Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1923)
- Date
- 1923-06-05
- Page
- Seite 403 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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403 Ein Klassiker öer jiööischen Literatur. Mendels Morcher Ssurim: Gesammelte Werke. Schalom Jakob Abramowitsch, oder, wie er sich in der letzten Zeit literarisch zu nennen Pflegte, Mendel Mvicher Ssurim (Mendel, der Buchhändler), hat das jüdisch-deutsche Idiom, das von Millionen Inden im europäischen Osten und in Amerika gesprochen wird, zu einer Literatursprache gemacht und mit seinen dichterischen Schöpfungcn eine stattliche Anzahl von begabten Jüngern und Nachfolgern ausgebildet. In dieser Literatur nimmt er noch immer den hervorragendsten Platz ein. Denn Abramowitsch ist unstreitig ein großer Sichter, dessen Schilderungen von Natur und .Menschen sich ebenso durch Wahrheit wie durch künstlerisches Eindringen in das Gesehene und Wahrgenommene anszeichnen. Das Seelenleben seiner Volksgenossen im Osten, insbesondere der unteren Schichten, hat er wie kaum'ein anderer, in allen seinen Tiefen und Hohen erfasst und wahrbei Ls ge treu Zn schildern verstanden, eeiiie Romane und Erzählungen erbeben sich über das Niveau dieser Literaturgattung; denn sie sind Knlturbilder von geschichtlicher Treue, menschliche Dokumente von reichem Inhalt. . Abramowitsch ist durch und durch Realist und jeder Schönfärberei, jeder Idealisierung und Verklärung des Volkslebens abhold. Teshalb scheut er nicht davor zurück, auch das Häßliche und Schlechte an die Oberfläche zu bringen. Ilnd doch bietet er eine überzeugende Rechtfertigung der jüdischen Volksmassen, indem er aus die Quellen hinwcist. ans denen alles Häßliche und schlechte an ihnen hervorgeht. Es ist dies die drückende Armut, iu der sie leben, und diese ist die Folge ihrer politischen und wirtschaftlichen Unterdrückung und der Unbildung, in der sie von der Regierung geilissenUich gehalten wurden. Anderseits zeigt er in seinen realistischen Schilderungen die Vorzüge der religiösen Erziehung der Ostjuden. Im Liesen Schmutz entdeckt er oft kostbare Kleinode. Mitten in der Entartung fonunt häufig wahrer Seelenadel zum Vorschein, woraus dann erschütternde Tragödien entstehen. Ties alles weiß Abramowitsch dichterisch darznstellen, einfach, schmucklos und ohne jede Prätension. Eben dadurch wirkt er mit besonderem Reiz auf den Leser. Dazu kommt noch der Vorzug, daß der Sichter dem Volk seine einfache und natürliche Sprache abgelauscht hat. Abramowitsch ist ein echter Bolksdichter, der wenige seinesgleichen zahlt. Diese Dichtungen der deutschen Leserwelt durch eine Uebersetzung ins Hochdeutsche mitzuteilen, ist gewiß ein lobenswertes Unternehmen. Allerdings ist es mit großen Schwierigkeiten verbunden, da sich viele Ausdrücke und Redewendungen der jüdischen Volkssprache in der deutschen Schriftsprache schwer oder gar nicht wiedcrgeben lassen. Trotzdem ist der vorliegende Versuch einer deutschen Uebersetzung von Mendele Moicher ^furims Schriften zu begrüßen. * Im Jüdischen Verlag, Berlin, erscheint eine solche Uebersetzung von Salomo Birnbaum, von d-er bereits zwei Teilvorlieaen. Band 1: „^chloimale". Band V: „Die Mahre". „Schloimale" ist eine Art Autobiographie, die zu schreiben der hochbetagte Dichter unternommen, aber nicht vollendet hat. Sie schildert bloß das Kind und den heranreisenden Knaben. In dieser Erzählung spiegelt sich das Volksleben der Juden in einem kleinen, armseligen Städtchen Weißrußlands wied-er, und zwar mit allen Absonderlichkeiten, die Armut und Unbildung zur Folge haben. Trotzdem wirten manche Bilder packend und ergreifend. Das Alltagsleben erscheint uns hier in seiner ganzen Tragik. „D ieMähre" ist die älteste T-ichtung Abramowitschs in jiddischer Sprache, denn früher hat er wipenschastlich, publizistisch und belletristisch nur hebräisch geschrieben. Es ist dies ein eigenartiges Phantasiebild, in dem das soziale Leben der Juden ^in Rußland satirisch geschildert wird. Gegen wen richtet sich diese Satire? Die Anklage Abramowitsch' richtet sich in erster Reihe gegen die Regierung, welche durch Ausnahmegesetze die Inden niederhalt und ihre kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung hemmt. Sie enthüll an vielen stellen eine rückschauende Betrachtung über die Behandlung des jüdischen Volkes zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Ländern. Aber auch die jüdischen Führer selbst, die gröblich ihre Pflichten gegen die Vollsmassen vernachlässigen, scheut Abranwwitsch nicht, und er laßt sie in seiner „Mähre" bittere Wahrheiten hören. Allerdings darf inan das, was der Dichter vor mehreren Jahrzehnten geschrieben hat, nicht für unsere Zeiten gelten lassen. Denn seitdem haben sich die inneren Verhältnisse der russischen und polnischen Juden vielmch geändert, und in dem Maße, wie die Regierung in ihrem Verhältnis gegen die Inden schlechter und grausamer wurde, hat das innere, kulturelle und soziale Leben eine erfreuliche Wendüng zum bepercn genommen. Don der Uebersetzung läßt sich sagen, daß sie mit Rücksicht auf die sich dacbietenden Schwierigkeiten als eine gelungene bezeichnet werden kann.^ In der autobiographischen Erzählung sind noch einige Unbehokfenheiten zu merken; der Uebersetzer ist zuweilen in der Wahl der Ausdrücke und Redewendungen unsicher und daher nickt innner ganz glücklich. Hingegen zeigt er in der „Mähre" bereits eine weitgehende Sicherheit, indem er volkstümliche Redewendungen durch ähnliche in der deutschen Schriftsprache glücklich widergibt. Tie deutschen Leser werden aber erst durch die folgenden Romane und Erzählungen des jiddischen Dichters eine richtige Kenntnis dieser eigenartigen literarischen Schöpfungen erhalten. S.B. Meine Chronik. Einen sch-rreren 3>oru:*rt erlitt die rührige Vorsitzende der F r a u c r.* gruppe NW" bc3 Gcntralr-crcins, Frau Ltrncs Drc'chaer, durch das plötzliche Dahinschei-d-en ihres Gatten, d^s Herrn 6 c n i t ä { 5 c c t Dr. E. Wresch - n e r. Die ^Tranerfeierlichkeit mer ein beredtes Zeichen für die große Beliebt, heit, deren sich der Verstorbene in den Greifen d^r denochen Aerztescherft erfreut hat. — Die die in a ntene Hochzeit begeht ein 6. Juni L>olf S> a m b 11x5er mit Henriette, geb. C-citineet in Si ö t b 11 n g ß n. Dir rrün-'chen dein hoch-2v.ctrcbenen Paare, das sich durch Dr-yltä:igkeit und 31 cd;ftcnlrc&e Mrsgezeichnrt har, rro-ch weiter einen recht glückliche rt, ungetrubterr Lebensabend. — Bor kurzem, starb in Nowarves bei Potsdam Fabrikbesitzer Louis Nat.han. Sein gesegnetes Dirken iin Teltrrr-er Kreistag, in der Gemeinde NoWan>cs und in der Jüdischen Gemeinde Potsdam, brachte ihn in feltcncm Maße die Derehrurrg und Liebe seiner Mitbürger ein. Gr war ein treuer Freund des C. B. ran acksrsher. Rosige H&ttif&rhc, Kräftige Entwicklung der Bauchmu skulahir, goier Appeüi, grosse GcrrlchlszunsJhme und vor allem Wohlbehagen des Kindes sind nach ärztlicher Aussage die Folgen der Ernährung mit den Präparaten von Gekeimrac Prot Dr. Biedert tdessföde > DIS ÄUBERSHMTCrl . "liM’OFfÄlKEH «' 'TT-r^-—-JV x 7 ' )J H Ü II D (Meisfersiötf' «, . AÄisM - ffiäflt MM-Sch-' Nsudsit! Für Rede u. HanS In prakt. Kassette Feines Papier. Z.L.Usdsr« BcrUn'Lchoneöergs Hatrptüratzr 49 püpikrwsrenfaSrlk Ihre Druüsachen mit Ihrem Bamen und Bernd: s°Sff.in-.ksr1«,.^r«ur i6ollEä§s...j<^O; ICO fccilfjrten ... j V tr 1 Aarrunsicrnvell franko bd Einsendung des SetrageS. - Serirdcr educht. \/ larSieoi \7kauft Markeahandlan^ KosacU, Burgstrasse iS* ü ssnassa kauft Münzenhandlung Ball, Wilhelmstpass©40« dWKLSW F An2£nnf — Verkauf. Monatl.PreisÜste gratis. M. 5-Iüiidlicim Xfl. Bislnirg. Kn Jcußfanistisi 1. mmt r,«" 2 St ü cf 9? fh. 3,y0.9 P i d. roteTa'elk.3,90,9 Prd.gclb. Zlordmarkttz a0.9Pfd.dän. Ed. Fr'tk. 6.75. 9 Psd. dän. Tafeisettk. 6.50,9Psd. bau. Schweizerkitt. 8.55.9 Psd. Olü. Bro bell k. 4.05,9 Vfd. 9auch'peckl0.80,9PsS. fsttcn Speck 11.25. ab h:er tzlachnabrne. MM | po!Äüälii'Iii|ii r ' * t* 7 *i t •».*! **• * *!_*?.*.» « * *.»_•** »*»<?••*«* *»«*M***M w Wn&nptT&tfap*s IDcliöcfnnnt für Me li. Keiler. vilMK ilioucU b siGurnec Strafte 11/13 - s. M«v« - Lelepfta» KU