Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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2i5 Zur Geschichte öer Fuöen. E r g ä tt z tt n g e u u nd Berichtigungen. Tie von Professor Karl Tiander verfaßte, in Nr. 12 unseres Blattes veröffentlichte Notiz „Z u r G eschi ch t e der schwedischen Inden" hat im§ eine Reihe von Zuschriften eingetragen, die insgesamt zu veröffentlichen uns leider der Raum fehlt, ^ie geben, einen erfreulichen Beweis geschichtlichen Interesses unter den jüdischen Deutschen, nicht etwa nur unter zunstmäßigen Gelehrten. In der Notiz waren die Werke der schwedischen Geschichtssor'-chec O l a n und Valentin als wichtig für die Geschichte der Inden in Schweden benannt, insbesondere war Valentins Werk als grundlegend bezeichnet worden. Nach Olans Wert war nritgeteilt vvorden, daß unter den ersten Juden Schwedens der Lübecker I s r a e l eine Nolle spielte, ebenso als Großkansmcum Gabeliau aus Holland, ferner noar von Aufzeichnungen Aron Jsaks (2. Hälfte des l.z. Jahrhunderts) die Rede, der im Rathause zu S t o ck h o l in auf einen Israeliten namens Flodin gestoßen sei. Durch Vermittlung unseres treuen 'Mitgliedes Georg Matzdorss sVerlin-Wilmersdorf) erhalten nur einen Brief des hier genannten ichwedischen Gelehrten Dr. Hugo Valentin. Gr schreibt darin. Flodin sei kein Jude gewesen. Der erste Jude (getauft), den Jmk in Schweden getroffen habe, hieß Berlin. Gr sei der Ahn der Mutter des bekannten Forschnngsreisenden Dr. Sven Hedin gewesen. Unrichtig sei and) Olans Nachricht, daß Israel (Jsrahol) und Gabeliau jüdischen Stammes waren. Wer von beiden Gelehrten, Valentin oder Tiander, im Recht ist,, sind wir zu entscheiden nicht in der Lage. ßerömanö £üj)afies 100. Geburtstag. Wir haben vor einiger Zeit an dieser Stelle das Leben und Streben Lasialles, des großen Voltsmannes, von dem Bismarck chnt gesagt hat, daß er einer der geistreichsten und liebenswürdigsten Menschen gewesen sei. mit denen er je verkehrt habe, eingehend gewürdigt. " Mit Recht fragt Felir Hirsch in einem Aussatz ,X assalte u n d B i s m a r ck" in Nr. £4 des „8 -Uhr- A bondb t a 11": „Wo könnte die Gegensätzlichkeit größer sein als zwuchen Bismarck und Lassalle?" Einige Gedankengänge der Antwort seien hier wiedergegeben: ..Zwischen dem märkischen Landedelwann und dem aus cimachen Verhältnissen emporgestiegenen schlesischen Juden, zwischen dem nnphilosophischstcn alter Staatsmänner und dem Dialektiker aus der Schule Hegels, zwischen dem Mann der Tat und dem Helden der Volksversammlung?! Und doch bat dies ungleiche Paar in einer cntscheidungsvollen Stunde der deutschen Geschichte ein olficf Weges gemeinsam znrückgelegt: immer sreitich haben beide ihre besonderen Ziele im Auge gehabt. zu deren Verwirklichung der eine sich des anderen bedienen wollre. Beide erschienen denn Bürgertum der sechziger Jahre nicht in der Gloriole, in der die Nachgeborenen sie sehen. Bismarck hatte new nicht Gelegenheit, gehabt, der Welt zn beweisen, daß er ein Staatsmann, großen Formates war. Im Innern tobte der Kamps mit der liberalen Kammermehrheit um das Budgetreckri'. nocl) wußte niemand, wer in diesem zäben Bingen, bei dem der MimsterprÜsident m:r den König ans seiner Seite hatte, Zieger bleiben würde. Tie "Anhänger des Natianaivere ins befehdeten den Einsamen: sie ahnten seine lehren Ziele nicht. Und welche Kräfte standen hinter Lasalic? Gr hat im Frühjahr 186.'! den ..Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" gegründet. Doch troh mancher rhetorischen Erfolge. die er ans seinen Achtationssahrten crwelie, blieb die Werdekrast seines Programms gering: bei seinem Tode zahlte der Berein^kaum fünftausend Mitglieder. Zwei große Forderungen Wichte cr den Manen einzuhänunern: das allgenuine gleiche Wahlrecht soUie die politische, die Produktivgercossenschafien mit Sraatskredit die wiruwaftliche Befreiung des Proletariats bringen. Da-nit rührte Lass alte bei Bismarck an verwandte Saiten. Auch der Blinisterpräsidenk halte ein Nativno.kparlament ans der Basis eines freiheitlichen Wahlrechtes zu seinem Programm im Kamps um die deutsche Einheit erhoben. Greuw interessierte sich Bismarck gerade in diesen Jahren, beeinslußt darob reine Mitarbeiter Lothar Bücher (der ja auch mit Lasialle in enger Fäläun.g Üand) und Oermann Wagener, sehr lebhaft für die sozialen Probleme. Neben dieser grundsätzlichen Gemeinsamkeit verband beide die Abneigung gegen Drsterreich. der La stalle schon 1S.'>9 beredten Ausdruck verlieben, und innenpolitisch die gemeinsame Frontstellung gegen die Liberalen." Unseren Völkischen gegenüber ist es notwendig, die Tatsache sestznstelken, daß der Begründer des sogenannten „jüdischen Marrismns". Bl a r r. zeitweilig von g r ö ß e r e m Rtißtrauen gegen L n s s alle beseelt war, als der preußische Junker Bismarck. Heinrich (Hrünscld 60 Jahre alt. Ter Mitinhaber der über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten Firma F. B. Grüuwld. H e i n r i ch G r ü n i e l d. beging gilt 1h. April seinem <50. Geburtstag. Das Wirken dieses Mannes, dem Bermssgen.ossen und Behörden estrteu, k-ederltet eine der Tatsachen, die die unzerstörbare Berbundenl;eit deutscher Juden mit deutschem Land und deutschem Geiste dar!egen. 1900 über siedelte Heinrich Grnnseld. der bis dahin die Leitung der Landeshuter Fabriken unter sich gehabt hatte, nach Berlin. Er wurde Bo rußender des Verbandes des Berliner Einzelhandels. Mitglied der Berliner Handclslaunner und des Reichswirtschansrats. ^rein Ncrmeuszug ist aus allen R e n t c n b a n f n o t e n als Rlitglieo des Vern-altungsausschusses der Deutschen kltentenbank zn finden, dem Beirat der Deutschen Reichspost gehört er als Vertreter für Handel und Industrie an. Auch die private Wohltätigkeit verdat!!: in materiellec und organisatorischer Beziehung ihm. als dem Mitschöpfer der Zentrale für Private Fürsorge unendlich viel. Auch wir sprechen dem Jubilar, der uns treue Freundschaft für den G.-B. oft bewiesen har, unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Luöwig Gas§. Zu seinem f st n f 3 i <5 ft e n © e b 11 r t? i a q e. Am 10. April feiert Dr. Ludwig Haas seinen fünfzigsten Geburtstag. „Feiert" ist wahrscheinlich ein falscher Ausdruck. Denn dieser körperlich und geistig gleich Jugendfrische. >der mit wwebiegbarer Spannkraft begnadet scheint, wird diesen Tag vermutlich jo wenig „feiern" wie die anderen Tage seines Lebens, die nur von einem llebermaß vielseitiger Arbeit erfüllt sind. Ludwig H aas wird mit Humor feststellen, daß er nun auch in das Zeitalter der Jubiläen eingerückt ist, und er wird die ihm ungewohnte Rolle des Jubilars mit aller Resignation über sich ergehen lassen. Es ist hier nicht am Platz und nicht unseres Amtes. c'n v 0 l i - t i s ch es Charakterbild von Ludwig Haas zu schreiben. Bder einmal unternimmt, die politische Geschichte unserer Zeit und die geistigen Zusammenhänge dieser Geschichte zu. schreiben, der wird auch au der Persönlichkeit und Wirksamkeit von Ludwig Haas nicht vorübergehen können. Er wird dann nicht nur als Parteimann. sondern namentlich als der ausgezeichnete Vertreter einer über das enge parteimäßige B l i cr f e l d w e i t h i n a n » g r e i f c n d e n demokratischen Delta 11 - f ch n u li it g it n d K u l t n r a u f f a s s u n g seine gerechte Würdigung finden. Und wer die Geschichte der badischen Revolution schreib!.. lvird. gleichviel, welches sein politischer Glaube ist. mir Anerkennung feststellen, daß ein demokratischer und jüdischer Minister dem letzten Ludwig Haas. Großherzog von Baden den würdigsten -Abgang gesichert Hai, den ein dcur'chor Fürst gefunden hat. Wir vom Gentralverein dürfen aus einem anderen Grunde mit einem Worte des Dankes und der Freundschaft nicht fehlen. Wenn man genauer hinsieht, findet man unter den in der Front des politischen Kampfes stehenden Juden nicht viele, sondern eigentlich b e s ch ä ui e 11 d w enige, die 0. u s i n n e v ft c m H c r z e n s - b c d ü r f n i s für das gleiche und gute Recht ihrer Glaubensgenossen eiutreten. Zu den Besten unter diesen Wenigen gehört Ludwig Haas. Er hak es nicht erst lernen müssen, sondern es ist mit ihm groß geworden. Er würde sich fürwahr für einen schlechten Demokraten halten, wenn er anderen zwar das ewige Ideal des gleichen Rechts predigen, es aber für sich und seine Glaubensgenossen nicht mit aller Leidenschaft verfechten würde. So dachte er. als er vor dreißig Jahren in der E.-Verbindung Badenia zu Heidelberg mit Schläger und Säbel für die Geltung des jüdischen Studenten kämpfte. So dachte ec. als er vor zehn Jahren als Kriegsfreiwilliger hinauszog und sich aus den Schlachtfeldern in Flandern das Eiserne Kreuz I. Klane erwarb. So denkt er heute noch, wenn die Bitte um Hilm und Schutz gegen das Unrecht der- Judenhasses an die Tür des vielbeschäftigten Anwalts oder Abgeordneten pocht. Er hat sich uns niemals versagt, nicht in tteinen und nicht in größeren Trugen, er ist immer ohne sluspuuch ans Tank oder Entgelt für das verletzte Recht eingetreten. Das Schicksal hat cs mit Ludwig Haas eigemUch immer recht gut gemeint. Nun soll cs ihm auch noch eine Anzahl Dezennien der vollen Scstafsenskrast für das öffentliche Wohl und für seine lieberzengnng schenken. Das ist. unser Wunsch für ihn und für uns. Dr. Jacob M a r r (Karlsruhe). Jeden wMjh am §6. fipmh