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Central-Verein-Zeitung · 1925-05-01 · 18 (1.5.1925) · p. Seite 317

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
18 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 317 (sequence 9)
Language
German
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317 Wsr hat öle hebräischs Sprüche in Palästina wisösroLlsöt? 2'c»n Ephraim bohn-Ncif;, vormals Tirektor der Lehranstalten des Hilssvereins der deutschen Inden in Palatina. Die Streitfrage, welcher Zeitpimlt für das Aisihörcn des hebräischen als lebende Sprache in Palästina anznsetzen sei. sofern überhaupt von einem vollständigen "Aushören die -Kobe sein kann, ist noch nicht entschieden. Tie Ausstoßung. daß beim Abschluß des Xenions die hebräische Sprache von der aramäischen bereits vollkommen verdrängt war, wird neuerdings beanstandet. insbesondere. ,oas Judäa nubetriist. Wenn die Inden während 420 Jahren unter fremder Herrschaft das Hebräisch? als VottMpeach? bewahrt haben, so läge doch tcin Grund vor. daß sie gerade dann ihre Sprache ansgeben sollten, als sie unter den HaKnonäcrn einig? Selbständigkeit erlangt und die heiligen Bücher fest in ihren Händen hatten. Eine gange Anzahl von Büchern ans jener Zeit ist hebräistb gestchricben, wiewohl manche ganz verloren, von anderen nur Ucvcrsctzungen erhalten sind. (Äst B. Snejder in seinem lesen-wer len Buche ..Tortalaschon'st Es wird keineswegs bestritten, daß schon vor b'sra Aramäisch neben dem Hebräischen vielfach gesprochen wurde, und daß durch Zuwanderungen aus Babylon und Syrien die Zahl der aramäisch Sprechenden fort ge seht vergrößert wurde. ^Indenen soll das Hevräifche in Judäa zur Zeit der Zerstörung des wempels. 70 n. Ehr., noch immer die vorherrschende, zum wenigsten aber die offizielle Sprache gewesen sein. Tie aramäischen Imchristcu im Tempel wären hauptsächlich für die Pilger bestinünt gewesen. und die aramäischen Aussprüche im Neuen Testament könnten nur beweisen, daß in Galiläa zu jener Zeit aramäisch die Volkssprache war. Weil der Sill des Sanhedrin in Galiläa war. wo die Blaste des Volles bereits aramäisch sprach, wurde angeorduet. daß Ehevertrag und Ehescheidung, und auch Kauf- und Vcrkaussverträge in aramäischer Sprache, der Verkehrssprache des gewöhnlichen Volles, abgefaßt werden. "Aber selbst in Galiläa, wo die Verdrängung des Hebräischen viel schneller vor sich^ gegangen ist als in Judäa, gab es zur Zeit des Mischlw-Abschlupes noch viele Familien, die Hebräisch sprachen, und noch mehr solche, die. Hebräisch verstanden. Ans jener Zeit stammt der "Ausspruch im Talmud Icrusthalmst ..Wer die heilige Sprache spricht, ist des künftigen Lebens versichert.' Zn keiner Zeit hat aber das Hebräische seine Lebenskraft als literarische Sprache eingebüßt. und niemals hat es aufgehvrt, die Verständigungssprache für die Inden verschiedener Länder zu sein. Auch für freundschaftliche und geschäftliche Briese unter Juden desselben Landes mit gleicher Landessprache wurde das Hebräische in weitgehendem Maße verwendet. Ebenso hörte das Hebräische nicht auf. die offizielle Sprache der Gemeinden, des Betli-Pin für gerichtlich? Entscheidungen, für Grabsteininschriften usw. zu sein.. In manchen Ländern verblieb bis heute das Hebräische auch Geschäft sprach?. nicht nur für Geschäftsbriefe, sondern selbst für Geschäftsbücher. Verträge und Wechsel. Am allerwenigsten paßt die Bezeichnung , des Hebräischen als eine tote Sprache im sprachläusigen Sinne des Wortes, sobald Palästina in Betracht kommt. Gegen läOO schreibt ein italienischer Besucher Palästinas, daß Nabbi _ Obadja di Bartinuro alle ^vierzehn Tage Predigten in hebräischer Sprache hält, welche Sprache die meisten verstehen. Benjamin von Tudella und Peiachia aus Negensburg. die im 12. Jahrhundert Palästina bereisten, konnten sich mit ihren dortigen Glaubensgenosten nur in hebräischer Sprache verständigen, ebenso die dreihundert Nabbinen ans Frankreich und England, die 1211 nach Palästina einwanderten. Tie Sendboten ans Palästina haben sich nur in hebräischer Sprache verständigt, und es fanden sich auch in jeder jüdischen Gemeinde, ob in Marokko oder Indien, ob in Paris oder.Worms, ein? genügende Anzahl von- Gemeinde-Mitgliedern, die das Hebräische verstanden haben.' In den Jahren 1498 bis 1521 setzte eine größere Einwanderung infolge der Vertreibung der Juden atls Spanien ein, und die Zahl der Inden war in Jerusalem allein von 70 auf 1500 Familien gestiegen. Seitdem waren bis lwr etwa^ vierzig Jahren die Sephardim in der großen Mehrzahl. Tie Berstäudigungssprache zwischen den Sephardim und Aschlenasim war das Hebräische. Während in Aegypten und in Syrien und zum großen Teil auch nn "Norden Palästinas das "Arabische den Inden zur zweiten Muttersprache geworden Uw, war dieses in Jerusalem nicht der Fall: wert Handel und Gewerbe hier sehr gering waren, war der Verkehr mir den Arabern sehr beschränkt. , In dem Gebrauch der hebräischen Sprache als Verstän.digungsinittet Zwischen Inden der verschiedensten Länder sah man weder eineit religiösen Akt. nach eine Profanierung des Hebräischen, am aller lv e u i g st c u ein nationale s Bl o t i v. ' Tierussischen Pogrome im Jahre 1 ‘S1 brachten einen Strom öon Einwanderern, deren Zahl trotz aller Einsthräulungsgesetze ^iens der Türkei immer mehr zu nahm. Größere Eimvanderuugen aus Mstirokko ll'nd Jemen folgten von 1890 bis 1890 i;üb in den uewiziger Jahren auch solche ans Persien. In den neunziger Jahren entstand auch ein? Kolonie aus wohlhab-cudeu buch?rischen Juden, denen wohlhabende georgische Juden vorangegangen waren. Tie Kolonien von Aleppinern mit arabischer Muttersprache mrd Kurden mir kurdischer Sprache haben sich ebenfalls vergrößert. Tie alt? Erscheinung wiederholte sich, daß bei Judenverfolgungen Palästina sür viel? Zufluchtsstätte wurde. Ebenso Une im Mittelalter ans Tentschland. im 13. und 16. Jahrhundert aus Spanien, setzten jetzt größere Einwanderungen aus Rußland. Jemen und Persien ein. Bon 1990 bis 1900 ist die jüdische Bevölkerung in Jerusalem von 13 000 aus 32 000, in Jaffa von 1000 auf 3000 gestiegen. Eine Anzahl jüdischer Studenten aus Nußland kam 1881 nach PWlästina. um dort Landwirtschaft zu treiben. Es war das erstemal, vielleicht in der ganzen jüdischen Geschichte, daß Juden nach Palästina kamen, nicht aus religiösen oder religiös-nationalen Motiven, sondern aus nationalen Motiven allein. Sie brachten viel, vielleicht zuviel nationalen Idealismus mit. sahen sieh in ihren Erwartungen ^getäuscht und enttäuschten die Hoffnungen', die andere in sie gesetzt hatten. "Nur vereinzelte von dielen ersten nationalen Pionieren blieben bei ihrem Ideal. Man kann sie an den Gingern — in der Kolonie Kaira und in Kischon Iwrion - - aufzählen. Einige von ihnen bestrebten sich, in ihrem Privatleben, ebenfalls aus nationalen Gründen. hebräisch zu sprechen. Zu gleicher ZeiMam Bon Jelnulu nach Palästina, welcher bereits von Paris aus in ^moleustis ..Ilaschachar“ in Wien durch ein? weihe von Artikeln sür eine Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina aus nationalen Gründet! eintrat. Jeder Aschkonasi und jeder ^ephardi. von den ganz Ungebildeten abgesehen. hat sich, so oft das Bedürfnis Vortag, und dies war oft der Fall. des Hebräischen als Verständigung?- und Verkehrssprache bedient. Taß das Hebräisch? auch von den A.schtenasim in der^sephardncheu Aussprache gesprochen wurde, galt von jeher als eine Selbstverständlichkeit. weil die Sephardim die sNuttergemeind? bildeten. Tas Hebräische aber aus reiu nationalen Gründen als ausschließlich? Sprache zu gebrauchen, war in Palästina ein Novum, und Bon Jchuda hatte nur vereinzelte Gesinnungsgenossen, die in Jerusalem sich nicht einmal als solch? bekennen wollten. Tie Neligiösen sahen in de;n Bestreben Bon Jehudas ein Attentat ans die Neligion, ein? Profanierung der heiligen Sprache, den Wunsch, den Mangel an Neligiösität durch Nationalismus zu ersetzen, und wehrten ab. Nichtsdestoweniger hat sich Ben Jchuda durch unentwegte Werbearbeit und noch mehr durch sein monumentales hebräisches Wörterbuch groß? Verdienste mit das Wiedererwachen und die Bereicherung d?r hebräischen Sprache erworben. Populär, zumal in Jerusalem, ist das Hebräi'ch? als lebendig? Sprach? erst durch die La mel schule geworden, die seit ISST schrittweise, nicht in radikaler/ aber rationeller Weisefür di? Nenbetebnng der hebräischen Sprach? in der Schule wirkte, und noch mehr durah die A n st a l t e n des Hilssvereins der deutschen I u den. die sich 1902 an di? Lame-schale cngcgliedert haben. Kindergärten und Lehrerseminar sind n i ch t zuvörderst aus nationalen Idealen hervorgegaugen. Wer die drei- bis sechsjährigen Kinder bei den Mestras (spagniolischen Lehrerinnen) hocken sah, verwahrlost, mit Trachom und Ausschlag behaftet, wer Hunderte von Kindern in den Straßen, auf dem Misthaufen herumlungern sah. mußte Mitleid mit diesen Armen empfinden? Tie Mutter von drei oder vier kleinen Kindern war froh, wenn die Kleinen, die sie in ibrer häuslichen Arbeit störten, die enge Wohnung, gewöhnlich atls Zimmer und Küch? bestehend, verließen, bei der Mestra, im Eheder untergebracht waren oder sich auf der Straße Herumtrieben. Weebt neue TUitgHeßee füt den E. D. Tie Errichtung von Kindergärten war ein philanthropisches Werk nicht minder als ein kulturelles. In welcher Sprache sollten nun die Kinder im Kindergarten spielen? Zu Hanse sprachen di? einen den deutschen Jargon, die anderen den spagniolischen, diejenigen ans Spricn. Marokko und Jemen arabisch in verschiedenen Tialelren, di? aus Buchara bucharisch, die ans dem Kaukasus georgisch, di? aus Persien"persisch und schließlich di? ans Kurdistan kurdisch. Nur die Gebete lernten alle zu Hanl? hebräisch sprechen. War es da nicht das Gegebene, daß die Sprach? des Kindergartens, dessen Vokabularium recht beschränkt ist. das Hebräisch? sei. di? Sprach?, in welcher sich di? Bäler der verschiedenen Nationalitäten in Palästina untereinander, so gut und schlecht sie konnten, verständigten? 1994 hatte der Hilfsverein zwei Kindergärten in Jerusalem mit 250 Zöglingen und in Jaffa einen Kindergarten mit 116 Zöglingen. 1907 hatte or bereit? nenn Kindergärten mit über 1000 Zöglingen in Palästina. Anfangs war die Zahl der Mädchen der der Knaben sehr überlegen, sie betrug fast das Doppelte. Es hat aber nicht lange gedauert, bis di? Zahl der Knaben entsprechend zunahm. Tie Eltern folgten dem Fortschritt der Kinder mit großem Interesse, sie waren erfreut über die Neiulichkeit und die Pflege, welch? di? Kinder in den Kindergärten erhielten. Manche Mutter fühlte sich veranlaßt, mit ihrem Kinde hebräisch zu sprechen, natürlich so gut sie konnte. Ost mußt? der Vater oder die gebildetere Nachbarin oder manchmal das Kind selbst der Mutter ans der Verlegenheit helfen. Es wurde von manchem Theoretiker ein gewendet, daß man durch di? neue Sprache den Kindern ihren Frohsinn raubte. In diesem Falle kam es, wie in so vielen anderen pädagogischen Fragen, daraus an. wie es gemacht wurde. Tie Kindergärtnerinnen, zum Teil im PAstalozzi-Fröbelhaus ausgebildet, haben in erster Nei'he sür Spiel und Beschäftigung, für Neinli^lcit und Behütung gesorgt, und der Anschauungsunterricht und das Singen hebräischer Lieder hat den Kindern viel Spaß gemacht. Es war kein Eintrichtern, sondern ein

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