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Central-Verein-Zeitung · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 435

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 435 (sequence 13)
Language
German
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435 eigenen Gedankeng 5 ngen besänge n ist und unter einseitigen Einflüssen steht, das gerechte Verst ä n d n i s f ü r d i e G e d a n k e n w e l t u n b Gesinnnnge n des deutschen I u d e n. Ob man ihn deshalb dauernd auf einzelne Aeußerungen festlegen soll, denen auch manches andere Wort entgegensteht, bleibe dahingestellt. Wir haben cs schließlich nicht mit den politischen Ansichten und Gesinnungen des Sohnes Richard Wagners zu tun, sondern mit Richard SLö'ci gners Werk. Was der Sohn als Hüter des Werkes erklärt und versprochen hat, sollen wir mit Befriedigung aufnehmen. Eine Kulturstätte in unserem deutschen Vaterland, die vielen von uns lieb und wert ist, soll wiederum nur der reinen K u n st dienen. Wenn dies wieder erreicht ist, wie wir bestimmt vertrauen dürfen, so können wlr, meine ich, als Juden tute als Deutsche, uns dieser Tatsache aufrichtig freuen. Der golösne Mittekweg. Zu den na t io n aljü d i sche n und nationald e u L s ch e n A n g r r s s e n. Deutschland konnte politisch und damit lvirtschaftlich nicht zur Ruhe kommen, weit es nicht möglich war, eine Volksgemeinschaft aus allen Schichten, eine Sammlung aller derer zu erreichen, die guten Willens sind, am Wiederaufbau mitzuarbeiteu. Tie Radikalen rechts und links blieben unentwegt und stemmten sich mit alter Macht dem Eiuheitsgedaukeu entgegen. Praktische friedliche Arbeit ist eben Todfeind jedes Radikalismus. Der Mann des Ausgleichs muß sich tönenden Worten und weltfremden Gedankengängen feruhalten, wenn er dem Ziele versöhnender, praktischer Arbeit zu- - streben will. A e h n l i ch geht es i u der Arbeit des Centralvere i n s. Die N a t i o n a l j u d e n sehen in unserem klaren unverrückbaren Standpunkt, der innerlichen Zugehörigkeit zum deutschen Volk, ein Hinübergleiten zu der nationaldentschen Bewegung Tr. Naumanns und schreiben sich die Finger wund, um unser Judentum zu verdächtigen. Veröffentlichen jetzt einen Brief unseres mwergeß- 'lichen Eugen Fuchs und sehen gar nicht, wie dieser Brief all das scharf unterstreicht, was wir in der letzten Nummer der „E. V.- Zeitung" in dem Artikel „Viel Lärm n m nichts" den nationaljüdischen Wahrheitsfreunden ins Stammbuch geschrieben haben. Mancher Gegensatz würde nicht zutage zu treten brauchen, wenn die nationaljüdischen Führer ihren Anhängern die goldenen Worte des Fnchsschen Brieses als Richtschnur ihres Lebens geben würden: „Ich fühle mich als Deutscher bis auf die K n o ch e u, suche aber eine Synthese z w ische n Deutschtum und I u d e n t u m, wie der Katholik eine solche zwischen Deutschtum rmd Katholizismus gesunden hat . . . Von mir rührt die Erklärung her, in welcher wir gegenüber dem Gedanken einer jüdischen Volksgemeinde die Erklärung losließen, daß w i r ein unlöslicher Bestandteil des deutschen Volkes seien und als solcher fühlten."; In der letzten, soeben erschienenen Nummer des „Mitteilungsblattes des Verbandes Nationaldeutscher Juden" versucht Dr. Mar Naumann auf zwei vollen Druckseiten den Nachweis zu führen, 'daß die deutschfühlenden Führer des Eentratvereins mit einer vermeintlich alljüdischen, vom Zionismus stark beeinflußten Opposition 'immer wieder einen „faulen Frieden" schließen müßten, so daß wirkvlich deutsche Arbeit im Eentralverein nicht geleistet wird. Mar Naumann hat es besonders unser Freund Dr. Jacob M arr aus Karlsruhe angetan. Obwohl Marr auf Seite 10 seiner Broschüre -.Das deutsche I n d e n t u m und seine j ü d i s ch e n Gegner", über die noch in diesen Blättern eingehend zu sprechen sein ckvird, grundsätzlich sagt: „An dem Gegensatz zum Zionismus ist nichts zu überbrücken und nichts zu verkleistern. Auch die Geniein- , .samkeit der Abstannmmg und des religiösen Bekenntnisses nimm! ihm nichts von seiner Tiefe" —, wirft Naumann uns -.Scheu vor der Zersplitterung", vor und wünscht der Leitung de? 'Eentratvereins Kraft und Entschlossenheit, über die ewigen Bc- ' schwichtiger, Leisetreter und Angstmeier Herr zu werden. Wir können die B el e h r n n g s v e r s u ch e Dr. Naumanns und seiner Freunde und die B e k e h r u n g s v e r - s u ch c der „I ü d i s ch c n R u lt d s ch a u" und ihres Anhangs nicht dankend abtehnen. Wir wissen nämlich aus fast täglich neuer Erfahrnng, daß die einseitige Einstellung der radikalen Gruppen manche wertvolle Tätigkeit des Eentratvereins für Recht und Ehre des gesamten deutschen Judentums schwer beeinträchtigt hat. Genau so wie wir im Reiche manches Stück dein Volksganzen dienender Arbeit von den Radikalen haben schädigen sehen. Es zeigt sich auch im innerjüdischen Leben, daß in der ü b e r h e b l i ch e n Art der Polemik gegen die Zusammenfassungsbestrebungen der Mitte die Extreme sich b e r ü h r e n. Unser geradlinig er Weg und unsere verantwortliche Arbeit erheischen positive Leistnngen und nicht ohne zwingende Not fortgesetzte innerjüdische Kämpfe, deren Unfruchtbarkeit der beklagenswerte, von Naumann veranlaßte Prozeß gegen Rechtsanwalt Foerder (Breslau) aufs neue gezeigt hat. Nicht Anbiederungslust oder Zersplitterungsfurcht beeinflussen unser ernstes Mühen. D e u t s ch t u m u n d I n d e n t u m bleibt u n s eine w e t t e r f e st e, heilige, unzerstörbare S y n t h e s e. Möge sie von den Radikalen links und rechts je nach Gefallen hin und her gezerrt werden: möge man uns von links oder rechts segnend oder fluchend beschwören, Einkehr und Umkehr zu hatten. Wir gehen den goldenen Mittelweg, und unser Panier: „F ü r Deut sch t u m u n d Judent n m" leuchtet uns voran. * Falschulelduug. In bi'ni Anssatze „Biel Lärm um nichts" der letzten „E. B.-Zeitnng" hatten wir berichtet, ein nationaljüdische? Blättchen Ostdeutschlands mache für eine an den preußischen Innenminister gerichtete Eingabe, die sich mit der zionistischen Gesinnung preußischer Staatsbeamter besaßt, den Eentralverein als ..Kronzeugen" verantwortlich. Diese „Leistung" war von uns gebührend gekennzeichnet worden. Wie jede böse Tat hat diese llnwahrhastigkeit nun weiter gewirkt. Die „München-Augsburger Abendzeitung", der „Völkische Kurier" und andere völkische Organe melden bereits, der E. B. habe diese Eingabe selbst eingereicht. Wir wissen nicht, wer diese Nachricht in die judengegnerische Presse gebracht hat. Daß sie vollkommen unwahr ist, bedarf keines Wortes. Um der Berichtigung?- pslicht zu genügen, haben wir der „München-Augsburger Abendzeitung" (und anderen Blättern) folgendes schreiben übersandt: Berichtigung. Tie in der Nummer 153 vom 5. Juni 1Ks5 auf Seite 4 enthaltene Behauptung, daß der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. an den Minister Severiug ein Schreiben wegen zionistischer Gesinnung höherer Preußischer Staatsbeamter gerichtet habe, ist unwahr. Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Rebblksr dr. E. Munk. / 3 n seine in 2 5 j ä h rige n Ll in tsjudiläu m. Ter Rabbiner der Israelitischen Synagogengemeinde ckisroö! in Berlin steht unter den Rabbinern Deutschlands mit an erster Stelle. Dr. E. Munt, ein Neffe des bekannten Führers und Organisators der deutschen Orthodorie. Tr. Israel Hildesheimers, hat als sein Nachfolger im Amte an der Seite Tr. Meier Hildesheimers zunächst im Nahmen der Wirksamkeit für seine Gemeinde dieser zur ungeahnten Blüte verholfen. Als Tatmudgelehrter, Kanzelrcdner. Seelsorger, Lehrer und Berater der Jugend entfaltete er eine unermüdliche Tätigkeit. Darüber hinaus nimmt er in allen Organisationen, in denen sich Bekenner des überlieferten Jndencmns in Deutschland zusammenge'chtossen haben, eine führende Stellung ein. So in der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Teutschland, im Verein traditionell gesetzestreuer Rabbiner, im Bunde gesetzestreuer Gemeinden, im Bunde jüdischer Akademiker. Arich innerhalb der Weltorganisation der Luckas ckisroöt wird sein Rat aufs höchste geschätzt. Für alte Fragen des Kultus, des Schulunterrichts, der Beurteilung der religiösen Differenzen zwischen dem liberalen und orthodoxen Judentum wird Herr Tr. Munk als Referent von der preußischen Regierung zur gutachtlichen Aenßeruug ausgefordert. Durch die Uebcrzeugungstreue, mit der er seine Sache verficht, hat er sich auch unter den Parlamentariern viele Freunde und Förderer seiner Wünsche erworben. Hier handelt es sich zumeist um Tinge, die die Gesamtheit des deutschen Judentums augeheu. Nach dem Heimgang des unvergeßlichen Vorkämpfers für unsere Rechte, Tr. Hirsch Hildesheimer, liegt die Arbeit für den Schutz der Lelweliita im wesentlichen aus den schultern Tr. Munks. Sein Anteil an der Abwehr der Angriffe gegen die Ethik des Talmud und des Schulchan Aruch ist den Lesern dieser Blätter ans seinen Beiträgen bekannt. Wenn dein gesetzestreueu Judentum in Deutschland eine seiner zahlenmäßigen Vertretung weit überlegene Bedeutung innewohnt, so hat es dies nicht zum geringen Teile der Arbeit Dr. Munks zu danken. Vor allem aber auch seiner Persönlichkeit, die in ihrer Geschlossenheit und Vereinigung so vieler liebenswerter Eharaktcrcigenschafien eine hochgeschätzte Erscheinung innerhalb des deutschen Judentums darscellt. Es dürsten sich daher alle, wer immer nur mit Dr. Munk in Berührung gekommen ist, in dem Wunsche begegnen, daß ihm noch lauge eine gesegnete Wirksamkeit besehieden sei. —b. Ter Haupivorstand des Eentratvereins hat unserem verehrten Freunde Dr. Munk an seinem Ehrentage aufrichtige, herzliche Glück- und Segenswünsche schriftlich übermittelt, verbunden mit warmen Worten der Dankbarkeit für die stets so gern und freudig geleistete Mitarbeit in der Verteidigung des nachbivlischen Schrifttums.

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