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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-09 · 15 (9.4.1925) · p. Seite 263

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
15 (9.4.1925)
Date
1925-04-09
Page
Seite 263 (sequence 5)
Language
German
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263 teieiten gehabt. Dt a n achter die Pflege der Eigenart auch im andern Lager und trägt, wenn man es hat, auch schon einmal einige Bausteine hinüber. Und aüetncl Note sind gemildert gerade in den lehren Jahren Lurch Liebesgaben und Pakete nach der Heinrat, oder in Beratung und Fürsorge der vielen, nur zu vielen Eimvanderer. Ob Christ, ob Jude, ob reich, ob arm, einerlei, a i g Deutscher utib a l s M c n s ch, j e d e r h a l s n a ch Dt a ß - gäbe seiner Kraft e. Ausnahmen bestätigen auch hier nur die .< E. Zy lnrmtit, Auslaudspsarrer. TolLrünz rmö DLlöfamksr't. D r. Marx über sein P r v g r a in m. Ter Vertreter der Wiener „Neuen Freien Preüo" hat Gelegenheit gehabt, den Kandidaten des BolGblocks, Reichslanzler a. D. Tr. Marx, im Reichstage über sein Programm zu sprechen. Aus dem Bericht der „Neuen Freien Presse''' rmm 5. April d. I. über diese Unterredung entnehmen wir das folgende: In der inneren Politik besagt das politische Programm .des Dr. Marx unter anderem, das; Gesetzgebung und Verwaltung von sozialem Geist erfüllt sein sollen, vor allen: aber bezeichnet Dr. Marx als seinen Grundsatz die Toleranz. Die Besorgnisse, mit denen man in gewissen protestantischen Kreisen einer Präsidentschaft des Dr. Marx entgegensieht und .die sich daraus herleiten, das; er lange Jahre hindurch ein .Führer der katholischen Schulbeweguug gewesen ist, sind vollkommen unbegründet. Nichts liegt Dr. Marx ferner, als religiöse Kämpfe entfesseln, als eine streitbare Kirchen- oder Schulpolitik treiben zu wollen. Dr. Marx bekennt sich aus voller Ueberzeugung zum Grundsätze der Duldsamkeit gegenüber allen Religionsbekenntnissen. Gr wird niemals verständigen Fortschritten im Schulwesen ein Hindernis bereiten oder die Freiheit der wipenschastlichen Forschung beschränken. von mm wrrö pnufjzn regiert? Aus der Wühlarbeit des Reichs b lock s. Ter Kandidat des Reichsblocks für den Reichspräsidenten- Posten, der Reichsminister a. D. Oberbürgernwister Tr. Jarres, hat zwar, wie wir schon berichteten, sich dem deutschen Judentum gegenüber übelwollend nicht verhalten, dagegen haben Prolpaaandaredner des Reichsblocks in Versammlungen, in Ebenen für die Kandidatur Jarres geworben wurde, sich nicht gescheut, i Wählerstimmen durch Judenhetze einznsangen. Zu den von uns! bereits gemeldeten Fällen erfahren wir noch folgende: In Jnster- -bürg sprach am Abend vor der Wahl der L a n d t a g s a b g e 0 r d - inete v. P l e h w e - D w a r i s ch k e n und sagte: „Preußen stvird von Juden und Jesuiten regiert. Ter frühere : Reichskanzler Marx ist der Oberjesuit. Seit Monaten spielt er sein ^Intrigenspiel mit dem Landtag, seit Monaten lasten Juden und Jesuiten den Landtag nicht zur Arbeit kommen 311111 Schaden des Vaterlandes.' Es kennzeichnet die Mentalität des Herrn;t>. Plehwe, wenn er dann weiterhin sagte: „Ich habe nicht gewußt, stvas ein Jesuit ist, ich mußte mir erst das Konversation?- -lexikon vorholen und Nachsehen —'* Herr v. Plehwe schloß seine ^Ausführungen: „Darum alle, die ihr hier versammelt seid, schreitet > morgen zur Wahl, kemcr darf fehlen, und wühlt . . T Hier wurde 'der Redner unterbrochen durch den Zuruf: „Ludendorff' und „Heil, Ludendorss" klang es von der Galerie und aus dem Saal, worauf Herr v. Plehwe recht wehmütig erklärte: „Aber, meine Lieben, der herrlich? General, dein voir Ostpreußen und speziell ich so viel verdanken, ist doch a l s P 0 l i t i k e r a b g e t a n. Es ist tief traurig, daß dieser Verehr u n g? würdige von seinem Kothurn h e r a b g e st i e g e n ist ins Parteigezänk." — „Ludendorff, heil, heil!" schallte es ihm dann wieder entgegen. Bei der Einstellung des Herrn v. Plehwe kann man wohl 'annehmen, daß er von den Juden genau so viel weiß, wie von den Jesuiten, und daß er wahrscheinlich auch erst im Konversationslexikon nachgesehen hat, loa? Juden eigentlich sind. In Marienburg sprach als Redner des Reichsblocks der Berliner Rechtsanwalt Everling und sagte: „Wir kämpfen gegen Ich d e n . und F r a n z 0 s c n h e r r s ch a f t.' Das 'ist die erneute schmachvolle Wahlparole, mit der die Dcutschnationale Vollspartei ilh den Tezemberwahlkampf gezogen ist. Tie Versammlung wurde mit dem Ruf: „Es lebe der König!" geschlossen. Es ist nichts darüber bekannt geworden, daß Minister Jarres oder der Reichsblock gegen das Auftreten dieser Redner Stellung genommen hätten. Eins völkische Bluttat vor dein Schwurgericht. D i e Täter zu Gefängnis verurteilt. In der stacht des ersten Wcihnachtsscier!ages svielre sich in T i l*. s i t eine Bluttat ab, deren Beweggründe der völtischen Haßsaat entsprießen. Ter jüdische Har.dlnngsgchilso Simon kam zwischen 12 und 1 Uhr nachts an der „GcrichGhallc", die als Verkehrs lokal der völkischen Verbände mit dem Damen ..Gitter-Keller" bezeichnet wird, vorbei, als in dem Letal gerade die Weihnachtsfeier des Bundes „Jnngmanneu Preußen" stattfand. Simon nahm au, daß die Polizeistunde ohne Genehmigung übemchriucn war und sprach darüber mit einem Schupobeamtcn. Dieses Gespräch wurde von einem Gesinnungsgenossen der üierudcn Jnngmamun belauscht, der es an die Teilnehmer der Weihnachtsscier verriet. Daraus besprachen der etwa Llljährige Schlesier H e n s e l m a n n sowie der Schneider Fel gen dreh er und der Schncidergeselle T o m u - schert, von denen zwei dem „Preußenbnnd" und einer dem völkischen „Frouuämpserbnnd" anaehören, daß sie „dem Juden" einen Denkzettel verabreichen wollten. Sie versuchten, Simon zu verfolgen, verloren jedoch seine Spur. Zufällig trafen sie ihn daun vor dem. Bahnhof auf der Treppe des Hauptportals. Felgendreher ließ sich von Tomuscheit seinen schweren Eichenspazierstock geben und versetzte Simon damit zwei Schläge über den Kops. Simon brach zusammen. Daun durchsuchten Hmfelmami und Felgendreher noch die Taschen des Schwerverletztem angeblich, weil sie Schußwaffen bei ihm vermuteten. Henselmann bestritt vor Gericht. Simon geschlagen zu haben, doch gab Felgendreher an, daß Hensclmann den Simon mit einem Totschläger bearbeitet habe. Torunscheit selbst behauptet, nicht geschlagen zu haben. Tie Bekundungen des einzigen Zeugen der Tai, des Schaffneranwärters Szamcitat, ergaben, daß die drei Angeklagten'ohne vorherigen Wortwechsel Simon einen kräsiigon Schlag auf den Kops gegeben haben. Nachdem Simon zu Boden gestürzt war, sielen alle drei über ihn her. Als die Tater sahen, daß Szamcitat auf sie Zukam, ergriffen sie die Flucht. Simon blieb noch etwa zehn Minuten auf dem Bahnhof und lies dann plötzlich, als ein Schupobeamter dazu kam, davon. Er muß sehr schwer verletzt gewesen sein, denn nach der Tat befand sich eine große Blutlache auf der Erde. Simon wurde nach dem Krankenhaus überführt und starb dort am nächsten Di argen an den Folgen des Attentats. Er ist ganz Zweifellos ein Opfer jener j u d e n s e i n d l i ch e n Hetze g e - w 0 r d e n , die von d e rr t s ch v 0 l k i s ch e r Seite system ß t i f dj seit Jahren in Tilsit getrieben wird und zu erheblicher Beunruhigung der Bevölkerung geführt hat. Die Geschworenen bejahten die Schnldfrage nach Körperverletzung mir T0dese rs01g. Felgend re h e r und öen» feliuann wurden 311 je drei Jahren Gefängnis. T v m xi [ d) e 11 3 u einem Jahr Gesang n is verurteilt, wobei das Gericht über die Anträge des Staatsanwalts hinausging. In der Urteilsbegrmrdurrg wurde ausgefnhrt, daß alle drei Angeklagten für die außerordentlich rohe Tat, die nahe an Totschlag grenze, verantwortlich seien. Trotzdem hat das Gericht in Anbetracht ihrer bisherigen Unbescholtenheit Felgendreher und Tomuscheit mildernde Umstände zugebilligt. Das Gericht hat geglaubt, auch Oeukelmann. obwohl er vorbestraft, als händelsüchtig bekannt ist und der Anstifter der Tat gewesen ist, mildernde Umstände zubilligen zu müssen, da die Täter infolge des schweren Alkoholgenusses bei der Weihnachtsfeier diesen Ausgang der Tat nicht hätten voraussehen können. Rur aus diesem Grunde hat das Gericht „trotz der S ch lucrc u n d Feigheit der Tat" von einer Zuchthausstrafe abgesehen. RsmmsrZrsmsL Elb (Deesösn) gestorben. Kommerzienrat Mar Elb ist am 5. April in Dresden, 73 Jahre alt, sanft entschlafen. Wer die Geschichte unseres Gcntralvercins kennt, weiß, mit welcher Liebe und mit welchem Eifer Elb, der einer seit langen Jahren in Sachsen ansässigen jüdischen Familie entstammte, unseren Ideen ergeben war. und wie sie ihm Kernstück seines arbeitereichen Lebens bedeuteten. Elb war längere Jahre Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen sowie unserer Ortsgruppe Dresden, um* Ehren- Vorstandsmitglied der Dresdener Jüdischen Gemeinde und war auch sonst noch in vielen jitird::n Vereinen erfolgreich tätig. Als Schöpfer und Leiter eines bedeutenden industriellen Unternehmens erfreute er sich auch in christlichen Kreisen großen Ansehens. Mit Elb sinkt wieder einer der Getreuen ins Grab, die an der Wiege unseres Gentralvereins standen und ihn durch hingebungsvolle Arbeit zu der gewaltigen Organisation gemacht haben, die er heute ist. Mir dieser Arbeit und dieser Hingebung hat sich Elb in der Geschichte des Ccnkralvcrein? sein Denkmal gesetzt.

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