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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-03 · 27 (3.7.1925) · p. Seite 472

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
27 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
Seite 472 (sequence 7)
Language
German
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472 tum und Judentum Zu tun hat, sondern aus allgemein-menschlichen Erfahrungen beruht: das Verhältnis einer, Mehrheit zu einer nut ihr in engem Zusammenhang befindlichen Minderheit, das zunächst auffällt dann Mißtrauen und Abneigung erweckt, dre bw zur Verachtung und'rum Saß au gehen pflegen. Es konunt hinzu der von Spengler hervorgehobene^ Unterschied des Mangels an Glclchzeütgkeit der Kulturen. Die in den heutigen Juden stch portfetzende a.tjudstche trauen. Daß gerade jetzt die antisemitische Strömung derartig a n g e w a ch s e n i st, f ch e i n t f o l g e n d e Urs? l?h e u au haben: bei allen tiefgreifenden politischen^ und wirtschastlichen Erschütterungen ist ein Anwachsen des Judeuhastcs criahrung^geniast zu bemerken. Wir leben iu einer Zeit, in der sich eine Loslofung von dem über 100 Jahre herrschenden „Individualismus vollzogen hat und eine Stärkung des Eemeimchast^geiste^, d:e notlveudiger;oeise zu emer Stärkung der Abneigung der Mehrheit gegen die Minderheit fuhren muß. Ausschlaggebend " ist der verderbliche Natioualunnuc-, der alle Völker der bewohnten Erde jetzt beherrscht, und der besonders häßlich dadurch wird, daß in Teutschaud die Gleichstellung der Ration mit der Rasse behauptet wird. Diese vorhandenen Empfindungen der deutschen Mehrheit werden nun methodisch von M a ch t p o l i t i k e r n a u s g e n u tz t, die damit rein machtpolitische Ziele verfolgen wollen. <-ie benutzen die Urteilslosigkeit, auch die Vorurteile und den Aberglauben Aprer Anhänger, sie stellen vor allein die Revolution als jüdisch dar. Die Weisen von Zion, eine literarische Fälschung von so niedrigem Charakter, daß man normalerweise glauben ninß, kein,Mensch der Jetztzeit würde sie als geschichtlich wahr annehmen, wird mit verbrecherischer Kunst dem Volle als Tatsachenbericht vorgelegt und bis in weite Kreise des Volkes hinein als wahr angenommen. Was können w i r selbst g e ge n diesen io charakteris i e r t e n Antisemitismus tun? Die Belehrung der andern scheitert, weil es sich um Leiche handelt, die nicht belehrt sein wollen: fortgesetzte Arbeit an der Bepernng von Juden wird geleistet und ist notwendig, kann aber vielleicht die entgegengesetzte Wirkung haben, nämlich die Steigerung des Judenhasses. Wir folgen deshalb dem Rate von Brunner, der als einzigen Answeg bezeichnet, die Berhäliniye zu bepern. Deshalb ist die vom Eentralverein geleistete politische Arbeit zum Zwecke der Verbesserung der Verhältnisse notwendig, und wir sind verpjlichtet, uns an ihr zftbeteitigen. (Stürmischer Beifall.) Als nächster Referent erhält Studiendirektor Tr. Otto Triefen (P h i I a n t h r o p i n , Frankfurt a. Main.) das Wort zu seinem Vortrag über „11 nsere Arbeit im G e i st". Der deutsche Jude hat die eingeborene Pflichh am Wiederaufbau seines Vaterlandes mitzuarbeiten „Aus ganzer Seele, ausganzem Herzen, aus ganzer Kraft". Wir sind, so führte der Redner aus. und zwar jeder einzelne von uns. der Mittelpunkt dreier konzentrischer Kreise: Ter erste Kreis, die deutsche Heimat, umschließt alles, was wir durch Geburt, Ueberliefcrung und Erleben als deutsche Heimat empfinden. Es ist unser innerstes Wesen, der Traum und die Liebe unserer Kindheit, die Hoffnung und das Ideal der Mannesjahre, unser Freud, unser Leid, 'unser Schicksal. Unsere Heimat ist unser Herz. Man kann sie uns nicht rauben. T-er Zweite Kreis umschließt unsere religiöse Ilcberlieserung, das Judentum. Als letzter, größter Kreis schließt sich an: der Umkreis der Menschheit. Unsere Wurzelhaftigkeit liegt im innersten Kreis, im Kreise , der Heimat. Aber unsere Persönlichkeit erhält wesentliche Züge ihrer Ausprägung durch den zweiten Kreis, das Judentum. .?n$L Frage: Wie wirken die drei Kreise auseinander em? W,e empfinden die Menschen, die mit uns' im engeren Kreise der Heimat leben, den äußeren Kreis „Judentum"? Mit anderen Worten: Wie stellt sich das Judentum dar, t>on auße n gesehen? 3st 3udentmn als religiös-geistige Gemeinschaft entwicllungs» Ter Redner Zeigte ,die Notwendigkeit nnd Möglichkeit für da Juo^lrtum, sicb als geistige Bewegung mit den gesamten geistige Kräften ,der deutschen Gegenwart au-einanderzusetzeu. Er ew w-rckelte rn großen Perfektiven, welch fruchtbare geistige Arbeit m?rll^er Grundlage der Propheten und Psalmen 2eremia und der „Sprüche der Väter (Abschnitt des Talmuds). Alle drei erwähnten konzentrischen Krell!mhtfn§rlcfcc Ichrifleu reichstes, fruchtbares Lel>e formuliert der Vortragende eine doppel! Aufgabe: Wiederaufbau aller deutschen Kultur w e r t e, V e r t r e f u n g u n d E n t w i ck l u n g d e r j ü d i s ch e ^llg'onswerLe auf der Grundlage der deut lchen Kultur. (Stürmischer Beifall.) •-*?**!-^"H^sktzten großen Saal der R h e i nl a ndl o g e erholt, «an stch nach der Arbeit des so glänzend gelungenen Tagest be einem unverfälschten und urgemütlichen- „Kols ch e n Oven d". Künstler von Beruf und Freunde des Vereins wetteiferten. Um 9 Uhr vormittags wurde am Montag die Westdeutsche Tagung fortgesetzt. Herr Feilchcnseld begrüßte die Erschienenen und erteilte dem Syndikus des Ostprenßischen Laudesverbandes. Herrn Sabatzky (Königsberg), das Wort zu einer A n s P r a ch e mit dem Motto: Ost und West reichen stch die Hände vereint in dein Gedanken an Deutschtum und Judentum Ter Vorsitzende betonte die besondere Bedeutung der Teilnahme Ostpreußens an der Rheiulandkuudgebung des Eeutralvercins. Das Referat der Vormittagstagung hielt der Direktor des Eentralverein«, Tr. Ludwig Holländer. Er sprach über die „v ö L k i s che B e w e g u u g" und führte unter anderem ans: Ter Fehler dieser Bewegung liege darin, daß sie im Blute und nicht iu der Staatsgemeinschast den Kern für die Weltgeschichte sieht. Die Idee des Blutes konnte so weit um sich greisen', weil sie sich im wesentlichen a u s das M Y st i s ch e stützt. Ten Glauben großer Teile der Bevölkerung an die Macht des Blutes kann mau nicht hinwegdispnticren. Daher finde man den völkischen Gedanken bei Anhängern aller Parteien. Der Gedanke der Blutsbedentnng dringt immer mehr in alle Parteien ein, im Jnlaude wie im Aus lande, von Amerika bis zum Balkan- Wenn mau eine innner größere Zahl intelligenter Männer und Frauen sich diesen Ideen zune'gen sieht, so ist diese Erkenntnis nächtig für die Praxis. Blau wird mit dieser Anschauung für eine Reihe voll Jahren rechnen müssen. Sei auch die akute politische Auseinandersetztmg im Abnehmeli begriffen, so sei anderseits doch sestznstcllen, das; der völkische Gedanke im Znnehmcn begriffen sei. Die Judenfrage ist nur eine Tcilsrage des völkischen Gedankens. Die Propaganda für den jüdischen Menschen müsse trotz aller bereits geleisteten Ansllärnngsarbeiten noch intensiver betrieben werden. Auch in bezug ans die religiöse Aufklärung sei eine eingehende Propaganda nötig. Weiteste Kreise der nichtjüdischen Oefsentlichkcit müssen über das Judentum informiert werden. Es ist aber auch notwendig, daß die Juden j rch nicht engherzig ab sch ließen, und dort, wo ne cs mit ihrer Würde vereinbaren können, Fühlung mit ihrer nicht jüdischen Umwelt suchen. Man dürfe für die Abtvehr nnd Anst.ärungsarbeit nicht: müde sein, und einem gesunden Optimismus huldigen. (Lebhafter Beifall.) Die Ausführungen des Referenten wurden von den Herren Dr. Frank (Köln), Dr. Jakob (Dortmund), K a tz e n st e i n (Castellann), Professor Goldstein (Darrnstadt), Justizrat C a h e n (Köln), JD p e n h c i m c r (Hannover-Bickellpeirn), Tr. S i l b e r - stein (^chwcrin) in einer zweistündigen Aussprache wirkungsvoll unterstrichen und ergänzt. Ter Vorsitzende Fei lchen seid stellt in seinem Tank an Tr. Holländer, Herrn Justizrat Sonnenfeld undalle anderen Erschienenen fest, daß die Tagung ein großer Ersvlg nach innen und nach außen gewesen sei. Tie Opferwilligkeit der Centralvereins- Mitglieder loerde dafür sorgen, daß auch weiter die Arbeit des Eeutralvercins in der bisherigen Weise fortgesetzt werden könne, zun, Segen für Deutschtum und Juden. Herr Tr. Jakob (Dortmund) übermittelt den Tank der Gäste an die gastfreundliche Kölner Ortsgruppe und den umsichtigen Leiter der Veranstaltung, Herrn Bernhard F c i l ch e n f e! d. Besonders herzlicher Tank wurde von allen Seiten dem Syndikus des linksrheinischen Verbandes, Herrn Eugen I a c o b i, gezollt, der die Veranstaltung in mustergültiger Weife vorbereitet hat. Eine gemeinschaftliche Besichtigung der I a h r t a u s e n da u s stell u n g beschloß die Westdeutsche Verbandstagung. Deutsche ßrauenwoche am Rhein. „Erneuerung der Familie"'. Ter Verlaus dieser großen Veranstaltung ergab Stimmungen, die in ihrer Harmonie von der landschaftlichen Schönheit des Rheins und der Stadt Köln, den, nationalen Gemeinschastsbcwußtsein der Einheimischen und der Gäste, dem Stolz auf die zu lebendiger Anschauung gebrachten Kulturleistungen des letzten Jahrtausend und den, glücklichen Thema „Erneuerung der Familie" bedingt waren. Vor allem erkennbar war der starke Wille der anwesenden Frauen in dieser Tagung — nnd hoffentlich über diese Tagung hinaus — der Uebcrzeugung Ausdruck zu geben, daß es der Gemeinsamkeit, der Mitwirkung aller Frauen, bedarf, einzeln und in ihren Verbänden, um durch die Erneuerung der Familie der Erneucrtlng des Vaterlandes die notwendige starke und gesunde Basis zu schaffen. Dies Zeigte sich i'cfjon bei der Eröffnung in den Worten der Vorsitzenden, Gräfin Adelmann, deren hohe Kultur hohe Toleranz bedetltet, in der Rede der Kölner Stadtverordneten, Frau Bachem, und bei den meisten öffentlichen Veranstaltungen der Tagung. Ten Höhepunkt dieser g e m e i n s ch a f t l i ch e n Veranstaltungen bildeten die Vorträge von Frau Negierungsrat Laar mann und von Gertrud Säumer im großen, herrlich geschmückten Gürzenichsaale. Das Thema war „Die Frau im öffentlichen und sozialen Leben", von Frau Laarmann, in der Darstellung erzieherischer und furforge-

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