Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 18 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 314 (sequence 3)
- Language
- German
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314 „Unser Lieg stellt rtmuMj zugleich eine tief beschämende, furchtbare Niederlage de» deutschen Todfeindes dar, des internaäoualcn Judentums. Leit dem August 1914 ist dem Judentum in Dcutschkand nicht derartiges Unheil widerfahren. Tie vier schien hl ich durch Uneinigkeit und Habgier unterlegen.cn Parteien der Hindenburg-Feinde, ZenLrmn, TemokraLen, Sozialdcinorraten, Kommunisten, bilden die gesamte Kampiniacht des Judentums in Deutschland. Das her Kr ge Zentnrnr ist derartig jüdisch durchseht und zersetzt, daß man es nicht anders mehr denn als eine Hilsstrnppe der Jrrden bewerten kann. Wer hat denn Hoesle ins Unglück, tu Schande und Tod gebracht? Wer hat den Kuhhandel mit der völlig verjudeten preußischen Negierung ins Werk gesetzt? Die ganze Demokratische Partei wird von der Juden presse beherrscht, alle bedeutenden Führer der Sozialdemokratie sind Inden oder Judenstämmlinge, und die Kommunisten schwören ans die Mordjuden Rußlands. Wären alle diese Juden am Sonntag einig gewesen, dann würde Marr mit genau derselben Mehchcä deutscher Reichspräsident sein, wie cs jetzt Gott sei Tank der Feldmarschall Hindenburg ist." Man wird sich in deu Kreisen der Bötlischen nunmehr mit ernster Kraft sammeln, im deutschen Polle weiter Zwietracht zu säen versuchen, den Gedanken des Bürgerkrieges schüren und vor nichts znrückschrecken. um n a t i o uatbo l s ch ew i st i \ ch c Z u st ä n d c zu schassen. Tie Bewegung soll jetzt in Nvrddeutschland fest organisiert werden, Ntünchcncr Methoden in Berlin zur Anwendung kommen. Am Wahltage und v o r dem Wahltage hatte inan durch das L r r r o r i st i s ch e % u f t r e t e 11 der beut s eh v ö t l i s eh c n I u o e n d schon einen genügenden. Borgeschmack von dem, was beabsichtig ist. Wir sind von staatlicher Ordnung weit entscrnt. Tie Unverschämtheit von völkischen Banden, die mit! ihrer Brutalität die alle;: aüehrwürdige schwarzweisirrto Fahne '^ e n t w e i h L e n , hat vielfach keine Grenzen gekannt. Wird : fcec neue Reichspräsident diesem Treiben entgegentreten, ward? er für den inneren Frieden sorgen? Das ist die Frage, die sich j jetzt erhebt. Wir glauben nach allem, was uns bekannt ward, diesigFrage bejahen zu können. Der E i d a u s d i e Verfassung wird von dem alten Herrn nicht als eine quantite negligeable betrachtet werden. Das bezeugt seine Vergangenheit. iir. Aus dieser Betrachtung werden unsere Freunde sehen, wie notwendig es u n s e r e r s e i L s L st, g e r ü st et unb auf bex Hut zu sein. Schwere Jahre sind nberwllnden; viel wurde von uns verlangt und viel wurde geleistet. Mit gutem Gewissen können wir zurückblicken. W i r sind für die deutsche Ehre ebenso wie s ü r die jüdische Ehre eingetreten. Für die Verfassung und den Bestand unseres Reiches haben wir gewirkt, wenn wir den schändlichen Unfrieden, den Judenfeinde zu stiften versucht haben, dänipsten wxb an dom Wiederaufbau des Vaterlandes mitarbeiteten. Verlorene Kriege und Ctaatsumwätzungeu zeitigen Verhältnche, die nach lveltgeschiehtlichen Erfahrungen Jahrzehnte zn ihrer Auswirkung brauchen. Tie Weltgeschichte rechnet nicht mit dem kurzen Termin des Lebens eines Einzelmenschen. Auch wLr sind der Auffassung, daß wir uns irr uuserern unglücklichen Vaterlande auf viele Jahre hinaus in einer Kampfstellung befinden werden. Tie Frist wird verkürzt, das Leid wird geringer, wenn die, die hinter uns stehen, tätiger, bewußter und opferwilliger werden, wenn sie lernen, dem Schämigen, Kleinmütige n und Geizigen Verachtung zu schenken, wenn sie sich von jeder überflüssigen und schädlichen Nervosität frei halten, in Ruhe den kommenden Dingen entgegensehen und sich darüber klar werden, daß nur Opferwilligkeit und Entschiedenheit unseren Zielen, für Tentschtmn und Judentum zu wirken, entsprechen können. Wir erwarten von dem neuen Reichspräsidenten für d a s Reich und somit f ü r uns inneren Frieder; und a n s g l e i ch e n d e Gerechtigkeit und hoffen, daß sein Bestreben auf die Erlangung dieser Güter gerichtet sein wird. Wir tauschen uns nicht, wenn wir annehmen, daß er mancher Anfechtung ausgesetzt sein wird; wir wissen, daß der innere Frieden von den Dötlischen in höchstem Maße bedroht werden wird, — wir werden unseren Zielen und unseren Bestrebungen treu bleiben. L. H. Der Iuöe auf üer Huhne. Bon Fritz Engel. Au der Spitze einer Betrachtung über den Juden auf der Dühns darf der Satz stehen: Der Jude ist für die dichterische und szenische Verwertung frei — aber er i ft nicht Vogels r c i. Ter Jude als Mitglied der menschlichen Gesellschaft ist ebenso Objekt der Literatur und ihrer verschiedenen Gattungen, wie jedes andere ihrer Mitglieder auch. Gleich ihnen muß er sich fügen, wenn der tragische oder der satirische Dichter sich mit ihn; beschäftigt. Alle Schichten der Menschheit teilen dieses Los: Könige und Bettler, Bürger und Bäuerin Helden und Memmen, Weise und Narren. Tie Nationen bekämpfen einander, oft prahlerisch und dünkelhaft, auch ans der Bühne: von altersher verhöhnt der Franzose den sanerkohlsresseicden Deutschen, der Deutsche deu allzu geleckten Franzosen. Der Pole hat auf fremdländischen Bühnen immer etwas Abeuteurorhastes, der Ungar ist aufgeblasen, der Böhme tapsig. Es geht noch weiter. Innerhalb ein und desselben Voltes spottet man über die Schwächen der einzelnen Stämme. Bis 1870 war der Elsässer auf der französischen Bühne eine wegen ihrer plumpen Ungeschlijsenheit komische Figur, vielleicht ist sie es heute schon wieder. Und die Deutschen führten und führen einander den groben Bayern, den trunkfesten Nheinläuder und den verschmitzten Sachsen vor. Diese Erscheinungen zu verhindern, wäre ebenso unmöglich wie k u n ft f di ä b l i cf). Tie Kunst darf alles, und in jeder anderen Lust als in der des ungehindert freien Schaffens erstickt sie. Auch für ihre leichteren Abarten, für die Posse, für den Kubaretlvor 1 rag, bedarf sie dieser Freiheit und soll ihrer teilhaftig bleiben. N u v lv o f i e s i ch ,A u n ft" n c u n t u u d d o ch n i eh t s a l s G e s ch n f t i ft, m lt s; s i ch der Widers p r u ch m c 1 b c n. . i itr tv o sie, nicht selten g e g e n b e s s e r e Heberz e u g n n g , eine politische oder soziale S t r ö in n n g an s n ntz t, u m ihre U n t e r n e h m e r z u nä h r e n. beginnt sie eine öffentliche Gefahr zu lv erde n. Sie wird dann auch nicht von Dichtern bedient; zumeist sind es sehr kleine Schreiber, zu Besierem nicht fähig, die sich reimend und singend in die trübe Konjunktur des Tages stürzen. Wie sieht es nun heute auf der deutschen Bühne und Kleinkunstbühne aus? Es gibt erhabene Dichtungen, cs gibt auch liebenswürdige Lustspiele, die das Judenthema als Haupt- oder Teilmotiv behandeln. Kein Jude wird Lessings „Nathan" entbehren wollen, keiner wird die Verehrung für Shakespeare verringert fühlen, weil er einen Shylock geschaffen hat. Umgekehrt, dieser große Geist hat zwar eine Judenfigur gezeigt, die nach dein Brauch seiner Zeit in einer abscheulich rohen Maske austrat, wie aber hat er dieser Zeit voraus und mit der dem echten Dichter eingeborenen Gerechtigkeit auch für den Verachteten Partei genommen'. Wie großartig ist die Anklage und der Schmerz, die aus dieser im Truck der Sklaverei verhärteten Brust Hervorbrechen! Kein Jude wird einem Poeten wie Grillparzer zürnen, weil er die „Jüdin von Toledo" geschrieben. Tenn auch hier ist das Judentum mit dem psychologischen Fernblick gesehen, der neben minder guten Zügen auch die guten sieht und betont. Wer wird den noblen und aufgeklärten Gustav F rehtag einen Antisemiten neunen, weil cr den Schmock hat erstehen lassen, diese Gestalt, die wir belächeln und zugleich bemitleiden? Das alte Wort, das; es in der Kunst nicht auf das Was, sondern ans das Wie ankommt, gilt in diesem Zusammenhang ganz besonders. Wir haben auf der zeitgenössischen Bühne auch Jndenstücke von erheblich bescheidenerem Wert, die dennoch den Grundsatz der a u s g l e i ch e n d e n Gerechtigkeit s c st h a 11 c u und darum der Versvh n u n g und nicht dem Haß diene n. Tie früher viel gespielten und jetzt wieder anfgenommenen Herrnfeldiaden sind gewiß keine Meisterwerke, und Stücke wie ..Potasch und Perlmutter" und die Schwänke, in denen jetzt Gisela Wer bezirk einen hinreißenden und gütigen Humor bewährt, sind sicherlich nicht für die Unsterblichkeit bestimmt. Aber sie haben die M i s ch u n g , die den Stoff entgiftet. Sie zeigen die Eigenart und auch gewisie Unarten des jüdischen Milieus, sie besinnen sich zugleich auch auf die besieren Eigenschaften des Juden, auf seine Findigkeit, seinen treffsicheren Witz, seinen Familiensinn und seine Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, die der eigenen alten Not entwachsen sind. Sie sind kaum aus der Absicht einer projüdischon Propaganda entstanden, aber ihre Wirkung geht nach dieser Richtung und soll nicht unterschätzt werden. Daneben läuft verheerend und unerträglich die Talmikunst, die Unkunst, die N i ch ts - als -P r of i ttun st. Ter Film hat sich erfreulich reingehalten, der Rundfunk scheint mehr aus Unvorsichtigkeit gelegentlich zu sündigen. Aber auf