Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 448 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Von ösr IahMAssNKMsftsWNNg -sr RhsiÄMKs in Win. Don Eemeinderabbiner Dr. Kober (Köln). Das Rheinland steht im Zeichen der Jahrtausendseiern. Mehr als es wenige verklingende Jubiläumstage vermögen, wollen die Ausstellungen in verschiedenen rheinischen Städten die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlands zum Deutschen Reich beweisen und festhalten. Bei aller Wertschätzung der Ausstellungen in anderen Städten nimmt die Kölner, sowohl was die geschichtliche. Politische und künstlerische als auch die wirtschaftliche und soziale Seite anbetrisst, eine besonders glänzende Stellung unter ihnen ein.. Was rheinisches Land und rheinische Menschen hervorgebracht, was kirchliche Goldschmiedekunst, Plastik, Malerei, Buchkunst. Volkskunst im Laufe der tausend Jahre geschaffen haben, ist in kostbarsten Stücken auf der Jahrtausendausstellung zu schauen. Den strahlenden Gipfelpunkt der ganzen Ausstellung bildet die Sammlung kirchlicher Kunst und kirchlichen Kunstgewerbes, wie sie in. solcher Erlesenheit und Vollendung nur sehr selten aus der Kirche ehrwürdiger Nacht losgeeist wird. Tie Reliquienschreine allein belohnen den Kunstliebhaber reichlich, der aus weiter Ferne eine Reise zum Rhein unternimmt, und Xnffcn ihm die Schau zum inneren Erlebnis werden. Hat man, vom Eingang aus betrachtet, die Abteilung „Kirchliche Kunst" oder „Geistesleben und Literatur" durchschritten, so gelaugt man in die Abteilung „Juden und Judentum im Rheinland", die sich also organisch in das Ganze einfügt und damit schon den Kulturzusammenhang zwischen Judentum und rheinischem Land und Volk zum Ausdruck bringt. Tie jüdische Abteilung dient der Darstellung 'der äußeren Geschichte, der Geistesgeschichte, des religiösen Lebens und der Synagoge im Lause des letzten Jahrtausends. Urkunden, von denen die älteste von 321 herrührt, Modelle von Judenbädern aus dem 11. Jahrhundert, Abbildungen von Synagogen, von denen die älteste, die Wormser, aus dem Jahre 1034 stammt, eine besonders gefertigte Karte mit den jüdischen Ansiedlungen vor der großen Katastrophe von 1348/49, Karten von rheinischen Jildengassen, Grabsteine (der älteste von 1050), Memorbücher zeigen den äußeren Verlaus der von zahlreichen Verfolgungen und Austreibungen unterbrochenen Geschichte der rheinischen Juden. Dazu kommen für die Zeit vom 17. Jahrhundert an Judenordnungen und Schutzbriefe der rheinischen Landesherren für einzelne Juden, besonders für ihre Hofsaktoren. Einzelne dieser aus den Rheinlanden stammenden Hoffaktoren, die um Fürst und Land sich Verdienste erworben haben, sind in Bildern, Siegeln und anderen Erinnerungen festgehalten-. Auch der Kampf um die Emanzipation im Rheinland hat seinen Niederschlag in Denkschriften und Bildern gefunden. Die j ü d i s ch e Abteilung will aber auch die Gei st e sg e s ch i ch t e der rheinischen Inden veranschaulichen, obwohl. es an und für sich kaum möglich ist, das geistige Leben einer Epoche zum vollen Ausdruck zu bringen und zu zeigen, wie die jüdische Wissenschaft als Halacha, als Moralliteratur, als Mystik und Gebetsliteratur sich zuerst in Mainz im 10. Jahrhundert und von dort aus in Worms, Speier, Köln und Bonn entfaltet hat. Herrliche Bibelhandschristen, Machsorim, insbesondere aber der Misebneh-Thora- Codex, der von Nathan ben Simeon aus Köln im Jahre 1295/96 geschrieben und gemalt wurde, zeigen die große künstlerische Begabung der jüdischen Schreiber des Mittelalters. Daß die rheinischen Juden auch vor dem Beginn der Neuzeit der allgemeinen Kultur nicht ferugestanden haben, bezeugt so manche Urkunde, und ihre Bedeutung seit der Emanzipation auf den verschiedenen Gebieten der Kultur tritt in dem Bild und Werk so manchen Mannes deutlich hervor. Das Literaturwerk, das den Judenschmerz des Mittelalters am ergreifendsten zum Ausdruck bringt, Heines „Rabbi von Bacharach", ziert die Ausstellung. Das religiöse Leben wird durch alle die Symbole sestgehalteu, die besonders charakteristisch für das Judentum sind; insbesondere atmet das Sederzimmer mit seinem Taselschmuck und seinen Bildern die ganze Gemütswärme, die von diesem religiösen Leben ausgeht. Eine Zierde der Ausstellung der jüdischen Abteilung bilden ferner die kleine Synagoge, die den rheinischen Typus aus dem 17. und 18. Jahrhundert darstellt, zu deren Bestandteilen die alten .Synagogen Zons, Ehrenbreitstein, Worms, Eleve, Heidel- Edihf des Kaisers Konstantin in Konstanfinope! * an die luden Kölns anno 321 n.Chr CodicisTheodosiani TitM De Judaefe T«n|l CONSTAM1NUS A. ÖCCUR10N1BUS || AQRipplNICNSIBUS. CUNCTIS ORÖ1N1BU5 llqctteRAU ueqe concgöichus, IUÖA60S VOCAR6 aö curiacti VeRUOQ UT AL1QU1Ö 1P3I5AÖ SOLATlUfn pRISTlFiAC C5SeRVATION15 R6UNQUATUR, BINOS VCLTCRNOS pR!VU£Q10 peRpert pATiCnUR NULLI5 KOCT11 NATION! BUS OGCUßARI. Die älteste urkundliche Erwähnung der Kölner Juden vom Jahre 321 beiveist} wie lange sie bereits in Köln eine Gemeinde bilden, also in Deutschland heimatberechtigt sind. berg u. a. beigetragen haben, ferner die Thoravorhänge, das Thorasilber verschiedener Gemeinden, Haggadot und Megillot verschiedener Stilgattungen. Aus diesem flüchtigen Ileberblick läßt sich schließen, welch unifangreicher religiöser und sittlicher, kunstgewerblicher und wissenschaftlicher Besitz sich in den Händen der rheinischen Juden seit dem 11. Jahrhundert befand, mit welcher Sorgfalt man das ererbte Gut trotz der vielfachen Verfolgungen hegte und bewahrte. Allen denen, die aus ihren reichen Schatzkammern zu dieser Ausstellung gespendet haben, Gemeinden wie Privaten, insbesondere den Gemeinden Worms und Mainz, gebührt daher herzlicher Tank. Ob das Werk gelungen ist, so fragte Oberbürgermeister Tr. Adenauer bei dem herrlichen Festakt zur Eröffnung der Ausstellung, und antwortete: „Aus vollem Herzen sage ich ja, denn aus ihm rufen Stimmen, die ihr hören sollt; aus ihm rufen die Stimmen unserer Ahnen, ruft die Stimme des Rheins, unseres heiligen Stromes- Lauschet unseren Altvordern, folget ihnen!" Ob die jüdische Abteilung gelungen ist, mögen diejenigen beurteilen, die sie besticht haben, aber das eine darf ich sagen, auch aus ihr rufen die Stimmen der Ahnen, die wir hören sotten, die Stimmen, die zum treuen Festhalten mahnen, zur opferbereiten Freudigkeit an dem von Vätern ererbten Gut und die aller Welt den innigen Z us a m m enhang von rheini s ch e m Indent u m u n b rheinischen: Boden dartun. Jedenfalls scheint durch die jüdische Abteilung, wenn man aus die Urteile der Andersgläubigen hört, die zu vielen Tausenden die Abteilung besucht haben, auch dem Judentum ein Dienst erwiesen worden zu sein, da sie das Recht der deutschen Juden aus den rheinischen Heimatboden unwiderleglich beweist. # * * Deutsch-jüdische Leistungen in der Allgemeinen Ab« Leitung. Ter amtliche Führer durch die JahrLauscndausstellnng unterscheidet zwischen zwei Hauptabteilungen. Tie Abteilung A entlMt die geschichtliche, politische und künstlerische Entwicklung. Die Abteilung B umfaßt die wmm u n ä lpo l i Lisehen, wirtschaftlichen und sozialen Tatsachen. Tie Jüdische Abteilung Tr. Kobers hochzuschätzendes Werk, befindet sich in der Abteilung A. Aber auch die Abteilung B weist manches gute segensreiche Werk jüdischer Köpfe und Hände auf. Rur trägt es kein Schild dieser Herkunft. Und oft hat der Vollbringer des Werkes, öfter noch die Nachfahren, den verlockenden Weg zur anderen Religion gefunden, so daß der jüdische Einschlag nach außen unkenntlich geworden ist. In dieser Abteilung, wo der rheinische Steinkohlenbau neben dem Maschinenbau, die Elektroindustrie M.-Gladbachs neben der Mannheimer chemischen Großindustrie, der Handel und die Börse am Rhein neben Eisenbahn und Schiffahrt ihre Leistungen vorweisen, ist es nicht leicht, den jüdischen Anteil, der groß ist, festznstcllen. Im Bvrseusaal hängen die Bilder der Kommerzienräte S e l i g m o n n und H ey - mann. Ten grandiosen Aufbau der Wareuhaus-Akt.-Ges. Leonhard Tietz, Köln, hat Generaldirektor Alfred Tietz eindrucksvoll an'gezeigt. Tie Bankhäuser O P P e n h e t in und Stein stellen die Bilder der jüdischen Begründer aus. Abraham Oppenheim ivar auch Mitbegründer der Rheinischen Eisenbahn. Tie G u t e h o s s n u n g s - Hütte in Oberhausen huldigt ihrem Schöpfer Gottlob Julius Jacoby. Und wieviel deutsch-jüdischer Geist und jüdisches Gut in all den zahlreichen Abteilungen der Industrie und des Handels steckt, das hier zu untersuchen und darzulegen, würde kein Ende sinden. Aus allen Gebieten des Handels und Wandels haben rheinische Juden m i t g e a r b c i t e t und werden weiter zum Wöhle des Staatsganzen darin tätig sein.