführung dafür, daß ne uns die Aufgcrben präzisiert und das Programm gegeben hat, für ihre große, und. wie ich am besten weiß, sehr mühevolle Arbeit, unseren aufrichtigsten Tank ausspreche, insbesondere auch Herrn Dr. Freund, dessen Arbeit es ja im wesentlichen ist, die wir hier vor uns haben (Beifall und Händeklatschen.) Wir wollen keine leere Vcrwaltungemaschine und kein Dekorationsstück, sondern eine Genueinschaft jüdischer Männer und Frauen als Führer für ihre Schwestern und Brüder im Lande sein. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Tr. Klee (Volkspartei) sprach für die Gleichstellung Zwischen^ Ost- und Westjuden. Er setzte sich für den Ausbau des jüdischen Schulwesens ein. da ohne schulen sich kein Lehrerstand entwickeln kann. Er sprach von der Notwendigkeit der Arbeit am Aufbau Palästinas, der eine Sache der Gesamtjudenheit sei, und setzte sich für die Unterstützung des Palästina-Ausbaufonds ein. Zwischen jüdischem und deutschem Handeln und Fühlen, führte der Redner gelegentlich einer Polemik mit dem Verband nationaldeutscher Juden aus, gibt es keinen Widerspruch. Eines stört das andere nicht. Man fühlt und Handel: als Jude jüdisch und als Deutscher deutsch. Rechtsanwalt Tr. Horowitz (Frankfurt a. M., konservativ r stellt einleitend das Programm seiner Fraktion dar. Sodann kommt er aus die Tatsache zu sprechen, daß eine Anzahl konservativer Gerneinden diesem Landesverband nicht angehören, sondern dem Halberstädter Verband gesetzestreuer jüdischer Gemeinden. Wir haben, was die einzelnen Fragen der Tätigkeit des Landesverbandes anlangt, eine Reihe von Spezialwünschen, die wir in den Ausschüssen Vorbringen werden. Wir haben hier viel gehört von einenr Gemeinschafrsaedanken, der auf allen Seiten besteht, der nur von der einen oder anderen Richtnng anders ansgelegt wird. Gibt es etwas, wie wir es nennen wollen, was in uns lebt als jüdisches Gemeinbewußtsein, so erkennen wir es an. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Tr. Reumann (Religiöse Mittelparkei): Dieser Landesverband ist gedacht als preußische Organisation, als eine Organisation der preußischen Juden, um dem preußischen Staate gegenüber eine Gemeinsamkeit zu bilden und um die Unterstützung der 'leistungsschwachen Gemeinden zu sichern. Was ans dein Landesverbände in Zukunft wird, ist eine andere Sache. Die preußischen Ausgaben sind eine Grundlage, und wir wollen uns diese Grundlage nicht durch theoretische Auseinandersetzungen stören lassen. Alfrad Berger (Poale Zion) protestiert gegen die unparitätische Zusammensetzung des Rates und be,zeichnete es als eine Ehrenpflicht der preußischen Judeuheit, das Ausbanwerk in Palästina zu fördern. Der Etat wird hierauf dem Haushaltsausschnß überwiesen. In den Haushaltsausschuß werden gewählt: Rechtsanwalt Abraham Horowitz (Frankfurt a. M.). Dr. Hugo Emmerich (Frankfurt a. Nt.), Arnold Wiener (Beuchen), Alfred Berger (Berlin), Rechtsanwalt Tr. Alfred Landsberg (Wiesbaden), Alsred' Seidenberg (Liegnitz), Geheimrat Julius Stern . (Berlin), Ersatzmann Tr. Joseph Kutzenstein (Kassel), Alsred Bielschowski (Breslau), Kommerzienrat Naplstali Hamburger (Berlin), Henry Rothschild (Frankfurt a. Nt.), Rechtsamvalt Dr. Arthur Ehrlich (Tilsit). Moritz Steinberg (Wiesbaden), Willy Dreysuß (Frankfurt a. M.), Willy Wolfs (Frankfurt a. M.), Bruno Woyda (Berlin). Sckstuß der Bormittagssitzung X»3 Uhr. Hg. (Den Schluß bcs Berichts bringen wir aus Raummangel in der nächsten Nununer.)

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