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Central-Verein-Zeitung · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · p. Seite 353

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
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353 Die Deutsche Akademie. Don Dr. Max Osboru. Bei der Eröffnungsfeier des Deutschen Museums in München fand gleichzeitig ein für die geistige Welt Deutschlands nicht minder bedeutsamer Alt statt: die Begründung der „Deutschen Akademie". In ihr soll ein Institut zur wissenschaftlichen Ersorschung und Pflege des Deutschtums erstehen; ein Plan, der vor mehr als Zwei Mcnschenaltern durch Ranke dem bayerischen König Mar II. unterbreitet worden ist und in der damaligen Zeit der deutschen Zerrissenheit nicht zur Entwicklung kommen konnte, hat damit lebendige Gestalt angenommen. Wie die Weihe des Museums selbst, dessen vollendeter Dan auf der Isar in sei nunmehr als ein großartiges Dokument deutscher Technik und Naturwissenschaft auf der einen, deutscher Orgamsationskraft auf der anderen Seite die Besucher der ganzen Welt anlocken wird, hat auch diese Neuschöpsung der Deutschen Akademie im ganzen Reich den lebhaftesten Widerhall gefunden, sieben den berühmten älteren Akademien und gelehrten Gesellschaften unseres -Landes, die allgemein-wissenschaftlichen Zwecken dienen, hebt sie sich durch den besonderen Ausgabenkreis, den sie sich gezogen hat, als eine Körperschaft heraus, der gerade in unseren Zeiten cmßerordentliche Bedeutung zukommen kann. In den schweren Tagen nach dem Zusammenbruch von 1918 siel in Wien aus dem Munde des ersten österreichischen Bundeskanzlers das stolze und schone Wort: „Heute 'liegt das Deutschtum in der Welt darnieder — in diesem Augenblick bekennen wir uns mit doppelt inniger Anteilnahme unserer Herzen freudig zum Deutschtum." Es heißt im Sinne dieses Bekenntnisses handeln, wenn ein Institut ins Leben gerufen wird, das nach dem von den Münchener Universitätsprofessoreu Haushofer, O n ck e n und Pseilschifter ausgearbeiteten Programm den Zweck verfolgt, allen geistigen und kulturellen Lebeusäußernngen des Deutschtums in systematischer Arbeit zu folgen, die „nichtamtlichen kulturellen. Beziehungen DeutschlandZ zum Ausland und der Ausländsdeutschen zur Heimat"' zusammenzusassen und zu fördern, die gestörten wissenschaftlichen Beziehungen unter den Völkern wiederaufzubauen und. wie ausdrücklich betont wird, durch völlig parteilose Tätigkeit das Gefühl nationaler Verantwortlichkeit zu stärken. Daß eine solche Akademie heute in München entstand und ihren Eih behalten soll, muß von jedem, dem die Erhaltung der deutschen Einheit, des Reiches, als wichtigstes Gebot unserer gesamten Politik erscheint, besonders freudig begrüßt werden. Hier ist ein Instrument geschaffen, das wie wenige andere geeignet scheint, pariikutaristischen Strömungen im Süden unseres Vaterlandes ein Paroli zu bieten und Bayern immer enger dem Reichsgedanken zu verpflichten. In allen Teilen des Landes wird nur ein Gefühl bestehen, daß keine Stadt mit größerem Recht beanspruchen darf, eine Zentralstätte deutschen Kulturlebens auszubiiden, als eben München. Es ist dabei für jeden vorurteilslos Denkenden selbstverständlich, daß eine Einrichtung von so edlen und hohen Zielen sich den Weg, den sie sich vorgezeichnet hat, nicht durch den Wider st reit der Partei- Meinungen verwirren läßt, daß wenigstens hier im neutralen Revier des Geistes ein ..rocher de Bronce" ansgerichtet wird, zu dem die Verblendungen und Gehässigkeiten des politischen Tagesstreites nicht empor schlagen. Durch manche Aeußerungen, namentlich der rechtsradikalen Presse, ist sreilich vielfach die Besorgnis entstanden, daß solche Erwartungen getäuscht werden und sich Bestrebungen geltend machen könnten, um den deutschen Juden, die sich bewußt sind, an der Entwicklung und Pflege der Kultur ihres Vaterlandes gewichtigen Anteil genommen zu haben und zu nehmen, die Pforten der Deutschen Akademie womöglich zu verschließen. Es gab Formulierungen der geplanten Arbeitsmethoden und Ausdeutungen der Grundgedanken des Unternehmens, die in der Tat solche lächerlichen und verächtlichen Möglichkeiten, so unglaublich es klang, als nicht ausgeschlossen erscheinen lassen konnten. Inzwischen hat sich allerdings gezeigt, daß hier lediglich in gewissen Kreisen der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Die Begründer der Deutschen Akademie, zu denen eine Reihe unserer besten Kopse gehört, haben nicht daran gedacht, ihr eigenes Werk dadurch zu schmälern. daß sie dunklen Wünschen und Einflüsterungen Gehör schenkten. Sie haben unter die große Zahl der ersten Senatoren and) Männer wie MaxLieber - mann, als einen der Führer und Anreger der neueren deutschen Malerei, wie den Anthropologen Franz Boas von der Columbia- Universität New Jork. den Philosophen Edmund H u s s e r l in Freiburg und auch noch einige „Judenabkömmlinge" wie Franz v. Mendelssohn in Berlin ansgenounnen, und sie haben damit deutlich ihren Willen kundgetan, über alle Engherzigkeiten hinau? den P e r s v n l i ch k e i t e n ans dem deutschen Judentum, die durch ihre Lebensarbeit sich um die fruchtbare Entfaltung des modernen deutschen Wirkens und um seine Stellung in der ganzen Welt bleibende Verdien st c erworben haben, den Platz e i n z i: r ä u in c n , der ihnen gcb ü h r t. Ein natürliches Gebot wurde hier erfüllt: d:e freien Geister der Völler draußen, die Deutschlands Leistung achten und bewundern, hätten es nicht verstanden, wenn anders vorgegangen worden wäre. Aber sofort Hai nun die Hetze der Böswilligkeit und Engstirnigkeit eingesetzt und diese wahrlich nicht übermäßige Heransieyuug hervorragender deutscher Juden zum Anlaß genommen. um n 2 v?. n Unfrieden zu stiften. Ter „Völkische Beobachter" in München schäumt vor Zorn, daß ein Künstler von der Bedeutung Mar Li Hermanns, der seit Jahrzehnten so unendllch viel für die Beachtung und Schätzung der deutschen Phantasicschöpfung getan hat, nunmehr zu den Senatoren der Deutschen Akademie zählt, deren Liste eme unverständliche Lücke answeisen würde, wenn ihr dicnr Name s'ch'tte. Er schäumt nicht minder üb^cr die Anwesenheit eines Trägers des Namens Mendelssohn, der seit mehr als anderthalb Jahrhunderten in der Geschichte der deutschen Kultur eine so gtauw'ude Nolle gespielt hat, in diesem Kreise. Es fcmrnt dem Organe Adels Hitlers auch nicht daraus an, andere Männer, die gar nicht dem Jndendum angehörcn, mit hereinzuziebem um ihrer Verhetzung weiteres Schwergewicht zu geben. Sogar die Ankündigung der umfassenden Ausgabe der Werke Leopold v. Rankes, in dem die Akademie ihren Ahnherrn verehrt. wttd hämisch bemängelt, weil — zu den Leitern des Berlages, der das Werk herausgibk, auch jüdische Persönlichkeiten gehören! Alan wird sich kaum vorzustellen vermögen, daß die niedrige Denkungsart, die sich hier kundgibt, aus die maßgebenden Instanzen der Demstmen Akademie, wie sie heute vor uns steht. Eindruck m.achen könnte. Man wird vielmehr die Hoffnung und Erwartung hegen, daß sich die entscheidenden Männer der Akademie weder durch das Toben der antisemitischen Gruppen in München und auders'ro. noch auch durch Strömungen, die sich in den vorgesehenen .Ortsgruppen" bemerkbar machen könnten, in der Bekundung freier G e i st i g k e i t> H e i r r e n lassen, ohne die dies große Instrument deutscher Kulturarbeit niemals leben kann. Gshsimrat Jung über ösrr Nsöchenhsnösl. Ent st ellteVOrtrags berichte. Der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomilees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, Geheimer Oberregiernngsrat Dr. Jung, sprach kürzlich bei einer Veranstaltung in Hannover über den Blätzchenhandel. Tie „Niederdeutsche Zeitung" schloß au feine sachlichen Ausführungen in einer Form, die diese Acußerung als vom Referenten herrührend erscheinen lassen mußte, die Bemerkung: „Alles Namen, die eine furchtbare A n f l a g e gegen das internationale Judentum in sich tragen!" Die „N i e d e r s ä ch s i s ch e W i r L s ch a f t s z e i L u n g" wiederum schrieb, das Komitee hätte in den letzten vier Jahren 4 5 0 0 Fälle von Mädchenhandel rcgiftriert Wir hatten Gelegenheit, diese Zeitungsberichte Herrn Geheimrat Dr. Jung vorlegen und ihn um seine Aeußerung hierzu bitten zu lassen. Geheimrat Dr. Jung gestattete uns, das nachstehende Schwitzen zu veröffentlichen: ,„Jn alsbaldiger Erwiderung Ihres Briefes beehre ich mich. Ihnen nntzuLeilen, daß ich in meine in Vortrag in Hannover A e u ß e r u n g e n st r e n g vermieden habe, die als eine Verletzung unserer jüdischen Dt i t b ü r g ergebe u L e L werden könnten. Ich habe im GcgcnLciL dankbar rmd voll Anerkennung der Mithilfe gedacht, die rruö im Kampf gegen den Mädchenhandel durch die jüdischen Organisationen in Deutschland zuteil wird. Der in der übersandten Zeitungsnotiz gebrauchte Ausdruck: „alles Namen, die eine furchtbare Anklage gegen das internationale Judentum in sich tragen", ist freie Erfindung des Verfassers und erklärt sich vielleicht aus der p 0 l i t i f ch c n E i n [teil u n g der Zeitung. Ich füge noch einen anderen Bericht bei, der diesen A u s d r u ck nicht Enthält. Wie wenig zuverlässig Zeitungsberichte sind, mögen ^ie gütigst daraus entnehmen, daß die Berichte Nichts über meine l)tini)cnbc Warnung vor UeberLreib u u g e u dringen. Meine gelegentliche Mitteilung, daß unser Komitee sich in nenn I a h r en mit 1400 Fällen des Verdachts des Mädchenhandels besaßt habe, wird dahin u mg e st a l t e t, daß wir in vier Jahren 4500 (!) Fälle des M ä d ch e n h a n d e l s registriert hätten. Gegen derartige Mißgriffe ist mau machtlos . . / Wir hatten schon mehrfach Gelegenheit, die Verleumdungen, die sich um die Frage des Mädchenhandels ranken, niedrigerzuhängen..

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