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Central-Verein-Zeitung · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 383

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 383 (sequence 5)
Language
German
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333 stimmend fest ge stellt, daß die Jugend „sich mit nichts zu beschäftigen hat"', ihre Zeit vertrödelt, nichts lernt usw. Ein ferneres Ergebnis dieses verhängnisvollen Regimes besteht darin, daß die früheren Arbeiter, die jetzt keine Beschäftigung in der Werkstatt finden, auf den Markt gehen, dort „Geschäfte" zu machen versuchen, d. h. in Wirklichkeit zu .Lustmenschen" deklassiert werden und die an sich schon ungeheure Zahl der Händler, epekulanten und Schieber noch bedeutend vergrößern. Es war schon vor dem Krieg eine Plage dos russischen Judentums, daß ein so großer Teil desselben, hauptsächlich infolge der barbarischen antijüdischen Gesetzgebung des Zarenregimes, keine solide Beschäftigung hatte und gezwungen war, von .Lust zu leben". Die unglückselige Volschewistenrevolntion und das durch diese Revolution errichtete Regime hat dieses Hebel noch unendlich verschärft. Die _ Broschüre von Leschtschinfky bestätigt die allcrPessimist i sch sie n Annahmen über die Lago der Juden iui gegenwärtigen Rußland. Das in ihr angeführte Material zwüngt den Schluß auf, welcher übrigens den Kennern der^ Verlsiiltnipe in Rußland schon lange bewußt ist. das; gerade die rmsischen Juden mit in erster Reihe m denjenigen Elementen der Bevölkerung Rußlands gehören, deren Interessen den mißlichst baldigen Sturz des bolschewistischen Regimes und die Wiederherstellung Rußllmds mit einer auf Privateigentum und seinen Rechten begründeten Staatsordnung dringend erheischen; denn unter dem Sowjetregiine sind die russischen Judenmanen dem Untergang geweiht, trotz des Gefasels der antisemitischen Presse der ganzen Welt, welche das Sowjetregime in Rußland als ein Regime der Judeuherrschaft darzustellen bemüht ist. Tr. I. L e w i n. Hlutrgs ftusfcheellunMlr in fllgler. 7 Juden getötet, 50 verletzt. Anläßlich der französischen Gememderatswahlen brachte der Telegraph ein kurze Meldung über „antisemitische Gärung" in Oran. einer der größten Städte Algiers. Die „antisemitische Gärung" war ein echter, von den lokalen Behörden planmäßig organisierter P o g r o m. Tas Hauptblatt des französischen Linksblocks, der „Quotidien", berichtet darüber (15. Mai) unter dem bezeichnenden Titel: „Ter Bürgerrn e i st e r von Oran. Tr. Dl olle, bereitete den Juden eine Bartholomäusnacht." Tr. Molle — ein eifriger Anhänger des französischen Na-tion-alen Blocks — ist seit 1921 Bürgermeister von Oran. 1924 machte er den Versuch, ein Al^geordnetenmandat für die französische Kammer zu bekommen, wurde aber von dem Kandidaten des Linksblocks geschlagen. Seine Niederlage schrieb er der Haltung der indischer; Wähler zu. Schon am 15. Mai 1924 — also vier Tage nach den Abgeordnetcnwahlen — wurde von ihm ein „Lateinischer Bund" ins Leben gerufen mit dem Ziel, „die Wahlpläne des jüdischen Blocks zu durchkreuzen" und selbstverständlich „die lateinischen Rasten von der Judenherrschaft zu befreien". Zugleich erössnete das Organ des Bürgermeisters, „Oo I'eiit Oranais-. eine wüste In den Hetze. Ter Bürgermeister selbst schrieb Artikel über Artikel gegen die „verfluchte Raffe, die eine nationale und internationale Gefahr bildet". Je näher der Tag der Eemeinderatswahlen kam. desto heftiger wurde die Hetze. Ter Bürgermeister tritt auch als Dichter hervor, und Oran Mmn seine eigene „B o r k u m h y m n e" — bie „lateinische Marseillaise". Sie endet mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß „die Kinder des lateinischen Volkes sich zu verteidigen verstehen und die verfluchte Raffe heransjagen werden". Ter französische Linsblock ist — selbstverständlich — „von den Juden gekauft". „Le Petit Oranais' bringt eine genaue „Rechnung": soundso viel hat Baron Rotschild, soundso viel die ,,Alliance Israelite" gegeben, nur um den großen Verfechter der lateinischen Rasten au* dem Orcmer Gemeinderat herauszndrängen. Einige Tage vor den Wahlen wurden von dem Rationalblock angebliche „Judenanfrufe" verteilt: „Es lebe da.s Judentum! Es lebe Verenger! lTer Kandidat des Linksblocks)." Ter Herr Bürgermeister seinerseits unterschrieb einen Aufruf, der „für die Stadlbeamten und die Gemeindepolizei" bestimmt war: .Tie Iudenkanaille verhöhnt dich! . . . Die Gefahr ist nahe. Ich beschwöre dich: Denke an deine Frau, an deine Kinder, an dich selbst!" Und am Tage der Wahlen fach man ans den Häusern folgende Plakate: „Stadt Oran. Gemeinderatswahlen. R Mai 1925. Lateinische Brüder! Achtung! Seid bereit zur jüdischen Bartholomäusnacht nach dem Tage unseres Triumphes!" Der Nationalölock hat gesiegt. Tr. Molle wurde wieder gewählt. Das wurde das Signal zum Pogrom. Siebrrr Irrderr wurden getökeZ, fünfzig verletzt. Dre jüdischen Bezirke wUrderZ lilrrdert. Tie Polizei wagte nicht, gegen den Z^ürgerweist er, ihren Chef, anfzlrtreten. Sie unterstützte die Pogromrsten, stellt der „tzuotidlcn" fest. Tr. S. Solowei t s ch : k. Dis leichtfertig mit öer Ehre öes Mitmenschen umspringen. Ein völkischer Verleumder verurteilt. Tie im Jahre 1924 bei einer Zahl von 220 Beziehern sanft entschlaf ene Wcchenzeitung „T e u t s ch v o l k" hatte nach den Reichstagsmni;vah!cn folgendes Eingesandt gebracht: „Ein Herr Schlg'ter, Mitinhaber der Firnu; Schuster L Go., Fulda, stellte sich in einer Wahlversammlung als Mitglied des Vereins jüdischer Frontsoldaten vor. Tas war vorher. Nachher stellte sich heraus, daß er als „Frontsoldat" jedenfalls die Absätze da gehabt haben muß, wo andere Soldaten die Fußspitzen haben. Seine Front war rneerschbendoels „Bad Nauheim" und Ä.O.K. Wieder ein Beweis für die jüdischen Frontkämpfer." Herr Ferdinand Schuster, Vorstandsmitglied des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten der Ortsgruppe Fulda, strengte daraufhin zunächst Privatklage gegen den verantwortlichen Herausgeber, den Major a. T. Hülp aus Hanau, an, die bis jetzt noch nicht durchgeführt werden tonnte, weil der Angeklagte es vorgezogen hatte, dem Termin am 3. Dezember 1924 (vor den Reichstagswah!en) ans „Vergeßlichkeit" fernzubleiben urid auch in einem späteren Termin nicht zu erscheinen, so daß seine Vorführung angedroht ist. Er hielt es dageizen nicht unter seiner Würde, seinen Gewährsmann, entgegen allen journalistischen Ge- PstogenhEcken, dem Gericht namhaft zu machen, damit dieser auch bestraft werde. So erschien denn vor dem Amtsgericht Fulda am 23. Avril der Agent Walter Noll ans Fulda, der Führer und Agitator der Deutschvöllischen des Bezirks, und bekannte sich als Versager der obigen Notiz. Er brachte zu seiner Entschuldigung vor, ihm seien die Tatsachen darin von einem Dritten mitgeteilt worden, während die Notiz in ihrer beleidigenden Form von ihm selber stamme. Er habe sofort noch der Veröffentlichung erkannt, daß eine Personenverwechslung vorliege itnb die auf den Privatkläger Schuster gemünzten Vorwürfe diesen nicht treffen konnten. Er habe den Herausgeber des Wochenblattes um Aufnahme eines entschuldigenden Artikels gebeten, die aber aus ihm unbekannten Gründen nicht erfolgt sei. Für die in der beleidigenden Notiz behaupteten Tatsachen könne e: nicht die geringsten B e w e i s e e r b r i n g c n. Tatsächlich wurde feftgestellt, daß Herr S ch u st e r drei Jahre ununterbrochen im Felde war. bis ihn eine schwere Verwundung zwang, ein Heimattazarett anfzusuchen, von wo er dann bis nach Kriegsende einem Nekrutendcpot überwirsen wurde. Herr Schuster rückte zudem bei Kriegsbeginn als aktiver Unteroffizier ins Feld und besitzt das Eiserne Kreuz. Ter Angeklagte Noll wurde vom Gericht zu einer Goldst r a f e Don 100 M artz und zur Tragung der Kosten verurteilt. Außerdem wurde Herrn Schuster, der von Rechtsanwalt Tr. Mmckin Murr, Frankfurt a. M., vertreten wurde, die LteröfsentLichung des Urteils in der „Fnldaer Zeitung" und im „Schckd" zugesprochen. In der Urteilsbegründung wies der Richter mit Nachdruck darauf hin, das; die verlMlnis mäßig hohe strafe nicht nur eine Sühne für den Privatkläger sein solle, sondern auch zur Abschreckung diene für Elemente, die so leichtfertig mit der Ehre ihres Mitmenschen u m s p r i n g c n, wie dies der Angeklagte getan habe. Graf Rsvsntlorv als verleumösr. Der „Reichswart" vom 'SR Mai befaßt sich in seinem Leitaussatz, der, ungezeichnet, ohne Frage von seinem Herausgeber Gras Ernst zu Rcventlow stammt, mit den Aenßerungen der „G. V.-Zeitnng" über die Bedeutung des Eides und der übrigen Erklärungen Hindeuburgs. Sachliche Auseinandersetzungen mit den Gedankengängen des völkischen Grafen und Ri. b. Di. wollen wir nicht Pflegen. Hier hört, um ein Wort des Professors Kahrstedt zu variieren, die Zuständigkeit des Journalisten auf und beginnt die des Vertreters eines sehr gesnndheitswichtigen akademischcn TKwnses. Nur eine F e st ft e l l u u g wollen wir treffen. Gras Neventlow schreibt bei der Betrachtung der Bedeutung des Begriffes Konfession: ^„Charakteristisch jüdisch-nnroahrhastig ist ferner dieses Sichanf-gleichem-Fuß-hereiu.brängen-wollen, trotzdem die Juden gerade die christlichen Kirchen, gerade die christlichen Bekenntnisse beschmutzen, hassen und verachten und gegen die Persönlichkeit Jesus kernen Ausdruck finden lönnen, der ihnen schmutzig genug Ware." Wir haben schon einmal den Grafen Rcventlow einen Verleumder genannt. als er das deutsche Judentum in ursächlichen Zusammen- Hang mit dem Ruh rein fall brachte. Gras Rcventlow schwieg sich aus. Wir wiederholen unsere Beurteilung des Grafen Revcntlow an dieser Stelle und in diesem Zusammenhang. falls er nicht den Nachweis erbringt, daß der Schlußsatz des von uns zitierten Absatzes den Tatsachen entspricht. „Will der Herr Gras ein Tänzchen wagen? Vag er's nur sagen, wir spielen ihm auf."

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