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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · p. Seite 244

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
Seite 244 (sequence 7)
Language
German
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244 Seit wann besteht üie. - ~ - hebräische chuaöratschrift? Ten ebenso interessanten wie präzisen Ausführungen in Nr. 11 der „E. V.-Zeitung" ,.S eit wann i st Hebräisch eine tote Sprache?" könnte eine zweite Frage ungerecht werden: Seit wann h e st e h e n die gegenwärtigen S ch r i f t z e i ch e n , welche nicht hebräisch sind, sondern a r a m ii i j rlj, oder wie der Talmud diese Schristzeichen nennt, assyrisch? Tie alten hebräischen Schristzeichen haben sich nur noch bei den Samaritanern in Nablus (Sichern) bis aus den heutigen Tag erhalten. Im Talmud wird die Veränderung der lchristzeichen Esra oder wenigstens seinem Zeitalter zugeschrrcben. So heißt es inr Traktat Sanhedrin Von Esra: „Wäre ihm nicht Moses zuvorgekommen, so wäre er, Esra, der Gesetzgeber geworden. Aber wenn auch die Lehre durch ihn nicht gegeben wurde, so wurden doch die S ch r i f t z e i ch e u durch ihn verändert, denn es heißt in Esra, Kapitel 4,7: ,Tie Anttageschrist (der Lamariter) war aramäisch geschrieben und aramäisch ansgelegt? An einer anderen Stelle heißt es: Ln Anfang wurde die Lehre in hebräischer Lchrist '.gegeben. In den Tagen von Esra wurde sie von neuem in assyrischer (aramäischer) lchrist und in aramäischer Sprache gegeben. Tie Israeliten wählten für sich die assyrische Schrift und die heilige Sprache (hebräisch) und überließen den „Hcdiotim“ die althebräischen S ch r i s t z e i ch e n und die a r a m ä i s ch e Spracht." „Unter „Uorliotin^' seien die Samariter zu verstehen", fügte ein Talmudlehrer hinzu. n Tie Abänderung der überlieferten hebräischen Schristzeichen wurde vielfach damit erklärt, das; man damit eine weitere Absonderung von den verhaßten Samaritanern bezwecken wollte. >' Neuerdings werden jedoch viele beachtenswerte Gründe geltend ''gemacht, um zu beweisen, daß die althcbräischen Schristzeichen sich im , Volke 'noch I a h r Hunderte na ch (r s r a behauptet baden. - Unter den „II cd io lim“ im Talmud wären nicht die Samariter >'zu verstehen, sondern die ^Lecken, das gewöhnliche Volk, welches sich i von den alten hebräischen Schristzeichen nicht so leichr trennen konnte. Es wird daraus hinge:riesen, das;, wenn wirklich eine so einschneidende .Reform wie die vorsätzliche Abänderung der überlieferten Schristi Zeichen von Esra oder seinen Zeitgenossen vorgenommen worden wäre, diese in den Bücher:! Esra und Nehemia, in welchen so viele Details geschildert werden, hätte verzeichnet sein müpeu. Ferner 'wird die Stelle ans dem Buche Esther herangezogen: „Und an die 'Juden (schrieb Ahasverns) in ihrer S ch r i s t und ihrer Sprache." Hätten die Inden zu jener Zeit bereits die aramäischen Lchristzeichen -'gehabt, so hätten die Worte „in ihrer Lchrist" keinen Sinn. Tenn auch die Schristzeichen der Perser waren keine anderen als die ara- - maischen. Tie Perser bedienten sich nicht allein der aramäischen Sprache, die die internationale diplomatische Sprache des damaligen Orients war, in ihrer Korrespondenz selbst mit Aegypten, sondern adoptierten auch die aramäische Schrift für die perysche Sprache. ^Die Inschriften auf den Makkabäer- und selbst den Barkochba-Münzen Jnb in althebräischen Schristzeichen, woraus zu schliesteu wäre, das; noch ZU jener Zeit die althebräische Schrift dem Volle geläufiger war als die aramäische. t Auch ein Brief von Aristias vom Jahre 279 und eine Stelle im Origines werden ins Tressen geführt (Blau, A. Robinow it sch). Man dürste in der Annahme nicht fehl gehen, daß die hebräischen Schristzeichen den Kamps mit den aramäischen [länger ausgchalten haben als die hebrmsche Sprache. Wie sehr!sich aber das Aramäische. Lp rache wie Lchrist, inr Laufe der Jahrhunderte durchgesetzt und in das religiöse Leben cingedrnngen ist,! erweist schon der Umstand, daß bei so wichtigen Akten wie Eüeischließuug und Ehescheidung die Verträge nach religiöser Vorschrift ausschließlich honte noch in ata m a ischer Sprache und aramäischer Schrift geschrieben sein w.üpen. , Trotzdem die althebräische Schrift die hebräische Sprache, als -Volkssprache, um einige Jahrhunderte überlebt hat, gehört sie honte chmr noch, von den zwanzig SitmarUaiicrFamilini in Radliis abgesehen, der Archäologie an. Hingegen hat die hebräische Lproche, die Sprache der Bibel und Mischna, eine innere Lebenskraft bewahrt, die ein Wiederaufleben in Palästina ermöglicht bat. Tie Frage, warum und wieso die hebräische Sprache in Palästina wieder zur lebenden Sprache geworden ist, bedarf einer gesonderten Behandlung. TaZ Marzipan. In den henke noinlich vergessenen Giimicrimgen des (5 r a s c n "A d o l f Fried rr di v. L d: a d „Ein baidos Jaurbund.-rG, die aber immer noch zu den beücu Büchern zählen, die man losen lann, findet man folgende interessante Angabe: „Eine unschuldige Erinnerung an ihre frühere Elantw'ik haben die 'Juden in Toledo zurückgelassen. In ganz Eastilien ist der Araenüu'u .dieser Stadt berühmt, unö wirtlich wird dies Eoöäck, das in Italien und Frankreich nahezu unbekannt ist, hier trefflich boreilet. Ter Mainsche Name desfelben, NiaznU-an. erinnert an seinen jüdischen Ursprung. - und ich zweifle nickck. dcckz cr eine Erfindung der Inden van Toledo cki.- Das Mazzapan ist also nichts anderes als rnsz/.e pn»<!•:. Dies 'rnazzo ponis lebt übrigens in seiner jedenfalls ursprünglichen Gestalt heute noch. ck In Nord- und Ostdeutschland bereitet man zürn Peffackisest ein Mazw- Gebäck: saust große, in Fett gebackene Kuchen (El-arimrel'), die man mit rFrüchten oder Nlarmeladen füllt, aber auch in anderer Zubereitung mit 'Mandel und Zucker. Dicke leisierc Art ist jedenfalls Mazzapan, des heutigen Marzipan?. der Il'.svrnmg dos O. N. ' Zum pelsüchfest. - Von Rabbiner Dr. Lcwkowitz (Berlin). Das Pesiachsest ist mit dem geschichtlichen Leben des jüdischen Volkes so eng verbunden, daß es unmöglich erscheint, religiöse und nationale Gedanken ohne Gewaltsamkeit voneinander zu lösen. In harter Not, ans fremdem Boden ist einst das jüdische Volk entstanden, und wie das Pesiachsest die Erinnerung an diese Tatsache durch die Jahrtausende hindurch wach erhalten hat, so knüpft sich an dieses Fest auch die Hoffnung auf Israels nationale Zukunft. Wie mögen diese Hoffnung teilen oder nicht, den jüdischen Rationalismus an nehmen oder adlchnen, es ist in jedem Fälle unbestreitbar, daß das Pesiachsest in seiner überlieferten Form nicht nur religiösen, sondern auch nationalen Eharakter trägt. Was bedeutet es daun aber für uns deutsche Juden, die wir uns mit dem deutschen Volk und seiner Kultur verbunden wisset!? Jüdisches Volkstum und jüdischer Glaube sind gleichzeitig entstanden, und diese Verbindung blieb auch bestehen, n a ch d e m unsere Religion über d c n Kreis des jüdischen Volkes h i u a u sg e w a ch s en war. Ter prophetische Weltengott ist zugleich „die Hoffnung Israels" und sein Erlöser. Die Propheten empfinden demnach nicht kosmopolitisch, sondern fühlen sich als Söhne ihres Volkes, nur ist ihr Nationalgcfühl nicht blind und' kritiklos, sie niesten ihr Volk an der absoluten sittlichen Idee, und der S i e g d e r göttlichen Gerechtigkeit gilt ihnen mehr als die politische Selbständigkeit und das nationale Leben Israels/ Im Namen Gottes verkünden sie den Untergang ihres eigenen Volkes. In der Religion der Propheten besteht also eine gcwiste Spannung zwischen ihrem religiösen und nationalen Fühlen. Daß aber ein solcher Gegensatz möglich war, findet seine Erklärung darin, das; unsere Religion trotz aller Verbindung mit dem jüdischen Volkstum aus selbständiger und eigener Wurzel gewachsen ist. Das Schicksal des jüdischen Volkes hat nicht nur in Aegypten, sondern auch in späterer Zeit den religiösen Genius Israels geweckt, aber die religiösen Gedanken, die so ans Licht traten, besaßen ihr Recht und ihre Geltung nicht nur im Zusammenhang mit dem jüdischen Volksleben, seinen geschichtlichen Erinnerungen und seiner Zukunstshoffnung. Das Judentum als religiöses Phänomen ist seinem inner ft e ü Wese n nach nicht religiös gefärbtes Natronalgefühl, sondern eine Welt von eigene m W u ch s. Deshalb berauben wir das Pessachsest nicht seines bedeutendsten Gehalts und deuten es auch nicht gewaltsam um, wenn wir seinen E r l ö s it n Qy g c b a u f_e u für unser heutiges Leben nicht in jüdischnationalem Sinne ausfasten. Unsere Erlösungshoffnung enthält dasselbe, was,die Hagada mit den Worten ausspricht: „Ans der Knechtschaft zur Freiheit, ans dem Dunkel ins LichG. In der mannigfachen Not unseres jüdischen Lebens entzündet das Pesiachsest in unserer Seele das Licht der Hoffnung, es will uns die Gewißheit geben, daß der Weg des Lebens aus der Enge ins Weite führt. In einer Zeit, in der uns Juden politische Knechtschaft droht, will unser Fest uns die Ueberzeuguug scheuten, daß es für uns nicht unzerreißbare Fesielu gibt, solange wir die Kraft besitzen, für unsere Freiheit und unser Riecht zu kämpfen. Die Freiheit nuferes j ü d i s ch en Lebens i st aber nur dann m ö g l i ch, w e n u innerhalbdes deutschen Volkes Freiheit herrscht. Deshalb können wir den Kamps um die innerpolitische Gestaltung Deutschlands nicht als müßige Zuschauer betrachten, llwb nicht nur unser Politisches Interesie verlangt, daß wir die freiheitlichen Kräfte des deutschen Volles in ihrem harten Ringen mit den Mächten politischer und wirtschaftlicher Knechtung unterstützen. Das Politische Freiheitsstreben der deutschen Inden hat zwar seit langer Zeit seinen Zusammenhang mit dern religiösen Judentum verloren. Politik und Religion sind rivalisierende Kräfte geworden. Das religiöse Interesse beschränkt sich auf die rein religiösen Aufgaben, und die politisch interessierten Kreise der deutschen Judenyeit kümmern sich nicht un! die religiösen Fragen. Ir: beiden Lagern aber übersieht mau die Tatsache, daß das Ideal eines freiheitlich gestalteten Volkslebens ein jüdisch-religiöses Ideal ist. Das entstehende jüdische Volk konnte nur deshalb für sich das Recht nationaler Freiheit fordern, weil jedes einzelne Volk einen unzerstörbaren Anspruch aus ungehinderte Entfaltung seines Lebens und seiner lulturschöpferischen Kraft besitzt. Ter Kamps für die Freiheit des deutschen Volles ist also für uns nicht nur ein Kampf, den wir als Deutsche führen, wir b elfen vielmehr auch einen: jüdischen Ideal zun: Sieg. Politisches Freiheitsstreben imb religiöses Judentum müssen wieder ihren natürlichen Zusammenhang gewinnen. Unser politischer Kamps würde dadurch jene Entschiedenheit und Kraft erlangen, die eine starke religiöse Uebcrzengnng verleiht. Die Bedeutung des religiösen Judentums für unser heutiges Lebenaber würde auch denen zun: Bewußtsein kommen, die nicht wissen, daß sie für einen jüdischen Gedanken eint re ton. wenn sic für das I deal e i n e sfr e i c n d c it i s ch en V! retz l n m p j e n.

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