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Central-Verein-Zeitung · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · p. Seite 452

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
Seite 452 (sequence 15)
Language
German
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452 Erlagen zu ermitteln. 10,44 der jüdischen Kriegsteilnehmer blieben auf dem Felde der Ehre. Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, hinter dem auch im Rheinland Tausende alter Frontkämpfer stehen, hält das heilige Andenken unserer Helden in seiner Mitte aufrecht. Die Iuöen km rheinischen Geistesleben. Von Dr. Max LSborn. Es ist für die Geschichte der deutschen Juden und ihres Anteils an der Kultur- und Geistesarbeit des Landes, dessen Bürger sie geworden, mit dessen Sprache, Sitte und Gefühlsleben sie verwuchsen, von besonderer Bedeutung, die Verhältnisse im Rheinland zu überblicken. Wenn die Meinung zuträfe, daß die spezifische Begabung der jüdischen Rasse in der Diaspora vor allein den Bewegungen des wirtschaftlichen Lebens entgegcngekommen sei. so müßte man annehmen, im Zeitraum der letzten hundert Jahre, da die Lande am Rhein einen wirtschaftlichen Aufschwung ohnegleichen genommen haben, hätte das jüdische Element in dieser Entwicklung des Westlandes eine gewaltige Rolle gespielt. Das ist jedoch nicht der Fall. Bei der gesamten Entfaltung der Industrie, des Handels, der wirtschaftlichen Ausbeutung der Bodenschätze, die sich in der cbgelaufenen Epoche am Rhein vollzog, treten jüdische Namen nicht in höherem Maße hervor, als dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entspricht. Das trifft nicht nur auf die Schwerindustrie und das Gebiet der technischen Erfindungen zu, sondern auch auf die verschiedenen Zweige des geschäftlichen Lebens. Unter den Räuu-.en der Kölner JahrLausend-Ausstellung, die den Leistungen der einzelnen Gewerbe gewidmet sind, nimmt der mit der Neberschrift „Kaffees wo der Einführung der Kaffeerösterei durch Rach e l Z u ntz , die Begründerin der Firma Zuntz sel. Witwe, ein Denkmal geletzt ist, eine Ausnahmestellung ein. Selbst das Bankwesen der rheinischen Städte, über das diese Kölner Ausstellungsabteilung Rechenschaft ablegt, weist — wenn man von den Rothschilds in Frankfurt und den Oppenheims in Köln absteht — in der überwiegenden Mehrheit nichtjüdische Firmen auf. Außerordentlich stark dagegen stellt sich von dem Augenblicke an, da unter dem Einfluß der französischen Revolution die Mauern des Ghettos fallen, die Mitwirkung jüdischer Persönlichkeiten im Revier des Geistes dar. Es war natürlich, daß nach der Emanzipation die bedeutenden Köpfe, die aus den Kreisen des rheinischen Judentums hervorragten, von freiheitlichen Eedanst.r erfüllt waren. Sie dachten gewiß daran, der Bevölkeruugsklasse, der sie entstammten, die Bewegungsfreiheiten und Entwicklung-Möglichkeiten zu sichern, die auf dein Papier standen, und ihnen in der Praxis des Lebens Geltung zu verschaffen. Aber sofort griffen die Bestrebungen über solche nahen Ziele auf die allgemeinen Probleme der deutschen Oefsentlichkeit über. Was der rankfurter Ludwig Börne und der Düsseldorfer Heinrich eine im Dienste der demokratischen Ideen geleistet haben, gehört der Geschichte des Schrifttums an. Und mag der Kampf um Heine, den Dichter, noch so heftig toben — keine Vorstellung der deutschen Rheinromantik und keine Rheintandfeder wird je am unsterblichen Klang seiner Verse vorübergehen können, in denen die beglückende und phantastische Stimmung des Landes ihre ergreifende, volksliedhafte Ausprägung erfahren hat. Heine und Börne folgt ein stattliches Fähnlein rheinischer Poeten und Schriftsteller jüdischen Blutes, bis zu Karl Wolfskehl, dem am Oberrhein gebürtigen Dichter aus dem Kreise um Stefan George. An den befreienden politischen und Menschheitsgedanken, die am Rhein, wo man den großen westeuropäischen Demokratien näher war, mit besonderer Energie und Leidenschaft verfechten wurden, nahm das Judentum der Gegend bedeutenden Anteil. Wir denken an den kultivierten, aus reichste Bildung gestützten Liberalismus Ludwig Bambergers aus Mainz. Wir denken daran, daß Karl Marx, der Schöpfer der sozialistischen Idee, 1818 in Trier geboren luar, denken an das Wirken Lassalles im Rheinland, das auch die Kölner Ausstellung nachdrücklich hervorhebt, denken an die strahlende Erscheinung von Lndwig Frank aus Mannheim, der zu den ersten Opfern des Weltkrieges gehörte und der Sozialdemokratie der Gegenwart vielleicht der fähigste Führer geworden wäre. Im Zusammenhang daran erinnert gerade die Jahrtausend-Ausstellung auch wieder an den feinsinnigen sozialistischen Schriftsteller Moses Heß aus Bonn,, dessen Name vielfach vergessen ist. Auch in der bildenden Kunst blieb das rheinische Judentum nicht zurück. Im vergangenen Jahre wurde in diesen Blättern das Andenken M vritz O p P e n h e i m s , des Frankfurter Malers, aufgefrischst in dem man einen der ersten deutschen Berusskünstler jüdischer Abstammung zu sehen Hai. Gerade die Eigenart Oppenheims, der auf der einen Seite als ein rechter Vertreter der Cesamtkunst seiner Zeit von uns steht, in Rom sogar von der Vorstellungswelt des Nazareners ergriffen wurde, in Weimar Goethe nahetrat, auf der anderen Seite aber durch seine Darstellungen aus dem jüdischen Familienleben berühmt geworden, bietet ein bezeichnendes Beispiel dafür, wie man als Maler zugleich sein Deutschtum und sein Judentum bekennen kann, ohne daß durch diese Doppeleigenschaft sich irgendein Riß in der Gestaltung eines Persönlichen schöpferischen Daseins eröffnen müßte. Nicht anders stand es um EduardBendemann, den Sohn des Berliner Bankiers, der zum Düsieldorser wurde und iw der älteren Kunst Übung der Rheinischen Akademie, die sich eben jetzt in der historischen Abteilung der Düsseldorfer Jubiläumsausstellung so schon studieren läßt, eine hervorragende Stellung einnahm« Bends» manns „Trauernde Juden im Exil" und sein „Jeremias aus Öci! Trümmern Jerusalems" bildeten damals angestaume Großtaten der eben aussteigenden Historienmalerei. Sie galten als charakteristischL Werke der schwärmerischen, ein wenig sentimental-melancholifchen Düsieldorser Romantik, und wenn ein Spötter wie Adolf Schrodter die Manier seiner berühmten und erfolgreichen Kollegen in dem köstlichen Bilde der „Betrübten Lohgerber" ironisierte, so wußte jeder* mann, daß er damit hauptsächlich auf Bcndemanns „Trauernde Juden"' einen satirischen Pfeil abschießen wollte. Wie sehr man in der freien rheinischen Luft vor hundert Jahren über die engstirnigen Vorurteile erhaben war, die heute unser Leben vergällen, dafür gibt den Besuchern der jetzigen Düsieldorser Ausstellung das große Gruppenbild, das die Familie Bendemann mit ihren Düsseldorfer Freunden Zeigt, einen anmutigen Beweis. Tie Tüsieldojer Künstlerschast lebte damals so einträchtig zusammen, daß der Plan entstehen konnte, auf einem solchen Gemälde die einzelnen Personen von verschiedenen Händen malen zu lapen. Julius Hübner, der selbst eine Schwester Eduard Bendcmanns geheiratet hatte, entwarf die Komposition, und nun wurden Vater Bendemann und der Maler K. F. Sohn von Theodor Hildebrandt, Eduard Bendemann selbst sowie Hildebrandt und Wilhelm v. Schadow von K. F. Sohn, Frau Hübner, geborene Bendemann, und ihr Baby von Hübner, Hübner selbst wiederum von Schadow, Emil Bendemann von seinem "Bruder Eduard konterfeist . Tie künstlerische Lchaffenssreude ist den jüdischen Rheinländern seit jenen Zeiten nicht ausgegangen. Hier soll und kann keine Liste gegeben werden, welche die Zahl erschöpfte. Aber auf den trefflichen Bildhauer und Medailleur Bruno Elkan, der ein DorstnuZlder Kind ist, mag hingewiesen sein. Und nicht vergeben sei das moderne Tüpeldorfer Gruppenbild, das in der neueren Abteilung der jetzigen Ausstellung hangt und die rheinischen Freunde neuerer Knust Nebeneinander aufführt. Arthur Kaufmann hat es gemalt. Das Wert beweist in seiner bunten und munteren Mischung, bei der die Maler Gert W o l l h e i m und I a n k e l Adler mit Otto Dir und Ernst Le Peerdt und Herbert Eulenberg und anderen durchaus unjüdischen Vertretern der rheinischen Moderne erscheinen, wie gerade in der jüngeren Rüustlerschaft von heute die lächerliche und bornierte Trennung, die anderswo Lustig blühst denn doch unter dem Zeichen des Geistes verschwindet. Die jüöisthen flerzte in Rö'ln» In Carl Drisch' „Geschichte der Juden in Cöln und U.maebilns' Mülheim 1879) lesen wir: n1»erlivürd:g ist, dast im 16. und 17. Jahrhundert da? fanontfaje d>G]e^, weccyes Jeden Christen, dar sich von einem jüdischen Arzt behandeln läßt, mit Erkonununikation bedrohst in Köln nickt beachtet wurde. Wir sehen jüdische Mediziner. deren Hilfe iu Len. Hütten verarmen wie in den Palästen der Neichen, ja selbst von geglichen Fürsten in Anspruch genommen wurde, und nicht ein einziges Mal hat der sonst so vorsichtige Stadtrat das für einen jüdischen Heilkundigen nachgesuchte Geleit abgeschlagen. In Deutz lebten um diese Zeit die Ac-rzte: L. A b ra h a m Sa lomo hm Isar Josephs ein Bruder des Rabbiners Moses (gest. 27. Tebeth 1631); 2. depen Sohn David Jsaac (gest. ' 17. Tebeth 1657); 3. Juda Löb ben Nathan (gest. 26. Elul 1670); 4. Hi skia Jacob, Sohn des vorgenannten David Jsaac (gest. 15. Taurus 1687); 5. besonders aber I erem i a M e n a ch e m, Sohn des Arztes Joseph Salomo aus Koblenz, genannt Mendel (gest. Schema! 158/), der im Memorbuch als ein bedeutender Gelehrter und vorzüglicher Mediziner bezeichnet wird, welcher wunderbare Kuren ousgeführt, auch medizinisäre Schriften verfaßt hat. Es ist unmöglich, alle Fälle, in denen diese Aerzte nach Köln berufen wurden, auszuzählen, und ich will mich darauf beschränken, einige Geleitserteitungen aus der Zeit des 30jährigen Krieges mit* Anteilen: Auf Ansuchen des Herrn Marschalcken von E! tz werden am 26. Juli 1632 dem Juden-Doktor zu Deutz „sechs tagh vergun.t. In die Stat zu kommen vnd ehreg. Herrn Marschalcken In seiner Krankheit zu besuchen". Am 4. Oktober desselben Jahres wird der Judendoktor von Deutz vorn Kurfürsten von Mainz gesucht. Im Jahre 1641 ersuchte .Peter Mahler den Rat um Geleit für den Doktor von Deutz, um ihn in seiner Krankheit zu visitieren. Der Rat bewilligte das verlangte Geleit aus drei Tage, jedoch dergestalt, daß der Judendoktor jedesmal in Begleitung eines dieser Stadwoien zur Stadt ein. und ausgehen und aühier nicht übernachten solle. Am 12. Juli 1645 wird auf Bitte des Hermann Bpsem dem Judendokror zu Deutz gestattet, drei verschiedene Tags erzukommen, aber anders nicht als mit einem in „dieser Stadt ivrea gekleideten Botten" zur Stadt ein- und auszugehen und keinmal bei nächtlicher Weile sich auszuhalten. Demselben wurde ferner am 11. Oliober und 6. November der wiederholte Eintritt gestattest

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