Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 19 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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333 Dre IKhÄsrrfsKKfske ösr RhsßnlMKs. Ein Aufruf des EhrenausschusZes. Der Ehrenausschutz für die Jahrtausendschau b ef Aheinlande in Jvöln erläßt den folgenden Aufruf: . Nheinländerk Deutsche! In diesem Jahre rundet sich ein Jahrtausend ununterbrochener Zugehörigkeit der rheinischen Lande Zu Deutschland. Das schwer geprüfte Rheinland fühlt sich heute dem Reiche enger denn je verbunden; mit herzlicher Freude und mit großem Eifer rüstet es daher für das festliche Jahr. Das Reich und die Länder nehmen an der Feier den innigsten Anteil. Bon den zahlreichen festlichen Veranstaltungen wird der für Köln geplanten rheinischen Jahrtausendschau eine besondere Bedeutung Zu kommen. Ein Jahrtausend rheinisch-deutscher beschichte, rheinisch-deutscher Kultur und rheinisch-deutschen Volkstums soll anschaulich gemacht werden und dem lebenden Geschlosst eine Vorstellung von der Arbeit und den Schicksalen unserer Väter vermitteln. Die Kölner Jahrtausendausstellung soll uns aus der Vergangenheit Lehren geben für Gegenwart und Zukunft; sie soll uns allen anschaulich machen, das; der Rhein und das rheinische Volk dem Deutschen Reiche und der deutschen Kultur aufs innigste verbunden sind. Dank der tatkräftigen Mitarbeit aller berufenen Kreise verspricht das große und kühne Werk vollen Erfolg. Nur Rheinland, darüber hinaus an ganz Deutschland, liegt es nunmehr, den Besuch der Ausstellung vorzubereiieu . . . Unser Ziel aber muß sein, viele Hunderttausende nach Köln zu führen, nicht nur nu» dein Rheinlande, sondern aus allen Gnucn des Reimes. Ein gewaltiger Zustrom deutscher Volksgenossen zu der Kölner Schau muß Zeugnis davon ablegeu, daß das ganze Deutschland an der Jubelfeier der rheinischen Bevölkerung freuDig teilninunt. Freudigen Herzens nehmen alle jüdischen Deutschen gerade in den Jahren des Versailler Gewaltsriedens an dieser erhebenden Feier teil, als Deutsche, wie als Juden. Welchen besonderen Klang für uns Juden der IH Hein hat, soll jetzt nicht de raelegt werden, etädtennmen wie Mainz, Speyer, Worms, Köln führen frohe und ernste Tage ereignisreicher und bedeutungsvoller jüdischer beschichte auf deutscher Heimaterde vor Augen. Ter Äüfrch, den von jüdischer Seite der Vorsitzende der Synagog-engeweinde Köln, Blumen au, der Landtagsabgeordn-ete Justizrat F a I f, der Vorsitzende des Rheinisch-Westfälischen Rabbiner- Verbandes, Dr. K ober (Köln), unterzeichnet haben, findet in deutschjüdischen Kreisen freudig-ernsten Widerhall. Unser Landesverb a u d R h e i n l a n d (links) beabsichtigt, im Juni eine große w c st d e n t s che Ta a u n g zur Jahrtausendserer abzuhalten, zu der umfassende Vorderer tu ugeu feit langem im (Zange sind. Dokrnnente zum §Zx§s§recht Zsr Irrösa. Eine Vorschau zur Jahrtausends u s st e l l u n g. Die rheinischen Stadtgemeinden sind eifrig bestrebt, bei der bevorstehenden Jahrtauserwfeier in Köln eine möglichs: vollkommene Sich: ihrer Leistungen za bringen. Im Krefelder Älusemu wird zurzeit eine „Vorschau" geboten: ..Kirnst und Kultur de? Rieoerrbcius". Zwei recht verschiedenartigen „Dokumenten" in dieser Vorschau feien einige Worte gewidmet. Das erste dieser Zeuguche aus entschwundener Zeit besteh: in einem v o l l ft ä n d i g e n Porzel l anservic e der Berliner königlichen Manufaktur, wie es die Juden vor der Heirat lausen mußten, um damit den Heiratskonsens zu erhalten^ Es steht nicht so ganz fest, ob diese Zwangskäust ged.ncklich dem praktischen Eeschästssiuu des Königs selbst entsprungen sind. Jedenfalls aber hieß er sie gut. Sonst ein Herrscher mit eigener Eingebung — war er in diesem Fall nicht der erste, der die Juden, recht unbemittelte zumeist. zur Ausfüllung des StarisSchatzes ausbeutete, ungeachtet der Tatsache, daß durch eine solche große Ausgabe dein .leubegründeten Hausstand die nürtschaf-llche Grundlage entzogen »ourde. Das zlveitc „Dokument" ist von erfreulicherer Art. ein Jahrhundert junger, aus der Zeit der Entstehung des preußischen Judenaesetzes — 1847. Damals wurde dem späteren F i u a n z v.x i u i fi c r der F r a n k f u r t e r N a t i o u a I o e r s a m m I u n g. Henna na: v. B c ck erch t h, Von der Vertretung der Spuagogengeureinde zir ätreseld eine Pe r g a m c n t r o l l e überreicht, von der die Erläuterungen des Krefelder Musen m s sagen: . . Dieser (Beckerathl hatte unter Friedrich Wilhelm IV. den Juden das Bürgerrecht verfch-astt, wofür ne ihur eine in der ■ blumenreichen Sprache der Romantik verfaßte, künstlerisch auf Pergauient geuralte Dankadresse in einer silbernen, gotisierenden Kapsel überreichten." ,Das entspricht allerdings nicht ganz den Tatsachen, denn das Bürgerrecht hatte Hermann v. Beckerath, der zu den bekanntesten lrberalcn Führern der achtundvierziger Jahre zahlte, den Juden uidjt verschaffen können, aber er war im B e r e i n i g t c n L a n d t a g mit größter E i\ \ j ch iebciiljci t [ ü r d i c b ü r gerIiche <31 c £ ch - i! i stellung der Inden einge treten. Am lebhaftesten widersprach ihm der damals noch im junkerlichen Vorurteil befangene Rittergutsbesitzer Otto v. Bismarck. In den ersten Jahrzehnten nach Abschluß der napoleomschen Kriege sind die Juden durch haßerfüllte Ankläger im eben zugestandenen Recht gekürzt selten aber durch warmherzige Fürsprecher verwöhnt worden. Deshalb trafen, als Hermann v. Veckerath im Juli 1847 vor; Berlin nach Krefeld, dem Ort seiner Geburt und seiner Berufstätigkeit, zurückkehrte, viele jüdische Gemeinden am Rhein Anstalten zu seiner Ehrung. Tie Krefelder Juden waren besonders eifrig in ihren Vorkehrungen. Anr 7. Juli 1847 überreichten Oberrabbiner B o d e n h e i m e r und eine Abordnung der Gemeinde dem Gefeierten Mitbürger ihre Dankadresse. Dabei ging es — dem Sinne jener Tage entsprechend — rech! gefühlvoll her: „Oberrabbiner Dodeuheüner hielt eine Ansprache ... die alle Amoesenden zu Tränen rührte. Gleichen Eindruck machte die Verlesung der Lldresie. Herr v. Beckerath erwiderte, er könne -- vom Gefühl überwältigt — kaum Worte finden. In unseren Angelegenheiten habe er gleich anfangs viel Zustimmung gefunden und noch mehr die Zuversicht, daß die Menschenrechte der Juden bald zu voller Anerkennung gelangen würden. Er habe nur seine Schuldigkeit getan. Das schöne De schenk^ nehme er als G e d e n k z e i ch e n für s e i n e K i n d e r, die sich erinnern möchten, wie er für die Emanzipation der Juden gestritten, die sicherlich eines Tages verwirklicht sein werde . . . Zum Schluß umarmte der Redner alle Anwesenden als Zeichen brüderlicher Achtung." (Protokolle der Synagogengemeinde zu Krefeld.) Ein Jahrhundert liegt zwischen den Porzellanverkäufen des großen Friedrich und dem Austreten Hermanns v. Veckerath. j£>ie Emanzipation tft gekommen: ihre „B e r w i r (l i ch u n gs^ steht nach aus. Gewisse Entwicklungen gehen in langsamem Schritt. Man muß sich damit abfinden und hoffen, daß besserer Wille und tiefere Einsicht ihn einmal beflügeln werden. S. Andorn (Krefeld). Reme mMseifchsn Ehrsn bslm Begräbnis jüüWer So-lösLen» Die Bereinigungen der ehemaligen Angehörigen der alten Wehrmacht pflegen die kameradschaftliche Treue zu betonen und zu feiern. Den meisten dieser Vereine ist es sicherlich damit ernst, und dem entspricht es, wenn auch viele jüdische Deutsche, die in dem großen Ringen die Waffen getragen, in den Vereinen alter Soldaten d i e Kameradschaft pflege n. Wie aber einzelne Kriegervereine, entgegen ihrer satzungsae-naß unpolitischen Richtung, das Ausscheiden der Juden herberführen, zeigt ein am 28. Februar d. I. gefaßter Beschluß des „Vereins der Angehörigen des ehern. 5t. Bayer. 8. F e l d a r t. - R e g. Prinz H e i n r i ch von Preußen" in Nürnberg. Darirr ist festgelegt, „vast künftighin bei Beerdigung von Kameraden israelitischen Glaubens die Vereirrsfahne nicht mehr mit ausrückt" und, entgegen Der satznngsaeurästerr Vorschrift, Das; Teilnahme bei Beerdigung von Kameraden Ehrenpflicht jedes Vercinsmitalieds sei, „die Teilnahme Den einzelnen Kameraden freigeste?lt bleibt". Als Anlaß wurde angegeben, daß bei der Beerdigung eines jüdischen Offiziers am 29. Februar 1924 die Rede des Rabbi n e r s „ins Politische ü b e r g e g a n g e n" sei. Der Rabbiner hatte nämlich bei Betonung der Vaterlandsliebe und der soldatischen Bewahrung des Heimgegangenen kurz auf die Schmähungen hingewiesen, die gerade in jenen Tagen des Hitler-Prozesses General L u d e n d o r f f gegen die vaterländische Treue der jüdischen Deutschen gerichtet hatte. Der erste Vorsitzende des Vereins hatte selbst anerkannt, daß die Rede des Rabbiners völlig einwandfrei gewesen sei. Daß trotzdem gerade ein Verein der Angehörigen eines ehemaligen Königlich Bayerischen Regimentes sich durch eine Zurückweisung dieser schmählichen Beleidigungen des Generals Ludendorff berührt und zu ihrer Deckung berufen fühlt, ist besonders bemerkenswert. In manchen anderen Kriegervereittigungen mögen sich ebenfalls juveuscindlichc Bestrebungen geltend machen. Das; aber ein Verein Die Anhänglichkeit an Die alten Kameraden Dadurch betätigt, Das; er einem Teil von ihnen die militärischen Ehren beim. .Begräbnis versagt. Dürfte einzig Dastchen^ >