Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1923)
- Date
- 1923-06-05
- Page
- Seite 402 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277592--02187-3537111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
402 /Lusgrabungen im vorLsren Grient. Von UniversiLätSprofeffor I). Dr. Hugo Grckmann Merlin). Die Ausgrabungen in Jerusalem. Vor dem Kriege und nach dem Kriege ist in Jerusalem ständig gegraben worden, obwohl die wissenschaftliche Forschung aus Schritt und Tritt durch die bebauten Flächen gehindert wird und obwohl die spärlichen Funde kaum zu einer Forschung ermutigen. Aber der Drang nach Vertiefung und Erweiterung unserer geschichtlichen Kenntnisse ist bei der einzigartigen Bedeutung Jerusalems so stark, daß immer neue Ausgrabungen siattsinden, von denen hier rückblickend die letzten bedeutsamsten Funde zufmnmengcstellt sein mögen. Für den Kenner ist zwar altes wertvoll; er lernt ans der kleinsten Tonscherbe, die der Laie als unscheinbar verächtlich beiseite wirft. Die archäologische Wissenschaft ist jetzt so rueit. daß sie die in Pa l ä st r n a vorherrschenden T o n s ch e r b e n mit z i e m - 1 i ti) c r Sicherheit annahcr n d genau datieren kann. -Wer also in ihr bewandert ist, braucht ans einem der beliebigen Ruinenhügel. die an ihrer scharfkantigen Art sofort erkennbar sind und die heute von den Arabern „Dell" genannt werden, nur einen Haufen Tonscherben zu sammeln, um aus ihnen ablesen zu können, zu welchen Zeiten der Berg bewohnt gewesen ist. Diese Kunst kann oft sehr wertvoll werden, namentlich dann, wenn es gilt, sich über die strittige Lage eines bisher nicht sicher bestimmten Ortes aus der alten Zeit klar zu werden. Häufig sind ja noch die Namen aus dem Altertum erhalten oder sie sind aus der arabischen Anpassung noch leicht zu erkennen; aber wo sie fehlen, da helfen neben den geschichtlichen Nachrichten die Touscherbcusuude oft wesentlich mit. um die Orte sicher sestzulegen. Dennoch erwartet num von den Ausgrabungen cilvas mehr oks Töpfe oder gar Scherben, vor allem Juschrrfren, wall sie unsere Kenntnisse crm meisten bereichern, wie die bcxülyraic S iToah - I n fchr i s t, die 1880 in dem Tunnel der E icho n - quelle gesunden wurde. Sie stammt aus der Zeit Hrskias (irnx 700) und ist sehr merkwürdig, weil sie nicht vom Könige, sondern von den Arbeitern Qusgegangon ist; der König wird überhaupt nicht erwähnt. Man darf nicht meinen, daß die Jnsthrift nur aus Graffito eingekratzt fei, als -Spielerei in einer müßigen Stunde; sie ist im Gegenteil sorg fälligerngemeißelt, also schielt, ein erstaunliches Zeick?cn für die f v r t g e s ch r i t t e n c Demokratie jener Zeit. Leider 'ist sie bisher die einzige hebräische Inschrift aus Jerusalem geblieben. Bon wichtigen griechischen Inschriften ist die bekannteste, die Gtormout- Camueau 1871 aus einem Steinblock enldeckr die Nichtjuden den Eintritt in den Tempillbezirk verbot: „Kein Fremder darf c ins roten in das das Heilig!um un'.gebende Gitter und Gehege. Wer dabei ergriffen ward, wird sich selbst die Folge zu schreiben müssen, den TodO Dazu ist im letzten Jahrzehnt eine sehr bedeutsame Inschrift hinzugekommen. Raymond Weit!, der 1913 und 1914 in der Dav id st adi grub, fand dort eine Badeamlage und in einer der dazugehörigen Zisternen eine griechische Inschrift: „Thoodollos, der Sohn des Bol-onos, Priester und Synagogeuvorstcher, Sohn eines Synagogen Vorstehers, Enkel eines Shuagogenvorstchers, hat diese Synagoge erbeut zur Verlesung des Gesetzes und zum Unterricht in den Geboten, und ebenso dies Gotteshaus und die Kammern und die Wasscranlagen für die Bedürfnisse Fremden, die eine Herberge brauchen. Don Grundstein dazu hatten schon seine Later gelegt und die Acltesten und SimonidosO Man hat diesen Sirrwnidcs. der wm-hk der Vorsteher der Aolwstenschaft oder gar der Hc-hepaiefter war, mit eim-nr der Söhne dos bekannten jüdischen Geschichtsschreibers Flavins Josephus glcichsetzen wollen, 'aber diese Vermutung ist sehr umoahrscheiulich; denn dir hier gebaute Synagoge ist jedenfalls alter als die Zerstörung Jerusalems durch Titus und mag etwa am Anfang der römischen Kaiserzeit errichtet worden sein. Dielte ich. ist sie mit der ans der Apostelge schichte bekannten „Synagoge der Freigolasionen^ iderckisih, da der Vater des Theodotos Vettenos nach einein römischen Geschichte der Deltier heißt. Bei denselben Ausgrabungen faud Weilt nicht weit von den Trümmern der Synagoge entfernt zwei Felsengowölbe. die er gewiß mit flocht für die Graba n tage der davidischen Könige halt. Leider waren sie leer und durch Steinbruch so stark zerstört, daß man ihren ursprünglichen Umfang nicht mehr sicher erkenne!; konnte. Es scheint, als ob sie sich mindestens zehn Nieter tief in den Felsen erstreckter:. Ja einem der Äünure war aus £ü-m und Kalk ein Trog her-gestellt, der vielleicht als Sarg gedient hat. aber in den andern» Räumen fehlte eine solche Einrichtung, so daß man wahrscheinlich besondere Sarkophage annehmen muß. wie sie auch in Phöuikien üblich waren. Als Königs grab er darf man sic nur deshalb ansprechen, weil sie ihrer äußeren Form nach von allen sonst bekannten Grabanlagen Jerusalems abweichen; vielleicht ist diese Form durch fremde Vorbilder beeinflußt. — Schon früher waren bei den Grabungen Parkers (1909—11) am Nordende der Dariduadt große Grabanlagen aufgedeckt worden, die aus der kanaanin scheu Zeit stammten (etwa um 2000) und iu denen man wahrscheinlich mit Recht die Grabstätten der kanaanitis ch e n Könige erkannt hat. Auch da fehlten Inschriften, die allein sicheren Ausschluß hätten geben können, und Schätze; immerhin fanden sich unter den Tc-ngefäßen solche, die aus Aegypten stammten oder wenigstens ägyptischen Einfluß r-errieten. Wenn man nicht an reiche Leute denken will, die sich den Lupus fremder Waren leisten konnten, bleiben nur die k a n a a n i t i f ch e n Könige übrig: die Könige von Jerusalem waren jo lange Zeit (ständig von 1500 bis 120(0 Vasallen der Pharaonen und werden schon vorher mit Aegypten iu lebhaften Beziehungen gestanden haben. Von den kanaanitischen Königen ist auch am leichtesten begreiflich, daß sie am Fuß des Tempel borge? und im Schutz des uralten jebusitischcn Heiligtums ihre Gradllätte suchten. — Tie Franzosen graben jetzt wieder in dieser Gegend der Davidstadt, haben aber ihre Funde noch nicht veröffentlicht. Soviel man weiß, haben sie wieder bedeutsame Spuren der Toten nadt anfgedrckt: vielleicht gewinnen wir dadurch größere Sicherheit in der Deutung der erwähnten Grabanlagen. In der Davidstadt ist auch der englische P niest in c Exploration Found tätig, der in diesem Jahre sein „diamantenes Jubiläuu'll feiert (gegründet 1805), unter Leitung von Moralist er und Duncan, die regelmäßig Berichte ausgeben, jo daß man die Fortschritte ihrer Arbeiten verfolgen kann. Sie haben die nördliche Mauer der j c b u s i t i s ch e n Stadt wieder aufgcdeckt aus dem dritten Fchr tausend. Nahe dabei fanden sie eine natürliche Höhle, iu deren Grunde ein roher, vielleicht natürlicher Schacht zu einer jetzt sehr schivachen Duelle führte; das eine Ende der Höhle stand mit dem Innern der Stadt in Verbindung, so daß sich diese hier mit Wasser versorgen konnte. Durch die Tonscherben, die in dem Schachte lagen, ließ sich die Zeit ans 3000 bis 2500 bestimmen; Wer Bf neue Ttlitgiieöes füt den E. D.l wir haben hier nicht nur die älteste Wasserversorgung Jerusalems, sondern euch die ättesten Tonscherben, die uns bis iu die Zeit der ältesten «gv.ptischen Dvnastiiu zurückgesührt haben; da nach der Behauptung der Kenner die pollästiniichs Ware die ägyptische nachahmt, so müssen schon damals Bczichungen zwischen Jerusalem und Aogyplen vorausgesetzt werden. Wenn sich diese Schlüsse bewähren, können wir jetzt die Geschichte der Stadt wenigstens in Einzelheiten um 1500 Jahre weiter zurückverfolgen, als cs bisher der Fall;var; denn die ältesten Nachrichten, die wir bisher besaßen, waren die Briefe des Königs von „II rum lim m* zur Zeit von Tell-cl-Amarna (um 1-100). Von dem Maucrwerk der israelitischen Stadt ist am bedeutsamsten die Wiederau st-eckung einer g ewalügen Bastion, die man wahrscheinlich mit Aecht als Millo Salomos bezeichnet hat. Ter Eindruck düster fesUm.gsähillichon Anlage war so groß, daß die gegenwärtige jerusa-!emiiche Regierung beschlossen hak, sic als „AationelldenkmaP stehen zu lassen, während sonst die ausgcgrabeuen Flüchen sorgfältig wieder zugedeckt werden müssen, damit die arabischen Bauern ihren Grunddenn nicht verlieren. Im übrigen bat man bisher feine .Museumsstücke" entdeckt. Unter den zahlreichen Einzelfundeu, die man gemacht hat, mögen erwähnt werden ein „Ielsalltar" und ein „HöhenhciUglunck aus der kLnaLuitischen Zeit; aber in beiden Fällen sind die Deutungen noch unsicher. Unleugbar ist dagegen die Figur einer nackten Göttin, die mir schwachen Farben aus eine Mauer ausgemalt war; zlvciseln kann mau nur, ob sie, wie behauptet wird, wirklich aus der israelitischen Zeit stammt. Sehr lehrreich sind ferner ungefähr hundert beschriebene Krug Henkel, die aus der israelitischen Köuigszeit stammen müssen (vielleicht um 600). weil mit hebräischen Buchstaben ..Für den König" daraussteht; sie enthalten aber noch andere Inschrift Len und Namen, deren Entzifferung und T-eutung gerade jetzt mit besonderem Eifer betrieben wird, lind endlich wurde eine beschriebene T o n s ch e r b e, ähnlich denen voll Samaria, gefnndcn.