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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-09 · 15 (9.4.1925) · p. Seite 262

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
15 (9.4.1925)
Date
1925-04-09
Page
Seite 262 (sequence 3)
Language
German
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202 Vellksaemcimchaft ift u i ch t 9! a i f c n fl e nt c i n 1 n\a ' Wollte mau iw* tun, daun würbe man unter den Vottsflenvjieu eine Ausw-ahl treffen und damir würde man da-:- Gcinetusckastedaied, das anaeftredt werden soll, iviederum ni kurzsichtiger, wahnwitzige Weife zerschneiden, dem Eigendünkel und fatschen Stvlz würde dadurch ur rrnvcrantwortlicher Weise Vorschub geteistet. Votk-Zgemeiuschast ift eine eoiniiu-uio!no;ul>runu;v. Was heißt das anders als eine Zufalmneneinnnfl und Zmamu'.c'leinigung aller Volksgiieder rurd Volksfl-uvsien. die innerhalb der ^staatlichen Grenzen leben, die eine grosio und lebenouze Einheit darsiellea wollen und sollen, in der rege:- und latentvolles Leben pulst, Volksgemeinschaft ist Ta t g e m e i n scha ft. Ans ledendiacu Gliedern besteht diese Gemeinschaft. n-r'o Lenen Hecht nichts anderes a!S Bewegung und Tun. Darum muf; er ihre Glieder zu Taten treiben, zu lebendigen Taten, die den VelkskSrper z»:n Leben fuhren und anr Leben erhalten, und so nt cs anch Aufgabe jedes Glieder, alles fernzuhallen, was dieses Leben schädigen und cnörei; ronnle. Volksgemeinschaft ist Wi ll en s ge m c i n sch a f t. blicht aber ist es der Witte zur Macht, sondern die Macht des Wittens. Wir wollen zusamniengehbren und Zusammenkommen, um zufammenzttblkiben. Ein solcher Wille >vird zum Führer zu den Hohe» des Eemeinschaftsgedankciis, ein solcher Wille lehrt das Erste und Wesentlichste, das; es nicht die Geschlossenheit nach außen als Macht und das Fnrchteinftößen ist, sondern das; es der innere Wille mir seinen reinen und lauteren Motiven ist. der alle sehadvollcn Bestrebungen ansschliesit, der zur lebensvollen Tat wirke. Volksgemeinschaft ist Friede n s g e m e i n s ch a s t. Wir müssen zusainmensinden ans beu Pfaden des Friedens, ans Wegen, die voin Frieden ausgehen und zum Frieden hinsnhren. Tie Gleichuu.g laritet jedoch nicht: Friede ist gleich Pazifismus oder ungesunder Jnterilationalis-.nuS und Welt- Verbrüderung. Es ist jener Friede, der die Knltnrgrvße ausmachk, Kulturgüter austcilß ein Friede, der nicht einen; Lcichengefang gleicht, mit den; man einen Toten zur letzten Ruhe bestattet, sondern jener Friede, der getragen rvird, Krankhaftes inrd Schadhaftes vom Volkskörper fernzuhalren, der fernbleibt jeder fanatischen konfessionellen Poleniik oder jeder parteivolitischen Zerklüftung. Volksgemeinschaft ist I d e e u g e in e i n s ch a s t. vier müssen die Idee der Gerechtigkeit, der Liebe und der Freiheit Wurzel sagen. Vor allem sei der religiösen Eercchrigkei; das Wort geredet. Nur wenn wir wieder lernen, im Andersdenkenden und Andersgläubige;', auch einen Menschen zu sehen, der auch von guter Zielstrebigkeit beseelt ist, dann kominen wir einen großen Schritt vorwärts im Cen;einschaflsgedankei;. Ein Weiteres ist die bürgerliche Gerechtigkeit, die im ander», einen vollwertigen Mitbürger sieht, und wäre es auch ein Jude, die nicht immer von Forderungen spricht, sondern auch von Pslichten. Und zuletzt die soziale Gerechtigkeit, die erfüllt ist von dem ernsten Streben, auch in dein Arbeiter einen vollwertigen Menschen zu sehen, in denr ebenfalls eine Seele lebt, der also nicht bloß Maschine ist. in dem gleichfalls ein tiefes Gemüts- und Gefühlsleben schlumniert. Gerade hier muß sich die Größe der Volksgcineinschaft ain meisten zeigen, den; Arbeiter zu geben, was des Arbeiters ist; ein Ende zu setzen denr Fabrikarbeiter-Proletariat in dem Dv.nkcl der Mietskasernen ohne Licht, ohne Luft, ohne Boden, ohne Heimat, ohne Freude. Gebet den; Arbeiter, was des Arbeiters ist, dann werdet ibc Liebe ernten, Liebe zu Volk und Vaterland, und verschwinde» wird alle Furcht vor Bolschewismus. Kommunismus. Internationalismus und anderen Schrcckgespensten. Nur von denr Blickpunkte einer höheren Warte ans ist eine Bol kSgcmci n scha ft möglich. Wir brauchen dieKulturdeZ religiös-sittlichen Idealismus und nicht die Zivilisation des kapitalistisch-technischen M a t e r i a 1 i § tu u 8. Man redet heute so viel van Auf- Wertung. Uns tut aber am meisten not die Auswertung des Menschen in seine;,! inneren Zielen und Streben. Ohne sie bringen nn-s alle Versuche nur einen Sabbakweq vorwärts Wir aber wollen zur Höhe. Und das kann nur die N-ligwm Und eine Volksgemeinschaft, gegründet auf diese Eotkcsguadcrn. wird in diesen Zeiten, wo Elend, Not und Bedrückung mit schwarzen Fittichen über unser Volk dahinrauschen. eine Gemeinschaft zuiu -Legen und zur Größe unseres armen Vaterlandes werden. wir alle sind Deutschs. Gedanken eines A n s l a n d p f a r r e r s. Nicht allein der Ausgang des Krieges, der Zusammenbruch stempelt die Gegenwart. In weiterem ciunc stürzte M orsches / lieber lebt es zusammen, trat Neues in Erscheinung, cut* wickelte sich ein Prozeß, der wohl von Krieg. Kriegsausgang, Krieg^solqen beeinflusst, jedoch aus tiefer liegenden umeren Ur-. fachen erfasst sein will. Mag auch erst eine .spätere ,ZeiE feststellen oll die äußeren Ereignisse das Produkt zufälliger eigenartiger Zu- und N'.ustände sind, oder oll der Mcmchengetst wwderuur einen der in der Geschichte des Meusetiengeschkechts seltenen schritte' auä einer alten in eine neue Epoche getan hat. Mag vcelteuht tu; ftätcrcr steit das gewattige Erleben der letztest zehn Jahre ver-' btassen als Mittel zum Ziele für Herausarbeituug der et gen i-' l i ch e n Ai e n s ch e i t s ll e sc i m m u n g, de r Gestalt u n g. u> a h r c n c M e n!)i e n s ch eutu tu s. Gleichviek, der Emdruct! vertieft sich, daß in Deutschland eine Umstellung der Werte sich' Balln briebt, neue Lcvenskräsie in Erscheinung treten, daß man cm! eine bessere Z u t u n f t glauben mochte. Welch ein Um,chwuugh z. B. in der Erzichungssrage, Jugendbewegung, Einstellung aus- 'Jugend, Wert, Eigenleberc und Kultur. lind die mannigfachen! Versuche gegenseitigen Bersteheus scheinbar sich ausschließender Aus-' sassnngen. z.B. im Klasscnbewnßtjein. oder die Annäherungen verschiedenster Schichten im gemeinsam „NeinmenschLicheuA Troll der schweren Belastungen mag es wohl möglich sein, in, kurzer Zeit den deutschen Namen in der ganzen Welt wieder zur Geltung, ja zum guten Klang zu verhelfen, wenn es gelingt, die neuen großen Ideen Allgemeingut werden zu Lassen.. Als Eraebnis muß sich zeigen, daß innere deutsche Wesensart itt; besonderem Maße fähig und willig ist, zur geistigen Erfassung' und Lösung der Meusehheitsproblerue in friedlicher Z u -, jöniiiininv beit au führende Stelle zu treten. Jii dieser N'.chjung winkt uns diu Zukunft, leuchten als Wegweiser lebend;g gewordene Ideen und Kräfte aus dem Tnnkel der Gegenwart. Bei aller Zerrissenheit und Gegensätzlichkeit erleben wir doch ein. Lehnen nach innerer Znßammenfassuug zu einem B o l k s g a n z e u ,? nach einem Siaatsweseu. das alle Glieder verbindet unter gegen-,' seitiger Achtung und'Wertung und Schaffung würdiger Lebens- ' gestältuug und berechtigter Anteilnahme eines jeden an allen. Lebens-', gebieten. Und wiederum, trotz herrschsüchtiger Gelüste und Verirrungen aus dem Machrbewußtsein, auch int Böllerlcbcn ringt sich: allmählich eine höhere Erkenntnis empor, klingen Töne, wenn auchi erst lene und zaghaft, aber Töne tiefer Sehnsucht nach Ausgleich' und Anerkennung aller Kräfte, Verständigung, Versöhnung der' Völker, nach höheren Lebensformen. Ja, es muß doch letzthin das furchtbare Erleben der verflossenen. zehn Jahre schließlich auch seine positiven Werte heraus-,' arbeiten. So grausam kann das Schicksal nicht sein, daß nicht cht' Erwachen möglich wäre, daß unser Urteil nicht durch höhere Gesetze gewonnen werden sollte, l o s g e l 5 st e u d l i ch v o n allen Vorurteilen h a ß - u n b rachl n st e r n e u U n v e rst e h e n s , vermeintlicher Gegensätzlichkeit, gereist endlich an der, tiefen Wesensart reiner, edler Menschlichkeit. T-er Leser schüttelt vielleicht den Kops und denkt: Ideale, ein weiter Weg bis zur Verwirklichung. oder: unerreichbar. Ter Idealist! sehe doch ans die traurige Wirklichkeit, die trostlose Zcrrip.onheisi unseres Volkes, sehe z. B. ans den preußischen Landtag mit batständigen Gliedcrverreitkungen eines en.thaupteten Nnmpses, Ausein.-', anderstieben, Zerfall. Gewiß, tief beklagenswerte Bilder. Aber' gerade deshalb soll der Glaube an Ideale sich hervorwagen und dem ihm gebührenden Platz ein nehmen. Es geht schon, wenn wir! M e n s ch e n gute n W i l l e n habe n. 1922 geriet ich z. B. mi t meiner Schule einer Gemeinde in Mittelvrasilien in schwere sinan-'. ziclle Nöte. Tie Erhaltung der Schule war gefährdet.'! Bon meinen Sorgen und Nöten um die deutsch-evangelische Gemeinde-! schule hörte ein gastweise anwesender Kaufmann. stach Kenntnis-! nähme der Sachlage erbot der Herr sich, alljährlich 1000 Mark f v c i i willig beisteuern zu wollen. Sein Beispiel fand Nacheiferung/ und die Schule war finanziell gesichert. L i e b e z u d e u $i i n d e v n und der Wille Ztir Erhaltung der deutschen Schule' bewog den Gönner zu seiner Anteilnahme. Daß diese Sch-lle nuc; evangelische Gemeindeschule war, störte den Gärtner, der Jude^ war, nicht. Warum auch? Unter Wahrung der reli-! giosen Eigenart zeigt es sich im Aus lau de, wiei viel G e m e i n s a m e s wir als Ausländsdeutsche' h a b e n , w i e v i e l e A u f g a b e n n n § lediglich a l 8 T e u t -! s ch e u n d als Mensch v e r b i rr d e n , ja, w i e nahe w i i u n § ft e fj c n, direkt innerlich verbunden, gerade-' wenn ideelle Aufgaben zu lösen sind. Schulter ali Schulter standen sie zusammen, ob Evangelischer» Kaiholrk oder Jude, einerlei, als es galt, in der! Krtegszert für die Kriegsnote zrr sammeln. Und! wcrm fcyon eirrmal ein religiöser Gegensatz betont werden soll dann^ doch nur tm edelsten Wetteifer, getragen vom Gedanken: wir alle' VÜr? Daß religiöse Aufgaben von Glaubensgenossen' Selbst werden, versteht sich von selber. Aber wenn schon kleine/ mntellose Gruppen sur Lostmg religiöser Bedürfnisse auch einmal jenserts der Ercnzpfähle anklopften, so haben sie es lvohl nie ztr

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