Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- Seite 368 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Hoöeneeform — keine Parteipol rtik. EineAntworL von Dr. Sternberg (Emden). Unter dieser Uebcrschrist nimmt Herr Handelsgerichtsrat Jmberg (Berlin) in Nr. 13 dieser Zeitung Stellung dagegen, daß in ihr in der von mir eingeschlagencn Richtung über Bodenreform gefchricLen worden ist. Meine Ausführungen in «Die Juden in der Bodenreform" basierten auf meinem Aussatz ..Ter Sozialismus der mosaischen Gesetzgebung" in Nr. 31. 1924. Dort habe ich nachgewiesen, daß im Gegensatz zum bürgerlichen (römischen) Recht nach mosaischem (germanischem) Recht kein Eigentum an Grund und Boden bestehen kann (lll. 25. 23). Zum deutlichen Beweis für die Nichtigkeit meiner Ausführungen habe ich gesagt, daß kein Jurist, und die waren doch die nächsten dazu, vom Standpunkt des bürgerlichen (römischen) Rechtes aus das Eigentum sittlich begründen kann, während vom Standpunkt des mosaischen (germanischen) Rechts aus ein jüdischer Volksschüler es kann. Kein Jurist oder Richtjurist hat bislang den Versuch gemacht. meine Behauptung Lügen zu strafen. Und nun fordere ich Herrn Handelsgerichtsrat Jmberg aus, hier eine sittliche Begründung des Eigentums zu geben, nach der sowohl das Kapital wie der Grund und Boden (Fischereigerechtigkeit. Wasserfall. Kohlenstoß usw.j Ergkntum eines einzelnen sein kann. Kann er diese Begründung geben, dann hat er recht, kann er sie nicht geben, dann ist die Bodenreform eine Sacye des mosaischen Rechts, dann gehört sie hinein in den E. B. Nach Herrn I. soll die Bodenreform ..ein Problem sein, das von den Politikern aller Parteien sehr verschieden beurteilt wird". Die Bodenreform ein Problein? Ach nein, das war einmal. Heute gehört die Bodenreform zu den Grundrechten des deutschen Volles und ist im Artikel 155 der Reich-Verfassung verankert'). Das preußische Staatsministerium hat am 4. April d. I. den Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen zngestimmt. In diesen Richtlinien heißt es: ..Fragen wie Auswanderung, Wohndichte, innere und äußere Kolonisation, Bodenreform, Wachstum der Großstädte und Entvölkerung des platten Landes bieten reiche Gelegenheit zur staatsbürgerlichen Durchdringung des Stoffes." Betrachten wir. was es mit der Behauptung ans sich hat. ..daß die Bodenreform von den Politikern aller Parteien sehr verschieden beurteilt wird". Sämtliche Parteien mit Ausnahme der Deutschnationalcu Partei hoben sich in ihren Programmen für die Bodenreform ausgesprochen. Wegen Raummangels muß die wörtliche Zitierung unterbleiben. Selbstverständlich.^daß in allen Parteien Politiker sind, die sich noch nicht zum Standpunkt ihrer Führer emporgearbeitet haben. In der T e n t s ch n a t i o n a l c n Partei ist es der linke Flügel der christlichnationalen und evangelischsozialen Richtung. der ebenso energisch für die Bodenreform eiutritt, wie der rechte Flügel, die Vertretung des Großgrundbesitzes, sie bekämpst. Diese Leute werden nicht eher für die Bodenreform eintreten, als der Löwe ansängt. Gras zu fressen. Wichtiger aber noch als die Stellungnahme der Parteien ist für uns die Stellungnahme, die maßgebende kirchliche Kreise zur Bodenreform einnchmen. Der verstorbene Kardinal-Erzbischof von München, Franziskus v. Bettinger, schrieb, als er sich zum Eintritt in den Bund für Bodenreform meldete- „Als Katholik lege ich Wert darauf, dem Bund für Bodenreform anzugehören." Das von den katholischen Pfarrämtern Düsseldorfs heransgcgebene „Düsseldorfer Kirchenblatt" schließt e'ne Aussatzreihe (Nr. 30 bis 33, 1920): „Sind Christentum und Bodenreform miteinander vereinbar?" mit den Worten: ,Wir können als Katholiken nicht nur für Bodenreform eintreten, wir müssen es tun." Bon vielen Zustimmungen der lutherischen kirchlichen Würdenträger nur die Mitteilung des Psarrvereins sür Sachsen (Rr. 44, 1923): „Tie Hauptsache für die Kirche, falls sie rechte Volksführerin sein will, ist die geistige Durchdringung aller ihrer Glieder mit der Erkenntnis des Notstandes und mit hem Willen, mitzuarbeiten an dieser Grundfrage unseres ganzen Volkslebens. Soll es wieder aufwärts gehen, so kann es nur geschehen aus dem Wege, den die Bodenreform zeigt. Darum alle mit an dieses Werk, um des Voltes und des Vaterlandes willen." Der Rabbiner Dr. Marx (Tarrnstadt) sagte vor mehreren Jahren in einem Rundschreiben an die Gemeinden seines Rabbinats: „Es ist eine religiöse Tal. die es mit ganzer Kraft zu fördern gilt, die großen sozialen Gesetze, die dem Judentum m Bibel und Ueberlieserung anvertrant sind — ich erinnere nur an die Vodengesetzgebung. die die Freiheit der Menschen von jeder dauernden Belastung seines Hauses und Hofes gewährleistet, die ihm eigenen Boden sichert, an das von Recht und Liebe durchtränkte Gottesgeset;. — verpflichten uns. diesen Gedanken der Kriegerheimstärten mit Wärme zn vertreten." Sollen wir im C V. dem Verlangen des Handelsgerichtsrats Jmberg nachgeben und unsere Bodengesetze gar nicht besprechen und keine Lehre daraus ziehen, oder sollen wir nach Dr. Marx die Aufgabe des Judentums erfüllen und die großen sozialen Bodcngesttze als ewige Im uraAnberrden Kommentar zur Relchsvcrfassuns von Anschütz heißt es -u diesem Artilelr Absatz 1 und 2 enthalten Forderungen, die von der sich als Bodenreform bezeichnenden sozial- und wlrtfchastspoMisch^n Richtung schon seit langer« erhoben worden sind. Sozialistisch im engeren Sinne (d. h. soLial- -emolratisch, parteipolitisch^ D. B.) sind diese Forderungen nicht. Wahrheit verkünden? Liese Frage stellen, heißt sie aber auch beantworten. _ 3« Nr. 15 der JeL D.-Zeitung" steht an leitender Stelle der Aufsatz des Kaplans Rodel (München): „Aufbau unserer Volksgemeinschaft." In diesem Aussatz wird an erster Stelle B o d e n g e m e i nfchaft verlangt. Es heißt da: „Volksgemeinschaft ist Bodengemeinschast. ... Und diese Scholle darf für den einzelnen nicht dazu gemacht werden, daß er sie nur unter schweren Opfern oder gar me erkaufen kann, weil er dann nie zu einer wahren VatcrlmQsliebe Lammen wird. Bodengemeinschaft! Sie soll cs hincinhäumtzern in die Herzen: Ich machte euch zu Brüdern, ich schenkte euch meine Erde. Nun laßt aber auch alle Brüder von mir leben; nur so werdet ihr mich heilig halten können, wie ich euch heilig 'halte." Jede Wahrheit wird durch Angriffe schließlich nicht erschüttert, sondern gefestigt. So auch im vorliegenden Falle die Wahrheit, daß die Bodenreform mit unseren großen sozialen Bodengesetzen identisch sei. daß es die Aufgabe des Judentunis sei, die Nichtigkeit dieser Bodengesetze zu verkünden. „§ür SM und Vaterland. Besprechung einer gleichnamigen Broschüre. Im Iungdeutschen Verlag zu Kassel kam Anfang 1925 eine Schrift unter obigem Titel heraus mit dein Untcitone: „Ein offenes Wort in ernster Sache." Werter heißt es auf dem Titelblatt „Nach einem Vortrag von Kaplan Jos. Roth in München übermittelt durch Heinrich am Stadtbrück. Ich möchte bei dieser Besprechung nur solches herausgreifen, was den Lesern der „C. V.-Zeitung" von Interesse sein wird. Roth geißelt in seiner gewohnten Art auch hier die Juden wie das Judentum, uud darum kann auch dieses Geislesprodukt charakterisiert werden als .Vertrag zum Antisemitismus". Er behauptet to. 4: „Das christlich-sozialistische und das jüdische Literatentum psendochristlicher Färbung zum Teil unter Führung von katholischen getauften Juden haben deutsches Denken, Fühlen und Wollen in einem Großteil der katholischen Jugend schon eingeschläfert." Er tischt eben wieder das alte Märchen aus. Judentunr und Deutschtum seien Antipoden und darum ein Eist sür wahres deutsches Empfinden. Leere Worte und dazu die Impotenz des Erbringens von Beweisen. Und wenn ja. dann höchstens im Geiste eines Fritsch, Dinter und anderer. Unverständlich klingen für einen katholischen Theologen ans der gleichen Seite die Worte über .den jüdischen, völlig unchristlichen Pazifismus". Wie weit sind wir doch schon gekommen in unserer von einer gewissen Pshchose verseuchten Zeit, daß selbst ein katholischer Geistlicher solche Worte findet? Nichts liegt den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens ferner als in Menschheitsträumereicn zu verfallen, wie der extreme Pazifismus einer ist. Aber Roth wird doch einem deutschen Juden nicht verwehren wollen in heißer Liebe für Heimat und Volt Unglück und Schädigungen fernzuhalten. wie es der Weltkrieg 1914—1918 gewesen? Öder ist vielleicht das nationaler Lebenswille, fein eigenes Volk in eine Flut von Elend uud Unglück zu stürzen, wie es von seiten der Alldeutschen, Uebernationalen und völkischen Ideologen geschah? Krieg bedeutet stets eine Krankheitserscheinuug im Leben der Völker. Was würde Kaplan Roth von einen: Arzte sagen, der einem Kranken, statt ihn von seiner Krankheit zu heilen, zu neuen Erkrankungen verhelfen würde? Kriege im Uebermaß schwächen ein Volk bis zum 'sterben. Und tritt das Judentum ein sür das Reich der Liebe und seine Verbreitung auf Erden, so können wir Christen ihm nur die Hand zum Bunde reichen; denn kein Geringerer als Papst Pius XI. läßt ja feine ganze Tätigkeit gipfeln in den: Bestreben, den Frieden Christi aus Erden zu begründen. Auf S. 9 redet Roth einer deutschen Volksgemeinschaft das Wort und predigt verschiedentlich den Frieden und das Zusammenarbeiten der zlvei Konfessionen. Auch hier schlägt sich Roth mit seinen eigenen Worten. „Deutsche, stellt euch nicht konfessionell ein, vermeidet jeden konfessionellen Bruderkamps" und „Deutsche, schließt euch ab gegen die Juden, bekämpft sie bis aufs Blut". Das ist der Unterton, der seinen- Ausführungen über eine deutsche Volksgemeinschaft zugrundeliegt, das ist auch der Widerspruch, mit dem Roth sich selbst erledigt. Für ihn sind eben nur Katholiken und Protestanten deutsche Staatsbürger, wahre Deutsche, der Jude hat sür ihn keine Berechtigung, deutsch zu sein, deutsch zu fühlen, deutsch zu wollen. Und darum krankt der Gedanke einer deutschen Volksgemeiaschaft, wie Roth ihn will, daran, daß er wichtige und berechtigte Glieder grundlos und rücksichtslos davon ausschlieht, trotzdem aber glaubt, eine deutsche Volksgemeinschaft fördern zu helfen. Jeder aber, der es ernst nimmt mit seinem deutschen Vaterland, der sür dessen Schicksal und Gedeihen ein Herz hat, muß nach einer Volksgemeinschaft streben, die sämtliche Volksglieder umfaßt, Christen wie Juden, die da aufgebaut, ist auf Mitleideu. Verstehen, Mittragen. Deutsche, seid groß im Verstehen, klein im Verurteilen, dann werdet ihr euren deutscher? Mitbürgern, der; Juden, gerecht. dann erst seid ihr wahre Freunde urrd Helfer eures Volkes. Weist von euch die großen Verurteiler und kleinen Der st eher der Völkischen und Antisemiten. von denen Roth ein Glied ist. Dann kämpft ihr den gerechten Kampf für Gott undVaterland! Kaplan F. Rödel (München).