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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-09 · 15 (9.4.1925) · p. Seite 266

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
15 (9.4.1925)
Date
1925-04-09
Page
Seite 266 (sequence 11)
Language
German
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£2» 2GG Zum SchuküKfang. . "'Eine große Anzahl werdender nnb gewordener Menschen durch- .dringt das erhöhte Lebensgefühl des nmgeßaltend-en Frühlings mit besonderer faszinierender Gewalt; denn es ist ja der Frühling, der Ahnen ganz neue Ziele steckt, neue Ausblicke eröffnet auf ein von Mrem bisherigen Sein völlig Verschiedenes. * Da find in erster Reihe die kleinen Sechsjährigen, die rmt ihrem, nach frischem Leder duftenden, funkelnagelneuen Ranzen i auf dem Rücken, in Erwartung des großen kommenden förmlich er-! starrt, von der Mutter auf den ersten Schulweg begleitet werden. Ein ganz neues Leben! Bisher waren sic immer unter Angehörigen oder Bekannten, jetzt geht es hinaus unter Fremde. Menschen finb gut, das wissen alle wohl behüteten Rinder: denn wenn sie artig und gehorsam waren, ist ihnen nie etwas Böses von Menschen geschehen, rmd wenn sie ungezogen waren und Strafe bekommen haben, dann war das traurig, aber sie hatten cs verdient: lein Erwachsener hat , ein so ausgesprochenes Gerechtigkeitsgefühl wie ein Kind. Ten Bc- , griff des Feindlichen kennt kein unverdorbenes Kind. Aber der Begleiterin des Kindes, der Mutter, ist das Herz nicht so leicht, noch dazu, wenn es eine jüdische M u t t e r ist. Die jüdische Mutter hat Angst für ihr Kind, das ahnungslos, hosinnngs- , freudig einer Umgebung entgegeneilt, wo Feinde lauern, die sich 'auf das Wehrlose stürzen werden. Tas Kind hat zu Hause gelernt, daß es Jude ist, die ersten Begriffe seiner Religion sind ihm kingelcbt worden als etwas ganz Selbstverständliches, rein Innerliches, Keusches. Und nun kommt es vielleicht zürn ersten Male mit Kindern anderer Konfessionen zusammen, und diese anderen Kinder sind vielleicht so erzogen, daß ihnen der Jude als etwas Verächtliches geschildert worden ist, sogar die neuen Lehrer, denen das Kind mit hingebungsvollstem Vertrauen entgegeugeht, sind vielleicht keine Freunde der Inden. Das Wort „I u d e", verächtlich oder gehässig ausgesprocljcn, fällt wie ein Schnitt in die weiche, unberührte Kindessecle. Das ist ein tiefer, das ist der erste Schmerz, weil unverdient, keine Traurigkeit, sondern Schmerz. Wenn sich doch die Menschen dessen bewußt würden, was sie in diesen Augenblicken zerstören! Christlichen Eltern und Erziehern muß das Verantwortlichkeitsgefühl gerade in diesen, vielleicht für immer entscheidenden .Augenblicken im Leben des jüdischen Kindes geschärft werden. Gertrud Coldberg. Die Wandlung m imfcro Rmösm» Don Margarete Fried. Es gehört zu den wesentlichsten Ausgaben unserer Frauen und .Mütter, die Ursachen, die die geistige und körperliche Entwicklung 'unserer Kinder beeinflußen, zu erkennen, das heißt ein besonderes! Augenmerk auf die verborgenen Mitarbeiter am Erziehungswerke Lu richten. Unsere jüdische Frauenwelt ist mit sozialen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Pflichten so überladen, daß es schwer füllt, auch noch die Verpflichtung gegenüber den geheimen Miterziehern jder Jugend zu betonen. Die besonderen Schwierigkeiten unserer Zeit haben es mit sich gebracht, daß der patriarchalische Charakter unseres Familienlebens verschwunden ist. Ter einseitigen Er- Ziehung von seiten der Eltern steht die Beeinflussung durch die Umwelt in stärkstem Ausmaß gegenüber. Ob wir diese Beeinflussung gutheißen oder ob wir sie verneinen, ist von untergeordneter Bedeutung. Wesentlich ist, daß wir ihr Vorhandensein an unseren Kindern beobachtet haben und daß wir den dadurch entstandenen neuen Erziehungsproblcmen uns nicht entziehen wollen. Es ist zunächst der Krieg und seine Folgen in die Erscheinung getreten. Tas Bedürfnis, Gott zu suchen, ein göttliches Gesetz in den. Geschehnissen der Weltgeschichte zu erkennen, hat unserer Zeit eine religiöse Wiedergeburt gebracht. Tie erzsehliche Beeinflussung der Umwelt macht sich Zunächst auf religiösem Gebiet bemerkbar. Es ist nicht übertrieben, wenn behauptet wird, daß in der denkbar kürzesten Zeitspanne wir Frauen und Mütter einer bewußt jüdischen Jugend gegenübergeücllt worden sind. Religiös eingestellte Eltern haben diese Wandlung freudig begrüßt, glaubensstarke Eltern erblicken in ihr die Erfüllung des messianischen Wortes: es kommt die Zeit, da auch die Jugend zum Berg des Herrn pilgert. . Aber ein großer Teil unserer Kinder, die f "■ jefct bewußt jüdisch einfiellcn, stammt aus Elternhäusern, in denen bas Judentum längst zu den alten Arien gelegt worden ist. Es ist somit nicht verwunderlich, daß viele Eltern einer Jugend fremd gegenüber stehen, die die alten Akten hervorholt, um den Staub von ihnen zu nehmen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß in den Häusern, in denen dem religiösen Gefühl der Jugend nicht Rechnung getragen wird, in denen also der Beeinflussung durch die Umweit cntgcgengebandelt wird, die fügend sich mehr und mehr dem Elternhause entzieht. Der Kern, ^- - v ~ ~tvu‘ öu uuu äu üLtaujciitii. \\i mci}t wahr, van Die Jugendbewegung die Kinder denr Elierichause entfremdet; die vielen Klagen unserer Zeit, daß daZ übermäsuge Lelbstbcn'untsein der Jugend eine oolgcerscheuiung der Jugendbewegung sei, sind nnbegründet Lrar müssen den Mut haben, Folgeerscheinungeü nachteiligeu.Charakters durch ihre Ursachen gu beseitigen. Es ist eigenartig, wie leicht wir Mütter die Lebenslust unserer Häuser erneuern, wenn es sich um die Umgestaltung gesellschastlicher Formen handelt, wie schwer wir aber dazu zu bewegen sind, den Luftzug jüdischen Lebens hereinzulassen, der die Umwelt uw serer Kinder durchdringt. Tie Bereicherung unseres Familienlebens durch, das Wiederaufleben unserer Feste und Gebräuche steht in engstem Zusammenhang mit der religiösen Wiedergeburt, die wir au unfern Kindern erleben. Eine Lebenswahrheit sollte auch diejenigen unserer Frauen nnb Mütter, die dem Zeiterleben gegenüber in ihrer Passivität verharren, ausrütteln: Die Kräfte, die im geheimen wirken, haben noch nie die Tiefe und Nachhaltigkeit ihres Charakters verleugnet, so wie es auch in dem alten Sprichwort heißt: „Stille Wasser sind Lies", stussichtsrsiche ßrkueriöeeufe. Lehrerin der H a u s w i r t f ch a f t s k u n b e. — Gewerbelehreri n. Aus jeder Tagung, aus dem Bericht jeder Anstalt tönt uns die Klage über den Mangel an gut ausgebildeten Kräften für die wirtf schastlickw Leitung unserer Heime entgegen. Ter Verein zur A u s b i l d u n g j ü d i s ch e r H a u s b e a m t i n n e n berichtet, daß sich inzwischen etwa 60 junge Mädchen zur Erlernung des hauswirtschaftlichen Berufes gemeldet haben. Aber nun" kommt die Schwierigkeit: Es fehlt an geeigneten Lehrkräften in den Anstalten, die in der Lage sind, diese jungen Mädchen auch wirklich praktisch und technisch so auszubilden, daß sie allen Anforderungen gewachsen sind und fruchtbare Arbeit leisten können. Manche Anstalten haben aus Mangel an Lehrkräften ihre Ausbildungsarbeiten aufgeben müssen, so Ahlem — an anderen fehlt es an der sachgemäßen Pädagogik, die für solche Aufgaben unbedingt erforderlich ist. Deshalb ist es notwendig, daß jüdische Gern e r b e l e h r e r i n n e n in genügender Zahl vorhanden sind, die dann einen Stamm leistungsfähiger Hausbeamtinuen und Haushaltspslegerinnen heranziehen können. Nur ganz wenige jüdische junge Mädchen haben sich bisher dieser gründlichen.^systematischeu Ausbildung unterzogen, deren Lehrgang in jedem Stadium Aussicht auf gut besoldete Anstellung bietet und der Kenntnisse vermittelt, die nicht nur im beruflichen Leben nutzbringend zu verwerten sind, sondern die ebenso für jede Hausfrau, sie stehe an welcher Stelle auch immer, reiche Früchte tragen. Vorbedingung für die Ausbildung ist: Vollendetes 17. Jahr, Reifezeugnis des Lyzeums oder Abgangszeugnis einer zehnklassigen Höheren Mädchenschule oder einer neunstufigen Mädchmmittelschnle oder Dersotzungszeugnis in die, dritte Klasse einer ^tudienanstalt. Erwünscht ist auch der Besuch ein er einjährigen Haushaltungs-- oder F r a u e n s ch n I e. Daran schließt pdf ein Zweijähriger technischer Lehrgang an, der eine gründliche Ausbildung in allen Hauswirtschaftlichen Fächern, Handarbeit, Wüscheansertigcn, Pädagogik u. a. vorsieht. Nach dem Besuch dieses technischen Seminars wird ein Examen abgelegt, und man erlangt die Berechtigung einer Lehrerin der Hauswirtschnststunde und der weiblichen Handarbeiten. Tie Anstellungsmöglichkeiten für diese Lehrerinnen sind vielfache; tüchtige, gut ausgebildete Kräfte finden an A n st alten, K i n - b e r!) e t m c n , Schulen und Krankenhäusern gilt bezahlte Anstellung. Dieses Gramen kann an vielen größeren "Plätzen gemacht werden, z. B. in Köln, Frankfurt, Berlin, Tüsseldors,' Hamburg u. a. An diese Ausbildung schließt sich die der Gewerbelehrerinnen an. Aufnahmebedingung in das Seminar ist vollendetes 19. Lebensjahr nach vorheriger Ablegung der Prüfung als Lehrerin der Hauswrrtschastskunde und " w eidlichen Handarbeiten. Es folgt ein llchähriger Kursus, der rn fachliche und' praktisch-pädagogische Ausbildung Zerfällt. Tann folgt ^jährige praktische Tätigkeit hauswAtschastlicher und sozialer Art an einer Wohlfahrtsanstalt, einem Säuglingsheim oder einer ähnlichen Einrichtnug. Nach Abschluß der Prüfung erlangt man die Berechtigung, als Gewerbelehrerin an staatlichen und anderen Schulen lehren zu können. Tie wenigen jüdischen jungen Mädchen, die diesen Berns ergriffen haben, hatten den Erfolg, daß sie sogleich, sei es in kommunalen, sei es in sonstigen Anstalten, günstige Anstellung fanden, in Gehaltsklasse und Pensionsberechtigung etwa einer Oberlehrerin entsprechend. Ter Jüdische Frauenbund sicht es als seine dringende Aufgabe an, dem Mangel an Lehrkräften entgegenZutreten, und rust alle zur Mitarbeit an diesem notwendigen Werke auf. In Rh c yd t besteht eine staatliche Handels- und Gewerbeschule für Mädchen, die Hcrusbeamlimwn, Hauspslegerinnen, technische Lehrerinnen und Gewerbelehrerinnen ausbildet. Während die anderen Zweige des hauswirtschaftlichen Berufes an vielem Plätzen erlernt werden können, bilden nur ganz wenige Seminare Gewerbelehrerinnen aus. Die Kurse für diese in Rheydt, die nur alle VA Jahre beginnen, sind sehr überfüllt. Es wäre jedoch möglich, daß bei sofortiger Anmeldung noch einige junge Mädchen für Oktober 1926 Berücksichtigung finden. Für Unterkunft und rituelle Verpflegung wird gesorgt, auf Antrag könnte auch strebsamen jungen Mädchen für die Ausbildungszeit eine ^tudienbeihilse gewährt werden. Es besteht die Möglichkeit, der Rheydter^Schule einen besonderen Kursus für die Ausbildung jüdischer Gewerbelehrerinnen anzngliedern, vorausgesetzt, daß sich wenigstens zehn bis zw öls ausgebildete technische

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