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Central-Verein-Zeitung · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · p. Seite 414

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
Seite 414 (sequence 3)
Language
German
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414 Studentinnen jüdischer Konfession. Infolge der bestehenden Hochschulautonomie konnte die Polizei nicht gegen die Gesetzwidrigkeiten einschreiten und mußte untätig zuschauen, ohne die Uebeltäter der verdienten Strafe zuführen zu können. Auch der Rektor der Wiener Universität, Prof. Sperl, sah die einzige Abhilfe gegen weitere Skandale in der Sperrung der Hochschule. In der Hochschule für Welthandel spielten sich ähnliche Szenen ab, die deren Schließung zur Folge Hatten. u Diese Ereignisse riefen in der gesamten Wiener Oessentlichkeit großeEntrüftung hervor, vor allem bemächtigte sich der Wiener Judenschaft berechtigte Empörung. Deshalb begab sich das Präsidium der JsraelitischenKultus gemeinde als Vertreterin der Wiener Judenjchast zum Bundeskanzler Dr. Ranrek, und die Herren Präsidenten UniversitätZprofessor Dr. A. Pick und die Vizepräsidenten Dr. I. Orn ste i n, der gleichzeitig Präsident der „Union deutsch-österreichischer Juden" ist, und Dr. Löwen herz legten den schärfsten P rote st gegen die Vorfälle an den Wiener Hoch schulen ein. Sie verwahrten sich aus das entschiedenste gegen die Angriffe auf die jüdischen Hörer und verlangten ein scharfes Einschreiten gegen alle Cesetzesverletzungen. D r. R a m ek nahm diesen Protest zur Kenntnis und versprach, alles daran zu setzen, „u m b i e staatsbürgerlichen und rechtlichen Freiheiten der österreichischen Juden zu schützen". V Nach längerer Sperre wurden am 3. Juni alle Wiener- Hochschulen bis auf weiteres wieder geöffnet, doch wird ein strenger Legitimationszwang durchgeführt, so daß die Studenten nur diejenige Hochschule besuchen können, in welcher sie tatsächlich inskribiert sind. Sollte auch diese Maßregel nichts fruchten, dann droht die Regierung mit der vollständigen Sperrung der Hochschulen für dieses Semester, was mit dem Verluste des Semesters für alle Studenten verbunden wäre. * Der antisemitische Anschlag gegen die jüdischen Hochschüter scheint nunmehr, wohl infolge der Haltung der Regierung, zusammengebrochen zu sein, und derzeit herr-scht Ruhe an den Wiener Hochschulen. Ob es die Ruhe vor neuen .Stürmen ist, wird die nächste Zeit lehren. t * Im Hinblick auf den vorstehenden Bericht über die Vorgänge in Wien gewinnt besonderes Jntereye, was sich jüngst in Rumänien ereignet hat. In diesen Tagen wurde in Turnu - Se - verin der rumänische Student Zelea Codreanu, der den Polizeiprafelten von Jassy durch N e v o l v c r s ch ü s s e u rn g e - bracht und zwei höhere Polizeibeamte verwundet hatte, freigesprochen. Die Mordtat geschah deshalb, weil der Polizeipräfekt, veranlaßt durch die Befehle der rumänischen Negierung, energisch gegen die Ausschreitungen der Jassyer Studenten gegen die israelitischen Kommilitonen eingeschritten war. Der Bericht hierüber in dem den Tcutschnationalen nahestehenden ..Berliner Lokal-Anzeiger" vom 3. Juni ist eine eindringliche Lehre. Das Blatt schreibt: ‘ „Auch in Rumänien ist die a k a d e m i s ch e I u g e n d in nationalen Dingen besonders empfindlich. In Jassy war sie über die ständig zunehmende Anzahl jüdischer Studenten, hauptsächlich in der medizinischen Fakultät, in wachsende Erregung geraten, die sich durch Manifestationen. Agitationen, Skandale, zertrümmerte Fensterscheiben und Schläge aus nichtarische Schädoldecken vergebens Luft zu machen suchte. Daß Herr B r a t i a n u und seine Regierung judcnfrcundlich sei, kann kein Kenner hiesiger Verhältnisse behaupten; daß aber die Negierung wieder den von den^Studenten verlangten Numerus dausus noch ihre Agitation Anlagen konnte, ist ebenfalls begreiflich. Es darf dabei nicht außer acht gelasien werden, daß die große Menge der rumänischen akademischen Jugend aus Elementen besteht, deren Vorfahren vor zwei bis drei Generationen Analphabeten waren, daß somit jeder israelitische Student viel mehr intellektuelle Tradition in den Hörsaal mitbringt, als seine rumänischen Kommilitonen und daß infolgedessen in vielen Fällen der Jude dem Rumänen auf geistigem Gebiete überlegen ist. Aus diesem Gefühl oft geistiger, meist materieller Unterlegenheit entstand der aktive akademische Antisemitismus, der zur Folge hatte, daß im vergangenen Jahre die rumänischen Universitäten fast ununterbrochen geschlossen waren. Die Regierung sah keine andere Möglichkeit, in den Universitätsstädten die Ruhe aufrechtzuerhalten. Mit gutem Zureden und billigen Zusagen hatten die Behörden keinen Erfolg. T>er Polizeipräfekt von Jassy, Manciu, erhielt'dis strengsten Weisungen von Bukarest, die er gewissenhaft ausführte, wofür die sehr starke jüdische Gemeinde der nwldauischen Hauptstadt ihm besonders dankbar war. Aber der Hauptansührer der Studenten, den er immer wieder einsperren ließ, gab nicht eher Ruhe, als bis er den Präfekten zur Strecke gebracht hatte. Herr Brmianu ließ der Justiz freie Hand. Als die Wallfahrten nach dem Gefängnis überhand nahmen, wurde der Mörder in die südmoldauische Stadt Focsani und dann nach Turnu-Severin, in die Jassy entfernteste Stadt im alten Königreich, überführt, wo jetzt endlich die Verhandlung des Falles vor sich ging. Anwälte aus allen Teilen des Landes — und es gibt viele Advokaten in Rumänien! — hatten sich zur Verteidigung gemeldet. Rur wenige konnten zu Wort kommen, denn sonst hätte der Prozeß monatelang gedauert. In Turnu-Severin, in diesem kleinen koketten Donaustädtchen, gibt es fast keine Indern also war eine jüdische Beeinflussung der Geschworenen nicht zu erwarten. Von der anderen Seite dagegen setzte sofort eine geschickte und zielbewußte Propaganda ein. Jeder Geschworene bekam täglich sein Trohbrieslein, und anch Belobigungsschreiben für irgendwelche freundliche Aeußerungen blieben nicht aus — kurz, es blieb nicht lange zweifelhaft, welchen Ausgang der Prozeß nehrneu würde. Als aber gestern Hunderte von barfüßigen Zeitungsjungen den Freispruch von Turnu-Severin in den heißen Bukarester Sommerabend brüllten, mußte manchem doch der Vorgang sonderbar Vorkommen. Vielleicht sogar Herrn Bratiann, der sich sagen muß, daß diese studentischen Hitzköpfe über kurz oder lang keine Veranlassung mehr haben werden, einen Unterschied zu machen zwischen einem Polizeipräselten und dessen Ministerpräsidenten. Die maßlos erhitzte rumänische Jugend hat jedenfalls einen Nationalhcldeu mehr. Wird sie den Freispruch von Turnu-Severin verdauen können, oder soll der Revolverschnß von Jassy ein Auftakt zu weiteren Kämpfen sein? Haben wir in dem kleinen Donaustädtchen den letzten Akt eines Stndentendramas oder den ersten Teil einer langen Tragödie erlebt?" Tie alte Erfahrung bestätigt sich auch hier wieder, daß v o m f a n a - tische n Antisemiten z u m Anarchiste n der Weg nahe ist. Dir haben den Ausführungen des gewiß unverdächtigen rechtsstehenden Berliner Blattes nichts weiter hinzuzufügen, als die Mahnung an die deuischösterreichischen Regierungsbehörden, sich die Entwicklung der völkisch-studentischen Ausschreitungen in Rumänien als Warnung dienen zu lassen. Letzten Endes wird weniger das Indentmn, als die staatliche Autorität durch derartige Geschehnisse erschüttert. nach Rom! Tie westdeutsche Tagung des C. V. Die I a h r t a u s e u d f e i e r der Rheinlands ruft die Mitglieder und Freunde unseres C.V. zn einer Tagung unserer westdeutschen Landesverbände am Sonntag. 28., und Montag. 2 9. Juni, nach Köln. Wer möchte bei dieser Feier fehlen? Gilt es doch, unseren rhcinlandischeu Freunden zu bezeugen, wie wir mit ihnen in dieser schweren Zeit suhlen und wie verbunden sich das deutsche Juden-nur am Rhein und im Reiche mit dem deutschen Baterlande fühlt. Einen lebendigen Beweis dieser unverrückbaren Verbundenheit liefert die Jüdische Abteilung der Jahrtausendschau. ein Werk des Gemeinderaööiners Dr. Kober in Köln, und was diese wundersame Abteilung die Augen lehrt, soll die Tagung in schlichten, herzlichen und aufrichtigen Worten zum Ansdruck bringen. Die Tagung beginnt am Sonntag, den 2§., vormittags, mit einer großen Kundgebung im K ö l n e r O p e r n h a u s e, besucht von staatlichen und städtischen Behörden, umrahmt von künstlerischen Darbietungen des bekannten städtischen Orchesters; anschließend ein Vortrag des Gemeinderabbiners Dr. Kober über „Ein Jahrtausend Geschichte der rheinischen Inden". Nachmittags findet die erste Sitzung statt. Ludwig Holländer, der Direktor des C. V., und Tr. D r i e s e n , der Direktor des Philanthropin in Frankfurt a. M., werden neben anderen sprechen. Abends findet, damit auch rheinische Fröhlichkeit zu ihrem verdienten Rechte kommt.- für die Teilnehmer ein „K ö l s ch e r O v e n b" statt. Montag, am 29. Juni, gehen am Vormittage die Verhandlungen weiter. Am Nachmittage wird die Jahrtausend-Ausstellung unter der besonders sachkundigen Führung des Herrn Gemeindcrabbiners Dr. Kober besichtigt. Biels Freunde unserer Sache aus denn Reiche werden erscheinen. Wer seine Ferien tage irgendwie auf Ende Juni legen kann, soll nicht versäumen, am 28. und 29. Juni den erhebenden Kölner Fest- und Feiertagen beizuwohnen. Jede Auskunft erteilt Lehrer Engen Ja codi, Köln, Moltkestraße 31, oder das Hauptbureau des E. V.. Berlin SW 68. Lindenstraße 13. Umgehende Anmeldung ist des Ouartiermangels wegen erforderlich.

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