Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- Seite 415 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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415 Was ift's mit ösr Dsutschen Lurnerschaft! Völkische Wühlarbeit. .Aas berliner Tageblatt" Dom S. Jam 1925 veröffentlichte folgendes Schreiben, das die „Vereinigung völkischer Turner" in der Deutschen Turnerschaft unter dem Datum des 24. Mai 1925 vertraulich an eine Reihe von Turngenossen versandt hat: „Berlin, den 24. Mai 1925. Vertraulich! Sehr geehrter Herr Turngenosie! Wie wir Ihnen schon in unserem letzten Rundschreiben mitteilen konnten, ist es nötig, den Kamps gegen das Judentum in der Deutschen Turnerschast jetzt aufzunehmen. Die Entrüstung über die 110 Dollblntjuden, die in Frankmrt am Main uns als Ehrenausschuß serviert wurden. wachst ungemein. Wir empfehlen, in den Monats- und Mitgliederversammlungen innner wieder die Sprache darauf zu bringen und die Turngenossen bei der Ehre zu packen. Es ist jetzt arrch an der Zeit, die Anträge auf Einführung des Arierparagraphen vorzubereiten, damit im Herbst der '^turm beginnen kann. Taktik wie im ÖO-lV. (Deutsch - Oesterreichischen Alpenverein. D. Red.) Im Hauptausschuß soll, in derselben Weise gewirkt iverden. Babbel hat uns in Breslau gut vorgearöeitet. Die Kr-eiswarte kauen mächtig daran. Wir dürsen auch damit rechnen, daß Neueudors, Schuarzer, Breithaupt. Thiemer. Gasch u. v. a. sich auf unsere Saite schlagen werden, wenn sie es jetzt auch noch nicht wahrhaben mögen. — Bitte beantworten Sie die im Rundschreiben vom 11. 5. gestellten Fragen unigehend. Cut Heil! Vereinigung völkischer Turner Ln der D. T.' Diese Veröffentlichung des „Berliner Tageblatts" findet dann noch Ergänzung durch einen Aufsatz im „Völkischen Beobachter" vom 5. Juni: „Der Aricrparagraph in der Deutschen Lurnerschaft". In dem Aussatz wird bedauert, daß die deutschen Turner Ln zrvei Verbände gespalten sind, nämlich in den Deutschen Turnerbund, der reinvölkisch ist, und in die Deutsche Turnerschaft, die zum Bedauern des „Völkischen Beobachters" bisher allen Versuchen gegenüber, den Arierparagraphen anzunehmen, standgehalten hat. Ein Zusanunenschluß beider Verbände wäre nur möglich, wenn aus der Deutschen TurncrschafL „die Juden und anderen Fremdstämmigen ausscheiden"; denn daß der arisch-völkische Turnerbund seine Reinheit aufgeben könnte, sei natürlich ganz ausgeschlossen. Auch dieser Aufsatz nimmt wieder auf den Vortrag des Schulrats Fritz Babbel auf der vierten Kreiswartvcrsammlung der Deutschen Turnerschast in Breslau Bezug, der uachgewiesen habe, „wie wichtig die rassische Reinheit eines Volles und die bewußte Pflege völkischen Deutschtums ist". Nach unseren Ermittlungen ist diese angebliche „Vereinigung völkischer Turner in der Deutschen Turnerschast" bisher sowohl der Leiturig der T-eutschen Turnerscl)ast als auch der Masse der deutschen Turner unbekannt. Die völkischen Turner sind seit dem Jahre 1919 in dem Deutschen Turnerbuude organisiert. Natürlich wäre es nwglich, daß sich innerhalb der großen Deutschen Turnerschaft, die etwa 1650 000 Turner umfaßt, einige völkische Elemente befinden, die sich lose zusammengeschlofstn haben und nun planmäßig zu werben und wühlen beginnen. Ebenso denkbar ist cs aber, daß Mitglieder des Deutschen Turnerbuudes oder andere völkische Gruppen einen Versuchsballon los-gelassen haben, um zu sehen, wie die Leitung der Deutschen Turnerschaft sich solchen „Reinigungsversuchen" gegenüber verhält, und um von den bisher unpolitischen Mitgliedern der Deutschen Turnerschast Leute zu sich herüberzuziehen. Wie dem auch sei. jedenfalls ist in die Reihen der Deutschen Lurnerschaft Beunruhigung getragen worden, die ihren Ausdruck auch in einem Brief des Frankfurter Gau Vertreters der Deutschen Turnerschast an die „Frankfurter Zeitung" findet. Ter erste Vertreter des Gaues Frankfurt der Deutschen Turnerschast, Hans Schiller, schreibt, wie die „Bossische Zeitung" vom 9. Juni 1925 berichtet, folgendes: „Eine Vereinigung völkischer Turner in der „D-eutschen Turnerschast, deren Vorhandensein in den weitesten Kreisen unbekannt ist, hat sich berufen gefühlt, den Ehrenausschuß, der zur Unterstützung der Mcisterschaftskäinpfe in Frankfurt am Main gebildet wurde, nach den verschiedenen Konfessionen zu sichten, ^ie h-at fest-gestellt — anscheinend sind Blutproben nicht entnommen worden —. daß in dem Ehrcnau?schuß eine ganze Reil)e Juden vertreten waren. Die Frankfurter Turn-ersthafL lehnt ein solches Vorgehen mit .Entrüstung ao. nicht nur rvcil es gegen die Gesetze der Deutschen Lurnerschaft verstößt, sondern weil wir jeden Deutschen — ganz Seich welcher Konfession irn£> Partei — Ln unseren Reihen willkommen heißen, und weil das einträchtige Zusammenleben und Zusammenarbeiten mit unseren jüdischen Turnbrüdern und Lurnschvestern eine gute und bewährte Ueberliestrung in Frankfurt ist. Wer sich zum deutschen Volk und Vaterland bekennt, wer deutsck^ Art und Sitte achtet, wer den Anschluß an di? deutsch: Kultur gefunden hat, kanri bei uns jederzeit herAiche Aufnahme finden. Im übrigen überlasten wir es ruhig der Leitung in Berlin, gegen solche Wühlereien, die für den Bestand der großen Deutschen Turner sck>a st verhängnisvoll werden können, vorzu ehen, ehe es zu spat ist. llusere Ziele sind klar erkannt, wir haben mit antifemilischcr Verhetzung nichts zu tun." Die T-eutsche 'Turnerschast umfaßt, ohnenach Partei, Konfession und Stand zu fragen, alle deutschen Männer und Frauen, die sich in vaterlärrdischem Jnteresie körperlich zu ertüchtigen bestrebt sind. In ihr sind unter den mehr als 1)4 Millionen Mitgliedern auch deutsche Juden organisiert, von denen sich manche in turnerischen Leistungen hervorgetan urrd bei Preisturnen Preist errungen haben. Hier wurde bisher stets nur nach Lvtn Können, nicht nach Religion und gar „Raste" gefragt. Wir firD sicher, daß auch weiterhin alle Versuche, die andere als rein turnerische und vaterländische Bestrebungen rm Auge haben, keinen Boden in der Turnerschast finden werden. * Das „Deutsche Tageblatt" (Nr. 130) vom 6. JunMberichtet über völkische Vorstöße ähnlicher Art. die den Verein für das Deutschtum im Ausland angehen. Wir behalten uns vor, aus diese Angelegenheit besonders zurückzulommen. Die Umgebung öes Reichspräsiöenten. Eine Mitteilung der Deutschen Treue'» In der Nr. 18 dieser Zeitung hat Ludwig Holländer nach der Wahl des Reichspräsidenten geschrieben, die Vergangenheit des Eencrakfeldmarschalls biete die Gewähr dafür, daß er bestrebt sein werde, die Gleichberechtigung und Clcichachtung aller Deutschen in gleicher Weist zur Durchführung zu bringen und für den inneren Frieden zu sorgen. Er hat aber darauf hingewiesen, daß bestimmte Persönlichkeiten der früheren Umgebung des Reichspräsidenten als stark judeugegnerisch bekannt seien. Tie Tageszeitungen nannten damals den Oberstleutnant v. Feld mann als einen ausgesprochenen Völkischen. Die .Deutsche Treue", das Organ des .Mationalverbaudes Deutscher Ossiziere", berichtet nun (Nr. 15 vom 30. Mai) das Folgende: „Leider befindet sich Herr Dr. Meißner immer noch in seiner Stellung, ja, er hat seine Position in den letzten 14 Tagen erheblich gefestigt, indem es ihm gelungen ist, mit Hilfe des Reichskanzlers den Oberstleutnant v. Feldmann, einen hochverdienten Ossizier und streng nationalen Mann. unter dem Vorwände, daß für seine Stelle im Etat keine Mutet vorgesehen seien, aus der Umgebung des Feldinarschalls zu beseitigen. Herr v. Feldmann, der seit Jahren im politischen Leben tätig ist und einen scharfen, klaren Blick für Gegenwart?- und Zukunstssragen hat. hatte dem Feldmarschall während der Wahlperiode zur Seite gestanden und war mir nach Berlin übergesiedelt. Er sah sich gezwungen, innerhalb kürzester Zeit seine Stellung auszugeben und abzureisen." Diese interestante Mitteilung, fär die wir der genannten Zeitschrift die Verantwortung überlassen müssen, verdient weiteren Kreisen unterbreitet zu werden. Müller v. häufen gegen Graefe. Wegen verleumderischem Beleidigung. Dem amtlichen stenographischen Bericht über die 64. Sitzung des Reichstags, 20. Mai 1925, entnehmen wir folgendes: „Präsident Lobe: Mit Schreiben vom 14. Mai 1925 sucht der Hauptmann a. D. Müller^ v. H a u s e n in Gharlvttenburg die Genehmigung nach zur Strafverfolgung des Mitgliedes des" Reichstag? v. Grctcfe (Mecklenburg) wegen verleumderischer Beleidigung (Hört! hört! links.) Meine Damen und Herren! Ich schlage Ihnen vor, dieses Schreiben dem Geschästsordnuugsausschnß zur Vorberatung zu überweisen. Das Haus ist damit einverstanden." Herr Müller v. Hausen, als Gottfried zur Beek der Herausgeber der „Geheimnisse der Weisen von Zion", ist Vorsitzender des Vereins gegen die Ueberhebung des Judentums. Herr v. G r a c f e ist einer der 'Führer der Teutschvollischen Norddeutschlauds. Weitere Ausfiihru:igen überflfijf g.