Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- Seite 417 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I 417 HU Wir feilen jedenfalls, wie im Dunklen gewühlt wird, und ermahnen unsere Freunde, auf der Hut zu sein. Daß in verschiedenen Gemeiudeu dagegen neuerdings für den „neutralen" Keren HajesioQ Beträge ohne Debatte bewilligt werden, verrat der ziLnistvck'e Gewährsmann triumphierend. Liese Deutlichkeit schein: reickllich unvorsichtig. Gehört es auch 5 u den Aufgaben z i 0 n i st i scher Gemeindep 0 liti k, dahin zu wirken, daß die Gemeinde^ statt den Eentralverein zu unterstützen, -der für alle deutschen Juden das Recht auf die deutsche Heimat erkämpft, Gelder für den „neutralen" Palästinaausbau bcrcttfteLlcu? Nicht nur häßliche Entstellungen, sondern auch herzliche Sorge um den Bestand des Eentralvereins durchziehen diese .Aussäue. In Hamburg. Breslau un.d Frankfurt ß. Main ist es angeblich zu gewaltiger Unzufriedenheit .mit der Politik des Eentralvereins und zu erheblichen Ausstrittcn gekommen, lieber die Breslauer Generalver-'ammlung -brachte die „Jüdische Rund schau" in rührender Teilrmhme -umfangreiche Berichte. Daß bei einem Verein von so ungeheurem -Umfange, wie es der Gentralvereiu ist, Meinnngsverschiedenchei-en -zwangläufig bestehen, kann nur ein Uebelwollendcr mißdeuten. 'Wo diese Meinungsverschiedenheiten austraten, frellrc sich in der :Dlchr.zagl der Fälle heraus, daß sie durch falsche, meist von naticmal- -jüdischer Seite ausgestreute Behauptungen entstanden, ^ie richtig- 'gustellen, war meist ein Leichtes. Würde es sich um gruud'ächich-e rUnterschiede handeln, die aufrechten Männern verdienen, dem (sentral- -verein weiter anzngehören. so müßten uns doch Austritt-meldungen .in erheblicher Anzahl zngegangen sein. Tie Zionisten mögen beruhigt sein. (5s wird wohl noch viel Wäger den Jordan hinabströmen, chevor der Ceutralverein an diesem -zionistischerseirs'erwünschten, ^über nicht vorhandenen Mitgliederschwund zusammenbricht. ' Latz .auch in Breslau die Einigkeit wieder hergesrellr ist. darüber chaben wir allerdings in der natioualjüdischen Prene nur für die hnationaljudischen Leser zurcchtgestutzte Berichte gesunden.; Was zusammeugefabolt wird, zeigt in amüsanter Weise ein Bericht des „Jüdischen Wochenblattes" (Nr. 20): „Am Montag, IS. d. M., hatte die Frankfurter Ortsgruppe des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Mitgliederversammlung in den kleinen <-aal der Franksurtloge geladen. Die Aufsorderung war den Mitgliedern — wohl mit Absicht — so verspätet zugegangen, daß die starke Opposition gegen die Politik des Berliner Haupwor- Mandes und des Frankfurter Vorsitzenden, Tr. Mainzer, nicht -voll zur Auswirkung kommen konnte. Zahlreiche Mitglieder -zeigten ihr Mißtrauen gegen die jetzige Leirung deshalb nur dadurch. daß sie der Bersammluug ferubliebeu, die denn auch nur;.t e d] t spärlich besucht war, obwohl ein eigens hergesandtcr 'Delegierter des Hauptvorstandes ihr beiwohnte. Immerhin kam es zu einer fast zweistündigen, außerordentlich .heftigen Debatte über die Wahlen zum Preußischen Landesverband und über die bekannte antizionistische Parole der E. B- Leitung. Auch Herrn Dr. Bk ai uz er werden schwere Borswürfe wegen der nicht unparteiischen Art gemacht, in der er sich 'im Wahlkampfe betätigt habe. Infolge all dieser Mißlichte:ten äst bereits eine erhebliche Anzahl meist konservativer Herren aus dem Centralverein überhaupt a u s g e schiede u, während Herr Felix Mave v-, konservativer Repräsentant der Franksurter Gemeinde', sein Amt im Bor stand niederlegte und trotz Sllen Drängens durchaus nicht zu bewegen war. es wieder anzunehmen." Dnzu vergleiche man die Berichtigung unserer Frankfurter Ortsgruppe (Ar. 22 der Zeitung-.- „1. Cs ist unwahr, daß die Einladung zur Generalversammlung den Mitgliedern „wohl mit Absicht" verspäte: zugogangen sei. Wahr ist. daß die Einladung fünf Tage vor der .Generalversammlung z u r P 0 st ging, allo frühzeitig l genug, um einer etwa vorhandenen Opposition ein Vorgehen zu ermöglichen. 2. Es ist unwahr, daß der Generalversammlung irgendein Delegierter des Hauptvorstandes beiwohnte. 8. Es ist unwahr, daß es zu einer „außerordentlich heftigen -.Debatte über die Wahlen zum Preußischen Landesverband und Aber die bekannte antizionistische Parole der E. B.-Leirang" ge-! kommen ist, oder gar „Herrn Dr. Mainzer schwere Vorwürfe -wegen seiner Betätigung im Wahlkampf" gemacht worden seien.! In der Debatte wurde lediglich von einer einzigen Seite die Berliner Parole, als in ihrer Fassung unglücklich. theoretisch! kritisiert und eine Erklärung für die angebliche Verstimmung geswiger konservativer Kreise über die Täligkeit des Herrn Dr. , Mainzer im Wahlkampf zu geben versucht, zugleich" aber die Vorschlagsliste des Vorstandes, und insbesondere die Wiederwahl -des Herrn Dr. Mainzer als selbstverständlich aufs wärmste empfohlen. 4. Es ist umvahr. daß eine erhebliche Anzahl Herren '.aus dem Eentralverein überhaupt wegen der Haltung des CentralhvereinS und feines hiesigen Ortsgruppeuvorstandcs ausgeschieden sei.; Wahr ist, daß von den im ganzen über 2300 MiLgZiedeim der hiesigen Ortsgruppe nach der .Sandes ganze siebcrr unter Hinweis auf die angebliche Haltung des iCcn.tralvereins bei X>eu Landcsverbandswahleu, und wei-ere^sünfsZehn bei der in der in letzter Zeit erfolgten Beit ragserhcbung. zum Xdl ohne Angabe der Gründe, zum Teil aus speziell angegebenen. mit den Landesverbandswahlen nicht zusammenhängenden Gründen, ausgetreten sind." Wie weit nationaljüdische Gehässigkeit aber geht, erhellt ein Aufsatz in einer besonders geschäftigen ostdeutschen natioualjüdischen Zeillmg. Darin wird ein Eingabe, ausgerechnet ans H e r r n B r u h n s "As a h rh e i tz", abgedruckt, die, gerichtet an den preußischen Blluister des Innern, sich gegen die Anstellung zionistischer Beamter wendet, und in der auch der Eentralverein als Kronzeuge für die Anschauung der völkischen Unterzeichner aufgesührt wird. Und mm wird deshalb gegen den Eentralverein vom Leder gezogen. Solche lächerlichen Beweisführungen Hallen das Gute, daß man selbst in besonnenen zionistischen Kreisen über die Leistung des „kleineren Bruders" den Kopf schüttelt. Wir wollen in diesem Zusammenhänge die Frag^lieber nicht berühren, wer den I u V e n g e g u e r 11 den to f f liefert, schon, weil für eine solche dokumentarisch-e Beweisführung der Raum dieser Nummer nicht ausreichen würde. Wenn einzelne nationaljüdische Organe sich den Scherz erlauben, ihre Spalten allwöchentlich mit neuen Eentralvereins-Anekdoten zu füllen, so mögen sie das tun, falls cs ihnen Spaß macht. Es scheint uns angebrachter und notwendiger, daß sich die Herren nicht um den Weiterbestand des Eentralvereins den Kopf zerbrechen, sondern ihr eigenes Haus bestellen. Wer das stenographische Protokoll des letzten K a r l s b a d e r zionistischen Kongresses gelesen hat, wer Isaak Breuers stammende Warnnnas''christ „Das jüdische N a t i 0 n a l h e i m" kennt, wer die englischen, arabischen und nicht zuletzt die hebräischen Zeitungen über die jüngsten Vorgänge in Palästina, die sich um den L e h r e r st r e i k ranken, verfolgt hat,, der weiß, daß der Zionismus ganz andere und weit schwerere innere Krisen durchmacht, als sie je im Eentralverein auch nur theoretisch möglich wären. r" t>k gestörte Jeftvorstellung.' Zu den Vorgängen im Düsseldorfer „Kleinen H a u} t\ Tie Presto des Rheinlandes und auch vereinzelte Blätter der Reichshauptüadt berichten von einem beschämenden Vorfälle im Düsseldorfer „Kleinen Hause". Tort fand die F e st v o r st e l l u n g zu Ehren der Erössnung der Kunstausstellung und der Gäste, darunter der preußische Unterrichtsminister Professor Becker, statt. Dabei kam es durch das Auftreten des Bürgermeisters boji Benrath, MelieSI und des Kuustbildhauers Bauer (Düsteldorf) zu einer schweren, Störung des Festes. Unser alter und hochgeschätzter Freund, Stadt- : terorbnetcr M anes in Düsseldorf, der wider seinen Willen in diese ihn gewiß schmerzlich und peinlich berührende Angelegenheit hineingezogen wurde, gibt uns darüber die folgende Darstellung. Das allgemeine Aufsehen, das die Angelegenheit erregt hat. veranlaßte ihre Ausstchrlichkeit. \ „Am Sonnabend, den 30. Mai, abends, besuchte ich als Gast der, Stadt Düstetdorf die im Anschluß an die Eröffnung der Kunstaus-* stellung statnindeude Festvorsielluug „Die schöne Helena" im „Kleinen Haus". ■ Bei Beginn der Ouvertüre betraten zwei Herren den Zuschauer-, raum, welche durch ihr lautes und ungeniertes Sprechen unmöglich machten, der Musik zu folgen. Ten verschiedenen der umsitzeuden Gäste, die Störungen zu Unterlasten, kamen sie nicht' nach. Die Störungen hörten selbst dann nicht auf, als der Vorhang' aufgezogen wurde. Ich verbat mir jetzt energisch diese Störungen. Besonders beleidigt suhlte ich mich durch die Bemerkungen eines dieser Herren, am vielend auf eineAeußeruug des Kalchas auf der Bühne: „Wenn sie (die Juden) alle im Roten Meere ertrunken wären, so wären wir sie los." Ich erkannte in einem dieser Herren den Bürgermeister MelieS aus Benrath und sagte zu ihm:' „Von einem Bürgermeister dürfe man doch erwarten, daß er wisse,' wie er sich im Theater zu benehmen habe." j Nach Schluß des ersten Aktes wollte der Herr Bürgermeister mir seine Karte überreichen. Es sollte wohl eine Art Forderung feinj da er meine Karte verlangte. Ich verweigerte die Annahme seiner' Karte mit dem Bemcrlen, daß ich sie nicht gebrauche, da ich ihn kenne, ebenso kenne er mich. Plötzlich erschien der Begleiter deZ Herrn Melies, der Kunstbildhaner August Bauer, und schrie so laut.' daß man cs im ganzen Theater hören konnte: „Betrachten Sie sich als von uns geohrseigt." Ich sagte ihm nur, daß sein Benehmen flegelhaft sei, worauf er wieder schrie: „Sie sind ein unverschämter Judenb-engel." Nun entstand ein großer Tumult. Das ganze Theater geriet in Aufregung. Im Vestibül, in das ich nun ging, stand auch Bürgermeister Melies, der mir entgegeuschrie: „Ich lasse nach von einem Judenbengel nicht beleidigen." Auch anderen Herren rief er die Worte zu: „Dreckiges Judenpack!" „Schmeißt die Juden heraus! Judeubengell" Der Skandal wurde immer größer und es wäre sicher zu Tätlichkeiten gekomvnen, wenn man sich nicht mit Rücksicht aus den Ort und die Ehrengäste der Stadt Düsteldors zurückgehalten hätte." Selbstverständlich ist in diesem Vorfälle noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ueber die Maßnahmen kann im Augenblick noch nichts Näheres gesagt werden.