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Central-Verein-Zeitung · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 386

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 386 (sequence 11)
Language
German
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386 Die Fürsten. WochenbetrachktiTg. NäWN k»8 Volk in tlberrcichsm Maße für Lsn Lau deZ Heiligtums gesper-.drt hat und die Priester feierlich in il,r 8mt e,n- Meßt sind, treten als letzre die Fürsten auf. um durch ihre Gabe |S StÄÄiiW, I* «°I- ®,»E» Mtz. kommen, sozusagen Kschhrnken. Die Anregung geht von dem gotth^eisterten Führer ans. Ihm folgen, von seinem Geists mächtig Le- Zwingt, die Massen des Volkes, und die Fürsten machen eöen mit, weil sie doch nicht allein Zurückbleiben können. Jedes geistig? Fortschreiten in Israel hat sich steiZ vollzogen im Gegensatz zu den Großen, den Fürsten. Mit ihnen hatten zu ringen Me Propheten, gegen sie mußten ankämpsen die Lehrer des Gesekes. Die Thora ging aus von den Kindern der Armen. Auch die Großen modernen jüdischen Bewegungen, soweit sie nicht die Abkehr vom Judentum, sondern seine Vertiefung und Verinnerlichung im §? brüten, sand-en nicht die Forderung der Fürsten. doch tttc Fürsten Israels in unserer Zeit von den alten. DtammeZcu lernen. Sie gingen schließlich dech mit dem Volke, sie ochere-icht nur mit ihrem Gelbe, sondern auch mit ihrer Persönlichkeit. Wivoen sie die Not des Volkes erkennen. Len wahren, tiefinnersten Pulsschlag der Zeit fühlen, sch ncht mit dem eigenen Glanze zufrieden geben, sondern nur in der Grösse der Brüder die eigene Größe suchen. Nur so kann das jüdische Heiligtum vollendet werden Durch das Opfer der Fürsten, Hoffmanm Heinrich Heins — Ehajim Sückeöurg. Von Dr. Hugo L^chiuanstr. In Der „Frankfurter Zeitung" wurde unlängst berichtet, an den höheren Schulen Breslaus seines nich: nichr möglich, ein Gedicht von Heinrich Heine zu lesen; Schüler und Schülerinnen hätten erklärt, man wünsche keine Gedichte von Juden zu lernen. Diese Mitteilung, so ungeheuerlich sie klingt, ftimmt doch zu den beklagenswerten Tendenzen, wie sie, offen oder geheim durch Elternhaus und Schule genährt, bei einem großen Teil der Heranwachsenden ^Generation herrschend geworden sind, seitdem eine viel zu nachsichtige Pää>agogir*) es zu läßt, daß unsere Jrrgrnd Windjacken, Kuotenstock und Hakenkreuz als Wahrzeichen, eines sogenannten Nationalismus herausfordernd zur Lchau trägt, glauben diese Jünglinge, auch unseren geistigen Kulturgütern die Symbole ihrer vorgetäuschten Heldenhaftigkeit einpflanzen zu können. Und wie sie es, nach demselben Bericht der „Frankfurter Zeitung", aögelehut haben, mit einem Dichter wie Gerhart Hauptmann bekanntzuivcrden, weil er sich mit dem „SaLLlergesellcn" Ebert zusammen photographieren ließ, fo haben sie natürlich erst recht, dem Zuge der Zeit folgend, dem. .Luden" Heinrich Heine ihre Neverenz versagt. Nur hat der Fall Heins seine ganz besondere Bedeutung. Hier kommt den jugendlichen Verächtern des Dichters eine gewisse Tradition zu Hilfe. Sie können sich immerhin auf gereiste Beurteiler Heines berufen, die, zu seinen Lebzeiten und noch weit über sein Grab hinaus, stets den Juden gemeint haben, wenn sie den Dichter verunglimpften. tierlichen Behandlung der dichterischen Persönlichkeit Heinrich Heines ein i n st i nk t i v e r oder bewußter Judenhaß zugrunde. Und wenn der genannte Herr Bartels in seiner Literaturgeschichte Heins mit lapidarer Geringschätzung als einen jüdischen Dichter bezeichnet, der sich der deutschen Sprache bedient, so vergegenwärtige man sich, wie solche^ schlagwortartige Formel, geprägt in einem Buche, das sein Versager gerade für die deutsche Jugend als „nationales Erziehungswerk" bestimmt wißen wollte, sich in den unreifen Köpfen festsetzen und den geeigneten Nährboden für die eingangs erwähnte Breslauer Episode schaffen mußte. Aber ich bin kürzlich noch aus ein anderes pädagogisches Hilfsbüchlein gestoßen, das unserer Schuljugend den Namen des „jüdischen" Dichters Heins offenbar besonders verhaßt machen sollte. In einem vielbebrauchten SchuUelcnder, Dr. Königs „Mentor" (Notizkalcnder sür Schüler, Schülerinnen und Seminaristen, Verlag Hermann Beyer, Leipzig), findet sich unter dem 13. Dezember der Vermerk: 17 97 Heinrich Heine geboren (richtiger Name: Charm Bückeburg). Jeder, der mit Heines Genealogie auch nur oberflächlich vertraut ist, weiß, daß es eins objektive Unwctzhrhcit ist, dem Dichter Heinrich Heins den „richtigen Namen" Charm Bückeönrg beizulegen; aber jedem wird auch sofort klar sein, daß sich hier die Lüge in das Gewand einer völlig durchsichtigen antisemitischen Tendenz gebullt Lat, bic um so verwerflicher ist. als sie sich, durch geschickte Verbindung des deutschen Dichternamens Heinrich Heine mit dem *) DLL 9Sro»i»5-:aIf<§uI?cTr«5ium der Provür- Brande ndrrra hoi cns bic»*er Lrlerrr'.vrrs. heraus vot t^ninen £c?crt folqrr-d-n et&vs Teflon: „Dir mit fofo:hccr?6irü'nq dorr 5<f:ü!er(inrtcii> fca£ Tracer!' non Äb. -ercher., Ländern rmd andcron Symbe-Ien jeder Lrl in der Sck ule fclöfc inö bet SLkcctifialiuiuvn der ein-e!nen SttuU ob« mehrerer «IniicUat, %. D cuf SBfcn&ciiKtscn, bei Turnspielen usw. Änch des blotze Mübringen dieser Zeimc-rr Dird^vervown. Spüler (innen), die einer bei der Schule bestehenden, von ihr tzeneynngLcn rurd bcaufnchLigien Bereiniauua vngehören, dürfen ihre Per.'in-. abKen^en bei Dcrünstn'.Lungen dieser Bereinignn.'-cn irncen. die von der Lch)rü> *-*»w,**. HoffcrrlliH schließen sich zt&t zahl reiche Prv- 6-lanbpunt* de: DrLNdsndur^er Behörde en hebräisch ßefärbken Namen, den Heines Großvater führte, wenigstens. daS Mäntelchen der Wahrheit umzuhängen jucht. Nm der Angelegenheit auf den Grund zu gchen. habe ich den Verlag Hermann Beyer in Leipzig ausizefordert, mir die Quelle zu nennen, auf die sich die Angabe, daß Heinrich Heines richtiger Name Chaim Vückeburg sei, zurücksühren laßt. Auf mein Ersuchen erhielt ich folgende Antwort: ,.Der Großvater bon Heine, nach dem dieser seinen Vornamen Chaim (Ehajim) trägt, hieß ursprünglich Chajirn Bückeburg (woher er auch stammte) und nannte sich später Heinrich Heine. Der jüdische Dichter selber hat den großväterlichen Namen nicht mehr getragen. (Adolf Bartels, Heinrich Heine, auch ein Denkmal.) Für jene ominöse Schulkalendernokiz wird also wiederum Herr Adolf Bartels verantwortlich gemacht. Nur hat Dr. Königs „Mentor" diese Quelle willkürlich noch umgeben Lei: denn in dem üblen, bereits 1906 erschienenen Pamphlet des Herrn Bartels „Heinrich Heine, auch ein Lenknra!" wird ja. nur von dem Großvater Heines behauptet, daß er Chajim Bückeburg hieß, während sc-gar Herr Bartels, wahrscheinlich sehr gegen seinen Willen, bemerken muß, daß der Dichter selber „den großväterlichen Namen nichr mehr getragen hat"« Immerhin: sür die zahlreichen Schüler und Schülerinnen, die aus Tr. Königs „Mentor" sich über geistesgeschichtliche Daten belehren lassen, sicht es schwarz aus roeiß geschrieben, daß der Dichter des ,stöuches der Lieder" gar nicht Heinrich Heine hieß, sondern mit dem „richtigen Namen" Chaim Bückeburg. Damit dieser traurigen Mär ein sür allemal ihre tendenziöse Spitze abgebrochen werde und der wahre Sachverhalt' klar zutage trete, habe ich Herrn Geheimrat Ernst Elster, ordentlichen Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Marburg — unserer ersten Autorität aus dem Gebiete der Heine- Forschung — das Material in dieser Angelegenheit unterbreitet und ihn gebeten, dazu Stellung zu nehmen. Er hatte die Freund!ickstcit, mir folgendes zu schreibe'!: „Es ist richtig, daß Heines Großvater väterlicherseits den Namen Ehajim B ü ck e b u r g gehabt, sich daneben aber auch Heymann Heine genannt hat. Maßgebend lvar aber offenbar der erste Name Chajim Bückeburg, tenn dieser «w scheint iri dem sogenannten Meurorbuch der jüdischen Gemeinde in Hannover sowie auf dem Grabsteine des Mannes. Das Genauere" darüber findet sich in einem Aufsatze von Gustav Karpeles: „Heinrich Heines Stammbaum väterlicherseits" (in dem „Gedenlbuch sür David Kaufmann", Breslau 1001). Ebendort wird auch über das Sonderbare einer doppelten Namenführung eine Aufklärung gegeben; über den Vater von Heines Großvater Chajim Bücke bürg, David Simon, wird nämlich (Leite 3 des mir vorliegenden Sonderdruckes) gesagt: „David Simon hatte den damals seltenen, nur erlesenen Familien eigenen Vorzug, bereits über einen Familiennamen zu vorügen, der, gleichsam latent geführt, wohl in der Gas-e keine Anwendung fand, d>er überall da zutage trat, wo der Träger mit dem öffentlichen Leben urkundend in Berührung kam. Es ist dies der Name Heine. Woher derselbe stammt, ist nicht rocht ersichtlich". — Ganz aus der Lust gegriffen ist die Behauptung, daß sich der b^roßvaier später „Heinrich Heine" genannt habe. Auch der Dichter selber hat den Namen Heinrich erst seit seiner Taufe (182ä) geführt, im Familienkreise hieß er immer „Harry", ruw er bediente sich dieses Namens in Briefen an die nahen Verwandten selbst noch in späteren Jahren. — lieber den Vater jenes Ehasim Bückeburg oder Heymann Heine, also Heines Urgroßvater, besitzen wir einen Aufsatz von Dr. A. Lewinsky in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juni 1902, 66. Jahrgang, Nummer 23, Seite 273 f. Er hieß: „Ahron David Simon den Isaak Jtzig aus Bückeburg." — Heines Großvater war übrigens schon im Jahre 1789, also lange vor der Geburt des Dichter,' gestorbcu. 3techt befremdlich klingt mir die Veu^rkung von Karpeles („Heinrich Heine. Aus seinem Leben und aus seiner Z^it", S. 29, Leipzig 1600): „Wahrscheinlich hat er außerdem (gemeint ist der Dichter) nach der Sitte jener Zeit, dem Erstgeborenen des Großvaters Namen deizulegen, den hebräischen Vorrmmen Chajim erhalten, wie min Bruder" Gustav nach dem Großvater mütterlicherseiLs Goktschalk genannt wurde." Wenn diese Vermutung von Karpeles das Nichtige treffen sollte, so ist doch wohl mit Bestimmtheit zu sagen, daß Heine von diesem Vornamen El>aji:n niemals Gebrauch gemacht hat; auch in .den zahlecichm ungedruckten Familienpapieren, die mir Zur Verfügung stehen, machen Heines Angehörige und er selbst niemals eine Bemerkung, die sich in diesem Sinne deuten und verwerten ließe. Und ta der Familienname schon sür Heines Eltern durch zahlreiche amtliche und nichtamtliche Schriftstücke zrveiscllos feststeht, so ist cs der helle Unsinn, zu schreiben: „Heinrich Heine ('richtiger Name: Chaim Bückeburg)." Die sachlichen Darlcgungvn Elfters Hipscln also in der Erllärun^ daß d-er Vermerk in Dr. Königs „Mentor" ,cheller Unsinn" ist. Leider hat dieser Unsinn aber Methode, und er reiht sich nur als ein neues Glied in die Kette der Entstellungen uu.d Unwahrheiten, die gerade in letzter Zeit über vieles, was das Judentunr augebh von gewissenlosen. Hetzaposteln verbreitet worden sind.

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