Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 458 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Joseph gab 1 Mark Das Feuer und die Glut der Volkswirt, die den Grundbesitz der Großgemeinde. die in der Nütze der Lynagoge Gebäude für das Gesetzstudium, den Elementarunterricht, für kranken- und Armenpflege, eine Backerei, ein Badhaus, ja sogar ein Gcsellschaftshaus für Festlichkeiten, das schon 1306 erwähnte Tealrum ludcorum apud St. Walpur-zam, hatte, schonte and] den PrivaLbesitz n i cht. Schon 1281 dürste davon viel zerstört sein. Tenn dort, wo Judenbäuser gestanden hatten, ward der Bauplatz gewonnen für das durch Urkunde vom 23. April 1282 von HumberL zum Widder und dessen Ehefrau Elisabeth genistete, überaus reich fundierte umfangreiche Frauenkloster der reichen AHarifjen. Dreses wich später anderen Gebäuden und diese wiederum gaben 1903 das Gebäude her für den Prachtbau der städtischen Töchterschule, an der neben christlichen Kollegen jüdische Lehrkräfte Schülerinnen alter Religionsbekenntnisse in sämtlichen Disziplinen höherer Schulen unterrichten. Bon dern Kloster ist die alte Kirche, die zum Naturtziüorischen Museum umgebaut wurde, erhalten, von den Judenhäusern nur ein Bruchstück von einem mit Skulpturen geschmückten Fenster. Es stammt von einem jüdischen Patrizierhauie frühromanischen Stils. Daß es „das Haus des [tato it y m n §* sei, des Stammherru der aus Lucco in Oberitalien nach Mainz verpflanzten Gelehrtenfamilie, wie ein Altertumskenner, der Prälat Friedrich Schneider, erwähnt, kann vermutet, aber nicht bewiesen werden. Tie wissensrerchen und betriebssamen Sprofferr der Faurilie Kalonymus konnten in den gefahrlosen Gleisen des vfstutlichen Lebens an dem Aufstieg der Stadt Mitarbeiten und so für ihre Glaubensgenopen die Glanzzeit vorbereiten, in der die Gesetzeswrschung an den rheinischen jüdischen Hochschulen die edelsten Pslegitätten fand. Ter Mainzer Akademie sicherte 3t. Gers ch o m b. I e - h u d a (960—1040), „das Licht der Diaspora"', die größte t-al in irdische Autorität der deutschen Juden, unvergänglichen 3buhm. Wie auf christlich-kirchlichem Gebiete der Erzbischof von Mainz mit seinen Nachbarbistümern Worms und Speuer den ersten einflußreichen Rang einnahm, so hatte das jüdische Mainz im Verein mit den Gemeinden Worms und Speyer bald für Teutschland und Frankreich die^ Führerrolle inne. Was Mainz damals war, sagt um 1140 Salo m o b. S i ni o n, der den Untergang der Gemeinde im ersten Krenzznq fchnoert. Er klagt um „die Stadt des Ruhmes, die fröhliche Burg". „Es lauen sich nicht mit eisernem Griffel in einer Buchrolle die edlen Taten verzeichnen, die von jeher hier geübt wurden. An einem Orte waren vereinigt Ttzora, Größe. Reichtum, Ehre, Weislich Demut, Wohltätigkeit? Diese glückliche Zeit, die allerdings 1012 durch eine Religwusvenolgung unter Heinrich II. aus kurze Zeit unterbrochen wurde. war nach'dem ersten Kreuzzug für immer dahin. Tenn nun war die trübe -Quelle erschlossen, die durch Jahrhunderte Vorurteile, Glaubenshaß und Neid nährte und zu den schmachvollsten Taten trieb. Tie Leidens- Zeiten der jüdischen Geschichte sind von nun ab mit Blut und Tränen geschrieben. Sie zu schildern, ist nicht Zweck dieser Ab- Handlung. Hier soll über Steine berichtet werden: Denksteine find es. die liebevolle Pietät in grauer Vorzeit „zn Häupten" der Verstorbenen gesetzt hatte. Sie standen reihen w eise auf sandiger Flur, dem sogenannten I u d e n s a n d. Sie waren von Gärten und Weinbergen umgeben, die man dem Boden abgerungen hatte. Ein wohltätiges Ehepaar, Mar (— Herr) Salomo und Frau Nahet, hatte das Gelände" der Gemeinde geschenkt. Hier wurden die Entschlafenen aus Mainz, den Nachbardörfern und dem Nheingau zur letzten Ruhe gebettet. Einfache Steine, die meistens nur Namen,'das Datum des Heimgangs und den Wunsch nach Paradiesesruhe enthielten, kennzcichneten die Schlununerstätte. Tie Stürme des aeschichttichen Lebens sind > Jahrhunderte hindurch über den Friedhof dahingezogen. Er lag still, seine Grabstätten blieben unberührt, die Steine standen fest, bis der Frevel auch hier noch 1433 sein Spiel trieb. Während vom Anfang des 14. Jahrhunderts an „mit kalter Gleichgültigkeit und heißem Fanatismus" die jüdischen Friedhöfe überall, wie beispielsweise in B r e s l a u (1345), Straßbürg (1348), Speyer (1430), Augsburg, Würzbürg, Nürnberg, Erfurt und anderen Orten zerstört, die Steine geraubt und verschleppt wurden, ist Mainz ziemlich lauge verschont geblieben. Selbst 1349, als die Beschuldigung, die Juden hätten den schwarzen Tod durch Dergiftung der Brunnen herbcigeführt, auch in Mainz geglaubt wurde und zur völligen Vernichtung der Gemeinde trieb, inachte das Unheil vor dein Friedhof halt. Tie Schändung desselben tvar einer Zeit Vorbehalten, die durch Unruhen im Reiche, durch Parteiknmpse in Mainz zwischen Bürgern und Klerus, zwischen Zünften und Geschlechtern, sowie durch den überaus schlechten Stand der städtischen Finanzen erregt und verworren war. Das Zitat bei Stobbe („Tie Inden in Deutschland während des Mittelalters", S. 192), „der Mainzer Bischof habe beim Antritt seines Amtes 1 4 2 0 alle Juden mit Weib und Kind aus dem Erzstift Vertrieben. Er wolle lieber des WeineS entbehren, als die gottlosen Juden dulden. Hab und Gut habe er ihnen genommen, doch 30 Pfennige gelassen „in de dechtnisse der verkopinge christi", beruht aus Irrtum! Ter Erzbischof Konrad HI. (1410 bis 1439) hat im Gegenteil die Juden, dieses schätzbare kurfürstliche Steuerobjekt, geschützt, einmal sogar die Krömmgssteuer von 500 Gulden aus eigenen Mitteln gezahlt und gerade 1420 eine größere Einzahl oon Schutzbriefen ausgestellt. Nicht der Erzbischof, sondern der städtische Rat hat ihnen das Wohnrecht gekündigt und sie am 28. Juni 1438 von dein Boden vertrieben, aus den sie ältere Ansprüche machen fonnten > a l s deutsche Stämme. Als dein 9?at die Ereignipe in die Machtbefugnisse des Reichs verwiesen wurden,^ behauptete er, die Juden hätten freiwillig ihre Wohnsitze aufgegobem Später gestand er seinen Frevel. Ter neue Erzbischof Diederich von Erbach (1439 bis 1450) trat für die Juden ein, was ihm wohl den Namen „eine-s großen Patrons der Hebräer" verschafft hat. Ter Rat mußte von ihm bittere Worte hören: er habe die Juden „geschätzt und gedinget", sie mutwillig vertrieben, die Leichensteine geraubt, sie zu einem Bau am Rhein verwendet und den Friedhof zu einem Weinberg umgeackert. Er fordere Ersatz für einen Schaden von 100 000 Mark und Zurückberusung. Tiefe erfolgte dann auch 1445. nachdem der alte Rat gestürzt und das neue zünftige Regiment über den Nutzen, den der Erzbischof und die Stadt aus'den Juden zogen, praktischer dachte. Tie Heimgekehrten konnten sich nicht lange des schützefreuen. Tie Treue, die sie dem Erzbischof bewahrten, trug ihnen von dem siegreichen Nachfolger Adolf von Nassau 1462 neue Drangsale, Beraubung und Vertreibung aus der Stadt ein. Don den im Jahre 1438 verschleppten, vermauerten und eingebauten, aber 1922 aus alter ^tadtbefestigung vorsichtig wiedergewonnenen Steinen sind wieder vier, die ältesten in Teutschland, von erhöhter Bedeutung. Der älteste dürste spätestens der ersten Hälfte d e s 1 1. I a h r h u n d e r t s zuzuweisen sein. Er enthält Reste hebräischer Bnchstaben. Nur der Schluß „Ruhe seiner Seele" ist zu lesen. Ta die Buchstaben aber zwischen eingeritzten Linien stehen, so ist die Analogie mit Steininschriften ans der Karolingerzeit erwiesen. Der zweite, gut erhaltene, eckige, rote Sandsteinblock zeigt die Aufschrift: „Grab des Rabbani; R. Simon, Sohn R. Isaks. Seine Seele dem evigen Leben!“ In Mainz soll man vor vielen Jahren einen anderen Stein gezeigt haben, besten Inschrift lautete: „Hier in dieser Höhle studierte (so!) unser Rabbi Simon, der große k-otzrr Jscns". Tie Echtheit wurde von jeher bezweifelt. Unser Stein, der fast fünfhundert Jahre zum Schutze der Stadt einaemauert war, frischt das Andenken an einen Großen in Israel auf. R. Simon d. Gr., war der Stzroß einer aus Le Maus tri Frankreich stammenden Mainzer Familie, Mitrabbiner R. Gerschoms und gleichzeitig der gelehrte, sangeskundige Borbeier der Gemeinde, dessen tiefempfundene Poesien die Stamm* gebete des deutschen Ritus umrahmen. Wie andächtig lauschte wohl