Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- Seite 416 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Der 8. Lehrerverbanöstag in ^tö'ln. Es ist kein Zufall, daß zu gleicher Zeit in d e m s e l b e n Hause die Verbände der Rabbiner, Lehrer und Kantoren der jüdischen Gemeinden Deutschlands im „hilligen" Köln tagen. Sie alle waren der Einladung des Oberbürgermeisters gefolgt, ihre diesjährigen Tagungen anläßlich der Jahrtausendfeier im Rheinland abzuhalten, der Stätte der Arbeit, Schönheit und Fröhlichkeit. Und so waren sie ans allen Gauen unseres Vaterlandes herbeigeeilt, und so sah man neben dem bedächtigen Ostpreußen den lebhaften Bayern, neben dem Vertreter des Saargebiclcs den Abgesandten der oberschlestschen Lehrerschaft. Einen würdigen, bedeutsamen Auftakt bildete der Begrüßungsabend in den festlichen Räumen der in frischem Grün Prangenden „Rheinlandloge". Nachdem schon am Nachmittag der Verein israelitischer Lehrer der Rhein- Provinz und Westfalens seine Jahresversammlung abgehalten hatte, versammelten sich mit ihm die Delegierten der Verbandstagung in stattlicher Schar mit den Ehrengästen, den Vertretern des liberalen und allgemeinen deutschen Rabbincrverbandes, der städtischen und jüdischen Gemeindebehörden Bwie der jüdischen Organisationen, die durch ihr Erscheinen ein sie lbst ehrendes Interesse für die Fragen der jüdischen Lehrerschaft be- , kündeten. Von gesanglichen Darbietungen umrahmt, dargeboten von ' den Kantoren der Kölner Gemeinde und dem eigens zu diesem Zwecke zusammengestellten Chore von Sängern der Synagogen Glocken- Hafse und" Roonstraße, ferner dem jugendfrischen Chor der ^Jüdischen Volksschule, alle geleitet von der sicheren Harrd ihres Dirigenten Eugen Jaco'oi II, wies der Reigen der Festredner in trefflichen Reden auf die Bedeutung der Tagung hin. Unverbrüchliche Treue zum Rhein, tatkräftiges Bekenntnis zum Judentum, das war der Grundged a n t c aller Ansprachen. Und diesem Gedanken gab als Begrüßung und Leitwort auch der 2. Vorsitzende des gas-gebcuden^Vereins israeli-ischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens, ^eminaroberlehrer Keßler (Münster), Ausdruck, wenn er als Ziel der Erziehung das bezeichnet, was einmal Jakob L v w e n b e r g ausgesprochen haue: ,Mir zeigen es mutig der ganzen Welt, - wie Judentum sich und Deutschtu nt gesellt, wie wir im Hader, dem Kamps, dem wilden, nur eines wollen: Menschen bilden!" Und ebenso bedeutungsvoll waren auch die Worte des Kötner D ü r g e r m e i ft € r§ 2 i n n g r Er führt etwa aus: „Es ist mir als Dezernent des Schulwesens immer eine selbstverständliche Pflicht gewesen, die Belange der jüdischen Volksschule ebenso zu vertreten .wie die der anderen Konfessionen... Ich bin wiederholt in der Jahrtausendausstellung gewesen, und immer und immer wieder zog .es mich zu den Räumen der jüdischen Altertümer, die ich mit j Staunen und stiller Ehrfurcht betrachtete; und immer und immer ^wieder mußte ich feststellen, daß gerade diese Räume die besuchtesten . waren. Und ich bin sicher, daß alle christlichen V e- - s 2 ch e r d a ch t e n w i e ich: Wir w u ß t c n j a nicht, daß such Sie auf eine so lange und segensreiche Kultur in unseren Landen z u r ü ck b l i ck e n k ö n u en! Ich habe .die feste Ueberzeugnng und den innigen Sintjtf), .dsß gerade diese Ausstellung den Stein legen m ö g e 3u einem künftigen idealen Tlit u n d Nebeneinander int Dienste und Interesse unseres gemeinsamen Vaterlandes!" Rektor Eoblenz begrüßte [öl§ Vorsitzender des Ortsausschusses die Erschienenen und betonte das : ideale Verhältnis zwischen Stadt und jüdischer Schule. Hierauf eröffnete der erste Vorsitzende des Verbandes, Mittelschnllchrer l Stern (Berlin), den Verbandstag mit einer programmatischen .Ansprache. j Der erste VerhandIungsiag sollte die Frage beantl Worten: .Wie läßt sich das Prinzip des Arbeitsunterrichts auf den jüdischen Religionsunterricht übertragen M In lichtvollen -Ausführungen, die zeitweise zu wahren Weiheüunden wurden, forderten die Referenten Dr. Loewenberg (Berlin) und Fräulein Marx (Köln): „Fort mit dem reinen Jn-cllckrualismus, hin zu dem wahren Arbcitsprinzip. bei der das Kind nicht Objekt, sondern Subjekt der Erziehung ist. Willensdildung durch Gefühlswerte, Ausdruck des Willens durch die Tat! Nicht wie früher nur: Darsteller: und Wiedergabe, sondern religiöse Jn- -spiration, die zum Tatwillen führt. Nur so sorgt die schule dafür. daß die R e l i g i o n s Müdigkeit nichr' zur Religions's ch u l. Müdigkeit wird." . Der zweite Verhau dl ungstag war der rvichi igen Frage der künftigen Lehrerbildung gewidmet. Tie Ausführungen der Referenten Studiendirektor Tr. Gutmann (Berlin) Luchheim (Esten), I. B. Levy (Frankfurt a. M.) führten zu ßgerrder, mit übergroßer Mchrheit angenommenen Ent- > l i e ß u n g : . „Der Verband der jüdischen Lehrcrvereine im Deutschen Reiche tritt grundsätzlich für die Glcickcheit der Vorbildung aller jüdischen Lehrer, einschließlich der Religionslehrer, mit der der Volks schul lehrer ein. Ans praktischen Gründen müssen jedoch Vorkehrungen getroffen werden, solck)en Beiverbern, die sich lediglich als Religionslehrer und Kantoren bzw. Kultnsboam-e susbilden und betätigen wollen, eine der Volksschullohrer-Vor- -rldung rn PädaMgischer und wissenschasrircher Beziehung völlig gleich wertige, wenn auch nicht gleich artige Vorbildung zu verschaffen." Ein gemeinsamer Besuch der Jahrtansendausstellung unter Führung des Gemeinderabbiners Tr. Kober, der die jüdische Abteilung rn vorbildlicher Weise organisiert hatte, gab der Tagung einen bedeutungsvollen Abschluß, und ein jeder schied nnt dem Gedanken, nicht nur in der Ausstellung Großes gesehen und erlebt zu haben, sondern auch in dem Bewußtsein, daß der 8. Verbandstag nnt seinen Referaten, Beschlüssen, Anssprachen. Anregungen einen Markstein bedeute in der Geschichte des Lehrerverbandes, daß alle nun auch den „Tatwillen" mit hinausnehmen würden, in diesem Geiste wirken zu wollen zum Segen der Schule, zur Ehre des Standes und zum Heile des Judentums, zum Wohle unseres Vaterlandes! E. K. viel Lärm um nichts. Nationaljüvische ttebertrcibungen rrnv Ablenkungen. ,Ho h e" nationaljüdische Politik. — Erfundene L n v v e n t i o n e n. — H a m bürg und Duisburg. — D i e L ch a u e r m ä r der „M a s s c n a u s t r i t t e". — Frankfurter „Dichtung und Wahrheit". — Wovon nicht gesprochen w i r b. Die ii a ij o n a X j v b i f d) c Presse kann die Schlappe, die die zionistische -^ackw bei den Landesverbandswahlen erlitten hat, nicht verschmerzen, ^tatt sich reumütig an die Brust zu schlagen und zu untersuchen, warum die zionistischen Bäume unter dem kühleren Himmel Deutschlands nicht in die Wolken wachsen, beschäftigt sie sich unaufhörlich in fpaltenlangen Leitaufjätzen mit dem — Zerfall des bösen Eentralverein?. Zu gern spielt man im nationalsüdischen Lager hohe Politik, und deshalb erscheint nach zeitgemäßen Methodcn „auf Kommando" in nationaljüdischen Blättchen — ein Aussatz nach dem anderen, der nachzuweisen sucht, „daß in den großen Zentren der deutschen Judcnsiedluug, wie in H a m bürg, Breslau, Frankfurt a. M.. sich in kurzer Zeit eine Opposition gegen den Centralverein gebildet hat, die heute bereits über eine ansehnliche Minorität innerhalb des Centralvereins verfügt, und die morgen vielleicht auch die Mehrheit für sich haben wird". In welcher umvahrhaftigen Art diese „Hellseherei" betrieben wird, dasür seien aus der Fülle vou Verdrehungen und Unwahrheiten nur diese Beispiele angesührt: In einem süddeutschen uationaljüdischen Blättchen heißt es: „Möglicherweise hat der Centralverein durch seine Umstellung zu einer Hilfsorganisation der Liberalen Partei solche finanziellen Vorteile, daß er auf diese kleinen Jahressubventioncn der jüdischen Gemeinden verzichten kann." Eine typische Verleumdung, die — bezeichnend — mit „Möglick^erw eise ..." beginnt. Niemals ist der Eentralvcrein eine Hilfsorganisation der Liberalen Partei gewesen. Niemals hat er von ihr einen Pfennig finanzielle Unterstützung empfangen, noch wurde ihm ein Pfennig angcöoteu. Das gleiche Blättchen spricht davon, daß in letzter Zeit in den jüdischen Knltnsgemeinden Subventionen für den Cen - t r a l v e r e i n aus d e m B u d g e t gestrichen worden seien, hütet sich aber sorgfältig, die Gemeinden zu nennen und verschweigt ebenso sorgfältig, daß die Vorstöße in dieser Richtung nur von den zionistischen Führern in wenigen Gemeinden mit einem völligen Mißerfolge gemacht worden sind. In Hamburg ist die durch Zufallsmehrheit gestrichene Subvention alsbald für den Eentralverein wieder bewilligt worden. In Duisburg, so berichtete die natonaljüdische Presse, sei bei der Etatsberatung der Antrag gestellt worden, den Beitrag für den Eentralverein zu streichen, weil dieser bei den Landesverbands- Wahlen einseitig Partei ergriffen habe usw. usw. Der Eentralverein sei der Ablehnung bei Stimmengleichheit nur dadurch entgangen, daß der Vorsitzende zu seinen Gunsten den Ausschlag gegeben habe. Niemand sei zur Verteidigung des Ecntralvcreins anfgcstandcn. Wie verhielten sich die Tinge nun tatsächlich? In der betressendcn Reprasentantensitzung in Duisburg waren sechs Mitglieder anwesend, davon drei Zionisten, drei weitere Mitglieder fehlten. Entgegen dem Bericht der uationaljüdischen Prepe, wonach „n i em anb d i e Haltung des C e n t r a l v e r e i n s verteidigte", kann wahrheitsgemäß scstaesiellt werden, daß von einem Mitglied ausdrücklich betont wurde, ganz unabhängig von der Wahlparole des Centralvereins zur Landesverbandswahl seien die Verdienste des Centralvereius in seiner Arbeit für Deutschtum und Judentum so unbestritten und seine weitere Arbeit für die großen Ausgaben der Zukunft so unentbehrlich, daß die Bewilligung der bisherigen Unterstützung unabweisbare Pflicht sei. Gerade die Betonung dieses Gedankens veranlagten den Vorsitzenden durch sein entscheidendes Votum die Ablehnung des zionistischen Antrages herbeizuführen. Es ist ferner nach Auskunft von maßgebender Seite als sicher anzunehmen, daß bei Amvcsenhcit aller Repräsentanten- Mitglieder diese Ablehnung mit Zweidrittelmehrheit erfolgt sein würde, und ebenso ist cs sicher, daß einer Annahme des gestellten Antrages, für den die drei anwesenden Zionisten sich einsetzten, von seiten ches Vorstandes nicht Folge gegeben worden wäre. Bezeichnend ist, daß das mehrfach erwähnte Blättchen davon spricht, andere Gemeinden ständen m n mittelbar bevor, die .Subventionen in ihrem Budget zu streichen. Woher diese Weisheit;