Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 22 (29.5.1925)
- Date
- 1925-05-29
- Page
- Seite 388 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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s 388 Ms -en Lehrjahren eines Mischen Mnöwerksmeisters. Anr 2. Juni feiert der allgemein bekannte und geschätzte Maler, rneister I. Löwen ft ein in Berlin sein fünfzigjähriges M e i st e r f rrö i l ö u m. Er hat zu diesem seltenen Tage seinen Kollegen ein Heftchen recht anziehender und besonders für die Jugend lehrreicher ,^Lrbenserinnerungen". gewidmet. Wir glauben, den um das Ansehen und die Organisation des jüdischen Handwerks verdienten Zubilar, dem auch wir an seinem Ehrentage alles Ente herzlich wünschen, nicht besser zu ehren, als daß wir einen Abschnitt seines Schriftchens auszugsweise hier wiedcrgeben. Die Echristleitung. ... Teil zu Fuß, teils zu Frachtwagen, wie Glück und ein gutes oder auch ein gegenteiliges Geschick es so wollten, trat ich im Mai 1865 meine zwei bis drei Tage erfordernde Reise nach Aplerbeck bei Dortmund an, um bei dem dort rühmlichstbekannten Meister Herzberg in die Lehre zu treten, und Zwar mit dem Ziel, als Maler, Glaser und Tapezierer ausgebildet zu werden. Am 10. Mai wurde der Lehrvertrag abgeschlossen unter der Bestimmung einervierjährigen lkhrzeit. gegen völlig freie Kost, freies Logis und Gratiskleidung. Der Meister, das muß zu seiner Ehre gesagt werden, verstand sein Handwerk. So kam es denn bald dahin, daß die Lehrlingsstellen bei ihm in Ruf gelangten, später jedoch ebenso dagegen auch in Verruf, weil er das Geschäft zu einer großen Lehrlingszüchterei ausgeftalleie. Zu meiner Zeit wurde mit fünf Lehrlingen und zwei Gehilfen gearbeitet. Das Tagewerk begann bei nüchternem Magen des morgens vm 4 Uhr, um alsdann um 8 Uhr morgens durch das Frühstück eine angenehme Unterbrechung zu erfahren, die den: bereits knurrenden Magen der jungen Menschen die Kräftigung verlieh, um bis zum Misitagegen um 12 Uhr die pausenlos zu liefernden Arbeiten zur Zufriedenheit des Meisters fertigzustellen. Und nach dem Mittagsmahl ging cs dann ohne Unterbrechung bis spät abends um 8 Uhr weiter. Erholungspausen gab es nicht, sie waren für uns böhmische Dörfer. Die Arbeit selbst war keineswegs leicht, aber die gute, schtvere westfälische Kost, die ja weithin bekannt ist, hielt uns nicht bloß gesund, sondern brachte uns merklich auf die Beine. Des Meisters Husriedenheit, das war das Ziel der meisten Kollegen und ihre Freude. Wie groß war daher die meinige, als nach einem Vierteljahr mein Vater plötzlich zu Besuch kam, um sich nach den Fortschritten seines Sohnes Zu erkundigen. Die Antwort des Herrn Herzberg lautete schlicht: „Denn der Junge (den Ausdruck habe ich nicht einmal übel- Genommen, wahrhaftig nicht!) bleibt, wie er bis jetzt war. dann wird h ein tüchtiger Mensch werden, hat mir heute ein Zimmer tapeziert, eine Decke gemacht, alles sauber und gut!" Das war für mich der höchste Orden und ein Anreiz und Ansporn, der jede Ermahnung Uberflüsss.g^machte. _Besser wurde es mit unserer Tätigkeit im S o m m e r. wo auf den großen westsälischen Gütern oder aus den umfangreichen Bauernhöfen für „Reparationszwecke", das heißt für Reparaturen oder zur Verschönerung derselben gearbeitet wurde . . . Unangenehmer und weniger gemütlich gestaltete sich die Arbeit im Winter, wo auf den Zechen und Hüttenwerken bei der größten Kälte die Glasfenster teils erneuert, teils aber repariert werden mußten. Am Sonnabend war frei. Dann ging es morgens regelmäßig Zum Gottesdienst nach Hörde, während nachmittags bei der Aeißig sich mehrenden Nachkommenschaft derer von Herzberg die Lehrlmge die Ehre genossen, dem Hause als treue Kindermädchen zu dienen, vielleicht mit dem Nebengedanken, um den später zu gründenden eigenen Hausstand schon früh anschaulich vorzuführen, uns für die Zukunft in sozialer Weise vorzubereiren. Im zweiten Jahre gab «§ auL an jedem Sonntage fünfzig Pfennige Taschengeld, dagegen hatte jeder Lehrling die Lerpslichtung, einen ganzen Zentner Blei- II1'' 1 W CTks W5 weiß zu pulverisieren und zu reiben, eine Tätigkeit, die späterhin der fabrikmäßigen Bearbeitung wich, weil sie gesundheitswidrig war und in gar vielen von uns ein böses Angedenken — die Blenveißkoli! — hinterließ, die noch lange Zeit später ihre nachteiligen Folgert für den menschlichen Körper recht arg fühlbar machte. Eine zweite gute Zugabe dagegen gewährte uns Meister Herzberg dadurch, daß er die im Geschäft sich massig hausenden Abfälle des Glases, das Abfallglas, zur Verfügung stellte, das wir leicht zu Geld machten. Der Erlös ward als Dankesschuld dem Vater in die Heimat geschickt und, wie ich wohl sagen kann, ebenso freudig angenommen, wie er gegeben ward ... Nach Ablauf der vier Lehrjahre blieb ich dann noch als Gehilfe dort in Stellung, jetzt aber mit einem Wocheulohn von 3 Mark bei völlig freier Station. Anfang April 1860 ward das Gesellenstück gemacht. Es setzte sich aus folgenden Ausgaben zusammen: In einem Zimmer war die Decke mit Leimfarbe zu streichen, das Gesims und die Eckstücke waren in Licht und Schatten zu ziehen, die Wände zu tapezieren, nüt „uni" und Eckstücken zu kleben. Ferner mußte ein Fenster, ein Quadratmeter hoch nnd breit, in Blei selbst gezogen und selbstverständlich selbst verglast werden. Das Werk erreichte seinen Zweck, ich war Geselle, dein der Ehrgeiz und der feste Wille vorschrieb, jede Aufgabe so vollkonunen wie möglich zu lösen. Eines nur wurmte den eingebildeten jungen Gesellen, nämlich der Umstand, daß der Meister in ihm noch immer den Lehrling erblickte und gar keine Miene machte, Zn vergessen, daß der Lehrling der Vergangenheit an ge hörte. So kam es, daß ich am 19. Tezentber 1869 kündigte, und mit meinen Papieren und einer ganzen Mark selbst errungenen Kapitals in der Tasche nahm ich Abschied von dem Meister, der dabei meinte, ich würde bald wieder 311 ihm zurückkehren. Tie Antwort lautete: „Nur, wenn ich auf eigenen Füßen stehe." Zum Schluß gab er mir drei Worte mit auf den Weg: „Drei Eigenschaften halte hoch: Ehrlichkeit, F l e i ß n n d Pünktlichkeit." Ich habe sie als Devise für das Leben anger geworden , . t angenommen und sic sind mir zum Heile I. Roscnbcrg, Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes, Berlin 1924. G. Boas Nachfolger, Neue Friedrichstraste 69. Ter Verfasser spricht noch einem kurzen geschichtlichen lieber blick über die Entwicklung des jüdischen Religionsunterrichtes, von seinen Aufgaben und seinem Ziele, von der Stoffverteilung, vom Ilnterrichtsversahren, vom Lehrer und von den Mitteln der Zucht. Seine Ausführungen beruhen auf jahrelanger Praxis. Trotzdem scheinen sie manchmal zu sehr im allgemeinen zu bleiben. Auch wäre die Beifügung eines ausgearbeiteten Lehrplanes sehr erwünscht gewesen. Anregend ist das Kapitel über das Unterrichtsverfahren. Vermißt wird eine eingehendere Stellungnahme zur literarischen und noch mehr zur historischen Bibelkritik, zur Möglichkeit und Wünschbarkeii einer teilweisen deutsch-hebräischen Unterrichtsmethode, zum Auswendig-lernen-lassen. Tie Lehrbeispiele am Ende des Buches werden jedem Lehrer neue Gesichtspunkte bringen und Möglichkeiten erschließen. Das Buch sei jedem Interessenten warm Empfohlen. Ernst Jacob (Saarbrücken).; Erstaunliche Gewichtszunahme y, u.rZt~fyl\ bei Säuglingen und älteren Kindern, f ,v I Dose NI. 1,50 in Apotheken und Drogerien. V. Ausführliche Schriften völlig unverbindlich und frei direkt durch Deutsche MUchwerkeA.-G., Zwingen berg(Kesssn). .] «r— i VC Uh -chst I --W«? MM ,IL!P<" ]c7;fV .cslnr-Vu- 1 .N - ' - '-v-'Yr jVnn.V J! jL.,iN- IV a!LJ;;; i! LT- ■■] i&l u VdsJfäus cfor —' njocfon A-~ A 2fQjp7jgorstK 36 Cc/io CharfoÜQnslv Zweignioderlassung'yfurfilrstmA---'' ddmm Ccho ‘jiicinhosträs WAumacutu fOn modische dam£nkl{idun& --n D; ") 4 cn\ Macht Ihr Mann Figur? Oder trogt er Korpulenz und sdilcchlc Haltung mit sich herum, die im Weiitauf um den Erfolg wie Bleigewichte hindern? Genfila Gürtel machen straff und schlank und leicht den Gang. Kotolog H 96 kostenfrei.' irn J. GskSsI G. m. b. H.. Beriifä VI9 Potsdamer Sir. 5 (am Potsdamer Platz}. 8 Anproberöume. Geöffnet 9—6. Tcrragona.1,6033« Mlaga 2.C0JR. 3Gotr«(ca.2,1033., Lad!';Lhcnh2.l03ll. 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