Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 27 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- Seite 470 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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xx der größte Teil der deutschen Juden angehort, gckst stck) o;e vcgre, e durch mich, den Vorsitzenden seines linksrheinischen Landescbandcs, aufs herzlichste zu begrünen. Bor ollem habe ich die >re, die Vertreter unserer Behörden, d^e s Staates. /ruftakt im Kölner Gpernhause. Sch—r. Köln, 30. Juni. Die Westdeutsche Tagung des Centralvcrcins am 28. und 20. Juni in Köln wurde mit einer Kundgebung „Für Rhernland und Deutschtum" im Kölner Opernhaus erösfnet. Line seitlich gestimmte Menge jüdischer Deutscher füllte dre werten Raume deutelten schönen Musentcmpels. Nach einer vorzüglichen Wiedergabe der Ouvertüre zur Oper ,.E u r y a n t h e" durch ein Bonner Orche,ter unter Leitung des Kölner städtischen Kapellmeisters Sternbcrg. begab sich der Vorsitzende des linksrheinischen Landesverbandes, Herr Bernhard Fcilchcnscld (Köln), zur Rednertribüne, um die Versammlung zu begrüßen: Der Centralvcrcin deutscher Etaatsbürger jüdischen Glauben-, dem der größte Teil der deutsche» Inden migchört, gibt^pch die tzchre. Sie dura . ' * •-«=-<-. Verbandes Ehre, d i c- , der Stadt und unserer Kölner Synagogenqem ei n d e - B e rw a l t n n g in unser er M i t t e zu b e - w i l l k o m m n e n> Wir haben ferner die große Freude, M ä n u e r unseres H an Pt v o r st a n d e s , Führer und Angehörige anderer deutschen Landesverbände, sonne die Vertreter unserer wcstdnilschon Ortsgruppen herzliche willkonnnen zu heißen. Vier Landesverbände, der von Westfalen-Rheinland, Westfalen-Ost, Frankfurt-Hessen und unser linksrheinischer, haben sich hier ein Stelldichein gegeben, um innere Angelegenheiten zu ordnen und ihrer Teilnahme an der Jahrtausendseier unserer teuren rheinischen Heimat deutlichen Ausdruck zu verleihen. Wann und wo immer deutsche Juden versammelt sind, wird ihr erster und ihr letzter Gedanke sein: ..Heimat und Vaterland." Uralte Vorschriften unseres Glaubens machen den Respekt vor der Negierung, die Ehrung der Landesgesetze, die Liede zu Volk uni> Vaterland, uns zur voraussetzungslose;'.. unveräns;crlichen Pflicht. Unsere Väter haben diese Vorschriften selbst damals befolgt, als sie Stiefkinder des Vaterlandes gewesen sind. Die Judenemanzipation hat unseren Pairio-- lisinus naturgemäß noch zu vertiefen vermocht. Unsere Blutzeugen sind jene 1*2 000 deutschen Juden, die aus den Schlachtfeldern des Weltkrieges ihre Liebe znm deutschen Volke, znm deutschem Vaterlande mit dem Heldentod besiegelt haben. Die rheinische I a h r t a n s e n d f e i e r soll dem lebenden Geschlecht eine V o r st e l l u n g übermitteln v o n den Lei st u n g e n und den S ch i ck s a l e n seiner V ä t e r. In uns Inden steigt aus fast zweitauseudjähriger Vergangenheit aus rheinischer Erde das Schicksal unserer Väter ans, die "unter der Zeiten Ungunst in Speyer und in Worms, in Mainz und in Köln ehedem gelebt und gelitten habem Sogar die aufgeklärte Gegenwart hat noch irregeführte Volksgenopen, die in unverständigem und unverständlichem Has; unser gutes Recht auf -Zugehörigkeit znm deutschen Volke, unser gutes Recht ans Heimat und Vaterland uns streitig machen wollen. Der deutsche Jude tritt mit Hilfe des Eentra(Vereins jenen Ungerechten mutvoll entgegen und liebt seine Heimat auch dann, wenn er llnrcchk in ihr erfährt. „Recht oder Unrecht, mein Vaterland!" Ter Kampf mit dem Antisemitismus darf uns nicht verbittern, er soll uns die Freude an unserem Deutschtum nicht schmälern oder gar rauben, noch weniger darf er uns veranlassen, auf den deutschvölkiichen Klotz einen jüdischvöltischen Keil zu setzen. Wir sind deutsch, wir wollen deutsch sein und ewig bleiben. Wir wollen als deutsche Inden, wir wollen als jüdische Deutsche mit Mut und Entschiedenheit unsere staatsbürgerlichen Rechte gegen jeden Feind zu verteidigen suchen, wir wollen aber auch mit ebenso großer Entschiedenheit unsere staatsbürgerlichen Pflichten treu erfüllen gegen deutsches Volk und Vaterland. So w o l l e n w i r d e n n a m heutige;; Tage ein beredtes Zeugnis ab legen für unser He im a t g e f ü h l, für unsere Kultur- und S ch i ck s a l s g e rn e i n s ch a f t tu 11 den andersgläubigen Volksgenossen, wir wollen unserer Tagung ans rheinischer H e i m a t e r d e jenen u n v e r w ü st l i ch e u deutschen und jüdischen O p i t i m i 8 m u § zugrunde legen, der für uns alle bedeuten möge, für unseren ewig deutschen Rhein, für unser liebes deutsches Vaterland: H i n a u f e n t w i ck l u n g zu Glück und zur Freiheit! In diesem Sinne sei unsere Tagung hiermit eröffnet! (Minutenlanger stürmischer Beifall.) Fred Alexander vom Kölner Schauspielhaus spricht einen Prolog, von dem Gemeindevorstandsmitglied Emil B l u m e n a u gebildet. In poetischem Schwung wird die Schmach des Judenhasses als Deutsche Schmach gegeißelt. Nicht endenwollender Jubel ehrt den Vortragenden und den Dichter zugleich. Durch lebhaften Beifall begrüßt, nahm der Direktor des Eentralvercins Dr. Ludwig Holländer das Wort zu einer Ansprache. Er wies einleitend darauf hin, daß die Feier des heutigen Tages auf die Tatsache zurückzusühren ist, daß vor 1000 Jahren der Grund zur deutschen staatlichen Einheit gelegt wurde. Das war der Geburtstag des nationalen deutschen Staates. Wir Juden gehören zu diesem Nationalen deutschen Staat, ohne von unserer geschichtlichen, insbesondere religiösen Eigenart irgend etwas aufgebcn zu müssen, — a^ war nicht immer klar, denn die rechtliche Emanzipation hat nicht notwendigerweise die tatsächliche zur Folge gehabt. Ter Centralverem wurde gegründet, um die rechtliche Emanzipation restlos zu vollenden und die tatsächliche durchzuführen. Die Zugehörigkeit der Juden zur deutschen Nation wird bis in diese Zeit bestritten. Genutz ist es für die Inden nicht leicht gewesen, die Güter der Gleichberechtigung zu erwerben, sie hatten die schwere Aufgabe, Lebensform und Lebensinhalt nach der Zugehörigkeit zu Judentum und Deutschtum sich zu eigen zu machen, um endlich dem Gesaintvolke das Streben nach der Schaffung einer nationalen Kultur zu vollenden. Die Lebensform mußte von dem aus dem Ghetto heraustretenden Juden erst erworben werden, die Freiheit der Zwilisation wurde erzwungen, ohne von dem jüdischen Gehalt der Religiosität etwas aufzngeben. Gewiß mag dieses streben bei vielen nicht ans den ersten Anlaß hin gelungen sein, es hat sich aber dnrchgcsetzt, denn das wichtigere, der Kamps um die kulturelle Einbürgerung mußte dem Inden, der immer an der Kultur mitgearbeitet hatte, verhältnismäßig leicht fallen. Er brachte neben s e i n e r M i t a r b e i t an der kulturellen Entwicklung den deutschen Stämmen sein religiöses Erbgut: O p t i m i 8 m u s, d i e Reinheit seines Familienlebens, seine mächtige D u l d e r e n e r g i e, seinen Glauben au das Wort: „Wir sind alle Kinder eines Vaters, und ein Gott Hai uns geschaffen", seinen sozialen Sinn, seine Friedensliebe in i t, h a n p t s ä ch l i ch a bei* seine st arke B e g a b u n g für alle s Ethis ch e. Jeden Tag erhebt sich die Frage, wo der Weg ist, den Lebensinhalt aus dein schwankenden und Zufälligen zu bleibeudem reinen Werke heransznheben. Durum ist der Jude eine iuahrhast moderne Gestalt im deutschen Leben. Er hat immer versucht, einen Zus-unmenhang zwischen Individuellem und Sozialem zu schassen. Er wußte, daß ein Volk eine Schicksalsgemeinschast bedeutet, und hat diese Schicksalsgemeiuschast treu mit dem deutschen Volke gehalten. T a r u m h a b e n w i r u n s jt e t s in i t v e r a n t w o r t l i ch gef ü h l t s ü r die E n t w i ck l u n g der deutschen G e s a m t k u l t u r. Das ist nicht geschehen durch Beteuerungen, durch inhaltlose Redensarten, sondern dttrch Einsetzung aller Kraft für das Ganze, indem man die religiösen Wahrheiten in den Dienst des nationalen Ganzen stellt. So nehmen wir teil an dieser Jahrtausendfeier in treuer £tebc zu Vaterland und Religion, zu Glaube und Heimat. Aus unserem Innersten heraus kommen nur zur Vermahlung dieser beiden Begriffe, zu unserer großen Liebe zu beiden^ nach den Worten Karl Hauptmanns: „W i r s i n d a l l e a u f der S n ch e nach d e nt Gott in der eigenen Seele, und w er uns den enthüllte, den nennen wir g e l i e b t." (Stürmischer, sich oft iviederholender Beifall.) Tie crgreifende^Arie ans dom „Elias" von Mendelsohn brachte Herr Oberlantor Flcischmann (Köln) in machtvoll zu Herzen gehender Weise zu Gehör. Gemeurderabbiner Dr. Kober (Köln), der geistige Vater der Jüdischen Abteilung der Jahrtansendausk e!- lnug,^sprach in längeren, aber trotz der ungeheuren Fülle der N u.nen und Tatsachen niemals ermüdenden Ausführungen über die mannigfachen Verknüpfungen, die die Juden mit den; Rheinland verbinden. Tie Bistümer Mainz, Speyer und Worms, deren Wiedervereinigung in:t dem Ostreich im Jahre 925» wir in diesem Jahre feiern, sind auch neben Köln die ältesten deutschen Jndengemeinden, ihre Spuren verlieren sich bis in sagennmrahmte Vergangenheit. Das erste geschichtliche Dokument finden wir in der berühmten konstantinischen' Urkunde von 321, die der Kölner Jndengemeinde eine Verfassung gibt. Ein in Aachen ansässiger Großkaufmann, Isaac, begleitet im Jahre 787 die Gesandtschaft, die Karl der Große an den Kalifen Harun al Raschid.geschickt hat. Unter mannigfachem Schicksal blühten die rheinischen Gemeinden, bis die Verfolgung der Kreuzzüge und des Pestjahres sie in Not und Aob brachte. Tie meisten Gemeinden gingen völlig unter. Aber diese vertriebenen rheinischen Inden trugen. ihre deutsche Sprache, die alte deutsche Tracht ihrer Zeit nach Polen, das ihnen gastsrenndschastliche Ausnahme gewährte. Die Treue, die sie ihrer rheinischen Heimat bewahrten, bewahren sie auch heute ivieder in den abgetrennten Gebieten, indem sie dort fest znm Deutschtum halten. Znm zweiten Male spielt das Rheinland eine große Rolle zur Zeit der Emanzipation, die den Inden das gleiche Recht wie ihren christlichen Volksgenossen gab. "Wir sehen' trotz des bis znm Aufklärungszeitalter dauernden Mittelalters so enge Beziehungen zivischen Rheinland und Judentum, daß es nicht verwunderlich erscheint, wenn die Aufklärung eine völlige Aendernng herbeigejührt hat. Tie französische Zeit hatte bei allen ivesentlichen Umänderungen doch den Juden ein Danaergeschenk gewährt mit jenen; Privileg vorn 17. März 1808, das die Gleichberechtigung an gewisse Vorbedingungen knüpfte. Dagegen setzte dann der^Kampf der rheinischen Juden ein. Aus dem Gebiet des rheinischen Wirtschaftswie des Geisteslebens haben eine ganze Anzahl von Inden mit an führender Stelle gestanden. Der Blick auf die Vergangenheit lehrt das Recht des rheinischen Juden auf deutsche Erde, seine unlösbare Verbundenheit mit dem deutschen Vaterlandc und dem rheinischen Volke. (Lebhaster Beifall.) Tie Klänge der Ouvertüre zu „Egmont" sind der Stimmung der andächtig Laiischenden durchaus angepaßt. Eine begeisterte Kundgebung für den begabten Dirigenten am Schluß des Vortrages zeigt, daß sich hier Herz zu Herz gesunden hat.