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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-17 · 16 (17.4.1925) · p. Seite 283

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
16 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
Seite 283 (sequence 5)
Language
German
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283 Eskaus „hermannsbotschaft". Eine A u f l a g e von einer Million Stuck. In den Kreisen Der Freimaurerlogen macht seit geraumer Zeit Herr Robert F. Es kau in Hamburg gewaltig von sich reden. Er fampft mit Briefen und Broschüren, die in Hnnderttausenden vm: Exemplaren verbreitet werden, gegen den angeblich jüdischer! Einfluß in den Logen in Deutschland und in der %&dt. Jetzt hat er einen Bund „D i e H e r m a n n s s ö h n e" gegründet, und diese Hermannssöhne sind cs, die ihn-anscheinend beauftragt haben, eine Broschüre „D i e Herm a n n s b o t s ch a s t" Ostern 1925 in eine r 3.U jllion Auslage hcranszugebeu. . In zwanzig Kapiteln »verden die wichtigsten Stände Deutschlands namentlich angeredet und die ihnen von seiten des Judentums drohender: Gefahrei: ansgöfuhrt. Die Sprache ist lustonders urwüchsig und vielleicht mag alss der sagenhafte Hermann in deri Ilrrväldern Rorddentschtands seine Ehernster kommandiert haben. Ten Bank- und Börsenleuten wird gesagt: ..Ihr seid die Hyänen der Menschheit". Die deutschen Bühnen sollen Deutsche „wie Pest- Häuser meiden". Hervorragenden Anteil an der „Wiedererweckung echter deutscher Kunst hat der bekannte Bortragskünstlcr Gustav Hildebrand in Kotrbus". „In den Organisationen der Großindustriellen entscheidet das große Maul und der größte Geldbeutel." Den deutschen Pastoren ruft Es tau, der Gewaltige, zu: ,.1lud was tun Sie, meine Herren Pastoren? Im Grunde genommen verraten Sie die gesamte Christenheit und verlausen sic au die Juden!" Den Rabbinern weist der hellseherische Estän nach, daß auch die „Synagogen wackeln". „Tie ganze deutsche Politik", so schreibt er anderswo. „ist nur eine unterbrochene Kette von Erfolgen jüdischer Balschischkunst". Es ist ein Trost, zu wissen, das; solche politische Botschaft von Esten: an sämtliche Minister, 1970 Abgeordnete des Reichstags und der Landtage sowie an 120 MO Vandwirte gesandt worden ist. Da auch der gute Homer bisweilen schläft, so hat Estan an einer Stelle vergessen, daß nach seiner Theorie das Judentum die gefährlichste und mächtigste Organisation in Deutschland, wie in der Weit überhaupt sein soll. Auf Seite 29 entschlüpft ihm das Geständnis: „Tie mächtigste Organisation, die wir in Deutschland haben, der Rcichslandbund". sei „eine ungeheure Macht". Aber lieber Robert F. Eslan! Zur Es ft. i nB ro schü re erhalten wir aus den; Reich noch folgende sehr lehrreiche Zuschrift: Mein Bekanntenkreis ist sehr umfangreich. Er umfaßt Aerzte. Anwälte, Richter, Großkausleute, Geistliche aller Konfessionen, auch einzelne Politiker. Tie Feiertage der letzten Woche, die allerorten Gelegenheit boten, die nreisten von ihnen, wenn auch nur im Borübergehen, zu spreche;!, brachten mir etwas Ermüdendes und doch zugleich in gewissen: Sinne Erregendes. Denn alle meine Bekannten begannen das Gespräch: „Haben Sie schon-" und dann kam regelmäßig eine weiße Broschüre zum Vorschein, die ans der Titelseite das Hcnnanndenkmal trug und darüber den Titel sehen ließ ,.H e r n: a u n s b o t s ch a f t 1925". Meine Bekannten hatren einige stellen bereits gelesen und trugen sie vor. Die allgemeine Heiterkeit wurde von einer unmißverständlichen Gebärde nach der Mitte der Stirn begleitet. Niemand uahn: den Verfasser ernst. Rur ich selbst begann nachdenklich zu werden. Mir war die Lust am weiteren Spaziergang genommen, Rieht daß die bombastischen Drohungen der Flugschrift hieran schuld gewesen wären. lieber deren Wert war ich nur meinen christliche n Freunden einer Meinung. Wohl aber erweckt die u n g e h e u r e E n e r g i e i n i d e e l l e r und ui a t c r i c I l e r Beziehung des Verfassers in gewissem -Aaste meine Bewunderung. Welche Geldmittel, wieviel A r b c i t s k r ä s i e müssen hinter dieser völkischen ft ehe stehen! Ich bat einen Buchdrucker, mir ungefähr zu sagen, wieviel die.HerstelLungskostcrr der Broschüren betragen. Tann stellte ich die sonstigen Unkosten bei einer Versendung von NW 900 Stück fest, und das Ergebnis: das Adressenschreibe« , « , fiOOfl Mark die Briefumschläge , , , , 2 301* das Porto NttlUM die Druckkosteu r>5 (MKi also insgesamt 1*3 300 Mark konntcu, nicht iubegrifsen die "ähnc für das Kuvertieren und zur Post schassen der Auslage, in dem t a p i L a l a r m e n Deutschland, in dem r a tz L l o s e Boltsgen offen ohne Brot und Unterkommen sind, in dem Selbstmorde aus Rot die Leitungen füllen, von einem einzigen Fanatiker aufgebracht werden. Wie gesagt: mich ängstigt w.cht dieser schmutzige Schnees,:ll ans die Köpfe der deutschen Intelligenz. La-hätte der Verfasser -sich lwLellslosere Kreise anSsuchen müssen, um mit seinen: Pamphlet politische Wirkung Zw erzielen. Aber eine starte Beschämung ergriff mich, alcich an die Sitzung des Abwehrausschunes unserer E. V.-Ortsgruppe dachte, die ergebnislos verlief, weil für die Versendung von 650 Abweh r - s ch r i f L e n die Mittel nicht aufgebracht werden konnte n. Und dabei Lastet auf uns die eherne Droh u n g nuferer Z u rückjetz u n g und Entrechtung. Wann wird endlich das deutsche Judentum zur E r k c n n t n i s seiner Pflichten gelangen? Ich sehe schon, wie sie alle wieder kommen, die Lauen und Gleichgültigen, wen« die politische Atmosphäre erhitzter ist, und dann dem EentraE verein ihr meist bescheidenes Scherslein ausdrängen, um sich so. moralisch wenigstens, versichert zu fühlen. Und ich hoffe, daß es dann nicht zu spät sein möge . , . Pros. T. L. Ein Ehrrnzeugm's rviöer willen. W o l; o g e n s „ t r a u rige Grke n n t n i s s e i « o r S ü n g e r f a h r t e n T Don Heinz 31 ende r g e r (Nürnberg'. Im Jahre 1921 traf :nan hie und da auf ein schlichtes. harmlos anssehendes Buch, nicht zu dick und nicht zu dünn, das den sehr in Molltonart gehaltenen Titel trug: ..Fahrende Sänger von k'iiu". Karl A nzengr n b e r , Ludwig ^luzeugrubers ebenfa-l^ schftstüeUernder Sohn, hatte unter diesen: Titel eine Sanuulung von Erlcllnistcu de:rtscher Dichter aus ihren Vortragsreisen zm'an'.mengestcu;. die die Autoren selbst erzählten. Franz Karl Ginzken halte recht warme und gefällige und doch ganz kluge Worte der Einführung aftchrreven und ein'.mdsiebzia. teils mehr, teils minder vecknuNe Auwreo, teils Dichlor, teils wohl auch nur Slribeuft-n hotten Wertr-ollc« und Wertloses, Gefälliges und Aggressives, Wahrheit und Dichtung veigeireurrt. Auch Ernst Freiherr v. Wo l zog eich Puppling lei Woisratshausen, befand sich unter den Selbstbetennorn, und zwar nur einem Beitrag „Die traurige Erkenntnis meiner Sängorfa'hrtcn". Man durste wirklich gespannt sein, zu welcher Errcnuinis der Vrettwaron ge'ionnuen sei, der als fahrender Sänger mei;r denn vierzig Jaure sämtliche deutschsprechenden Länder Mirmwnwpas, aber auch Rußland und die Neue Welt durchzogen hatte. Itiib gerade in oieftn Dogen, da er seinen 60. Geburtstag feiert und man hoffentlich obieuiv genug v-e-bt. feine literairscheu. Verdienste nicht zu schmälern, aller auch reiiüei-i, daß er — wie hier wiederholt dargelegt wurde in* Lager der n a i i o - na len Tend e nzs ch r i s t stc l le r belour übergegangeu in, cui^ behrt das Zilsanunensassende Schtuftrert seines damaligen Beitrags nicht eines besondere« Reizes. v. Wolzogen berichtet über feine Fahrt durch Nordamerika und erregt sich über die dort Wwrschoudc ia'.w^mannschastiicre. en.asterzige Vercinsmcicrci. Er schreibt daun: „Eine wirkliche innere Teilnahme für deutsche Dichtung findet u:ai: drüben nur bei Einzelpersonen, aber sick^rlich nicht bei ,>ll;llosen Vereinen der Sänger-, Kegel- und Tarnbrüder, oder bei den engeren landsmannschafttichen Konventiketn. In Re:v?)ort nliciit kMeencte uns e i n literarischer Klub. Wir tvsren glücklich, seincrEiuladung zu folgen, in der Hoffnung, doch endlich einmal eia verständnisvolles Pulllitum Zlt finden. Aber siehe da. dieser"!! i t e r a r: s ch c K! u b b e - stand fast ausschließlich ans Juden! Ein Ravbincr war der Vorsitzerwe. Jawohl, meine lieben Landsckme, das ist die traurig e E r k e n n t n i s, die icrj nu-7' inc-incn Däugeriahrien gezoge!: habe: verpflanze den sogenannten Deuischei: in rvelchen Winkel Wß?lt du willst, er wird in seines Gemütes liesite« Gründen immer Vorponnner oder Hinierpommer, immer Otwrbaher oder Riedervahcr. Lippcdeimolder oder üienßschleizgreizer bleiben. Auch wenn er ucch so begeistert und bierselig vaterländische Lieder singt und vaterländische Banner schwingt. Derweil verwalt-. i der Jude tatsächlich, wie es seinerzeit Dr. Moritz Goldsrein im „Kunstwart" verkündet hat, die deuiststeu Kulturgüter und rnsoesondero die deutsche Literatur. Und deshalb wird überall i m A u s l a n d c die intelligente Jude n - scha f t für die eigentliche V e r r r e t u ng des de n t s che:: G e i ft c s a « g esehe n So war es seit Jahrzehrüen bereits, und da selbst der blutige Krieg mit seiner Gewaltlnr versag. ir.K. wird es rvohl auch so kleibcu. Galt sei v getwgt! Jedcu:fal!v ist es ein zivcist'thasleo Vergnüge:;, ein deutscher Dichter zu heißen? Also Freiherr v. Wolzogeu. Heinrich Heine süßte seine Ansck^uung elivar? anders, und im »stbrigeu scheint der dentsra dichtende Freiherr doch ganz gern da^ Honorar des jüdischen literarische'.; Klubs in Rc'.o -Hort eingesteckt zu haben. Aller - - Kommentar ist ja überflüssig! *) Bon n:t5 $?rpfr:f. Die LPck-:llr.

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